Der Fänger im Roggen
- Автор: Сэлинджер Джером Дейвид
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Fänger im Roggen». Краткое содержание книги:
Ein amüsant zu lesender Roman über das Erwachsenwerden.
Originaltitel «The Catcher in The Rye» Rowohlt Erscheinungsdatum: 1966
«Hast du immer noch die gleiche wie damals in Whooton? Die mit den tollen -»
«Großer Gott, nein», sagte er.
«Warum nicht? Was ist aus ihr geworden?»
«Keine Ahnung. Aber vermutlich, wenn du schon fragst, ist sie die Oberhure von New Hampshire geworden.»
«Das ist aber nicht nett. Wenn sie so anständig war und die ganze Zeit für dich hergehalten hat, dann solltest du wenigstens nicht in der Art über sie reden.»
«O Gott!» sagte Luce. «Soll das ein typisches Caulfield-Gespräch werden? Ich will's lieber gleich wissen.»
«Nein», sagte ich, «aber jedenfalls ist das nicht nett. Wenn sie so anständig und freundlich war und dich -»
«Müssen wir unbedingt diese schrecklichen Gedankengänge weiterverfolgen?»
Ich schwieg. Ich fürchtete, daß er aufstehen und mich sitzenlassen könnte, wenn ich noch etwas davon sagte. Ich bestellte also nur einen dritten Whisky. Ich hatte Lust, mich gründlich zu betrinken.
«Welche hast du jetzt?» fragte ich. «Willst du mir das verraten?»
«Keine, die du kennst.» «Aber wie heißt sie. Vielleicht kenne ich sie doch.»
«Eine von Greenwich Village. Bildhauerin. Wenn du das wissen mußt.»
«Wirklich? Im Ernst? Wie alt ist sie?»
«Das hab ich sie nie gefragt, um Himmels willen.»
«Aber wie alt ungefähr?»
«Wohl Ende Dreißig denke ich», sagte Luce.
«Ende Dreißig? Wirklich? Hast du das gern?» fragte ich. «Hast du es gern, wenn die Frauen so alt sind?» Ich fragte ihn deshalb, weil er wirklich etwas von diesem Gebiet verstand. Er gehörte in meinem Bekanntenkreis zu den wenigen, von denen ich das wußte. Er hatte schon mit vierzehn Jahren seine Unschuld verloren. Tatsächlich.
«Ich schätze reife Frauen sehr, falls du das damit meinst. Ganz gewiß.»
«So? Warum? Im Ernst, eignen sie sich besser dafür?»
«Hör mal, wir wollen einen Punkt klarstellen. Ich lehne es ab, heute abend irgendwelche typischen Caulfield-Fragen zu beantworten. Wann zum Teufel wirst du wohl erwachsen?»
Ich schwieg wieder. Ich gab es eine Weile auf. Dann bestellte Luce einen zweiten Martini.
«Seit wann hast du denn diese Bildhauerin?» fragte ich. Es interessierte mich wirklich. «Hast du sie schon gekannt, als du noch in Whooton warst?»
«Das nicht. Sie kam erst vor ein paar Monaten nach Amerika.»
«Wirklich? Wo kommt sie her?»
«Von Shanghai.»
«Im Ernst? Eine Chinesin, um Himmels willen?»
«Offenbar.»
«Tatsächlich? Gefällt dir das? Daß sie eine Chinesin ist?» «Offenbar.»
«Warum? Das interessiert mich wirklich, ganz im Ernst.»
«Ich finde eben zufällig die Philosophie des Ostens befriedigender als die westliche, wenn du mich schon fragst.»
«So? Was meinst du mit <Philosophie>? Das Sexuelle und so? Ist das in China besser? Meinst du das damit?»
«Nicht unbedingt in China, großer Gott. Des Ostens, habe ich gesagt. Müssen wir dieses geistlose Gespräch fortsetzen?»
«Ich meine es aber ganz ernst», sagte ich. «Warum ist das im Osten besser?»
