Der Fänger im Roggen
- Автор: Сэлинджер Джером Дейвид
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Fänger im Roggen». Краткое содержание книги:
Ein amüsant zu lesender Roman über das Erwachsenwerden.
Originaltitel «The Catcher in The Rye» Rowohlt Erscheinungsdatum: 1966
Da ich sonst nichts zu tun hatte, blieb ich auf der Heizung sitzen und zählte die weißen Plättchen auf dem Fußboden. Ich wurde allmählich tropfnaß. Ganze Wasserbäche liefen mir am Hals hinunter über Kragen und Krawatte, aber es war mir alles gleichgültig. Ich war viel zu betrunken, um mir etwas daraus zu machen. Kurz darauf kam der Pianist, der die gute Valencia begleitete, und wollte sich seine goldenen Locken frisieren. Während er sich kämmte, unterhielten wir uns, obwohl er nicht übertrieben freundlich war. «He, sehen Sie wohl diese Valencia, wenn Sie wieder in die Bar gehen?» fragte ich.
«Das ist beinah anzunehmen», sagte er.
Ha, ha, wie witzig! Ich habe immer mit Witzbolden zu tun. «Dann sagen Sie ihr Grüße von mir.
Fragen Sie sie, ob dieser verdammte Kellner ihr meine Botschaft ausgerichtet hat, ja?»
«Warum gehst du denn nicht heim, Mac? Wie alt bist du überhaupt?»
«Sechsundachtzig. Hören Sie, richten Sie bitte Valencia meine Grüße aus, O. K.?»
«Warum gehst du nicht heim, Mac?»
«Keine Lust. Sie können aber wirklich Klavier spielen», sagte ich. Reine Schmeichelei. Er spielte jämmerlich, falls das jemand interessiert. «Sie sollten am Radio spielen», sagte ich. «So ein hübscher Bursche wie Sie. Alle die verdammten goldnen Locken. Krauchen Sie einen Manager?»
«Geh heim, Mac, sei brav. Geh nach Haus und mach, daß du ms Bett kommst.»
«Kein Haus, wo ich hin kann. Im Ernst - brauchen Sie einen Manager?»
Er gab mir keine Antwort mehr, sondern ging einfach hinaus. Da er seine Lockenpracht fertig gekämmt und getätschelt hatte, ging er eben weg. Wie Stradlater. Diese hübschen Burschen sind alle gleich. Wenn sie mit ihren verdammten Haaren fertig sind, lassen sie einen sitzen.
Als ich schließlich von der Heizung aufstand und zur Garderobe ging, heulte ich. Ich weiß nicht warum, aber jedenfalls heulte ich. Wahrscheinlich, weil ich so verdammt deprimiert und allein war.
Dann konnte ich aber meine Garderobennummer nicht finden. Das Mädchen an der Garderobe benahm sich zwar nett und gab mir meinen Mantel trotzdem. Und auch meine Platte Little Shirley Beans, die ich immer noch herumschleppte.
Ich gab ihr einen Dollar, weil sie so freundlich war, aber sie wollte ihn nicht annehmen. Sie sagte immer nur, ich solle nach Hause gehn und mich ins Bett legen. Ich versuchte, mich mit ihr zu verabreden, sobald sie heute frei hätte, aber davon wollte sie auch nichts wissen. Sie sagte, sie sei ja alt genug, daß sie meine Mutter sein könnte. Ich zeigte ihr meine verdammten grauen Haare und sagte, ich sei zweiundzwanzig - natürlich aus Blödsinn. Sie war aber wirklich nett. Ich zeigte ihr meine verdammte rote Jagdmütze, und die gefiel ihr sehr. Sie sagte, ich müsse die Mütze aber jetzt aufsetzen, weil ich so nasse Haare hätte. Sie war wirklich anständig.
