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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Der Haferschleim schmeckte gut. Kivrin hätte ihn gern ausgetrunken, doch schon nach wenigen Schlucken fühlte sie sich erschöpft.

Ihre Pflegerin gab die Schale wieder der Alten, die auch ans Bett gekommen war, und ließ Kivrins Kopf behutsam herunter. Sie nahm den blutigen Verband, besah noch einmal Kivrins Schläfe, als sei sie unschlüssig, ob sie den Verband wieder anlegen sollte, und dann gab sie auch ihn der anderen Frau, die ihn und die Schale auf eine Truhe oder einen Tisch legte, die am Fußende des Bettes sein mußte.

»Lo, liget hsteallouw«, sagte die junge Frau mit ihm zahnlückigen Lächeln, und wenn Kivrin die Worte auch nicht verstehen konnte, Tonfall und Gesichtsausdruck waren nicht mißzuverstehen. Sie sollte ausruhen und schlafen. Kivrin schloß die Augen.

»Durmidde shaolausbrekkeynou«, sagte die alte Frau, und beide gingen hinaus und schlossen die Tür aus schweren Holzplanken.

Kivrin wiederholte die Worte langsam, soweit sie sie behalten hatte, bemüht, einen vertrauten Anklang herauszuhören. Der Implantdolmetscher sollte ihre Fähigkeit verbessern, Phoneme auszusondern und syntaktische Muster zu erkennen, nicht nur mittelalterliches Vokabular zu speichern, aber sie hätte geradesogut Serbisch hören können.

Und vielleicht war es so. Gott allein wußte, wohin man sie gebracht hatte. Sie war nicht bei Sinnen gewesen. Vielleicht hatte der Halsabschneider sie an Bord eines Schiffes gebracht und den Kanal überquert. Ihr Verstand sagte ihr freilich, daß das nicht möglich war. Sie erinnerte sich an den größten Teil der nächtlichen Wanderung, auch wenn ihr eine zusammenhanglose, traumähnliche Qualität eigen war. Sie war vom Pferd gefallen, und ein rothaariger Mann hatte sie aufgehoben. Und sie waren an einer Kirche vorbeigekommen.

Wenn sie sich nur erinnern könnte, in welche Richtung sie gezogen waren. Zuerst war es durch den Wald gegangen, dann auf einen Fahrweg, zu einer Gabelung, und dort war sie vom Pferd gefallen. Wenn es ihr gelänge, die Weggabelung wiederzufinden, würde sie von dort vielleicht den Absetzort erreichen können. Die Weggabelung war nicht weit vom Dorf.

Wenn aber der Absetzort so nahe war, dann mußte sie sich in Skendgate befinden, und die Frauen mußten Mittelenglisch sprechen. Warum konnte sie dann nichts verstehen?

Vielleicht hatte sie sich beim Sturz vom Pferd am Kopf verletzt, und dabei war der Implantdolmetscher beschädigt worden. Doch wenn sie sich recht erinnerte, war sie nicht auf den Kopf gefallen; sie hatte sich nicht mehr halten können und war seitwärts heruntergerutscht und halb auf dem Hinterteil, halb auf der Seite gelandet. Es war das Fieber. Irgendwie hinderte es den Implantdolmetscher daran, die Worte zu erkennen.

Andererseits hatte er das Latein erkannt, dachte sie, und in ihrer Brust zog sich etwas ängstlich zusammen. Das Latein hatte er richtig erkannt und interpretiert, und sie hatte es verstanden und beantwortet. Wie war es möglich, daß sie krank gewesen, nein, noch immer krank war? Sie hatte alle Impfungen bekommen. Sie mußte daran denken, wie die antivirale Schutzimpfung gejuckt und eine Anschwellung unter dem Arm gebildet hatte. Aber Dr. Ahrens hatte sie kurz vor dem Beginn der Absetzoperation überprüft und in Ordnung gefunden. Von allen anderen Schutzimpfungen hatte nur die gegen die Pest gejuckt, aber die Pest konnte sie nicht haben; sie zeigte keines der Symptome.

Pestkranke hatten große Beulen unter den Armen und an den Innenseiten der Schenkel. Sie erbrachen Blut, und die Adern unter der Haut platzten und verursachten schwärzliche Blutergüsse. Es war nicht die Pest, aber was war es dann, und wie hatte sie sich die Krankheit zugezogen? Man hatte sie gegen jede im Mittelalter verbreitete Krankheit geimpft, und außerdem war sie nach ihrer Ankunft keiner Ansteckungsquelle ausgesetzt gewesen. Die Symptome hatten sich kurz nach der Ankunft gezeigt, noch ehe sie einem Menschen begegnet war. Krankheitserreger aber schwebten nicht im Umkreis eines Absetzortes im Wald und warteten, daß jemand durchkäme. Sie mußten durch Kontakt oder Tröpfcheninfektion oder Flöhe übertragen werden. Die Pest war von Flöhen übertragen worden.

