Congo. Romanvorlage zum Film.
- Автор: Крайтон Майкл
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Congo. Romanvorlage zum Film.». Краткое содержание книги:
Das Nebeneinander von technischen Superwundern und ungebändigter Natur erzeugt eine grandiose Wirkung. Dieses Buch ist Seite für Seite eine Klasse für sich... New York Times
Über den Autor
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Alle seine Romane Andromeda, Der große Eisenbahnraub, Jurassic Park, Enthüllung, Die Wiege der Sonne und viele mehr wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Crichton ist Autor der weltweit erfolgreichen Fernsehserie ER Emergency Room.
»Ich vermute«, sagte Karen Ross und sah über ihre Schulter, »daß wir uns glücklich preisen dürfen.
Vermutlich gehören wir zu den letzten Menschen auf der Welt, die so etwas zu sehen bekommen.«
Munro schüttelte den Kopf. »Das bezweifle ich«, sagte er. »So schnell bricht niemand mit alten Gewohnheiten.«
Im Verlauf des Bürgerkriegs, der in den sechziger Jahren im Kongo getobt hatte, hatte die Öffentlichkeit der westlichen Welt entsetzt auf Berichte über den weitverbreiteten Kannibalismus und andere Scheußlichkeiten reagiert. In Wirklichkeit war Kannibalismus in Zentralafrika stets offen praktiziert worden. Sidney Hinde schrieb 1897, daß »alle Stämme im Kongo-Becken entweder Kannibalen sind oder waren, und bei einigen von ihnen gewinnt der Brauch an Beliebtheit.« Hinde zeigte sich von der unverhüllten Offenheit des kongolesischen Kannibalismus beeindruckt: »Dampferkapitäne haben mir oft versichert, daß immer wieder, wenn sie versuchen, von den Eingeborenen Ziegen zu kaufen, im Austausch dafür Sklaven verlangt werden. Häufig kommen sie mit Elefantenzähnen an Bord, für die sie einen Sklaven kaufen wollen, und beklagen sich, daß Fleisch derzeit in weitem Umkreis sehr knapp sei.«
Im Kongo stand der Kannibalismus in keiner Beziehung zu Ritualen, zur Religionsausübung oder zum Krieg - es war lediglich eine Frage kulinarischer Vorliebe.
Reverend Holman Bentley, ein Geistlicher, die zwanzig Jahre dort zubrachte, zitierte einen Eingeborenen, der gesagt haben solclass="underline" "Ihr Weißen glaubt, daß Schweinefleisch am besten schmeckt, aber in Wirklichkeit hält es den Vergleich mit Menschenfleisch nicht aus.« Bentley hatte den Eindruck, daß die Eingeborenen »die ihren Gewohnheiten gegenüber erhobenen Bedenken nicht verstehen würden. Ihr eßt Geflügel und Ziegen, und wir essen Menschen - warum auch nicht? Wo liegt der Unterschied?«
Diese ungezwungene Haltung erstaunte Beobachter und führte zu .seltsamen Gewohnheiten. Herbert Ward beschrieb 1910 Märkte, auf denen Sklaven verkauft wurden, und zwar »stückweise, bei lebendigem Leibe. So unglaublich es erscheinen mag, Gefangene werden von Ort zu Ort geführt, damit jeder Gelegenheit hat, durch Markierungen, die außen am Körper angebracht werden, den Teil zu kennzeichnen, den er zu kaufen wünscht. Diese Kennzeichnung erfolgt gewöhnlich mit Hilfe farbigen Tons oder in besonderer Weise geknoteter Grasstreifen. Die verblüffende Gelassenheit der Opfer, die auf diese Weise erleben, wie um ihre einzelnen Teile gefeilscht wird, ist nur der Abgestumpftheit vergleichbar, mit der sie ihrem Geschick entgegenziehen.« Solche Berichte kann man nicht als Zeugnisse spätviktorianischer Hysterie abtun, denn alle Beobachter beschrieben die Kannibalen als freundlich und sympathisch. Ward nannte sie Menschen »ohne Arg und niedrige Gesinnung. In völligem Gegensatz zu allem, was man eigentlich annehmen sollte, gehören sie zu den freundlichsten Menschen«. Bentley beschrieb sie als »heitere und mutige Burschen, freundlich in der Unterhaltung und nur zu bereit, ihre Zuneigung zu beweisen.«
Unter der belgischen Kolonialverwaltung ging der Kannibalismus stark zurück - zu Beginn der fünfziger Jahre ließen sich sogar gelegentlich Friedhöfe finden -, aber niemand nahm ernsthaft an, daß er ausgerottet sei. Noch 1956 schrieb H. C. Engert: »Der Kannibalismus ist in Afrika bei weitem noch nicht tot... Ich habe selbst eine Weile in einem Kannibalendorf zugebracht und einige (menschliche) Knochen gefunden. Es handelt sich bei den Eingeborenen um überaus freundliche Menschen. Der Kannibalismus ist einfach ein alter Brauch, der nicht so schnell aufgegeben wird.«
