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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Der Dem wartete, bis die Tür geöffnet wurde, dann bedeutete er Dannyl, als Erster auszusteigen. Draußen war es dunkel, und Dannyl schuf automatisch eine Lichtkugel. Sie erhellte einen Tunnel, auf dessen geziegelten Mauern Feuchtigkeit glänzte.

»Macht das bitte aus«, bat der Dem.

Dannyl löschte das Licht. »Entschuldigung«, sagte er. »Das ist eine Angewohnheit.«

Nach der Helligkeit der Lichtkugel war jetzt alles stockdunkel. Eine Hand berührte ihn an der Schulter und schob ihn weiter. Dannyl streckte seine Sinne aus und entdeckte eine Öffnung in der Mauer, auf die sie sich zubewegten.

»Vorsicht«, murmelte der Dem. »Dahinter liegt eine Treppe.«

Dannyls Stiefel traf auf eine harte Kante. Bedächtig stieg er eine steile Treppe empor, dann wurde er durch einen Flur mit vielen Biegungen und Seitengängen geführt. Schließlich spürte er einen großen Raum und eine vertraute Präsenz, und die Hand ließ seine Schulter los.

Eine Lampe flackerte auf und beleuchtete mehrere Möbelstücke in einem Raum, der ganz aus dem Felsen gehauen war. Aus einem Riss in einer der Mauern sickerte Wasser in ein Becken und dann weiter durch ein Loch im Fußboden. Die Luft war kalt, und Farand trug einen weiten, pelzbesetzten Mantel.

Der junge Mann verneigte sich. Jetzt, da es nicht mehr lange dauern konnte, bis er sich aus seiner Zwangslage befreit hatte, wirkten seine Bewegungen selbstbewusster.

»Botschafter Dannyl«, sagte er, »willkommen in meinem neuesten Versteck.«

»Es ist etwas kalt hier«, bemerkte Dannyl. Er sandte ein wenig Magie aus, um die Luft zu wärmen. Farand grinste und streifte den Umhang ab. »Ich habe früher davon geträumt, großartige und dramatische Dinge mit Magie tun zu können. Jetzt wäre ich schon überglücklich, wenn ich zu etwas Derartigem imstande wäre.«

Dannyl warf einen vielsagenden Blick auf Royend. Der Dem lächelte und zuckte die Achseln. »Nicht alle teilen diese Meinung, das kann ich Euch versichern. Und Farand möchte gewiss mehr lernen als nur die Grundlagen der Magie.«

Er stand neben einem Seil, das von einem Loch in der Decke herabhing. Das andere Ende war wahrscheinlich an einer Glocke befestigt, vermutete Dannyl. Er fragte sich, wer daneben warten mochte.

»Nun«, sagte Dannyl. »Dann sollten wir am besten gleich anfangen. Es hat keinen Sinn, Euch länger als nötig in kalten Verstecken festzuhalten.«

Farand ging zu einem Stuhl hinüber und setzte sich. Dann holte er tief Luft, schloss die Augen und begann mit der beruhigenden Übung, die Dannyl ihn gelehrt hatte. Als sich die Züge des jungen Mannes entspannten, trat Dannyl näher.

»Dies könnte Eure letzte Lektion sein«, erklärte er mit tiefer, ruhiger Stimme. »Es könnte allerdings auch noch ein wenig länger dauern. Die Kontrolle über die eigene Magie muss eine vertraute Gewohnheit sein, damit sie weder am Tag noch in der Nacht eine Gefahr für Euch darstellen kann. Es ist besser, sie in Eurem eigenen Tempo zu erlernen, statt irgendetwas zu überstürzen.« Er legte die Finger sachte auf Farands Schläfen und schloss die Augen.

Es war unmöglich, in der Gedankenrede wirklich zu lügen, aber man konnte die Wahrheit verbergen. Bisher hatte Dannyl seine Mission und seinen Plan, die Rebellen am Ende zu verraten, für sich behalten können. Doch mit jeder Unterrichtsstunde gewöhnte sich Farand ein wenig mehr an diese Form der Kommunikation. Die Gefahr, dass er etwas von Dannyls geheimen Absichten erfuhr, wuchs.

Und jetzt, da die Zeit gekommen war, um die Rebellen zu verhaften, konnte Dannyl eine gewisse Anspannung nicht länger verbergen. Farand spürte sie und wurde neugierig.

— Was ist das für ein Ereignis, mit dem Ihr heute Nacht rechnet? fragte er.

