Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Die Oblomows sahen das alles und begriffen den Vorteil der Bildung, doch nur diesen augenscheinlichen Vorteil. Von dem inneren Bedürfnis, zu lernen, hatten sie noch einen sehr vagen und unbestimmten Begriff, und darum wollten sie für ihren Iljuscha einige glänzende Vorrechte erhaschen. Sie träumten von einer gestickten Uniform für ihn, stellten sich ihn als Bureauchef vor, und die Mutter verstieg sich sogar bis zum Gouverneur; doch sie wollten das alles irgendwie mit billigen Mitteln, mit allerlei Kniffen erreichen, die auf dem Wege zur Bildung und den Ehren verstreuten Steine und Hindernisse heimlich umgehen, ohne sich die Mühe zu geben, darüber zu springen, das heißt, sie wollten ihn nur soviel lernen lassen, daß weder die Seele noch der Körper erschöpft und die gesegnete, in der Kindheit erworbene Fülle verloren werde, bloß um die vorgeschriebene Form einzuhalten und irgendwie ein Zeugnis zu erlangen, in dem es heißen sollte, daß Iljuscha sich alle Wissenschaften und Fertigkeiten angeeignet habe.
Dieses ganze Oblomower Erziehungssystem fand in der Stolzschen Methode eine starke Opposition. Der Kampf war beiderseits sehr hartnäckig. Stolz traf seine Gegner offen, geradeaus und beharrlich, und sie wichen den Schlägen durch die erwähnten und durch andere Schliche aus. Der Sieg wurde nie entschieden. Die deutsche Beharrlichkeit hätte vielleicht über den Eigensinn und die Verstocktheit der Oblomower gesiegt, doch der Deutsche stieß in seinem eigenen Hause auf Schwierigkeiten, und das Schicksal wollte es, daß der Sieg sich weder auf die eine noch auf die andere Seite hin neigte. Es handelte sich nämlich darum, daß der Sohn von Stolz Oblomow verwöhnte, indem er ihm die Aufgaben vorsagte oder für ihn übersetzte.
Ilja Iljitsch sieht deutlich seine Lebensweise zu Hause und bei Stolz vor sich. Sowie er zu Hause erwacht, steht schon Sacharka, später sein berühmter Kammerdiener Sachar Trofimitsch, vor seinem Bett.
Sachar zieht ihm, wie es zuvor die Kinderfrau getan hatte, die Strümpfe und Schuhe an, und Iljuscha, schon ein vierzehnjähriger Knabe, tut nichts, als ihm bald den einen, bald den anderen Fuß hinstrecken; und sowie ihm irgend etwas nicht paßt, versetzt er Sacharka mit dem Fuß einen Stoß auf die Nase. Wenn der unzufriedene Sacharka sich darüber zu beklagen wagte, bekam er auch noch von den Erwachsenen Prügel. Dann kämmt ihn Sacharka, zieht ihm den Rock an, indem er Ilja Iljitschs Hände vorsichtig in die Ärmel steckt, um ihn nicht zu sehr anzustrengen, und erinnert den jungen Herrn daran, daß er das eine oder andere tun muß; zum Beispiel daß man sich des Morgens beim Aufstehen wäscht usw.
Wenn Ilja Iljitsch etwas wünscht, braucht er nur zu blinzeln - und drei, vier Diener stürzen hin, um seinen Wunsch zu erfüllen; wenn er etwas fallen läßt, wenn man etwas herunterreichen oder hinlaufen und etwas bringen soll, hat er als ein lebhafter Knabe Lust, sich darüber herzustürzen und alles selbst zu tun, aber der Vater, die Mutter und die drei Tanten schreien fünfstimmig auf:
»Wohin? Wozu? Und wozu sind der Wassjka, der Wanjka und der Sacharka da? He! Wassjka! Wanjka! Sacharka! Wo schaut ihr hin, ihr Tagediebe? Wartet nur! ...«
Und es gelingt Ilja Iljitsch nicht, irgend etwas selbst zu tun. Später fand er, daß es auch so viel bequemer sei, und lernte selbst zu befehlen: »He, Wassjka! Wanjka! Gib das, gib jenes! Ich will das nicht, ich will etwas anderes! Lauf hin und hol's!«
Manchmal wurde ihm die zärtliche Besorgtheit der Eltern lästig. Wenn er über die Stiege oder über den Hof läuft, ertönen plötzlich zehn verzweifelte Stimmen hinter ihm: »Ach, ach! Reicht ihm die Hand, haltet ihn auf! Er fällt, er zerschlägt sich ... Halt, halt!«
Wenn er im Winter ins Vorhaus hinausläuft oder das Fenster öffnet - wird wieder gerufen: »Ach, wohin? Das darf man nicht! Lauf nicht, geh nicht, öffne nicht; du wirst dich anstoßen und erkälten ...« Und Iljuscha blieb traurig zu Hause, wie eine exotische Blume in einem Glashause gehegt und gepflegt, und wuchs ebenso wie diese unter Glas langsam und träge. Die nach Betätigung strebenden Kräfte wandten sich nach innen hin und welkten.
