Congo. Romanvorlage zum Film.
- Автор: Крайтон Майкл
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Congo. Romanvorlage zum Film.». Краткое содержание книги:
Das Nebeneinander von technischen Superwundern und ungebändigter Natur erzeugt eine grandiose Wirkung. Dieses Buch ist Seite für Seite eine Klasse für sich... New York Times
Über den Autor
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Alle seine Romane Andromeda, Der große Eisenbahnraub, Jurassic Park, Enthüllung, Die Wiege der Sonne und viele mehr wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Crichton ist Autor der weltweit erfolgreichen Fernsehserie ER Emergency Room.
»Und wieso seid ihr dann Brüder?« »Weil wir im selben Dorf leben.«
»Mit euren Eltern?«
Kahega schien entsetzt. »Nein«, sagte er mit Betonung. »Nicht im selben Dorf.«
»Also in einem anderen?«
»Ja, natürlich - wir sind doch Kikuyu.« Und er erklärte ihr, daß bei den Kikuyu alle jungen Männer, alle »Brüder«, beim Eintritt in die Pubertät das Dorf ihrer Eltern verließen und in ein neues Dorf zogen, wo sie dann heirateten und ihrerseits Kinder aufzogen.
Er bot ihr an, die elektronischen Geräte zu tragen, die sie sich umgehängt hatte. Doch sie lehnte diese Hilfe ab. Sie mußte im Laufe des Tages immer wieder versuchen, mit Houston Verbindung aufzunehmen, und gegen Mittag fand sie tatsächlich eine Lücke, wahrscheinlich, weil der für die Störungen zuständige Operator des Konsortiums gerade Mittagspause machte. Sie kam durch und setzte eine neue Zeit- und Positionsangabe ab. Auf dem Bildschirm konnte sie lesen: UEBBPRUBPN ORTSZT -10:03 H.
Sie hatten seit der letzten Überprüfung am Vorabend fast eine Stunde verloren. »Wir müssen schneller vorwärts kommen«, sagte sie Munro.
»Wollen Sie joggen?« fragte Munro mit einem spöttischen Lächeln. »Ist auf jeden Fall sehr gesund.« Dann fügte er begütigend hinzu: »Zwischen hier und den Virunga-Vulkanen kann noch eine Menge passieren.«
Sie hörten fernes Donnergrollen, und Minuten später waren sie von einem sturzflutartigen Regen durchnäßt. Die Tropfen waren so schwer und dicht, daß sie ihnen Schmerz bereiteten. Es regnete die ganze folgende Stunde hindurch. Dann hörte der Regen ebenso plötzlich wieder auf, wie er begonnen hatte. Sie waren alle klatschnaß und fühlten sich elend, und als Munro in einer Lichtung eine Essenspause einlegen ließ, protestierte Karen Ross nicht.
Amy machte sich sogleich im Urwald auf Futtersuche. Die Träger bereiteten sich eine Mahlzeit aus Curryfleisch und Reis, während Munro, Karen Ross und Elliot mit Zigaretten die Zecken von ihren Beinen wegbrannten, die sich voller Blut gesogen hatten. »Ich habe sie nicht einmal bemerkt«, sagte Karen Ross. »Bei Regen sind sie noch schlimmer als sonst«, sagte Munro. Dann blickte er rasch auf und ließ seine Augen suchend über den Urwald gleiten. »Ist etwas nicht in Ordnung?«
»Nein, es ist nichts«, sagte Munro und erklärte ausführlich, warum man die Zecken wegbrennen muß. Wenn man sie herauszog, blieb ein Teil des Kopfes im Fleisch zurück und führte zu einer Infektion.
Kahega brachte etwas zu essen, und Munro sagte leise: »Ist bei den Männern alles in Ordnung?«
»Ja«, sagte Kahega. »Alles in Ordnung. Sie haben keine Angst.« »Angst wovor?« fragte Elliot.
»Essen Sie weiter, geben Sie sich ganz natürlich«, sagte Munro. Elliot sah sich nervös um.
»Weiteressen!« sagte Munro. »Beleidigen Sie sie nicht. Sie dürfen sich nicht anmerken lassen, daß Sie von ihrer Gegenwart wissen.« Die Gruppe aß schweigend weiter. Dann raschelte es ganz in der Nähe, und ein Pygmäe trat aus dem Wald heraus.
2. Tänzer der Gottheit
Er war hellhäutig, etwa anderthalb Meter groß, mit vorgewölbter Brust. Er trug nur einen Lendenschurz. Seinen Jagdbogen und seinen Pfeilköcher hatte er über die Schulter gehängt. Er betrachtete die Mitglieder der Expedition. Offensichtlich wollte er herausfinden, wer der Führer war.
Munro stand auf und sagte rasch etwas in einer fremden Sprache - Swahili war es nicht. Der Pygmäe antwortete. Munro bot ihm eine von den Zigaretten an, mit denen sie die Zecken ausgebrannt hatten. Der Pygmäe wollte sie sich nicht anstecken; er tat sie in ein Lederbeutelchen, das er am Körper trug. Es folgte eine kurze Unterhaltung, in deren Verlauf er mehrfach in den Dschungel deutete.
