Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Das wird ein tüchtiger Bursch, ein tüchtiger Bursch!« sagte er manchmal.
»Hab doch ein Einsehen, Iwan Bogdanitsch«, klagte sie, »es vergeht kein Tag, ohne daß er mit einem blauen Fleck zurückkehrt, und neulich hat er sich die Nase blutig geschlagen.«
»Was wäre er denn für ein Kind, wenn er weder sich noch andern jemals die Nase zerschlagen hätte?« sagte der Vater lachend.
Die Mutter weint und weint, setzt sich dann ans Klavier und sucht in Herzschen Kompositionen Vergessenheit. Ihre Tränen tropfen eine nach der anderen auf die Tasten. Doch jetzt kommt Andrjuscha oder wird von anderen geführt; er beginnt so lebhaft, so lustig zu erzählen, daß er auch sie zum Lachen bringt, und außerdem ist er so verständig! Er wird den »Telemak« bald ebenso wie sie lesen und wird mit ihr vierhändig spielen.
Einmal verschwand er für eine ganze Woche; die Mutter weinte sich die Augen aus, der Vater aber blieb ruhig, ging im Garten herum und rauchte.
»Wenn Oblomows Sohn verschwunden wäre«, beantwortete er den Vorschlag der Frau, Andrej zu suchen, »würde ich das ganze Dorf und die Polizei auf die Beine gebracht haben, Andrej aber kommt wieder. O, er ist ein tüchtiger Bursch!«
Am nächsten Tage fand man Andrej ruhig schlafend in seinem Bette, und auf dem Fußboden lagen ein fremdes Gewehr und ein Pfund Pulver und Schrot.
»Wohin bist du verschwunden? Woher hast du das Gewehr genommen?« bestürmte ihn die Mutter mit Fragen. »Warum schweigst du denn?«
»So!« war die einzige Antwort.
Der Vater fragte, ob er die Übersetzung von Cornelius Nepos ins Deutsche fertig habe.
»Nein«, antwortete er.
Der Vater packte ihn mit der einen Hand beim Kragen, führte ihn zum Tore hinaus, setzte ihm seinen Hut auf und stieß ihn von rückwärts so mit dem Fuße, daß er ihn zum Fallen brachte.
»Geh zurück, woher du kamst«, fügte er hinzu, »und kehre mit der Übersetzung, jetzt nicht mehr von einem, sondern von zwei Kapiteln zurück, und lerne außerdem für die Mutter die Rolle aus der französischen Komödie, die sie dir aufgegeben hat; ohne alles das darfst du dich nicht wieder zeigen!«
Andrej kam in einer Woche zurück, brachte die Übersetzung mit und konnte die Rolle.
Als er größer wurde, setzte ihn der Vater zu sich auf seinen kleinen Wagen, gab ihm die Leine und befahl ihm, in die Fabrik, dann in die Felder, in die Stadt zu den Kaufleuten und zu den Amtsgebäuden zu fahren, oder er gab ihm irgendeinen Lehm zu riechen, den er auf den Finger streute, roch, manchmal leckte und auch den Sohn riechen ließ, und dabei erklärte er ihm, was für eine Sorte es sei und wozu man sie verwenden könne. Oder sie gingen sich ansehen, wie Pottasche oder Teer gewonnen und wie Schmalz zerlassen wird. Mit vierzehn, fünfzehn Jahren begab sich der Knabe oft allein zu Wagen oder zu Pferd, mit einer Tasche am Sattel, im Auftrage des Vaters in die Stadt, und es kam nie vor, daß er irgend etwas vergaß, anders ausrichtete, übersah oder einen Fehler beging. »Recht gut, mein lieber Junge!« sagte der Vater, nachdem er seinen Bericht angehört hatte, und gab ihm, ihn mit der breiten Handfläche auf die Schulter klopfend, zwei, drei Rubel, je nach der Wichtigkeit des Auftrages. Die Mutter wusch dann lange den Ruß, den Schmutz, den Lehm und das Schmalz von Andrjuscha herunter.
