Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Er ist wohl so wie meine Gnädige!« bemerkte sie seufzend.
»Wie ist's, Tatjana Iwanowna, fährt sie heute irgendwohin«, fragte der Kutscher, »ich hätte hier in der Nähe einen Gang zu machen!«
»Wo denken Sie hin!« antwortete Tatjana, »sie sitzt mit ihrem Herzallerliebsten, und die beiden können sich aneinander nicht satt sehen.«
»Er kommt oft zu euch«, sagte der Hausbesorger, »ich habe ihn in den Nächten satt gekriegt, zum Kuckuck. Alle sind schon fortgegangen oder zurückgekehrt, und er kommt zuletzt und schimpft noch, weil das Hauptportal gesperrt ist ... Soll ich denn hier für ihn Wache stehen!«
»So einen Dummkopf müßte man suchen, Bruder!« sagte Tatjana. »Was er ihr alles schenkt! Sie putzt sich wie ein Pfau auf und geht mit so wichtiger Miene herum, wenn aber jemand sehen könnte, was für Unterröcke und für Strümpfe sie trägt, wär's eine Schande! Sie wäscht sich zwei Wochen lang nicht den Hals und malt sich das Gesicht an ... manchmal sündigt man und denkt: Ach, du Arme! Du solltest ein Tuch um den Kopf binden und ins Kloster zum Beten pilgern ...«
Alle außer Sachar lachten.
»Ja, Tatjana Iwanowna zielt nicht vorbei!« sagten beifällige Stimmen.
»Aber wirklich!« fuhr Tatjana fort. »Wieso lassen die Herrschaften so eine nur zu sich? ...«
»Wohin gehen Sie?« fragte sie jemand, »was haben Sie da für ein Bündel?«
»Ich trage ein Kleid zur Schneiderin; meine Modedame schickt mich hin. Es soll ihr zu weit sein! Und wenn ich mit Dunjascha sie einschnüre, können wir dann drei Tage lang nichts mit den Händen tun. Man bricht sie sich fast ab! Nun, es ist Zeit für mich. Lebt unterdessen wohl!«
»Leben Sie wohl! Leben Sie wohl!« sagten einige.
»Leben Sie wohl, Tatjana Iwanowna«, sagte der Kutscher. »Kommen Sie heute abend? ...«
»Ich weiß nicht; vielleicht komme ich, aber auch nicht ... Leben Sie wohl!«
»Leben Sie wohl!« sagten alle.
»Lebt wohl ... laßt's euch gut gehen!« antwortete sie im Gehen.
»Leben Sie wohl, Tatjana Iwanowna!« rief der Kutscher ihr nochmals nach.
»Leben Sie wohl!« antwortete sie laut aus der Ferne.
Als sie fort war, schien Sachar darauf zu warten, daß die Reihe zu erzählen an ihn kam. Er setzte sich auf den gußeisernen Pfeiler am Haustor und begann mit den Beinen zu baumeln, indem er die Vorübergehenden und Vorüberfahrenden düster und zerstreut betrachtete.
»Nun, was ist heute mit dem Ihrigen, Sachar Trofimitsch?« fragte der Hausbesorger.
»Wie immer; er wird vor lauter Fett verrückt«, sagte Sachar, »und alles deinetwegen, ich hab' durch deine Schuld nicht wenig zu ertragen gehabt; alles der Wohnung wegen! Er ist böse, er will nicht ausziehen ...«
»Ist denn das meine Schuld?« sagte der Hausbesorger, »meinetwegen könnt ihr bis an euer Ende hier leben; bin ich denn der Hausherr? Man hat mir's befohlen ... Ja, wenn ich der Hausherr wäre, aber das bin ich doch nicht ...«
»Was macht er denn, schimpft er?« fragte irgendein Kutscher.
»Er schimpfte so, daß ich mich wundere, wie ich die Kraft habe, es zu ertragen!«
»Das macht nichts! Das ist ein guter Herr, der immer schimpft«, sagte ein Lakai, indem er langsam eine runde, knarrende Tabatiere öffnete; alle Hände, außer denen von Sachar, streckten sich zum Tabak hin. Es begann ein allgemeines Schnupfen, Niesen und Spucken.
»Es ist besser, daß er schimpft«, fuhr der Lakai fort, »je mehr er schimpft, desto besser ist es. Wenn er schimpft, schlägt er wenigstens nicht. Ich habe bei einem Herrn gedient, der hat einen gleich bei den Haaren gepackt, bevor man noch wußte, wofür.«
Sachar wartete verächtlich ab, bis er fertig war, und sprach, sich an den Kutscher wendend, weiter:
»Einen Menschen um nichts und wieder nichts zu beschämen«, sagte er, »das ist für ihn das wenigste!«
»Er ist wohl launisch?« fragte der Hausbesorger.
