Congo. Romanvorlage zum Film.
- Автор: Крайтон Майкл
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Congo. Romanvorlage zum Film.». Краткое содержание книги:
Das Nebeneinander von technischen Superwundern und ungebändigter Natur erzeugt eine grandiose Wirkung. Dieses Buch ist Seite für Seite eine Klasse für sich... New York Times
Über den Autor
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Alle seine Romane Andromeda, Der große Eisenbahnraub, Jurassic Park, Enthüllung, Die Wiege der Sonne und viele mehr wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Crichton ist Autor der weltweit erfolgreichen Fernsehserie ER Emergency Room.
Knapp zwei Kilometer vom Ragora entfernt hörten sie bereits das dumpfe Brausen des Wassers. Amy war sofort ängstlich. Sie machte immer wieder Zeichen, wollte wissen: Was Wasser? Elliot versuchte sie zu beruhigen, aber viel konnte er nicht machen -Amy mußte sich mit dem Fluß abfinden, trotz ihrer Angst. Als sie schließlich das Ufer erreichten, merkten sie, daß das Rauschen von den weiter flußabwärts gelegenen Strom schnell en kam. Unmittelbar vor ihnen war der schlammbraune Ragora nur fünfzehn Meter breit und floß ruhig dahin.
»Sieht ja gar nicht so schlimm aus«, sagte Elliot. »Nein«, bestätigte Munro, »sieht ganz gut aus.« Aber er kannte den Kongo. Der viertgrößte Fluß der Welt nach dem Nil, dem Amazonas und dem Jangtsekiang ist in mancherlei Hinsicht einzigartig. Wie eine Riesenschlange wand er sich quer durch den Kontinent und kreuzte dabei zweimal den Äquator -beim erstenmal nordwärts, auf Kisangani zu, dann wieder bei Mbandaka nach Süden. Das war so bemerkenswert, daß noch vor hundert Jahren Geographen es nicht glauben mochten. Da nun der Kongo nördlich und südlich des Äquators floß, gab es irgendwo an seinem Lauf immer eine Regenzeit, und so war er nicht den jahreszeitlichen Schwankungen der Wasserführung unterworfen, die für Flüsse wie den Nil so charakteristisch waren. Der Kongo ergoß sich mit einer stets gleichbleibenden Wassermenge von gut zweiundvierzigtausend Kubikmeter pro Sekunde in den Atlantik. Der einzige Fluß der Welt, der an der Mündung eine vergleichbare Wassermenge führte, war der Amazonas. Wegen seines gewundenen Laufs war der Kongo allerdings auch von allen großen Flüssen der Erde am wenigsten schiffbar. Ernsthafte Schwierigkeiten für die Schiffahrt begannen bereits an den Stromschnellen von Stanley Pool, knapp fünfhundert Kilometer vom Atlantik entfernt. Dreitausend Kilometer weiter versperren bei Kisangani, wo der Fluß immerhin noch gut eineinhalb Kilometer breit war, die Wagenia-Wasserfälle der Schiffahrt endgültig den Weg. Je weiter man an den Einmündungen der Nebenflüsse vorbei flußaufwärts gelangte, desto größer wurden die Schwierigkeiten, denn oberhalb von Kisangani ergossen sich diese Nebenflüsse ungestüm abwärts in den tiefer liegenden Dschungel - sie kamen von der im Süden gelegenen Hochlandsavanne und von den östlich liegenden schneebedeckten Fünftausendern des Ru-wenzori-Massivs.
Das Bett dieser Flüsse folgte tief eingekerbten Schluchten, deren bemerkenswerteste die »Portes d'Enfer« - das Höllentor - bei Kongolo war. Hier stürzte sich der sonst friedliche Lualaba durch eine achthundert Meter tiefe und nur hundert Meter breite Schlucht.
Der Ragora war ein kleiner Nebenfluß des Lualaba, in den er in der Nähe von Kisangani mündete. Die Stämme, die an seinen Ufern lebten, nannten ihn baratawani, »die trügerische Straße«, denn er war dafür bekannt, daß er sich ständig änderte. Sein Hauptmerkmal war die Ragora-Schlucht, sechzig Meter tief in Kalkstein geschnitten und stellenweise lediglich drei Meter breit. Je nach den letzten Regenfällen war diese Schlucht entweder ein freundliches Naturschauspiel oder ein Alpdruck aus weiß siedender Gischt.
Bei Abutu befanden sie sich noch gut zwanzig Kilometer flußaufwärts von dieser Schlucht, und aus der Beschaffenheit des Flusses ließen sich keine Schlüsse daraus ziehen, wie es an der Schlucht aussah. All das war Munro bekannt, aber es erschien ihm nicht erforderlich, Elliot aufzuklären, der gerade jetzt mit Amy vollauf beschäftigt war.
Amy hatte mit wachsender Unruhe zugesehen, wie Kahegas Männer die beiden Schlauchboote aufpumpten. Sie zupfte Elliot am Ärmel und wollte wissen: Was Ballons? »Es sind Boote, Amy«, sagte er, obwohl er vermutete, daß sie sich das bereits selbst gedacht hatte und nur versuchte, die Lage zu beschönigen. Das Wort »Boot« hatte sie nur unter Schwierigkeiten gelernt, denn sie verabscheute Wasser und wollte auch nichts mit Dingen zu tun haben, die dazu bestimmt waren, auf ihm zu fahren. Warum Boot? fragte sie. »Wir fahren jetzt Boot«, sagte Elliot.