— Ihr werdet wahrscheinlich die Kontrolle über Eure Magie erlangen, antwortete Dannyl. Das entsprach der Wahrheit und war Teil dessen, was in den nächsten Stunden geschehen würde. Außerdem war es wichtig genug, um dem jungen Mann Dannyls Erregung zu erklären. Aber Farand wusste, welche Konsequenzen es hatte, Magie auf verbotenem Wege zu erlernen, und er war argwöhnischer als sonst.

— Da ist noch mehr. Ihr verbergt etwas vor mir.

— Natürlich, antwortete Dannyl. Ich werde vieles vor Euch geheim halten, bis ich weiß, dass Ihr und Eure Freunde nicht verschwinden werdet, sobald Ihr Kontrolle gelernt habt.

— Der Dem ist ein ehrenwerter Mann. Er hat versprochen, als Gegenleistung für Eure Hilfe Tayends Schutz zu gewährleisten. Dieses Versprechen wird er nicht brechen.

Einen Moment lang empfand Dannyl Mitgefühl für diesen naiven jungen Mann. Dann drängte er die Regung beiseite und rief sich ins Gedächtnis, dass Farand jung sein mochte, aber sicherlich kein Narr war.

— Wir werden sehen. Und nun führt mich zu dem Ort, an dem Eure Kraft liegt.

Farand brauchte weniger Zeit als erwartet, um die feinsten Nuancen der Kontrolle zu begreifen. Während Farand über seine Leistung nachdachte, wappnete sich Dannyl gegen das, was nun kommen musste. Er unterbrach Farands Jubel mit einer Frage.

— Wo sind wir?

Das Bild eines Tunnels wurde sichtbar, dann der Raum, in dem sie sich befanden. Farand wusste ebenso wenig wie Dannyl, wo sie waren.

— Wer ist Euer Gastgeber?

Wieder konnte Farand diese Frage nicht beantworten.

Andererseits hatte Royend vermutlich erraten, dass Dannyl diese Informationen aus den Gedanken des jungen Mannes würde lesen können, und deshalb hatte er wahrscheinlich dafür Sorge getragen, dass Farand nichts Näheres erfuhr.

Farand hatte genug von Dannyls Überlegungen aufgefangen, um misstrauisch zu werden.

— Was habt Ihr…?

Dannyl nahm die Hände von Farands Schläfen und unterbrach die Verbindung. Gleichzeitig schuf er einen schwachen Schild für den Fall, dass Farand versuchen sollte, seine Magie zu benutzen. Der junge Mann starrte ihn an.

»Es war eine List«, stieß Farand hervor. »Das Ganze war eine List.« Er drehte sich zu Royend um. »Er will uns verraten.«

Royend starrte Dannyl an, und seine Miene verhärtete sich. Als der Dem nach dem Glockenzug greifen wollte, streckte Dannyl seinen Willen aus. Der Mann riss die Hand zurück; er hatte sich an einer Barriere verbrannt.

Dannyl konzentrierte sich auf jemanden, der sich außerhalb des Raums befand.

— Errend?

Farands Augen weiteten sich, als er das Gespräch auffing.

— Dannyl. Habt Ihr den Einzelgänger?

— Ja.

Sofort erhob sich ein Summen in Dannyls Bewusstsein, als die Gespräche von einem Dutzend Magiern in seinen Sinnen aufbrandeten. Farand sah sich mit panischem Blick in seinem Versteck um, während er gleichfalls lauschte.

»Sie verhaften die anderen«, sagte er. »Nein! Das ist alles meine Schuld!«

»Nein, das ist es nicht«, entgegnete Dannyl. »Es ist die Schuld Eures Königs, der die Fähigkeiten eines potenziellen Magiers missbraucht hat, und Eures Schwagers, der die Situation ausgenutzt hat, um seine eigenen Ziele zu verfolgen. Ich nehme an, Eure Schwester wusste davon, obwohl ich nicht glaube, dass sie einen von Euch verraten hätte.«

Farand sah Royend an, und der Blick in den Augen des jungen Mannes sagte Dannyl, dass er Recht hatte.

»Versucht nicht, uns gegeneinander auszuspielen, Botschafter«, erklärte Royend. »Das wird nicht funktionieren.«

— Wo seid Ihr?, fragte Errend.

— Ich weiß es nicht genau. Eine einstündige Kutschfahrt von der Stadt entfernt. Er sandte ein Bild des Tunnels. Kommt Euch das bekannt vor?

— Nein.

Farand sah zuerst Dannyl an, dann wieder Royend. »Er weiß immer noch nicht, wo wir sind«, sagte er hoffnungsvoll.

»Es wird nicht schwierig sein, das herauszufinden«, versicherte ihm Dannyl. »Und Ihr solltet bereits wissen, Farand, dass es unter Magiern als unhöflich gilt, die Gespräche anderer zu belauschen.«

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