»Er sagt, in ihrem Dorf sei ein toter Weißer«, sagte Munro. Er nahm seine Last auf, die auch ein Erste-Hilfe-Päckchen enthielt. »Ich muß mich beeilen.«
Karen Ross sagte: »Wir können uns den Zeitverlust nicht leisten.«
Munro sah sie mit einem zornigen Blick an. »Wieso, wenn er doch tot ist«, sagte sie.
»Er ist nicht ganz tot«, sagte Munro. »Er ist nicht >tot für immer<.«
Der Pygmäe nickte heftig. Munro erklärte ihr, wie die Pygmäen verschiedene Krankheitsgrade bezeichneten. Zuerst war ein Mensch heiß, dann fiebrig, dann krank, dann tot, dann ganz tot -und schließlich tot für immer.
Jetzt traten drei weitere Pygmäen aus dem Wald. Munro nickte. »Ich dachte mir schon, daß er nicht allein ist«, sagte er. »Diese Kerle sind nie allein. Sie ziehen nicht gern allein umher. Die anderen haben uns beobachtet. Eine falsche Bewegung, und wir hätten einen Pfeil in den Rippen gehabt. Sehen Sie die braunen Spitzen da? Vergiftet.«
Doch die Pygmäen wirkten jetzt gelöst und heiter, bis Amy durch das Unterholz zurückgestürmt kam. Rufe ertönten und Bogen wurden gespannt. Amy rannte angstvoll zu Peter Elliot hin, sprang an ihm hoch und umklammerte seine Brust, wobei sie ihn von oben bis unten mit Schlamm beschmierte.
Die Pygmäen begannen eine lebhafte Unterhaltung. Sie wollten wissen, was Amys Ankunft zu bedeuten hatte, und bestürmten Munro mit Fragen. Schließlich setzte Elliot Amy wieder ab und fragte Munro: »Was haben Sie ihnen gesagt?«
»Sie wollten wissen, ob das Ihr Gorilla ist, und ich habe ja gesagt. Dann fragten sie, ob es ein Weibchen ist, und ich habe ja gesagt, und zum Schluß wollten sie wissen, ob Sie Beziehungen mit ihr haben, und ich habe nein gesagt. Sie sagen, das sei gut, Sie sollten sich nicht zu eng an den Gorilla anschließen, denn das bereite Ihnen Schmerz.« »Wieso das?«
»Sie sagen, daß ein Gorilla, wenn er älter wird, entweder in den Urwald verschwindet und Ihnen das Herz bricht oder Sie umbringt.«
Karen Ross war immer noch gegen den Umweg zum Pygmäendorf, das einige Kilometer entfernt am Ufer des Liko lag. »Wir sind hinter unserer Zeitprojektion zurück«, sagte sie, »und verlieren jeden Augenblick mehr Zeit.«
Munro wurde heftig. »Hören Sie zu, Doktor«, sagte er. »Wir sind hier nicht in Houston, sondern mitten im gottverdammten, Urwald. Jede Verletzung muß man hier ernst nehmen. Wir haben Medikamente - vielleicht braucht der Mann sie. Man läßt nicht einfach einen Menschen im Stich. Das gehört sich nicht.«
»Wenn wir zu dem Dorf gehen«, sagte Karen Ross, »kostet uns das den Rest des Tages und wir fallen noch einmal neun oder zehn Stunden zurück. Jetzt könnten wir es gerade noch schaffen. Bei einer weiteren Verzögerung haben wir keine Chance mehr.«
Einer der Pygmäen sprach rasch auf Munro ein. Er nickte und sah mehrmals zu Karen Ross hinüber. Dann wandte er sich den anderen zu.
»Er sagt, daß der kranke Weiße ein Zeichen auf der Brusttasche seines Hemds hat, Er will es uns zeigen.« Karen Ross blickte seufzend auf ihre Uhr.
Der Pygmäe nahm einen Stock und zeichnete große Buchstaben in den schlammigen Boden zu ihren Füßen. Er gab sich große Mühe und konzentrierte sich mit angestrengtem Blick auf die ihm fremden Schriftzeichen: ERTS. »Gott im Himmel«, sagte Karen Ross leise.
Die Pygmäen gingen nicht durch den Urwald - sie liefen in einem leichten Trab, schlüpften durch Gerank und Geäst und wichen Pfützen und knorrigen Baumwurzeln aus, so behende, daß es ganz einfach wirkte. Gelegentlich blickten sie zurück und lachten leise über die Schwierigkeiten, die es den drei Weißen machte, ihnen zu folgen.
Elliot fiel der Weg am schwersten. Er stolperte über Baumwurzeln, Zweige schlugen ihm an den Kopf, dornige Ranken rissen seine Haut in Fetzen. Keuchend versuchte er, mit den kleinen Männern Schritt zu halten, die mühelos vor ihm herhuschten. Karen Ross ging es nicht viel besser als ihm, und selbst Munro, der erstaunlich schnell und agil war, zeigte Zeichen von Ermüdung.
Schließlich kamen sie an einen Bach, und vor ihnen tat sich eine sonnenbeschienene Lichtung auf. Die Pygmäen hockten sich zur Rast auf Felsen und wandten ihre Gesichter der Sonne zu. Die Weißen ließen sich keuchend und ächzend zu Boden fallen. Die Pygmäen schien das zu erheitern, doch ihr Gelächter wirkte nicht verletzend.