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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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Er horchte. Als der Mann mehrere Schritte gegangen war, ertönte die Frage:

„La légitimation?“

„Je meurs pour la patrie – ich sterbe für das Vaterland“, antwortete er.

„Avance – gehe weiter!“

Fritz blieb noch eine Weile liegen und beobachtete, daß alle Ankommenden schwarze Masken trugen. Es waren noch immer dieselben Worte, mit welchen sie angerufen wurden, und welche sie antworteten. Dann verschwanden sie im Hintergrund.

„Ach, wenn ich auch eine Larve hätte, so wäre alles gut. Es ist fast gewiß, daß die Maske gar nicht abgelegt wird, damit sich die Verschwörer untereinander nicht erkennen. Das würde mir meine vollständige Sicherheit garantieren. Aber, beim Teufel, ist es denn so ganz unmöglich, sich ein solches Ding zu verschaffen? Pah! Ich nehme einen dieser Kerls bei der Gurgel, dann habe ich ja sogleich das, was ich brauche.“

Gesagt, getan. Er erhob sich und huschte etwas weiter zurück, so daß er gerade in die Mitte zwischen dem Haupttor und dem Turm kam. Dort duckte er sich nieder und wartete. Bereits nach wenigen Augenblicken kam ein Mann. Fritz ließ ihn vorüber, erhob sich aber schnell hinter ihm, faßte ihn mit beiden Händen an der Gurgel und drückte dieselbe so fest zusammen, daß der Mann keinen Laut ausstoßen konnte. Er sank auf den Boden nieder und blieb da lang ausgestreckt liegen. Fritz faßte ihn an und trug ihn in die entfernteste Ecke. Dort untersuchte er ihn. Der Mann trug die gebräuchliche Bluse, welche mit einem Gürtel um die Hüften befestigt war. Fritz nahm den letzteren und zerschnitt ihn in drei lange Riemen, mit denen er die Arme und Beine des Mannes in der Weise fesselte, daß sich derselbe nicht regen konnte. Dann nahm er ihm die Maske vom Gesicht und steckte ihm sein eigenes Taschentuch in den Mund, so daß es jenem unmöglich war, um Hilfe zu rufen, falls er erwachte. Die Maske band der kühne Deutsche nun sich selbst vor und schritt dem Tor zu.

Er gestand sich selbst ein, daß er ein höchst gefährliches Wagstück unternehme, aber der mutige Unteroffizier bebte vor nichts zurück; es galt ja, dem Vaterland und seinem Rittmeister einen Dienst zu erweisen. Überdies hatten das Zusammentreffen und die Unterredung mit Nanon den jungen Mann in eine Art von Begeisterung versetzt. Sie hatte ihm gesagt, daß er befähigt sei, höhere Ziele zu erreichen. Diese Worte klangen ihm noch jetzt im Ohr, und, um sie zu bewahrheiten, mußte er Taten vollbringen; durch Träumereien erreicht man niemals einen Zweck.

Er trat beherzt in den Turm ein und schritt auf das Licht zu. Dort stand abermals ein Posten, welcher mit einem Gewehr bewaffnet war, ihm dasselbe entgegenhielt und fragte:

„La légitimation?“

„Je meurs pour la patrie – ich sterbe für das Vaterland“, antwortete Fritz. Und damit hatte er ja keine Unwahrheit gesagt, er bewies ja durch seine gegenwärtige Kühnheit, daß er bereit sei, für sein Vaterland das Leben zu wagen. Freilich war bei ihm unter Vaterland nicht Frankreich, sondern Deutschland zu verstehen.

„Avance – gehe weiter!“

Bei diesen Worten nahm der Posten sein Gewehr zurück und ließ Fritz passieren.

Dieser befand sich jetzt in einem engen Gang, der in gewissen Entfernungen von Lampen erleuchtet war und an einer Treppe endete, welche in die Tiefe führte. Fritz stieg hinab und gelangte durch einen ähnlichen Gang an eine Tür, welche nur angelehnt war. Er öffnete und befand sich in einem großen, unterirdischen Saal, in welchem sich bereits mehrere hundert Menschen aufhielten, welche alle maskiert waren. Der Raum war von mehreren großen Leuchtern ziemlich gut erhellt. An der hintersten Wand gab es eine Erhöhung, auf welcher mehrere Stühle standen.

Die Anwesenden verhielten sich vollständig schweigsam. Sie standen wortlos einer neben dem anderen und erwarteten bewegungslos, was da kommen werde.

