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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Sie würde sich nach dem Namen des Dorfes erkundigen müssen, wo sie war, und hoffen, daß es Skendgate sein würde. Doch selbst wenn es ein anderes Dorf war, würde ihr der Name verraten, wo sie in bezug auf den Absetzort war. Und natürlich konnten die Dorfbewohner ihr zeigen, wo es war, sobald ihr Zustand sich weiter gebessert hätte.

Wie ist der Name dieses Dorfes, in das ihr mich gebracht habt? Gestern abend war sie nicht fähig gewesen, die Frage zu formulieren, aber das hatte am Fieber gelegen, natürlich. Jetzt hatte sie keine Schwierigkeiten damit. Mr. Latimer hatte Monate damit verbracht, ihr die richtige Aussprache beizubringen. Sicherlich würden die Leute verstehen, wenn sie fragte: »In welich lande ben ic?« Oder auch: »Wasse ist dis eigen?« Selbst wenn der örtliche Dialekt Abweichungen zeigte, würde der Implantdolmetscher es automatisch korrigieren.

»Im welich dorfstat mih han gebranc?« fragte Kivrin.

Die Frau wandte sich erschrocken um. Sie stieg von der Steinbank, die Schüssel in einer Hand und die Auftragbürste in der anderen, aber es war ein eckig aussehender Holzlöffel oder Spachtel.

»Gottebae plaise tthar tleve«, sagte die Frau, Löffel und Schüssel zusammen vor sich haltend. »Bet naght agast.«

Der Implantdolmetscher sollte sofort übersetzen, was gesagt wurde. Vielleicht lag Kivrins Aussprache so weit daneben, daß die Frau dachte, sie spreche eine ausländische Sprache, und versuchte, ihr in unbeholfenem Französisch oder Niederdeutsch zu antworten.

»Wa hin ir mih han gebranc?« sagte sie langsam, um dem Implantdolmetscher Zeit zu geben.

»Wick londebay yae komen laudayke autreen godela deynorm andoar sic straunguwlondes. Spekefaw ic waenoot awfthy taloorbrede.«

»Lauyes sheress loostee?« sagte eine Stimme.

Die Frau wandte den Kopf zu einer Tür, die Kivrin nicht sehen konnte, und eine andere Frau trat ein, viel älter, mit einem runzligen Gesicht unter dem Kopftuch, und ihre Hände waren dieselben, an die sich Kivrin aus ihren Fieberträumen erinnerte, rauh und hart und faltig. Sie trug eine silberne Kette und hatte einen kleinen ledernen Kasten bei sich, ähnlich dem, den Kivrin mitgebracht hatte, nur war dieser kleiner und mit Eisen statt Messing beschlagen. Sie stellte den Kasten auf die Steinbank am Fenster.

»Auf specheryt darmayt?«

Sie erinnerte sich auch an die Stimme, rauh und beinahe zornig klingend. Sie sprach zu der Frau neben Kivrins Bett, als ob sie eine Dienerin wäre. Nun, vielleicht war sie es, und die Alte war die Dame des Hauses, obwohl ihr Kopftuch nicht weißer, Ihre Kleidung nicht feiner als die der anderen war. Aber sie hatte keine Schlüssel am Gürtel, und jetzt erinnerte sich Kivrin, daß nicht die Haushälterin die Schlüssel bei sich trug, sondern die Hausherrin.

Die Hausherrin in vergilbtem Leinen und schlecht gefärbter Sackleinwand, was bedeutete, daß Kivrins Kleidung ganz falsch war, genauso falsch wie Latimers Aussprache, genauso falsch wie Dr. Ahrens’ Zusicherungen, daß sie nicht krank würde.

»Ich hatte meine Schutzimpfungen«, murmelte sie, und beide Frauen schauten sie an.

»Ellavih swot wardesdoor feenden iss?« fragte die ältere Frau in scharfem Ton. War sie die Mutter der jüngeren Frau oder ihre Schwiegermutter? Kivrin hatte keine Ahnung. Keines der Worte, die sie gesagt hatte, schien ihr verständlich, nicht einmal ein Name oder eine Form der Anrede war herauszuhören.

»Maetinkerr woun dahest wexe hoordoumbe«, sagte die jüngere Frau, und die ältere antwortete: »Noc nayte baucows derouthe.«

Nichts. Kürzere Sätze sollten leichter zu übersetzen sein, aber Kivrin konnte nicht einmal unterscheiden, ob sie ein Wort oder mehrere sagte.

Die jüngere Frau hob den Kopf, und das Kinn in dem engen Kopftuch schob sich zornig vor. »Certessan, shreevadwom wolde nadae seyvous«, sagte sie mit deutlicher Schärfe.