Es kann nicht die Pest sein, sagte sie sich mit Entschiedenheit. Menschen, die von der Pest befallen sind, überlegen nicht lange, ob sie sie haben; sie sind zu sehr mit Sterben beschäftigt.

Es war nicht die Pest. Die Flöhe, die sie verbreitet hatten, lebten auf Ratten und Menschen, nicht draußen im Wald, und der Schwarze Tod hatte England erst 1348 erreicht. Es mußte eine mittelalterliche Krankheit sein, von der Dr. Ahrens nichts gewußt hatte. Damals hatte es alle möglichen seltsamen Krankheiten gegeben — die Skrofulose und den Veitstanz und namenlose Fiebererkrankungen. Eine von denen mußte es sein, und ihr gekräftigtes Immunsystem hatte eine Weile gebraucht, bis es darauf gekommen war und den Kampf aufgenommen hatte. Aber nun hatte es gesiegt, ihr Fieber war zurückgegangen, und der Implantdolmetscher würde anfangen zu funktionieren. Sie brauchte nur auszuruhen und abzuwarten und zu Kräften zu kommen. Getröstet schloß sie die Augen und schlief.

Jemand berührte sie. Sie öffnete die Augen und sah die Schwiegermutter. Sie untersuchte Kivrins Hände, drehte sie von innen nach außen und wieder nach innen, fuhr mit ihrem schrundigen Zeigefinger über die Handrücken, betrachtete die Nägel. Als sie sah, daß Kivrins Augen offen waren, ließ sie die Hände wie angewidert los und sagte: »Sheavost ahvhegh parage attelest, baht hoore der wikkonassae haswfolletwe?«

Nichts. Kivrins hatte gehofft, daß der Dolmetscher während ihres Schlafes alles bis dahin Gehörte sortiert und entziffert haben würde. Aber was die alte Frau sagte, war noch immer unverständlich. Manches hörte sich ein wenig wie Französisch an, vor allem in den Betonungen, aber Kivrin hatte sich mit normannischem Französisch beschäftigt — Mr. Dunworthy hatte sie dazu gedrängt -, und sie konnte in dieser Sprache nichts davon wiederfinden.

»Hasto naydepesse?« sagte die Frau.

Es klang jedenfalls wie eine Frage.

Als Kivrin nicht zu antworten wußte, ergriff die alte Frau mit harter Hand ihren Arm und legte den anderen Arm um ihre Schultern, wie um ihr aufzuhelfen. Ich bin zu schwach, um aufzustehen, dachte Kivrin. Warum will sie, daß ich aufstehe? Um verhört zu werden? Verbrannt zu werden?

Die junge Frau kam mit einer Fußschüssel herein, die sie auf der Steinbank abstellte. Dann kam sie, um der Älteren zu helfen. »Hastonti natour yowrese?« fragte sie mit ihrem zahnlückigen Lächeln, und Kivrin kam der Gedanke, daß die beiden sie vielleicht zur Toilette führen wollten. Sie unternahm eine Anstrengung, aufzusitzen und die Beine vom Strohsack über die Bettkante zu schieben.

Augenblicklich überkam sie das Schwindelgefühl. Sie saß, ließ die bloßen Beine über die Seitenplanke der Bettstelle hängen und wartete, daß es verginge. Sie trug ihr leinenes Hemd und sonst nichts. Wo mochten ihre Kleider sein? Wenigstens hatte man ihr das Hemd gelassen. Soviel sie wußte, hatte man im Mittelalter keine Nachthemden gekannt.

Im Mittelalter hatte man auch keine Toiletten, dachte sie und hoffte, sie würde nicht hinaus zu einer Latrine im Freien gehen müssen. In Burgen gab es manchmal geschlossene Abtritte über einem Schacht oder Erker, die über eine Außenwand hinausragten, aber dies war keine Burg.

Die junge Frau legte Kivrin eine dünne, gefaltete Decke wie einen Schal um die Schultern, und gemeinsam halfen die beiden ihr vom Bett auf. Die Dielenbretter des Bodens waren eiskalt. Sie tat ein paar wankende Schritte, dann wurde ihr wieder schwindlig. Ich werde es nie bis hinaus schaffen, dachte sie.

»Wotan shay wootes nawdaor youse der jordane?« sagte die alte Frau, und Kivrin hörte eine Ähnlichkeit mit dem französischen jardin heraus, was Garten bedeutete. Sollte sie sich vielleicht im Garten entleeren?

»Tanwai maunhollp anhor«, sagte die junge Frau. Sie hatte Kivrin umfaßt und zog nun Kivrins Arm über die Schultern. Die andere packte Kivrins anderen Arm mit beiden Händen. Sie reichte Kivrin kaum über die Schulter, und die junge Frau konnte kaum mehr als neunzig Pfund wiegen, aber gemeinsam hielten sie Kivrin aufrecht und gingen mit ihr bis zum Ende des Bettes.

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