Und manchmal erwachte er so kräftig, frisch und lustig; er fühlte, daß in ihm etwas wogte und flammte, als hätte sich irgendein Kobold in ihm eingenistet, der ihn immer reizte, bald auf das Dach zu klettern oder auf den Braunen zu steigen und in die Wiesen zu reiten, wo das Gras gemäht wurde, bald sich rittlings auf den Zaun zu setzen oder die Dorfhunde zu necken; oder ihn ergriff plötzlich der Wunsch, durch das Dorf zu rennen, dann ins Feld und durch den Hohlweg in den Birkenhain zu gelangen und sich in drei Sätzen auf den Grund des Grabens zu stürzen oder mit den Dorfjungen Schneeball zu spielen und seine Kräfte zu prüfen. Der Kobold stachelt ihn auf; er sucht sich zu bezähmen, doch endlich erträgt er es nicht mehr und springt plötzlich im Winter ohne Hut von der Stiege in den Hof hinab, von dort aus läuft er durchs Tor, faßt in jede Hand einen Schneeklumpen und eilt dem Haufen der Kinder entgegen. Der frische Wind schneidet ihm ins Gesicht, der Frost zwickt ihn in die Ohren, die Kälte dringt ihm in den Mund und in den Hals ein, und die Brust ist von Freude erfüllt, er rennt mit plötzlicher Beweglichkeit, quietscht und lacht. Er hat die Dorfjungen schon erreicht; er schleudert den Schnee auf sie - vorbei; er hat keine Übung; er wollte gerade einen anderen Schneeball werfen, als ihm ein ganzer Schneeblock das Gesicht bedeckt hat, er fällt; es schmerzt ihn, weil es ihm ungewohnt ist, aber es ist ihm fröhlich zumut, er lacht und hat Tränen in den Augen ... Und im Hause wird gejammert. Iljuscha ist fort. Es wird geschrien und gelärmt. Sacharka stürzt auf den Hof hinaus, ihm folgen Wassjka, Mitjka, Wanjka - sie laufen alle bestürzt auf dem Hof herum. Ihnen rennen, sie bei den Fersen packend, zwei Hunde nach, welche bekanntlich einen Menschen nicht gleichgültig laufen sehen können. Die Burschen stürzen schreiend und stöhnend und die Hunde bellend durch das Dorf hin. Endlich stoßen sie aufeinander und beginnen Gericht zu halten. Der eine wird bei den Haaren gepackt, der andere bei den Ohren, es werden Hiebe ausgeteilt; man droht auch ihren Vätern! Dann bemächtigt man sich des jungen Herrn, wickelt ihn in den mitgebrachten Schafpelz, dann in den Rock des Vaters und in zwei Decken ein und bringt ihn feierlich nach Hause. Zu Hause hatte man schon die Hoffnung verloren, ihn zu sehen, da man ihn für verloren hielt; doch als die Eltern ihn lebend und unversehrt erblicken, ist ihre Freude unbeschreiblich. Man dankte Gott, gab ihm Pfefferminz-, dann Holunder- und abends Himbeertee zu trinken und hielt ihn drei Tage lang im Bett, während ihm nur eines hätte nützen können: wieder Schneeball zu spielen ...
Zehntes Kapitel
Sowie Ilja Iljitschs Schnarchen Sachars Ohr erreicht hatte, sprang er vorsichtig ohne Lärm von der Ofenbank herab, ging auf den Fußspitzen ins Vorhaus, schloß den Herrn ein und begab sich zum Haustor hin.
»Ah, Sachar Trofimitsch, willkommen! Man sieht Sie so lange nicht mehr!« sagten die Kutscher, Lakaien, Frauen und Kinder am Haustor.
»Was ist denn mit dem Ihrigen? Ist er fortgegangen?« fragte der Hausbesorger.
»Er schnarcht«, sagte Sachar düster.
»Wieso denn?« fragte der Kutscher, »ich glaube, um diese Zeit ist es ja noch zu früh ... ist er krank?«
»Aber gar keine Spur! Er ist besoffen!« sagte Sachar mit einer solchen Stimme, als wäre er auch selbst davon überzeugt. »Werden Sie es glauben? Er hat allein anderthalb Flaschen Madeira und zwei Seidel Kwaß getrunken, und jetzt liegt er da.«
»Ach ja!« sagte der Kutscher voller Neid.
»Was ist denn heute mit ihm geschehen?« fragte eine von den Frauen.
»Nein, Tatjana Iwanowna«, antwortete Sachar, nachdem er ihr einen seiner einseitigen Blicke zugeworfen hatte, »das ist nicht nur heute; er taugt überhaupt gar nichts mehr - es ekelt einen, mit ihm zu sprechen!«