»Und ob!« krächzte Sachar mit Nachdruck und kniff die Augen zu. »Er ist so launisch, daß es das reinste Unglück ist! Das ist ihm nicht recht und jenes auch nicht, man versteht weder zu gehen noch zu reichen, man zerbricht alles, man räumt nicht auf, stiehlt und nascht ... Pfui, daß dich! ... Was er alles gesprochen hat, es war eine Schande zuzuhören! Und weswegen? Es ist noch von der vorigen Woche ein Stückchen Käse zurückgeblieben - es wäre eine Schande, es einem Hund zuzuwerfen -, aber nein, es soll dem Diener um Gottes willen nicht einfallen, es aufzuessen! Er hat danach gefragt - ›es ist nicht da‹, sag' ich, und da geht es los: ›Man muß dich aufhängen‹, sagt er, ›man muß dich in heißem Pech sieden lassen und mit glühenden Zangen zwicken; man muß in dich einen Espenpfahl hineinjagen!‹ sagt er. Und kommt immer näher auf mich zu ... Was glaubt ihr, Brüder, daß neulich geschehen ist? Ich hab' ihm, ich weiß nicht wie - den Fuß verbrüht, da hat er aber gebrüllt! Wenn ich nicht zurückgesprungen wäre, hätte er mich mit der Faust in die Brust gestoßen ... er hat's immer probiert, er hätte mich sicher gestoßen ...«
Der Kutscher schüttelte den Kopf, und der Hausbesorger sagte: »Ist das aber ein strenger Herr, er läßt niemandem etwas hingehen!«
»Nun, wenn er noch schimpft, ist er ein guter Herr!« sagte immer derselbe Lakai phlegmatisch, »einer, der nicht schimpft, ist schlimmer; er schaut nur und faßt einen plötzlich bei den Haaren, bevor man noch darauf gekommen ist, wofür.«
»Dafür ist sein Fuß bis jetzt noch nicht verheilt«, sagte Sachar, ohne die Worte des ihn unterbrechenden Lakaien wieder irgendwie zu beachten, »er schmiert ihn immer noch mit einer Salbe ein; es geschieht ihm schon recht!«
»Ja, das ist ein Herr mit Charakter!« sagte der Hausbesorger.
»Gott schütze uns vor solchen!« fuhr Sachar fort, »er wird noch einmal einen Menschen umbringen; bei Gott, er bringt einen um! Und eines jeden Unsinns wegen schimpft er gleich ›Kahlköpfiger‹ - ich will nicht zu Ende reden. Und heute hat er sich was Neues ausgedacht; er nennt mich ›giftig‹! Wie die Zunge so was nur aussprechen kann! ...«
»Was macht denn das?« sprach immer derselbe Lakai, »Gott sei Dank, daß er schimpft, Gott soll so einem Gesundheit schenken ... Wenn der Herr aber schweigt, dann schaut er einen immer an, wenn man vorübergeht, und stürzt sich plötzlich auf den Diener, so wie es der gemacht hat, bei dem ich gedient habe. Wenn er aber schimpft, dann schadet es nichts ...«
»Es ist dir schon recht geschehen«, bemerkte Sachar, sich über die ungebetenen Entgegnungen ärgernd, »ich hätte es dir noch ganz anders gezeigt!«
»Was meint er denn, wenn er ›Kahlköpfiger‹ schimpft, Sachar Trofimitsch?« fragte ein fünfzehnjähriger Laufbursche, »vielleicht ›Teufel‹?«
Sachar wandte ihm langsam den Kopf zu und ließ seinen trüben Blick auf ihm haften.
»Wart nur!« sagte er dann boshaft, »du bist noch jung, Bruder, und dabei sehr naseweis! Ich mach' mir nichts daraus, daß du beim General dienst. Ich packe dich gleich bei den Haaren! Marsch auf deinen Platz!«
Der Laufbursche trat zwei Schritte zurück, blieb stehen und blickte die Schar lächelnd an.
»Was zeigst du die Zähne?« krächzte Sachar wütend, »wart, wenn ich dich erwische, werde ich dir deine Ohren schon zurechtsetzen; da wirst du nicht mehr grinsen!«
Jetzt lief aus dem Portal ein ungewöhnlich großer Lakai in einem Livreefrack mit Tressen und in Gamaschen heraus. Er kam auf den Laufburschen zu, verabfolgte ihm zuerst eine Ohrfeige und nannte ihn dann einen Dummkopf.
»Was haben Sie, Matwej Mosseitsch, wofür denn?« sagte der verblüffte und verlegene Laufbursche, indem er sich die Wange hielt und krampfhaft blinzelte.
»Was! Du frägst noch?« antwortete der Lakai, »ich suche dich im ganzen Hause, und du bist hier!«