Congo. Romanvorlage zum Film.
- Автор: Крайтон Майкл
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Congo. Romanvorlage zum Film.». Краткое содержание книги:
Das Nebeneinander von technischen Superwundern und ungebändigter Natur erzeugt eine grandiose Wirkung. Dieses Buch ist Seite für Seite eine Klasse für sich... New York Times
Über den Autor
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Alle seine Romane Andromeda, Der große Eisenbahnraub, Jurassic Park, Enthüllung, Die Wiege der Sonne und viele mehr wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Crichton ist Autor der weltweit erfolgreichen Fernsehserie ER Emergency Room.
Die ersten Menschen, die den Regenwald am Kongo bewohnten, waren Pygmäen. Wegen ihrer geringen Körpergröße, ihres unverkennbaren Wesens und ihrer unglaublichen Behendigkeit war ihre Existenz schon sehr lange weithin bekannt. Vor mehr als viertausend Jahren war ein ägyptischer Heerführer namens Herkouf in den großen Urwald westlich der Mondberge eingedrungen. Dort hatte er eine Rasse kleiner Männer vorgefunden, die zu Ehren ihrer Gottheit tanzten und sangen. Herkoufs erstaunliche Beschreibung erschien glaubwürdig, und sowohl Herodot als auch später Aristoteles beharrten darauf, daß Berichte von den kleinen Menschen nicht ins Reich der Fabeln gehörten. Doch unvermeidlich rankten sich im Verlauf der Jahrhunderte Mythen um diese Tänzer der Gottheit.
Noch im 17. Jahrhundert zweifelte man in Europa, ob es tatsächlich kleine Männer mit Schwänzen gab, die durch die Bäume fliegen, sich unsichtbar machen und Elefanten töten kennten. Die Verwirrung wurde dadurch vergrößert, daß man gelegentlich Schimpansenskelette mit denen von Pygmäen verwechselte. Colin Turnbull hat angemerkt, daß viele Bestandteile der Legende der Wahrheit entsprechen: der herab hängende Lendenschurz aus weichgeklopfter Baumrinde sieht tatsächlich wie ein Schwanz aus, die Pygmäen können sich ihrer Umgebung im Wald derart anpassen, daß sie nicht mehr sichtbar sind, und sie haben schon in früheren Zeiten durchaus erfolgreich Elefanten gejagt. Die Pygmäen lachten, als sie wieder aufstanden und davontrabten. Die Weißen erhoben sich unter großem Gestöhn und stolperten hinter ihnen her. Die Pygmäen liefen eine weitere halbe Stunde ohne Pause und ohne ihr Tempo zu verlangsamen. Dann roch Elliot Rauch, und sie gelangten auf eine Lichtung an einem Bach, in der das Dorf lag.
Er zählte zehn in einem Halbkreis angeordnete niedrige Rundhütten, höchstens ein Meter zwanzig hoch. Alle Dorfbewohner waren an diesem Nachmittag vor den Hütten. Die Frauen putzten Pilze und Beeren, die sie offenbar am Tage gesammelt hatten, oder brieten über knisterndem Feuer Ferkel und Schildkröten. Kleine Kinder tollten umher und belästigten die Männer vor ihren Hütten, die pfeiferauchend den Frauen bei der Arbeit zusahen. Auf Munros Zeichen hin warteten sie am Rand der Siedlung, bis man sie bemerkt hatte und hineinführte. Ihre Ankunft rief großes Aufsehen hervor, die Kinder wiesen kichernd mit den Fingern auf sie, die Männer wollten von Munro und Elliot Tabak haben, und die Frauen berührten Karen Ross' blondes Haar und äußerten sich laut darüber. Ein kleines Mädchen kroch ihr zwischen die Hosenbeine und sah prüfend nach oben. Munro erklärte, die Frauen seien sich nicht einig darüber, ob Karen Ross ihr Haar färbe, und das kleine Mädchen habe sich bereit erklärt, das herauszubekommen.
»Sagen Sie ihnen, die Farbe ist natürlich«, sagte Karen Ross und errötete.
Munro sprach kurz mit den Frauen. »Ich habe ihnen gesagt, daß ihr Vafer dieselbe Haarfarbe hatte«, sagte er dann zu ihr. »Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie es auch glauben.« Er gab Elliot Zigaretten zum Verteilen, für jeden Mann eine. Sie wurden mit breitem Lächeln und mädchenhaftem Gekicher entgegengenommen.
Nachdem die einleitenden Formalitäten abgeschlossen waren, führte man sie zu einer neuerbauten Hütte am äußersten Rand des Dorfs, wo der »tote« Weiße sich aufhalten sollte. Sie fanden einen vor Schmutz starrenden bärtigen Mann um die Dreißig vor, der mit untergeschlagenen Beinen im niedrigen Eingang der Hütte saß und ins Licht stierte. Elliot merkte bald, daß er sich im Zustand der Katatonie befand - er rührte und regte sich nicht.
»Ach, du großer Gott«, sagte Karen Ross. »Das ist Bob Driscoll.« »Kennen Sie ihn?« fragte Munro.
