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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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»Nein«, antwortete Osen, während er sich mit dem Administrator auf den Weg zur Universität machte. Vor der Tür von Lorlens Dienstraum wartete der Hauptmann bereits auf ihn.

Bei Lorlens Anblick wirkte Barran sehr erleichtert.

»Guten Abend, Hauptmann«, begrüßte Lorlen ihn.

Barran verneigte sich. »Administrator.«

»Kommt mit hinein.« Lorlen hielt Barran und Osen die Tür auf, dann geleitete er seinen Gast zu einem Stuhl. Er selbst setzte sich hinter seinen Schreibtisch und betrachtete den Hauptmann ernst.

»Also, was führt Euch zu mir? Ich hoffe, es handelt sich nicht um einen weiteren Mord.«

»Ich fürchte, genauso ist es. Und nicht nur ein einziger Mord.« Barrans Stimme klang angespannt. »Das, was geschehen ist, kann ich nur als Massaker bezeichnen.«

Lorlen gefror das Blut in den Adern. »Sprecht weiter.«

»Vierzehn Opfer, alle auf die gleiche Weise getötet, wurden gestern Nacht in den Vierteln nördlich der Stadt gefunden. Die meisten lagen auf der Straße, einige wenige in Häusern.« Barran schüttelte den Kopf. »Es sieht so aus, als streife irgendein Wahnsinniger durch die Hüttenviertel und töte jeden, der ihm begegnet.«

»In diesem Fall muss es doch gewiss Zeugen geben.«

Barran schüttelte den Kopf. »Nichts, was uns weiterhilft. Einige Leute meinten, sie hätten eine Frau gesehen, andere sagten, es sei ein Mann gewesen. Keiner hat das Gesicht des Mörders gesehen. Es war zu dunkel.«

»Und wie sind sie getötet worden?«, zwang Lorlen sich zu fragen.

»Flache Schnittwunden. Keine davon hätte tödlich sein sollen. Keine Spuren von Gift. Fingerabdrücke an den Wunden – deshalb bin ich gleich zu Euch gekommen. Das ist die einzige Parallele zu den früheren Fällen.« Er hielt inne. »Eine andere Angelegenheit wäre da auch noch.«

»Ja?«

»Der Ehemann eines Opfers hat einem meiner Leute erzählt, es seien Geschichten über einen Kampf in einem Bolhaus in Umlauf, der in der vergangenen Nacht stattgefunden haben soll. Einem Kampf zwischen Magiern.«

Lorlen gelang es, zweifelnd dreinzublicken. »Magier?«

»Ja. Einer ist anscheinend von einem Fenster im dritten Stock zu Boden geschwebt. Ich hielt es zuerst für eine Ausgeburt der Fantasie eines Einzelnen, eine Einbildung, die die Dunkelheit hervorgebracht hat. Aber die Tatorte aller Morde von gestern befinden sich auf einer geraden Linie, die direkt zu diesem Bolhaus führt. Oder von ihm fort.«

»Und Ihr habt in dem Bolhaus Nachforschungen angestellt?«

»Ja. Eins der Zimmer war ziemlich übel zugerichtet, so dass in der vergangenen Nacht dort tatsächlich etwas vorgefallen sein muss. Ob es Magie war…« Er zuckte die Achseln. »Wer kann das feststellen?«

»Wir können es feststellen«, sagte Osen.

Lorlen blickte zu seinem Assistenten auf. Osen hatte Recht; jemand von der Gilde sollte das Bolhaus untersuchen. Akkarin wird wollen, dass ich es tue, dachte Lorlen.

»Ich würde dieses Zimmer gern einmal sehen.«

Barran nickte. »Ich kann Euch sofort dorthin führen. Ich habe einen Wachtrupp draußen in der Kutsche sitzen.«

»Ich könnte Euch diesen Gang abnehmen«, erbot sich Osen.

»Nein«, erwiderte Lorlen. »Ich werde es tun. Ich weiß mehr über diese Fälle als Ihr. Bleibt hier und haltet ein Auge auf die Dinge.«

»Diese Geschichte könnte auch anderen Magiern zu Ohren kommen«, bemerkte Osen. »Sie werden besorgt sein. Was soll ich ihnen erzählen?«

»Nur, dass es eine beunruhigende Serie weiterer Morde gegeben hat und dass die Bolhausgeschichte wahrscheinlich eine Übertreibung ist. Wir wollen nicht, dass die Leute voreilige Schlüsse ziehen oder gar eine Panik verursachen.« Er stand auf, und Barran folgte seinem Beispiel.

»Und wenn Ihr Beweise für Magie findet?«, fügte Osen hinzu.

»Darum werden wir uns kümmern, wenn dieser Fall tatsächlich eintritt.«

Während Lorlen und Barran zur Tür gingen, blieb Osen am Schreibtisch stehen. Als Lorlen sich noch einmal umdrehte, sah er, dass sein Assistent besorgt die Stirn runzelte.

