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Электронная книга - «Der Fänger im Roggen». Краткое содержание книги:

Holden ist ein ganz normaler amerikanischer Jugendlicher, der Schulstreß hat und schließlich vom Internat fliegt. Nebenbei liest er gerne Bücher und macht die ersten Erfahrungen mit der Liebe.
Ein amüsant zu lesender Roman über das Erwachsenwerden.

Originaltitel «The Catcher in The Rye» Rowohlt Erscheinungsdatum: 1966
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Bei schönem Wetter gehen meine Eltern oft zu Allies Grab und legen Blumen hin. Ich bin ein paarmal mitgegangen, aber dann hatte ich genug. Erstens ist es kein Vergnügen, ihn auf diesem blöden Friedhof zu sehen. Zwischen lauter Toten und Grabsteinen und allem. Wenn die Sonne schien, war es weniger schlimm, aber zweimal - zweimal - fing es an zu regnen.

Schrecklich. Es regnete auf seinen blöden Grabstein und in das Gras über seinem Bauch. Überallhin. Sämtliche Friedhofsbesucher rannten wie wild zu ihren Autos. Das machte mich fast verrückt. Alle diese Besucher konnten sich in ihre Autos setzen und das Radio andrehen und dann in irgendeinem guten Restaurant essen - nur Allie nicht. Ich konnte das nicht ertragen. Ich weiß wohl, daß nur sein Körper auf dem Friedhof liegt und daß seine Seele im Himmel ist - und der ganze übrige Mist -, aber ich konnte es trotzdem nicht aushaken. Ich möchte einfach, daß er nicht dort wäre. Wenn ihn jemand gekannt hätte, müßte er verstehen, was ich meine.

Bei schönem Wetter ist es weniger schlimm, aber die Sonne scheint ja nur, wenn sie dazu aufgelegt ist.

Um mich von der Lungenentzündung und dem allem abzulenken, versuchte ich unter der elenden Straßenlaterne mein Geld zu zählen. Es waren nur noch drei einzelne Dollars und fünf Vierteldollars.

Junge, seit Pencey hatte ich ein Vermögen ausgegeben. Dann ging ich ans Ufer hinunter und warf das Kleingeld in den See, wo er nicht zugefroren war. Ich weiß nicht warum, aber jedenfalls warf ich es hinein. Wahrscheinlich dachte ich, es würde mich von der Lungenentzündung und vom Sterben ablenken. Das war aber nicht so.

Ich fing an, mir vorzustellen, wie Phoebe es wohl aufnähme, wenn ich Lungenentzündung bekommen und sterben würde. Kindische Gedanken, aber ich konnte nicht damit aufhören. Es würde ihr ziemlich elend, wenn es dazu käme, dachte ich. Sie hat mich sehr gern. Ich meine, sie hängt wirklich an mir. Ich kam einfach nicht davon los, und schließlich dachte ich, es wäre am besten, wenn ich mich nach Hause schleichen und sie besuchen würde - falls ich sterben müßte und so. Ich hatte den Hausschlüssel bei mir und dachte, ich könnte mich ganz leise in die Wohnung schleichen und eine Weile mit ihr schwätzen. Nur unsere Wohnungstür machte mir Kummer. Sie kreischt wahnsinnig.

Das ganze Haus ist schon ziemlich alt, und der Verwalter ist ein fauler Hund; alles kreischt und knarrt. Ich hatte Angst, daß meine Eltern mich hören könnten. Aber ich wollte es wenigstens versuchen.

Ich lief also schnell aus dem Park und ging heim. Ich ging den ganzen Weg zu Fuß. Sehr weit war es nicht, und ich war überhaupt nicht mehr müde oder betrunken. Es war nur sehr kalt und ganz menschenleer.

21

Als ich zu Hause ankam, war der Liftboy, der sonst Nachtdienst hatte, nicht da. Das war das unglaublichste Glück, das ich seit Jahren gehabt habe. Irgendein neuer, den ich nicht kannte, stand am Lift, und falls ich also nicht gerade auf meine Eltern prallte, konnte es mir gelingen, Phoebe guten Tag zu sagen und mich dann davonzumachen, ohne daß überhaupt jemand von meinem Besuch erfahren würde. Wirklich ein unglaubliches Glück. Außerdem schien der neue Angestellte eher zu den Schwachsinnigen zu gehören. Ich sagte in sehr nachlässigem Ton, er solle mich zu den Dicksteins hinauffahren. Die Dicksteins hatten die andere Wohnung in unserm Stock. Dann nahm ich meine Jagdmütze ab, um nicht verdächtig auszusehen, und ging betont eilig in den Lift.