Sie war mit dieser praktischen Erziehung zur Arbeit nicht ganz einverstanden. Sie fürchtete, ihr Sohn würde ein ebensolcher deutscher Bürger werden wie die, von denen sein Vater abstammte. Sie sah die ganze deutsche Nation für einen Haufen von Kleinbürgern an und liebte nicht die Grobheit, Selbständigkeit und den Hochmut, mit denen die deutsche Menge überall ihre durch ein Jahrtausend ausgearbeiteten Bürgerrechte vorzeigte, ebenso wie eine Kuh Hörner trägt, die sie nicht rechtzeitig zu verstecken weiß. Ihrer Ansicht nach gab es in der ganzen deutschen Nation keinen einzigen Gentleman und konnte es auch keinen geben. Sie kannte im deutschen Charakter keine Weichheit, kein Zartgefühl und keine Nachsicht, nichts, was das Leben in besseren Kreisen so angenehm macht, womit man irgendeine Regel umgehen, eine herrschende Sitte aufheben und sich dem allgemeinen Gesetze widersetzen kann. Nein, diese Flegel stürmen auf einen los und berufen sich darauf, was sie einmal abgemacht und was sie sich in den Kopf gesetzt haben, und sind bereit, die Mauer mit dem Kopfe einzurennen, um nur nach ihren Regeln zu handeln. Sie hatte in einem reichen Hause als Erzieherin gelebt und Gelegenheit gehabt, im Auslande zu sein und ganz Deutschland zu durchreisen; sie reihte alle Deutschen in ein Heer von Kommis, Handwerkern, Kaufleuten, kerzengeraden Offizieren mit Soldatengesichtern und Beamten mit Alltagsgesichtern ein, die alle kurze Pfeifen rauchten und durch die Zähne ausspuckten, die nur für schwere Arbeit, für mühsamen Gelderwerb, für die schablonenhafte Ordnung, für die langweilige Regelmäßigkeit des Lebens und die pedantische Erfüllung der Pflichten taugten; all diese Bürger mit den eckigen Manieren, mit den großen, groben Händen, mit der vulgären Frische des Gesichtes und mit der groben Rede. Wie man den Deutschen auch aufputzen mag, dachte sie, - was für ein feines und weißes Hemd er auch anzieht: wenn er Lackschuhe und sogar gelbe Handschuhe trägt, scheint er doch aus Schusterleder geschnitten zu sein; aus den weißen Manschetten schauen immer die rauhen und rötlichen Hände hervor, und in dem eleganten Anzuge steckt, wenn nicht ein Bäcker, so doch zumindest ein Büfettier. Diese rauhen Hände scheinen nach einem Pfriemen oder höchstens nach einem Bogen im Orchester zu verlangen. Und ihr schwebt für ihren Sohn das Ideal eines Aristokraten vor; obwohl er ein Parvenü, der Abkömmling eines Bürgers ist, ist er doch auch der Sohn einer russischen Edelfrau und ist ein weißer, wunderschön gebauter Knabe, mit so kleinen Händen und Füßen, mit reinem Teint, mit einem klaren, klugen Blicke, wie sie es in reichen, russischen Häusern und auch im Auslande, aber natürlich nicht bei Deutschen, gesehen hat. Und plötzlich sollte er fast selbst Mühlsteine drehen, von den Fabriken und Feldern, ebenso wie sein Vater, voller Fett und Dünger, mit roten, schmutzigen, schwieligen Händen und einem Wolfshunger zurückkehren! Sie schnitt Andrjuscha schnell die Nägel, brannte ihm die Locken, nähte ihm elegante Kragen und Vorhemden, bestellte für ihn in der Stadt Röcke, lehrte ihn, den sinnenden Tönen von Herz zu lauschen, sang ihm von Blumen, von der Poesie des Lebens, flüsterte ihm von einer glänzenden Laufbahn bald eines Kriegers, bald eines Schriftstellers zu, träumte mit ihm von dem hohen Beruf, der manchem zuteil wird ... Und diese ganze Perspektive sollte durch das Klappern des Rechenbrettes, durch das Entziffern der schmierigen Bauernrechnungen, durch den Umgang mit Fabrikarbeitern zerstört werden! Sie begann sogar den Wagen, in dem Andrjuscha in die Stadt fuhr, den Gummimantel, den der Vater ihm geschenkt hatte, und die grünen Handschuhe aus rauhem Leder zu hassen - alle diese groben Attribute eines der Arbeit gewidmeten Lebens. Unglücklicherweise lernte Andrjuscha vorzüglich, und der Vater machte ihn zum Hilfslehrer in seinem kleinen Pensionat. Das wäre noch das wenigste gewesen; aber er setzte ihm, wie einem Handwerksburschen, nach echt deutscher Art ein Gehalt fest: er bekam zehn Rubel monatlich und mußte das durch seine Unterschrift bestätigen.
Tröste dich, gute Mutter, dein Sohn ist auf russischem Boden aufgewachsen - nicht in der Alltagsmenge mit bürgerlichen Kuhhörnern, mit Mühlsteine bewegenden Händen. In der Nähe war Oblomowka. Dort war ein ewiger Feiertag! Dort wurde die Arbeit wie ein Joch von den Schultern abgeschüttelt; dort stand der gnädige Herr nicht beim Morgengrauen auf und ging nicht in die Fabriken an den mit Fett beschmierten Rädern und Federn vorbei. Und in Werchljowo selbst stand ein den größten Teil des Jahres geschlossenes, leeres Haus, doch der lebhafte Knabe ging oft hinein und sah dort lange Säle, Galerien und an den Wänden dunkle Porträte, auf denen keine vulgäre Frische und keine großen, rauhen Hände abgebildet waren, er sah dunkelblaue Augen, gepudertes Haar, verzärtelte weiße Gesichter, volle Busen, zarte, blaugeäderte Hände in flatternden Manschetten, die stolz auf dem Griff des Degens ruhten; er sah eine Reihe von Geschlechtern, die in Brokat, Sammet und Spitzen, in edlem Nichtstun und in Wohlleben einander abgelöst hatten. Er studierte in diesen Gesichtern die Geschichte der ruhmvollen Zeiten, die Schlachten und Namen; er las darin von den alten Zeiten, aber ganz anders, als der Vater ihm, die Pfeife rauchend und spuckend, hundertmal vom Leben in Sachsen zwischen Rüben und Kartoffeln, zwischen Markt und Gemüsegarten erzählt hatte.