Kivrin überlegte, ob sie stritten, und ob es mit ihr zu tun habe. Sie stieß mit den schwachen Händen gegen die Felle, als wollte sie sich von den Frauen wegstoßen, und die Jüngere der beiden stellte Schüssel und Löffel weg und kam sofort ans Bett.

»Spaegun yovor tongawn glais?« sagte sie, und soweit es Kivrin betraf, konnte es »Guten Morgen« oder »Fühlst du dich besser?« oder »Wir verbrennen dich bei Sonnenaufgang« heißen. Vielleicht behinderte ihre Krankheit die Funktionstüchtigkeit des Implantdolmetschers. Vielleicht würde sie, wenn ihr Fieber nachließe, alles verstehen, was sie sagten.

Die alte Frau kniete neben dem Bett nieder, ein kleines Silberkästchen am Ende der Kette zwischen den gefalteten Händen, und begann zu beten. Die junge Frau beugte sich näher, um Kivrins Stirn zu betrachten, dann griff sie ihr hinter den Kopf und tat etwas, was an Kivrins Haaren zog, und sie begriff, daß die Leute ihre Verletzung an der Schläfe verbunden haben mußten. Sie berührte den Stoff mit der Hand, dann fühlte sie am Hals nach ihren Locken, aber da war nichts mehr. Ihr Haar endete unter den Ohren in einem zerfransten Saum.

»Vae motten tiyez thynt«, sagte die junge Frau in besorgtem Ton. »Far thotywort wount sorr.« Kivrin hatte den Eindruck, daß sie ihr etwas erkläre, und obwohl sie nichts verstand, glaubte sie doch den Sinn zu erahnen: sie war sehr krank gewesen, so krank, daß sie gedacht hatten, ihr Haar stehe in Flammen. Sie erinnerte sich, daß jemand — die alte Frau? — versucht hatte, ihre Hände festzuhalten, als sie wild nach den Flammen geschlagen hatte. Es war ihnen nichts übrig geblieben als ihr das Haar abzuschneiden.

Kivrin war immer stolz auf die Fülle und Schönheit ihres langen blonden Haares gewesen, obwohl seine Wäsche und Pflege viel Zeit erfordert hatte, und oft hatte sie sich gesorgt, wie die Frauen des Mittelalters ihr Haar trugen, ob sie es zu Zöpfen flochten oder nicht, und hatte überlegt, wie in aller Welt sie zwei Wochen ohne Haarwäsche auskommen würde. Sie sollte froh sein, daß sie es ihr abgeschnitten hatten, doch konnte sie nur an Johanna von Orleans denken, die kurzes Haar gehabt hatte und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war.

Die junge Frau hatte ihre Hände vom Verband genommen und beobachtete Kivrin mit ängstlichem Ausdruck. Kivrin lächelte ihr ein wenig zittrig zu, und sie lächelte zurück. Auf der rechten Seite ihres Oberkiefers fehlten zwei Zähne, und der Zahn neben der Lücke war braun, aber wenn sie lächelte, sah sie nicht älter als achtzehn oder neunzehn aus.

Sie wickelte den Verband ab und legte ihn auf die Decke. Er war aus dem gleichen vergilbten Leinen wie ihr Kopftuch, aber in fransige Streifen gerissen und mit bräunlichem Blut befleckt. Es war mehr Blut, als Kivrin erwartet hatte. Mr. Gilchrists Alibiverletzung mußte wieder angefangen haben zu bluten.

Die Frau berührte nervös Kivrins Schläfe, als wüßte sie nicht recht, was zu tun sein. »Vexeyaw hongrut?« sagte sie, schob eine Hand hinter Kivrins Hals und half ihr den Kopf zu heben.

Ihr Kopf fühlte sich schrecklich leicht an. Das mußte daran liegen, daß ihr Haar abgeschnitten war, dachte sie.

Die Alte gab der anderen eine hölzerne Schale, und die junge Frau setzte sie Kivrin an die Lippen. Kivrin nippte vorsichtig vom Inhalt, denn in ihrem noch verwirrten Sinn glaubte sie, es sei dieselbe Schale, in der das Wachs gewesen war. Das war es nicht, und es war auch nicht der Trunk, den sie ihr vorher eingeflößt hatten. Es war ein dünner, körniger Haferschleim, weniger bitter als der Trunk letzte Nacht, und mit einem fettigen Nachgeschmack.

»Tasholde nayive gros vitalle towate«, sagte die Alte. Ihre harte Stimme klang kritisch und ungeduldig.

Bestimmt ihre Schwiegermutter, dachte Kivrin.

»Shimote lese hoor vourc«, antwortete die junge Frau geduldig.

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