Er hatte die Türen schon zugemacht und wollte gerade abfahren, aber plötzlich drehte er sich um und sagte: «Die sind nicht zu Hause. Sie sind im vierzehnten Stock eingeladen.»

«Ich weiß», sagte ich. «Ich soll oben auf sie warten. Ich bin ihr Neffe.»

Er warf mir einen mißtrauischen dummen Blick zu. «Warten Sie lieber in der Halle», sagte er.

«Das würde ich gern tun», sagte ich, «aber ich habe ein kaputtes Bein. Ich muß es immer in einer gewissen Stellung halten. Es ist wohl besser, wenn ich mich vor ihrer Tür auf den Stuhl setze.»

Da er nicht verstand, von was zum Teufel ich redete, sagte er nur «Ah» und fuhr mich hinauf. Nicht schlecht. Komisch, man braucht nur etwas daherzuschwätzen, was kein Mensch versteht, dann tun die Leute praktisch alles, was man von ihnen will.

Ich stieg schwer hinkend in unserem Stock aus und ging zur Wohnung der Dicksteins hinüber. Als ich hörte, daß er die Lifttür zumachte, kehrte ich um und ging auf unsere Seite. Das hatte ich gut gemacht. Ich war offenbar auch nicht mehr betrunken. Dann zog ich den Schlüssel aus der Tasche und machte leise wie ein Dieb die Tür auf. Dann schlich ich äußerst vorsichtig hinein und schloß hinter mir zu. Ich hätte wirklich Einbrecher werden sollen.

Drinnen war es stockdunkel, und natürlich durfte ich kein Licht andrehen. Ich mußte sehr achtgeben, daß ich nirgends anstieß und einen Höllenlärm verursachte. Aber ich fühlte gleich, daß ich zu Hause war. In unserem Gang ist immer ein sonderbarer Geruch, anders als irgendwo sonst. Ich weiß nicht, woher zum Teufel das kommt. Es ist weder Blumenkohl noch Parfüm - ich weiß nicht was -, aber man weiß immer sofort, daß man zu Hause ist. Ich wollte schon den Mantel ausziehen und in den Schrank hängen, aber dieser Schrank im Gang ist voll von Kleiderbügeln, die wie toll klappern, wenn man ihn aufmacht. Deshalb behielt ich den Mantel an. Dann ging ich ganz langsam zu Phoebes Zimmer. Das Dienstmädchen konnte mich nicht hören, das wußte ich, weil sie auf einem Ohr taub ist. Ihr Bruder hatte ihr einen Strohhalm durch das Trommelfell gestoßen, als sie noch klein war. Sie ist ziemlich schwerhörig. Aber meine Eltern hören so gut wie Bluthunde, besonders meine Mutter.

Ich nahm mich also wirklich sehr in acht, bis ich an ihrem Zimmer vorbei war. Ich hielt sogar den Atem an, großer Gott. Meinem Vater kann man mit einem Stuhl auf den Kopf hauen, ohne daß er aufwacht, während man für meine Mutter nur irgendwo in Sibirien zu husten braucht - das genügt schon, daß sie einen hört.

Nach ungefähr einer Stunde war ich endlich in Phoebes Zimmer angelangt. Sie war aber nicht da.

Das hatte ich ganz vergessen. Sie schläft nämlich in D.B.s Zimmer, wenn er in Hollywood oder sonst irgendwo ist, weil er das größte Zimmer von allen hat. Und auch, weil ein wahnsinnig großer Schreibtisch darin steht, den D.B. einer alten Alkoholikerin in Philadelphia abgekauft hat, und ein riesiges, ungefähr zehn Kilometer langes und zehn Kilometer breites Bett. Ich weiß nicht, wo er dieses Bett her hat. Jedenfalls schläft also Phoebe gern in D.B.s Zimmer, wenn er fort ist, und er erlaubt es ihr. Das muß man einfach gesehen haben, wie sie ihre Aufgaben an diesem verrückten Schreibtisch macht. Er ist fast so groß wie das Bett. Phoebe ist kaum mehr zu sehen, wenn sie an ihren Aufgaben sitzt. So etwas gefällt ihr. Ihr eigenes Zimmer hat sie nicht gern, weil es zu klein ist, sagt sie. Das haut mich jedesmal um. Für was braucht die gute alte Phoebe Platz? Für nichts.

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