»Er war der Geologe bei unserer ersten KongoExpedition.« Sie beugte sich dicht über ihn und bewegte ihre Hand vor seinem Gesicht hin und her. »Bobby, ich bin es, Karen. Was ist mit Ihnen?«
Driscoll reagierte nicht, zuckte nicht einmal mit den Wimpern. Er sah einfach geradeaus vor sich hin.
Einer der Pygmäen bot Munro eine Erklärung dafür an. Munro übersetzte: »Er ist vor vier Tagen in ihr Lager gekommen. Er war so wild, daß sie ihn bändigen mußten. Sie glaubten, es läge am Schwarzwasserfieber, also haben sie ihm eine Hütte gebaut und etwas Medizin gegeben. Daraufhin hat er sich beruhigt. Jetzt läßt er zwar zu, daß sie ihm zu essen geben, aber er sagt kein Wort. Sie glauben, daß General Mugurus Männer ihn vielleicht gefangengenommen und gefoltert haben - oder daß er agudu ist, stumm.« Karen Ross wich entsetzt zurück. »Gott im Himmel«, sagte sie. »Ich wüßte nicht, was wir für ihn tun könnten«, sagte Munro. »In dem Zustand, in dem er sich befindet. Körperlich scheint ihm nichts zu fehlen, aber sonst ... « Er schüttelte den Kopf.
»Ich gebe einen Bericht nach Houston durch«, sagte Karen Ross.
»Die können dann von Kinshasa aus Hilfe schicken.«
Driscoll hatte die ganze Zeit über apathisch dagesessen. Doch als Elliot sich vorbeugte, um sich seine Augen anzusehen und ihm dabei näher kam, rümpfte Driscoll die Nase. Sein Körper spannte sich an. Aus seinem Mund drang ein dumpfer Klagelaut -»Ah-ah-ah-ah« - als werde er gleich laut aufschreien.
Erschreckt trat Elliot einen Schritt zurück. Driscoll beruhigte sich, verfiel wieder in sein Schweigen.
»Was zum Teufel hatte das zu bedeuten?« sagte Elliot.
Einer der Pygmäen flüsterte Munro etwas zu. »Er sagt«, erklärte Munro, »Sie riechen nach Gorilla.«
3. Ragora
Zwei Stunden später fanden sie, von einem Pygmäen durch den Regenwald südlich von Gabutu geführt, Kahega und die anderen wieder. Aber sie waren alle drei verdrießlich und wortkarg - sie hatten Durchfall.
Die Pygmäen hatten darauf bestanden, daß sie zu einem vorverlegten Abendessen blieben, und Munro hatte keine Möglichkeit gesehen, die Einladung abzuschlagen. Das Mahl bestand in der Hauptsache aus kleinen wildwachsenden Kartoffeln, die kitsombe genannt wurden und wie verschrumpelter Spargel aussahen, aus im Wald wachsenden Zwiebeln, die sie als otsa bezeichneten, und aus modoke, Blättern von wildem Maniok, sowie verschiedenen Arten von Pilzen. Dazu gab es kleine Portionen säuerlich schmeckendes, zähes Schildkrötenfleisch und ein paar Heuschrecken, Raupen, Würmer, Frösche und Schnecken. Zwar enthielt diese Nahrung dem Gewicht nach doppelt so viel Eiweiß wie Beefsteak, aber sie bekam den an sie nicht gewöhnten Mägen nicht besonders. Und die Neuigkeiten, die sie am Lagerfeuer hörten, waren auch nicht dazu angetan, ihre Laune zu verbessern.
Den Berichten der Pygmäen zufolge hatten General Mugurus Leute ein Nachschublager am Steilabhang von Makran eingerichtet - genau dort, wohin Munro wollte. Es schien ein Gebot der Klugheit, den Soldaten auszuweichen. Munro erklärte, das Swahili habe kein Wort für Ritterlichkeit oder sportsmännischen Geist, und das gelte auch für die im Kongo gesprochene Variante, Lingala. »In diesem Teil der Welt heißt es: >Fressen oder gefressen werden.< Da halten wir uns am besten heraus.« Die einzige mögliche Ausweichroute führte sie nach Westen, zu einem Fluß, der Ragora hieß. Munro studierte mit gerunzelter Stirn seine Karte, während Karen Ross, ebenfalls mit gerunzelter Stirn, auf ihre ComputerKonsole sah. »Was ist denn los mit dem Ragora?« wollte Elliot wissen. »Vielleicht ist ja alles in Ordnung«, sagte Munro. »Es kommt darauf an, wie stark es letzthin geregnet hat.« Karen Ross sah auf ihre Uhr. »Wir sind jetzt zwölf Stunden hinter unserem Zeitplan zurück«, sagte sie. »Das einzige, was wir tun können, ist, die ganze Nacht hindurch den Fluß hinunterzufahren.«
»Das würde ich sowieso tun«, erklärte Munro. Karen Ross hatte noch nie gehört, daß ein Führer eine Expedition bei Nacht durch die Wildnis führte. »Und warum?« »Darum«, sagte Munro. »Weil die Hindernisse am Unterlauf nachts sehr viel leichter zu überwinden sein werden.« »Was für Hindernisse?« »Darüber reden wir, wenn es soweit ist«, sagte Munro.