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Ein todsicherer Job

Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:

Zum Brüllen komisch und absolut hinreißend – eine liebenswerte Komödie der besonderen Art.

Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
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Später hatte Charlie ein schlechtes Gewissen, dass seine Tochter das »Mietzi«-Wort benutzte, und er bekam so ein Gefühl, als würde ein anständiger Vater diesem Erlebnis eine Art Bedeutung verleihen und ihr eine Lektion erteilen. Also hockte er sich mit Sophie zwischen ihre Teddybären – mit ein paar Tässchen unsichtbarem Tee, unsichtbaren Keksen und zwei Riesenhunden aus der Hölle – und führte mit ihr sein erstes offenes und ehrliches Vater-Tochter-Gespräch.

»Süße, du verstehst doch, warum Daddy dir gesagt hat, dass du das nie wieder tun sollst, oder? Warum die Leute nicht wissen dürfen, dass du es kannst…?«

»Wir sind anders als andere Leute?«, sagte Sophie.

»Stimmt genau, Süße, weil wir anders sind als andere Leute«, sagte er zu dem klügsten, hübschesten kleinen Mädchen auf der ganzen Welt. »Und du weißt auch, warum das so ist, stimmt’s?«

»Weil wir Chinesen sind und man den weißen Teufeln nicht trauen kann?«

»Nein, nicht weil wir Chinesen sind.«

»Weil wir Russen und unsere Herzen voller Trauer sind?«

»Nein, unsere Herzen sind nicht voller Trauer.«

»Weil wir stark sind wie Bär?«

»Ja, mein Schatz, das ist es. Wir sind anders, weil wir stark sind wie Bär.«

»Ich wusste es. Noch Tee, Daddy?«

»Ja, ich hätte gern noch etwas Tee, Sophie.«

»So«, sagte der Kaiser, »wie ich sehe, erfreut Ihr Euch der mannigfaltigen Annehmlichkeiten, mit denen Hunde das Leben eines Menschen bereichern können.«

Charlie saß auf der Hintertreppe seines Ladens, holte ganze Tiefkühlhühnchen aus einer Kiste und warf eines nach dem anderen Alvin und Mohammed zu. Die beiden schnappten so heftig danach, dass sowohl der Kaiser, als auch Bummer und Lazarus, die auf der anderen Straßenseite kauerten und die Höllenhunde misstrauisch beäugten, zusammenzuckten, als feuerte jemand eine Pistole ab.

»Mannigfaltige Annehmlichkeiten«, sagte Charlie und warf das nächste Hühnchen. »Genau so würde ich es nennen.«

»Es gibt keinen besseren, keinen treueren Freund als einen guten Hund«, sagte der Kaiser.

Charlie stutzte, denn er hatte kein Hühnchen aus der Kiste geholt, sondern einen Handmixer. »Ein wahrer Freund«, sagte Charlie. »Ein wahrer Freund.« Mohammed schnappte nach dem Mixer und würgte ihn hinunter, ohne zu kauen. Ein halber Meter Kabel hing aus seinem Maul.

»Schadet ihm das nicht?«, fragte der Kaiser.

»Ballaststoffe«, erklärte Charlie und warf Mohammed zur Verdauung ein kleines Hühnchen zu, das dieser mit dem Rest des Mixerkabels verschlang. »Es sind nicht wirklich meine Hunde. Sie gehören Sophie.«

»Ein Kind braucht ein Tier«, sagte der Kaiser, »einen Gefährten, mit dem es aufwachsen kann, obwohl ich nicht glaube, dass diese Burschen noch viel größer werden.«

Charlie nickte und warf Alvin die Lichtmaschine eines ’83er Buick in den Rachen. Man hörte ein Scheppern, und der Hund rülpste, aber sein Schwanz schlug wedelnd an den Müllcontainer, wollte mehr. »Die beiden sind immer bei ihr«, sagte Charlie. »Inzwischen haben wir sie wenigstens so weit abgerichtet, dass sie auch mal draußen vor der Tür warten. Eine Weile sind sie nicht von ihrer Seite gewichen. Der Badetag war eine echte Herausforderung.«

Der Kaiser sagte: »Ich glaube, es war der Dichter Billy Collins, der sagte: Niemand hier mag nasse Hunde.«

»Ja, und wahrscheinlich musste er auch nie ein zappelndes Kleinkind und Zweihundert-Kilo-Hunde aus dem Schaumbad heben.«

»Aber Ihr sagt, sie seien zahmer geworden?«

»Das mussten sie auch. Sophie geht jetzt zur Vorschule. Die Lehrerin hatte was gegen Monsterhunde in der Klasse.« Charlie warf Alvin einen Anrufbeantworter zu, und das Vieh zerkaute ihn wie einen Hundekuchen. Vollgesabberte Plastiksplitter rieselten aus seinem Maul.