Draußen war ich nicht mehr so betrunken, aber es war wieder ziemlich kalt geworden, und die Zähne schlugen mir wie toll aufeinander. Ich konnte nichts dagegen tun. Ich ging bis zur Madison Avenue und wartete dort auf einen Omnibus, weil ich fast kein Geld mehr hatte und mit Taxis und so weiter sparen mußte. Aber ich hatte dann doch keine Lust, mich in einen verdammten Omnibus zu setzen. Ich wußte ja auch gar nicht, wohin ich fahren sollte. Deshalb machte ich mich auf den Weg zum Park. Ich wollte zu dem kleinen See gehen und nachsehen, was zum Teufel die Enten machten ob sie überhaupt noch da waren. Ich wußte immer noch nicht, was im Winter aus ihnen wurde. Der Park war nicht weit weg, und es fiel mir nichts ein, wo ich sonst hätte hingehen können - ich wußte ja überhaupt nicht, wo ich schlafen sollte. Ich war gar nicht müde oder so. Nur wahnsinnig deprimiert. Als ich im Park ankam, passierte etwas Schreckliches. Ich ließ Phoebes Schallplatte fallen. Sie zerbrach in hundert Stücke. Sie steckte zwar in einem großen Umschlag, aber sie zerbrach trotzdem. Ich hatte beinah wieder geheult, weil ich das entsetzlich fand, aber dann nahm ich nur die Stücke aus dem Umschlag und steckte sie in meine Manteltasche. Man konnte nichts mehr damit machen, aber ich wollte sie doch nicht einfach wegwerfen. Dann ging ich weiter in den Park hinein. Es war stockdunkel.
Ich bin in New York aufgewachsen und kenne den Central Park auswendig, weil ich als Kind immer mit den Rollschuhen oder mit dem Rad dort herumgefahren bin, aber in dieser Nacht hatte ich die größte Mühe, bis ich den See fand. Ich wußte ganz genau, wo er war - beim Central Park South und so weiter -, aber ich konnte ihn doch nicht finden. Offenbar war ich viel betrunkener, als ich selber dachte. Ich ging immer weiter und weiter, und es wurde immer dunkler und unheimlicher und unheimlicher. Auf dem ganzen Weg begegnete ich keinem Menschen. Das war mir nur recht.
Wahrscheinlich hätte ich einen Luftsprung gemacht, wenn mir jemand begegnet wäre. Dann fand ich den See endlich. Er war zum Teil zugefroren und zum Teil nicht. Aber Enten sah ich nirgends. Ich ging um den ganzen verdammten See herum -einmal wäre ich um ein Haar hineingefallen -, aber ich sah keine einzige Ente. Ich dachte, falls sie noch da wären, schliefen sie vielleicht nah am Ufer, auf dem Gras und so. Aus diesem Grund fiel ich fast hinein. Aber es war keine Ente da. Schließlich setzte ich mich auf eine Bank, wo es nicht so verdammt dunkel war. Ich schlotterte wie ein Verrückter, und am Hinterkopf hatte ich trotz der Jagdmütze kleine Eisklumpen in den Haaren. Das machte mir Sorgen. Ich dachte, ich würde wahrscheinlich Lungenentzündung bekommen und sterben. Ich stellte mir die Millionen Leute bei meiner Beerdigung vor. Mein Großvater aus
Detroit, der immer die Straßennummern ausruft, wenn man mit ihm in einem verdammten Omnibus fährt, und meine Tanten -ich habe gut fünfzig Tanten - und meine sämtlichen blöden Cousins. Eine riesige Menschenmenge. Als Allie gestorben war, rückte die ganze Herde vollzählig an. Eine besonders blöde Tante mit Mundgeruch sagte fortwährend, wie friedlich Allie daliege - das erzählte mir D. B.
Ich war noch im Spital. Jetzt machte ich mir also Sorgen, daß ich von diesen Eisklumpen in den Haaren Lungenentzündung bekommen und sterben könnte. Meine Eltern taten mir fürchterlich leid.
Hauptsächlich meine Mutter, weil sie immer noch nicht über Allie weggekommen ist. Ich stellte mir vor, wie sie gar nicht wüßte, was sie mit meinen Anzügen und den Sportsachen und so weiter anfangen sollte. Der einzige Trost war, daß ich sicher wußte, daß sie Phoebe nicht zu meiner verdammten Beerdigung mitnehmen würde, weil Phoebe noch zu klein war. Das war wirklich das einzige Gute an der ganzen Geschichte. Dann stellte ich mir auch vor, wie sie mich alle auf den gottverfluchten Friedhof schleppen würden und mein Name auf einem Grabstein stünde. Zwischen lauter anderen Toten. Großer Gott, wenn man tot ist, sperren sie einen regelrecht ein. Ich hoffe nur, daß irgend jemand soviel Vernunft hat, mich einfach in den Fluß zu werfen, wenn ich einmal wirklich sterbe. Mir ist alles recht, nur nicht ein gottverfluchter Friedhof. Wo die Leute dann kommen und einem am Sonntag einen Blumenstrauß auf den Bauch legen, und lauter solchen Mist. Wer will denn noch Blumen, wenn er tot ist? Niemand.