Ein todsicherer Job
- Автор: Мур Кристофер
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Goldmann Verlag
- ISBN: 978-3-641-01256-4
- Переводчик: J,orn Ingwersen
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:
Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
»Okay, Ray, ich pass ein paar Stunden auf, aber um fünf muss ich im Restaurant sein, also komm nicht wieder zu spät, sonst schließ ich den Laden ab.«
»Danke, Lily.«
Charlie hoffte ehrlich, dass Ray kein Serienkiller war, trotz aller gegenteiligen Indizien. Ohne Rays Polizeikontakte hätte er diese Frau nie gefunden, und was sollte er in Zukunft machen, wenn er jemanden suchte und Ray im Gefängnis saß? Andererseits lag es vielleicht an Rays Erfahrung als Polizist, dass es keine Beweise gab. Warum allerdings sollte er im Internet philippinische Frauen suchen, wenn er jemanden umbringen wollte? Hatte er es vielleicht getan, als er auf die Philippinen geflogen war, um angeblich seine Geliebte zu besuchen? Hatte er verzweifelte Filipinas ermordet? Vielleicht war Ray ein touristischer Serienmörder. Darum kümmerst du dich später, dachte Charlie. Vorerst musste er ein Seelenschiffchen holen.
Charlies Taxi hielt vor dem Fontana, einem Apartmentkomplex, einen Block vom Ghirardelli Square entfernt, dieser alten Schokoladenfabrik unten am Hafen, die man zur Touristenmeile umgebaut hatte. Das Fontana war ein mächtiger, geschwungener Bau aus Glas und Beton, über den die Bewohner San Franciscos schon lästerten, seit er in den Sechzigerjahren errichtet worden war. Es lag nicht daran, dass er hässlich war, obwohl dem niemand widersprochen hätte, aber umzingelt von viktorianischen und edwardianischen Häusern wirkte er wie eine monströse Klimaanlage aus dem All, die in einem historischen Stadtviertel notgelandet war. Allerdings boten die Wohnungen einen wunderbaren Ausblick, es gab einen Portier, eine Tiefgarage und einen Pool auf dem Dach, so dass es – wenn man mit dem Stigma leben konnte, in einem architektonischen Sonderling zu wohnen – großartige Wohnqualität zu bieten hatte.
Die Adresse, die ihm Ray für diese Madison genannt hatte, befand sich im einundzwanzigsten Stock, wie auch – vermutlich – ihr Seelenschiffchen. Charlie war nicht sicher, wie weit seine Unbemerkbarkeit reichte (er wollte sie nicht als Unsichtbarkeit betrachten, denn das war sie nicht), hoffte aber, sie reichte einundzwanzig Stockwerke hoch. Er würde am Portier vorbeigehen müssen, wenn er zum Fahrstuhl wollte, und konnte sich nicht als Nachlasskäufer ausgeben.
Tja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wenn man ihn schnappte, musste er sich eben was anderes einfallen lassen. Er wartete vor der Tür, bis eine junge Frau im eleganten Hosenanzug hineinging, dann folgte er ihr durch die Tür in die Lobby. Der Portier würdigte ihn keines Blickes.
Ray sah, wie Charlie aus dem Taxi stieg, und ließ seinen Fahrer am nächsten Block halten. Dort sprang er auf den Gehweg, warf dem Mann einen Fünfer zu, sagte ihm, er solle den Rest behalten, dann suchte er in seinen Taschen nach dem Geld, das noch fehlte, während der Fahrer ungeduldig auf sein Lenkrad eintrommelte und ihn leise auf Urdu verfluchte.
»Tut mir leid. Bin wohl schon lange nicht mehr Taxi gefahren«, sagte Ray. Er besaß ein Auto, einen schmucken, kleinen Toyota, aber der einzige freie Parkplatz weit und breit befand sich acht Blocks entfernt von seiner Wohnung, auf dem Hof eines Hotels, das ein Freund von ihm leitete, und wer in San Francisco einen Parkplatz gefunden hatte, behielt ihn, so dass sich Ray meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln vorwärts bewegte und das Auto nur an seinen freien Tagen nahm, um die Batterie aufzuladen. Draußen vor Charlies Laden war er in ein Taxi gesprungen und hatte laut gerufen: »Folgen Sie diesem Wagen!«, was der japanischen Familie im Fond einen ordentlichen Schrecken einjagte.
»’Tschuldigung«, sagte Ray. »Konichiwa. Bin wohl schon lange nicht mehr Taxi gefahren.« Dann stieg er wieder aus und nahm ein Taxi, das noch keinen Fahrgast hatte.