Nach und nach trafen immer mehr ein, so daß sehr bald der Saal vollständig gefüllt war. Jetzt trat einer der Anwesenden zur Tür, zog einen riesigen Schlüssel hervor und verschloß sie. Beim Kreischen des alten Schlosses durchschauerte es den Deutschen. Es war ihm, als ob er sich in eine hoffnungslose Gefangenschaft begeben habe.

Kaum war der Eingang verschlossen, so ertönte eine Glocke, und im Hintergrund öffnete sich eine zweite Tür. Drei Männer traten herein und bestiegen die Erhöhung. Zwei von ihnen nahmen auf den Stühlen Platz, der dritte aber blieb stehen. Unter seiner schwarzen Halbmaske blickte ein großer, eisgrauer Schnurrbart hervor. Wer den alten Kapitän von Schloß Ortry nur ein einziges Mal gesehen hatte, der konnte gar nicht im Zweifel darüber sein, daß derselbe jetzt dort auf dem Podium stand.

Die Glocke ertönte abermals, und der Alte erhob die Hand, zum Zeichen, daß er sprechen wolle.

„Ich habe heute das Zeichen zur Versammlung gegeben“, begann er, „um euch zu sagen, daß endlich die Zeit gekommen ist, zur Tat zu schreiten. Diese Tat erfordert Vorübungen, und so habe ich den Entschluß gefaßt, euch die Waffen –“

Er hielt plötzlich inne und lauschte. Er und alle Anwesenden hatten drei rasche Schläge gehört, welche am vorderen Eingang geschahen. Die Schläge wiederholten sich und erzeugten sogleich eine außerordentliche Unruhe unter der Versammlung.

Der Posten, welcher am Haupteingange stand, hatte nämlich geglaubt, seiner Pflicht genügt zu haben, und sich, als seiner Meinung nach der letzte Mann eingetreten war, nach dem Hof begeben wollen, als noch einer erschien. Dieser wurde von ihm angeredet wie die anderen und gab die vorgeschriebene Antwort. Er mußte also eingelassen werden. Aber der Posten schüttelte den Kopf.

„Sollte ich mich verzählt haben?“ murmelte er. „Es ist einer zuviel eingetreten. Ich werde, um sicher zu sein, doch nach dem Turm gehen, mich zu erkundigen.“

Er trat in den Hof. Er war mißtrauisch geworden, und das Mißtrauen schärft unter solchen Umständen die Sinne. Er blieb stehen, um zu horchen, und da war es ihm, als ob er ein unterdrücktes, angstvolles Stöhnen vernehme.

„Was ist das?“ fragte er sich. „Das klingt ja geradeso, als ob einer ersticke oder abgewürgt werden solle. Die Töne kommen von dort herüber.“

Der Posten nahm sein Gewehr in Anschlag und schritt der Richtung entgegen, die er angegeben hatte. Er kam so in die dem Versammlungsturm gegenüberliegende Ecke. Das Stöhnen war, je näher er kam, immer vernehmlicher geworden, und nun sah er eine dunkle Masse vor sich liegen, welche diese Töne ausstieß. Er bückte sich vorsichtig nieder und erkannte, daß ein Mensch am Boden lag.

„Alle Teufel, wer ist das?“ fragte er.

Ein abermaliges Stöhnen antwortete. Es schien aus der Nase des Daliegenden zu kommen. Der Posten bückte sich nieder, um diesen zu betasten.

„Ah, gefesselt und geknebelt!“ sagte er. „ Warte einmal!“

Er zog dem Mann das Tuch aus dem Mund, welches nicht verhindert hatte, daß dieser durch die Nase wimmern konnte, und fragte ihn:

„Bist du ein Bruder?“

„Mein Gott, ja“, lautete die Antwort, „ein Verteidiger Frankreichs.“

„Das stimmt. Aber nun sage auch das Paßwort! Wie lautet die Legitimation?“

„Ich sterbe für Frankreich!“

„Richtig! Aber wie bist du denn, zum Teufel, in diese Lage gekommen?“

„Das werde ich dir erzählen; nur löse mir vorher die verdammten Fesseln!“

„Werde mich wohl hüten! Erst muß ich mich überzeugen, ob das angebracht ist.“

„Nun“, erzählte der andere, „ich war an dir vorüber und ging nach dem Turm; da faßte mich jemand von hinten und drückte mir den Hals so fest zusammen, daß ich die Besinnung verlor. Als ich wieder zu mir kam, lag ich gefesselt und geknebelt hier in der Ecke. Glücklicherweise konnte ich durch die Nase stöhnen. Du hast es gehört. Eile, um anzuzeigen, daß ein Verrat im Werke ist!“

„Donnerwetter, das genügt, um dich zu erlösen! Aber wo ist deine Maske?“

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