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Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
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Er fühlte, auch während er sich hinreißen ließ, den Boden unter den Füßen und hatte so viel Kraft in sich, um sich im Falle der Übertreibung loszureißen und freizumachen. Er ließ sich durch die Schönheit nicht blenden, vergaß darum nicht seine männliche Würde und erniedrigte sich nicht, er wurde nicht zum Sklaven, lag nicht zu den Füßen der Schönen, wenn er auch keine feurigen Freuden kennenlernte. Er machte sich keine Götzen, erhielt sich aber dafür die Kraft der Seele und des Körpers und war keusch und stolz; ihm entströmte so viel Frische und Gesundheit, daß auch die dreisten Frauen verwirrt wurden. Er kannte den Wert dieser seltenen und kostbaren Eigenschaften und verbrauchte sie so geizig, daß man ihn egoistisch und gefühllos nannte. Man rügte seine Zurückhaltung, seine Kunst, die Grenzen des natürlichen, freien Geisteszustandes einzuhalten, und rechtfertigte dabei manchmal voll Neid und Bewunderung einen andern, der sich in vollem Laufe in den Kot stürzte und sowohl seine eigene als auch eine fremde Existenz zerstörte. »Die Leidenschaften rechtfertigen alles«, sagte man um ihn herum, »und Sie schonen in Ihrem Egoismus nur sich selbst; wir wollen sehen, für wen.« - »Für irgendwen am Ufer«, sagte er nachdenklich, als blickte er in die Ferne und glaubte wie bisher nicht an die Poesie der Leidenschaften, bewunderte nicht ihre stürmischen Äußerungen und zerstörenden Spuren, sondern wollte immer das Ideal des Seins und der menschlichen Bestrebungen im strengen Verständnis und Gestalten des Lebens sehen. Und je mehr man seine Ansichten bestritt, desto tiefer gab er sich seiner Hartnäckigkeit hin und geriet sogar, wenigstens während der Debatten, in einen puritanischen Fanatismus hinein. Er sagte, es sei die normale Bestimmung des Menschen, die vier Jahreszeiten, das heißt die vier Stufen des Alterns, ohne Sprünge zu verleben, das Gefäß des Lebens zum letzten Tag hinzutragen, ohne auch nur einen einzigen Tropfen nutzlos verschüttet zu haben, und daß das gleichmäßige, langsame Brennen des Feuers der stürmischen Feuersbrunst, wie poetisch sie auch sein mochte, vorzuziehen sei. Zum Schlusse fügte er hinzu, daß er glücklich wäre, wenn er seine Überzeugung an sich bewahrheiten könnte, daß er es aber nicht zu erreichen fürchte, weil es sehr schwer wäre; daß die Menschen überhaupt zu sehr verdorben wären und daß es noch keine wahre Erziehung gäbe. Und dabei verfolgte er immer beharrlich den von ihm erwählten Weg. Man sah niemals, daß er über etwas krankhaft und qualvoll grübelte; an ihm schienen keine Gewissensbisse des ermüdeten Herzens zu nagen; er krankte nicht an der Seele, verlor niemals in verwickelten, schwierigen oder neuen Verhältnissen den Kopf, sondern trat an dieselben wie an gute Bekannte heran, als lebe er zum zweiten Male und gehe durch eine bekannte Gegend. Worauf er auch stoßen mochte, er fand gleich die entsprechende Verhaltungsmaßregel heraus, wie eine Wirtschafterin aus der Menge der an ihrem Gurt hängenden Schlüssel auf den ersten Griff gerade denjenigen herausfindet, der zu der einen oder anderen Tür paßt. Er achtete die Beharrlichkeit im Erreichen eines Zieles als das Höchste; das war in seinen Augen ein Zeichen von Charakter, und er versagte Menschen mit dieser Eigenschaft niemals seine Achtung, wie gering ihre Ziele auch sein mochten. »Das sind Menschen«, sagte er. Man braucht nicht hinzuzufügen, daß er kühn alle Hindernisse nahm, wenn er seinem Ziele entgegenschritt, und dasselbe erst dann aufgab, wenn auf seinem Wege eine Mauer emporragte oder sich ein unüberbrückbarer Abgrund auftat. Er war aber unfähig, sich mit jener Kühnheit zu bewaffnen, die mit geschlossenen Augen über einen Abgrund setzt oder auf gut Glück auf eine Mauer losstürzt. Er mißt den Abgrund oder die Mauer aus, und wenn er kein sicheres Mittel, sie zu bewältigen, weiß, wendet er sich ab, was man dazu auch sagen mag.