Tatsächlich waren Kahegas Männer gerade dabei, die Boote ans Wasser zu schieben, die Ausrüstung auf ihnen zu verstauen und sie an den Aussteifungen in der Nähe des Dollbords zu verzurren. Wer fahren? fragte sie. »Wir fahren alle«, sagte Elliot.
Amy sah noch einen Augenblick zu. Unglücklicherweise waren alle nervös, Munro brüllte Befehle, die Männer arbeiteten in Eile. Wie sie schon oft gezeigt hatte, war Amy empfänglich für die Stimmungen von Menschen um sie herum. Elliot mußte immer daran denken, wie sie tagelang erklärt hatte, mit Sarah Johnson stimmte etwas nicht, und dann hatte Sarah schließlich den Mitgliedern der Projektgruppe eröffnet, sie habe sich von ihrem Mann getrennt. Elliot war sicher, daß Amy ihrer aller Bedenken spürte. Wasser im Boot kreuzen? fragte sie. »Nein, Amy«, sagte er. »Nicht kreuzen. Boot fahren.« Nein, erklärte sie, setzte sich steif hin und zog die Schultern eng zusammen.
»Amy«, sagte er, »wir können dich nicht einfach hierlassen.« Dafür wußte sie eine Lösung. Andere Leute gehen. Peter Amy bleiben.
»Es tut mir leid, Amy«, sagte er. »Ich muß mit, und du auch.« Nein, bedeutete sie ihm Amy nicht gehen. »Doch, Amy.« Er holte aus seinem Gepäck die Spritze und eine Ampulle Thoralen.
Amy machte sich steif und war sichtlich zornig. Sie schlug sich mit der geballten Faust unter das Kinn. »Laß das, Amy«, warnte er sie.
Karen Ross kam mit den hellorange leuchtenden Schwimmwesten für ihn und Amy. »Etwas nicht in Ordnung?« »Sie flucht«, sagte Elliot. »Lassen Sie uns besser allein.« Karen Ross warf einen Blick auf Amys angespannten Körper. Amy machte das Zeichen für Peters Namen und schlug sich dann wieder mit der Faust unter das Kinn. Dieses Zeichen wurde in wissenschaftlichen Berichten freundlich als »vulgär« wiedergegeben, obwohl Affen es meist dann verwandten, wenn sie ihr Geschäft verrichten mußten. Die Primatenforscher gaben sich keinen Täuschungen darüber hin, was die Tiere wirklich damit meinten. Amy sagte: Peter Scheiße.
Nahezu alle sprachfähigen Primaten schimpften, und sie verwandten dazu eine Vielzahl von Wörtern. Manchmal 'schien das Schimpfwort willkürlich gewählt - so zum Beispiel »Vogel«, »Nuß« oder »Dreck«. Doch hatten mindestens acht Primaten in verschiedenen Labors unabhängig voneinander die geballte Faust als Zeichen äußersten Widerwillens benutzt. Der einzige Grund dafür, daß diese bemerkenswerte Übereineinstimmung noch nicht in die Fachliteratur eingegangen war, lag darin, daß keiner der Forscher es darauf ankommen lassen wollte. Es hatte den Anschein, daß Menschenaffen, wie auch die Menschen, die Exkremente des Körpers für ungeeignet hielten, Wut und Verachtung auszudrücken.
Peter Scheiße, gab sie ihm wieder zu verstehen. »Amy ...« Er zog eine doppelte Dosis Thoralen auf. Peter Scheiße Boot Scheiße Menschen Scheiße. »Amy, hör sofort auf.« Er machte seinen eigenen Körper steif und beugte sich vor, ahmte die Wuthaltung eines Gorillas nach. Dadurch ließ Amy sich oft zum Rückzug bewegen. Doch diesmal half es nichts.
Peter Amy nicht mögen. Jetzt schmollte sie, wandte sich von ihm ab und machte ihre Zeichen ins Blaue hinein. »Sei nicht albern«, sagte Elliot und näherte sich ihr mit der Spritze in der Hand. »Peter Amy mögen.« Sie wich zurück und ließ ihn nicht an sich heran, so daß er sich gezwungen sah, das Narkosegewehr zu laden und ihr einen Betäubungspfeil in die Brust zu schießen; was er in all den Jahren, die sie gemeinsam verbracht hatten, erst drei- oder viermal getan hatte. Sie zog den Pfeil mit traurigem Gesichtsausdruck heraus. Peter Amy nicht mögen.
»Tut mir leid«, sagte Peter Elliot und eilte auf sie zu, denn ihre Augen verdrehten sich nach oben, und er konnte sie gerade noch in seinen Armen auffangen.
Amy lag flach atmend auf dem Rücken, im zweiten Boot, Elliot zu Füßen. Voraus sah Elliot Munro, der im ersten Boot stand und den Weg wies, während das Wasser sie geräuschlos talwärts trug. Munro hatte die zwölf Angehörigen der Expedition auf zwei Boote verteilt. Er selbst hatte das erste Boot bestiegen und im zweiten Elliot, Karen Ross und Amy unter Kahegas Befehlsgewalt gestellt. Wie Munro sich ausdrückte, sollte das zweite Boot »aus unseren Mißgeschicken lernen.«