In Munros Augen war der Aufruhr der Kigani 1979 lediglich eine politische Unbotmäßigkeit. Die Angehörigen des Stamms rebellierten gegen die Aufforderung der Regierung des Landes Zaire, Ackerbau zu treiben, statt zu jagen - als sei das alles so einfach. Die Kigani waren ein armes, rückständiges Volk, Hygiene war bei ihnen nur wenig entwickelt, ihre Nahrung war eiweiß- und vitaminarm, und sie fielen häufig der Malaria, dem Hakenwurm, der Bilharziose und der Schlafkrankheit zum Opfer. Jedes vierte Kind starb bereits bei der Geburt, und nur wenige Kigani wurden älter als fünfundzwanzig Jahre. Die Mühsal ihres Daseins erforderte Erklärungen, und die lieferten ihnen Angawa oder Zauberer. Die Kigani glaubten, daß die Mehrzahl der Todesfälle durch das Eingreifen übernatürlicher Kräfte erfolgte: Das Opfer war von einem Zauberer verhext, hatte ein Tabu gebrochen oder wurde von rachedurstigen Geistern aus dem Totenreich umgebracht. Auch der Jagd wohnte ein übernatürlicher Aspekt inne: Das Wild wurde stark von der Geisterwelt beeinflußt. Tatsächlich erschien den Kigani die übernatürliche Welt weit wirklicher als die Alltagswelt, die sie für einen »Wachtraum« hielten. Sie versuchten, die übernatürlichen Kräfte durch Zauberbann und von den Angawa hergestellte Zaubertränke zu beherrschen. Sie führten auch rituelle Veränderungen an ihren Leibern durch, bemalten beispielsweise Gesicht und Hände weiß, um damit dem Krieger für die Schlacht größere Kräfte zu verleihen. Da die Kigani glaubten, daß auch den Leichen ihrer Feinde ein Zauber innewohnte, aßen sie sie, um den von anderen Angawa ausgesprochenen Zauber zu brechen. Die ursprünglich dem Gegner eigenen magischen Kräfte sollten so auf sie übergehen, und die Bemühungen der feindlichen Zauberer vereitelt werden.
Dieser Glaube war uralt, und die Kigani reagierten schon immer in ganz bestimmter Weise auf Bedrohungen. Dazu gehörte, daß sie andere Menschen aßen. 1890 zogen sie im Norden auf den Kriegspfad, nachdem die ersten Fremden mit Feuerwaffen bei ihren Einfallen das Wild vergrämt hatten. Als sie im Bürgerkrieg 1961 vor dem Hungertod standen, griffen sie andere Stämme an und aßen ihre Opfer.
»Und warum essen sie jetzt Menschen?« fragte Elliot Munro. »Sie bestehen auf ihrem Jagdrecht«, sagte Munro. »Ganz gleich, was die Bürokraten in Kinshasa davon halten.«
Am frühen Nachmittag erklommen die Expeditionsteilnehmer einen Berg, von dem aus sie die Täler überblicken konnten, die in südlicher Richtung hinter ihnen lagen. In der Feme entdeckten sie große Rauchwolken und sahen Flammen emporzüngeln. Man hörte die gedämpften Detonationen von Luft-Boden-Raketen und das Rotorklopfen von Hubschraubern, die wie mechanische Geier über einem erlegten Stück Wild in der Luft kreisten. »Das sind Kigani-Dörfer«, sagte Munro und blickte kopfschüttelnd zurück. »Sie haben nicht die geringsten Aussichten, zumal alle Mänrter in den Hubschraubern und die Bodentruppen, die, sie unterstützen, vom Abawe-Stamm sind, dem Erbfeind der Ki-gani.«
Die Welt des 20. Jahrhunderts hatte keinen Raum für den Glauben von Kannibalen, und die Regierung in Kinshasa, dreitausend Kilometer entfernt, hatte bereits beschlossen, »den peinlichen Brauch der Menschenfresserei« in den Grenzen ihres Landes mit Stumpf und Stiel auszurotten. Sie schickte im Juni fünftausend Soldaten und sechs mit Raketen ausgerüstete amerikanische UH-2-Hubschrauber sowie zehn gepanzerte Mannschaftstransporter gegen die Kigani, um die Rebellion niederzuschlagen. Der kommandierende Befehlshaber, General Ngo Muguru, gab sich keinen Täuschungen über seinen Auftrag hin: man wollte in Kinshasa, daß er den Stamm der Kigani ausrottete -und genau das dachte er zu tun.
Während des übrigen Tages hörten sie entfernte Detonationen von Mörsern und Raketen. Es war unmöglich, den Kontrast zwischen dieser modernen Bewaffnung und Pfeil und Bogen der Kigani-Krieger zu übersehen, die sie beobachtet hatten. Karen Ross sagte, es sei traurig, und Munro erwiderte, es sei unvermeidlich.
»Der Zweck des Lebens«, sagte Munro, »ist es, am Leben zu bleiben. Beobachten Sie einmal ein Tier in der Natur - es versucht nichts anderes, als am Leben zu bleiben. Es kümmert sich nicht um Aussichten oder Glaubenshaltungen. Immer dann, wenn das Verhalten eines Tiers es die Beziehung zur Wirklichkeit seines Daseins verlieren läßt, verschwindet es als Art von der Bildfläche. Die Kigani haben nicht erkannt, daß die Zeiten sich geändert haben und daß ihr Glaube nicht funktioniert. Damit sind sie zum Untergang verurteilt.«