«Das ist ein zu kompliziertes Thema, um jetzt näher darauf einzugehen, großer Gott», sagte Luce.
«Im Osten betrachten sie eben das Sexuelle sowohl als
physisches wie geistiges Erlebnis. Falls du das meinst, daß ich -
»
«Ich auch! Genauso betrachte ich es auch, als ein - wie hast du gerade gesagt - sowohl physisches wie geistiges Erlebnis. Ich denke wirklich so darüber. Aber es hängt eben davon ab, mit wem zum Teufel ich es zu tun habe. Wenn es eine ist, die nicht einmal -»
«Nicht so laut, um Himmels willen, Caulfield. Wenn du deine Stimme nicht dämpfen kannst, dann wollen wir lieber das ganze Thema-»
«Schön, aber hör mir zu», sagte ich. Ich wurde aufgeregt und redete tatsächlich etwas zu laut. Manchmal schreie ich ein bißchen, wenn ich aufgeregt bin. «Ja, das meine ich auch», sagte ich. «Ich weiß, es soll körperlich und geistig eine Kunst und so sein, aber ich meine, es gelingt nicht mit jedem, jedem Mädchen, das man küßt und so, oder gelingt es dir immer?»
«Lassen wir das Thema fallen», sagte Luce. «Hast du etwas dagegen?»
«Nein, aber zum Beispiel diese Chinesin und du. Was ist denn bei euch so Besonderes dran?»
«Wir wollen das Thema fallenlassen, hab ich gesagt.»
Ich wurde zu persönlich. Das sehe ich ein. Aber es gehörte zu seinen verstimmenden Eigenschaften, schon damals in Whooton, daß er das allerpersönlichste Zeug von einem wissen wollte und sich ärgerte, wenn man persönliche Fragen an ihn selber stellte. Diese Intellektuellen wollen nur dann ein intellektuelles Gespräch führen, wenn sie das Ganze beherrschen. Immer soll man schweigen, wenn sie selbst schweigen wollen. In Whooton konnte es Luce nicht ausstehen -das merkte man deutlich -, wenn er mit seinem sexuellen Vortrag fertig war und ein paar von uns noch in seinem Zimmer sitzen blieben und weiterschwätzten. Ich meine, die anderen Jungens und ich, in irgend jemands Zimmer. Das machte ihn wütend. Alle sollten in ihre Zimmer gehen und schweigen, sobald er nicht mehr die erste Geige spielte. Er hatte eben Angst, daß jemand etwas Gescheiteres sagen könnte als er. Er amüsierte mich wirklich.
«Vielleicht gehe ich nach China», sagte ich. «Mein Liebesleben ist ein Elend.»
«Natürlich. Du bist eben innerlich unreif.»
«Das stimmt. Wahrhaftig, das weiß ich selber», sagte ich. «Weißt du, an was es bei mir fehlt? Ich komme nie in eine richtige physische Stimmung - ich meine, wirklich in eine richtig physische -, wenn ich ein Mädchen nicht sehr gern habe. Ich meine, ich muß sie schon wirklich gern haben. Wenn das nicht so ist, dann habe ich schon gleich keine Lust mehr auf sie. Herr im Himmel, das kompliziert diese Sache fürchterlich für mich. Mein Liebesleben hinkt.»
«Selbstverständlich, großer Gott. Schon bei unserer letzten Begegnung habe ich dir gesagt, was du nötig hättest.»
«Eine Psychoanalyse, meinst du?» fragte ich. Dazu hatte er mir damals geraten. Sein Vater war Psychoanalytiker.
«Das ist deine Sache, großer Gott. Mich geht es wahrhaftig nichts an, was du aus deinem Leben machst.»
Ich sagte eine Zeitlang nichts. Ich dachte nach.
«Und wenn ich zu deinem Vater ginge und mich analysieren ließe», sagte ich schließlich, «was würde er dann mit mir machen? Ich meine - was würde er mit mir machen?»