»Macht Euch keine Gedanken«, sagte Lorlen. Er brachte ein schiefes Lächeln zustande. »Diese Angelegenheit ist wahrscheinlich nicht finsterer als all die anderen Mordfälle.«

Osen lächelte dünn und nickte.

Nachdem Lorlen die Tür zu seinem Büro geschlossen hatte, ging er in die Eingangshalle und dann weiter durch die Türen der Universität ins Freie.

— Du solltest in Zukunft besser allein mit Hauptmann Barran sprechen, mein Freund.

Lorlen blickte zu der Residenz des Hohen Lords hinüber.

— Osen ist ein vernünftiger Mann.

— Vernünftige Männer können ziemlich unvernünftig werden, wenn ihr Argwohn die Oberhand über ihren Verstand gewinnt.

— Sollte er denn argwöhnisch sein? Was ist gestern Nacht passiert?

— Eine Menge betrunkener Gäste hat einen gescheiterten Versuch der Diebe beobachtet, einen Mörder zu fangen.

— Ist das wirklich alles, was passiert ist?

»Administrator?«

Lorlen blinzelte, dann wurde ihm bewusst, dass er vor der offenen Tür der Kutsche stand. Barran sah ihn fragend an.

»Entschuldigung.« Lorlen lächelte. »Ich habe mich nur schnell mit einem Kollegen beraten.«

Barrans Augen weiteten sich leicht, als er begriff, was Lorlen meinte. »Das muss eine sehr praktische Fähigkeit sein.«

»Das ist es«, stimmte Lorlen ihm zu. Er stieg in die Kutsche. »Aber auch diese Fähigkeit hat ihre Grenzen.«

Oder zumindest sollte sie Grenzen haben, fügte er im Stillen hinzu.

Soneas Magen krampfte sich zusammen, als sie den unterirdischen Raum betrat; so war es ihr ergangen, wann immer sie an die bevorstehende Lektion in schwarzer Magie gedacht hatte – also alle paar Minuten. Zweifel hatten sich in ihre Gedanken gemischt, und einige Male hatte sie beinahe den Entschluss gefasst, Akkarin zu sagen, dass sie ihre Meinung geändert habe. Aber wenn sie sich ruhig hinsetzte und alles genau durchdachte, blieb ihre Entscheidung unverrückbar. Das Studium der schwarzen Magie war eine Gefahr für sie, aber die einzige Alternative wäre gewesen, die Gilde und Kyralia in noch größere Gefahr zu bringen.

Als Akkarin sich zu ihr umdrehte, verneigte sie sich.

»Setz dich, Sonea.«

»Ja, Hoher Lord.«

Sie nahm Platz und besah sich dann, was auf dem Tisch lag. Es war eine seltsame Ansammlung von Dingen: eine Schale mit Wasser, eine gewöhnliche Pflanze in einem kleinen Topf, ein Käfig mit einem Harrel, das sein Gefängnis beschnupperte, kleine Handtücher, Bücher und eine polierte, schmucklose hölzerne Schachtel. Akkarin las in einem der Bücher.

»Wozu dienen all diese Dinge?«, wollte sie wissen.

»Deiner Ausbildung«, antwortete er und klappte das Buch zu. »Ich habe noch niemanden gelehrt, was ich dich heute Abend lehren werde. Mein eigenes Wissen habe ich nicht durch Erklärungen erworben. Ich habe mehr erfahren, als ich die alten Bücher fand, die Lord Coren wieder unter der Gilde vergraben hatte.«

Sie nickte. »Wie habt Ihr diese Bücher gefunden?«

»Coren wusste, dass die Magier, die die Truhe zum ersten Mal vergraben hatten, recht daran getan hatten, das Wissen über schwarze Magie zu bewahren, für den Fall, dass die Gilde sich eines Tages einem stärkeren Feind gegenübersehen sollte. Aber dieses Wissen wäre nicht von Nutzen gewesen, wenn man es nicht hätte wiederfinden können. Also schrieb Coren einen Brief an den Hohen Lord, der diesem erst nach dem Tod des Architekten ausgehändigt werden sollte. In diesem Dokument erklärte Coren, dass er einen geheimen Hort an Wissen unter der Universität vergraben habe, der die Gilde retten könnte, falls sie einem schrecklichen Feind gegenüberstehen sollte.« Akkarin sah zur Decke empor. »Als die Bibliothek des Hohen Lords nach der Renovierung der Residenz hierher verlegt wurde, habe ich den Brief zwischen den Seiten einer Chronik gefunden. Corens Anweisungen für die Suche nach diesem Geheimnis waren so undurchsichtig, dass meine Vorgänger nicht die Geduld aufgebracht hatten, sie zu entschlüsseln. Irgendwann geriet der Brief dann in Vergessenheit. Ich erriet jedoch, was Corens Geheimnis war.«

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