Eilig lief er die Straße hinauf, huschte vom Laternenpfahl zum Zeitungskasten, dann zur Bank an der Bushaltestelle, duckte sich jedes Mal dahinter und lief gebückt weiter, was rein gar nichts brachte, abgesehen davon, dass er sich vor dem Jungen, der auf der anderen Straßenseite auf den Bus wartete, zum Vollidioten machte. Er kam zur Einfahrt der Tiefgarage vom Fontana, als Charlie eben die Tür ansteuerte. Ray kauerte hinter dem Pfeiler bei der Schranke.
Er war nicht sicher, was er tun sollte, wenn Charlie ins Gebäude ging. Glücklicherweise hatte er sich Madison McKernys Telefonnummer eingeprägt und konnte sie warnen, dass Charlie unterwegs war. Im Taxi auf dem Weg hierher war ihm eingefallen, wo er ihren Namen schon mal gesehen hatte: auf der Namensliste in seinem Fitnessclub. Madison McKerny war eine der morgendlichen Fickpuppen aus dem Club, und genau wie Ray vermutet hatte, stellte Charlie ihr nach.
Er sah, dass Charlie einer jungen Frau im grauen Kostüm folgte, die auf den Eingang zum Fontana zusteuerte, dann war Charlie weg. Einfach weg.
Ray trat ein Stück auf den Bürgersteig hinaus, um besser sehen zu können. Die Frau war noch da, hatte erst ein paar Schritte zurückgelegt, nur war von Charlie nichts zu sehen. Es gab keine Büsche, keine Mauern, die verdammte Lobby bestand komplett aus Glas. Was war mit ihm passiert? Ray war sicher, dass er sich nicht abgewendet hatte, konnte sich nicht mal erinnern, geblinzelt zu haben, und ihm wäre kein Haken entgangen, den Charlie möglicherweise geschlagen haben mochte.
Als er der Neigung des Betamännchens nachgab, stets sich selbst die Schuld zu geben, überlegte Ray, ob er vielleicht einen epileptischen Anfall erlitten hatte und eine Sekunde weggetreten war. Egal, in jedem Fall musste er Madison McKerny warnen. Er griff nach seinem Gürtel und ertastete den leeren Handy-Clip, dann fiel ihm ein, dass er sein Telefon unter den Tresen gelegt hatte, als er am Morgen zur Arbeit gekommen war.
Charlie fand die richtige Wohnung und klingelte. Wenn er Madison McKerny dazu bewegen konnte, auf den Flur herauszutreten, wollte er sich an ihr vorbeischieben und die Wohnung nach ihrem Seelenschiffchen durchsuchen. Am Ende des Korridors stand ein Tisch mit einem Plastikblumenstrauß. Er hatte ihn umgekippt, in der Hoffnung, sie wäre neurotisch oder neugierig genug, ihre Wohnung zu verlassen, um es sich genauer anzusehen. Falls sie nicht zu Hause war, musste er einbrechen. Die Chancen standen gut, dass sie – da es unten einen Portier gab – keine Alarmanlage hatte. Doch was war, wenn sie ihn sehen konnte? Manchmal konnten sie es, die Klienten. Nicht oft, aber es kam vor und…
Sie öffnete die Tür.
Charlie hielt die Luft an. Sie war atemberaubend. Charlie erstarrte und glotzte ihre Brüste an.
Es lag nicht daran, dass sie eine junge, hinreißende Brünette mit wunderschönem Haar und wunderschöner Haut war, und auch nicht daran, dass sie einen dünnen, weißen Seidenmantel trug, der ihre blendende Bikini-Figur kaum verbergen konnte. Ebenso wenig lag es daran, dass sie überproportional große, muntere Brüste besaß, die dem Seidenmantel zu entkommen suchten und aus dem tiefen Dekolletee lugten, als sie sich in der Tür nach vorn beugte, obwohl das allein schon genügt hätte, dem glücklosen Betamännchen den Atem zu rauben. Es lag daran, dass ihre Brüste rot leuchteten, durch den Seidenstoff hindurch, wie zwei aufgehende Sonnen, pulsierend wie die Glühbirnenbrüste einer kitschigen, hawaiischen Hulamädchenlampe. Madison McKernys Seele residierte in ihren Brustimplantaten.
»Wie soll ich da denn rankommen?«, sagte Charlie, der vergessen hatte, dass er nicht allein war und nicht nur mit sich selbst sprach.