»Was habt Ihr unternommen?«

»Es dauerte ein paar Tage, und ich musste einiges erklären, aber dann habe ich sie dazu gebracht, dass sie draußen vor dem Eingang sitzen bleiben.«

»Und der Lehrkörper hat eingewilligt?«

»Na ja, ich sprühe sie jeden Morgen mit Granitstruktur-Farb-spray ein und sage ihnen, sie sollen sich links und rechts der Tür hinsetzen. Sie scheinen niemandem aufzufallen.«

»Und sie gehorchen? Den ganzen Tag?«

»Es ist ja nur ein halber Tag. Sie ist erst im Kindergarten. Und man muss ihnen einen Keks versprechen.«

»Alles hat seinen Preis. Darf ich?« Der Kaiser nahm ein Tiefkühlhühnchen aus der Kiste.

»Bitte.« Charlie machte eine Geste.

Der Kaiser warf das Hühnchen Mohammed zu, der es mit einem einzigen Bissen hinunterschlang.

»Junge, das macht Spaß!«, sagte der Kaiser.

»Das ist noch gar nichts«, sagte Charlie. »Wenn man sie mit kleinen Gaszylindern füttert, spucken sie Feuer.«

15

Lockruf des Leibes

»Fickpuppen«, sagte Ray aus heiterem Himmel.

Er war auf dem Stepper neben Charlie, und beide schwitzten und starrten sechs wohlgeformte Frauenhintern auf den Geräten gegenüber an.

»Wie bitte?«, sagte Charlie.

»Fickpuppen«, sagte Ray. »Nicht mehr und nicht weniger.«

Ray hatte Charlie überredet, ihn in seinen Fitnessclub zu begleiten, unter dem Vorwand, ihn ans Single-Dasein zu gewöhnen. Als Excop beobachtete Ray die Menschen eingehender, als gut für ihn war. Er hatte zu viel Freizeit und kam nicht oft vor die Tür, und so nahm er Charlie in Wahrheit mit zum Sport, um ihn außerhalb des Ladens besser kennen zu lernen. Ihm war aufgefallen, dass sich seltsame Dinge ereigneten, seit Rachel tot war, dass Gegenstände auftauchten, kurz nachdem Leute gestorben waren, und da Charlie nichts dazu sagte und ein Geheimnis darum machte, was er so trieb, wenn er nicht im Laden war – ganz zu schweigen von den vielen kleinen Tieren, die in Charlies Wohnung zu Tode kamen -, hegte Ray den Verdacht, er könne ein Serienkiller sein.

»Nicht so laut, Ray«, sagte Charlie. »Meine Güte…« Da Ray seinen Kopf nicht drehen konnte, sprach er die Frauen direkt an.

»Die können mich nicht hören. Sie haben alle Headsets auf.« Er hatte Recht. Alle telefonierten mit ihren Handys. »Für die sind wir doch sowieso unsichtbar.«

Da er tatsächlich schon unsichtbar gewesen war, zumindest mehr oder weniger, musste Charlie zweimal hinsehen. Es war Vormittag, und im Fitnessclub drängten sich magere Mittzwanzigerinnen in Aerobicanzügen, allesamt mit überproportional großen Brüsten, makelloser Haut und kostspieligen Frisuren. Sie schienen ihn überhaupt nicht zu sehen, genau wie die Leute, bei denen er Seelenschiffchen abholte. Als Charlie in den Fitnessclub gekommen war, hatte er sich allen Ernstes erst mal umgesehen, ob er etwas Rotleuchtendes fand, denn er dachte, er hätte vielleicht am Morgen einen Namen im Kalender übersehen.

»Nach meiner Verwundung war ich eine Weile mit einer Physiotherapeutin zusammen, die hier gearbeitet hat«, sagte Ray. »Die hat sie immer so genannt. Deren Wohnungen werden allesamt von irgendwelchen älteren Vorstandsmitgliedern bezahlt – genauso wie die Mitgliedschaft im Fitnessclub und die falschen Titten. Ihre Tage verbringen sie mit Gesichtsmasken und Maniküren und ihre Nächte mit Geschäftsleuten auf Abwegen.«

Charlie fühlte sich bei Rays Erläuterungen ausgesprochen unwohl, zumal er über Frauen sprach, die kaum einen Meter entfernt waren. Wie alle Betamännchen fühlte er sich in Gegenwart so vieler schöner Frauen ohnehin unwohl, doch das machte alles nur noch schlimmer.

»Also sind sie wie Vorzeigefrauen?«, sagte Charlie.

»Hm-hm, eher Möchtegern-Vorzeigefrauen. Sie kriegen weder den Mann, noch das Haus oder sonst was. Sie existieren nur, um ihm ein hübscher Arsch zu sein.«

»Fickpuppen?«, sagte Charlie.

»Fickpuppen«, sagte Ray. »Vergiss es. Ihretwegen sind wir nicht hier.«

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