Um einen solchen komplizierten Charakter zu bilden, waren vielleicht gerade solche gemischte Elemente nötig, wie sie Stolz gebildet hatten. Unsere aktiven Menschen wurden von jeher gleichsam in fünf, sechs stereotype Formen gegossen, sie blickten träge, mit einem halben Auge um sich, legten an die soziale Maschine ihre Hand und schoben sie schläfrig im selben Geleise weiter, indem sie in die Fußstapfen ihrer Vorgänger traten. Doch jetzt öffneten sich die Augen, man hörte feste, große Tritte und lebendige Stimmen ... Wieviel Stolze müssen noch unter russischem Namen erscheinen?

Wie konnte ein solcher Mensch Oblomow nahestehen, bei dem jeder Zug, jeder Schritt, die ganze Existenz ein Protest gegen das Leben von Stolz war? Es ist wohl schon eine zugegebene Tatsache, daß die ausgesprochene Entgegengesetztheit der Naturen, wenn nicht der Anlaß einer Sympathie, wie man früher glaubte, so doch kein Hindernis für eine solche bildet.

Dabei verband sie die Kindheit und die Schule - zwei starke Federn; außerdem kamen noch die in der Familie Oblomow dem deutschen Knaben freigebig entgegengebrachten herzlichen russischen Liebkosungen hinzu und die Rolle des Starken, die Stolz Oblomow gegenüber in physischer und geistiger Beziehung vertrat; aber am wichtigsten war endlich der reine, lichte und gute Keim in Oblomows Natur, der allem gegenüber, was gut war und was sich dem Ruf seines einfachen, ungekünstelten, stets vertrauenden Herzens eröffnete, tiefe Sympathie entgegenbrachte. Wer nur zufällig oder absichtlich in diese lichte, kindliche Seele hineinblickte, konnte, so düster und boshaft er auch sein mochte, ihm nicht seine Gegenliebe oder wenigstens ein gutes, bleibendes Angedenken versagen.

Andrej riß sich oft von seinen Geschäften oder von der Gesellschaft, von einem Abend oder Ball los und fuhr zu Oblomow hin, um auf dessen breitem Sofa zu sitzen und in einer trägen Unterhaltung die erregte oder ermüdete Seele zu beruhigen, und es kam über ihn immer jenes besänftigende Gefühl, welches man empfindet, wenn man aus reichgeschmückten Sälen in die eigene bescheidene Häuslichkeit kommt oder von den Schönheiten der südlichen Natur in den Birkenhain zurückkehrt, in dem man als Kind einst spazierengegangen war.

Drittes Kapitel

»Guten Tag, Ilja! Wie freue ich mich, dich zu sehen! Nun, wie geht's dir? Gut?« fragte Stolz.

»O nein, mir geht's schlecht, Bruder Andrej«, sagte Oblomow seufzend. »Auch in der Gesundheit.«

»Bist du denn krank?« fragte Stolz besorgt.

»Die Gerstenkörner quälen mich so; erst vorige Woche ist eins vom rechten Auge herunter und jetzt kommt wieder ein anderes.«

Stolz lachte.

»Nur das?« fragte er. »Das hast du vom vielen Schlafen.«

»Es ist aber nicht ›nur‹ das; ich leide so an Sodbrennen. Du solltest hören, was der Doktor vor kurzem gesagt hat. ›Gehen Sie ins Ausland‹, sagt er, ›sonst kann es schlecht enden. Sie bekommen einen Schlagfluß.‹ «

»Nun, was tust du?«

»Ich fahre nicht hin.«

»Warum denn nicht?«

»Aber ich bitte dich! Höre nur, was er mir alles gesagt hat: Ich soll auf irgendeinem Berg wohnen und nach Ägypten oder nach Amerika reisen ...«

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