Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Aufregung steckte die Miliz an wie ein von Moskitos übertragenes Fieber, als aufgrund der neuen Bedingungen neue Pläne geschmiedet wurden.
»Jetzt«, sagte Ian, der wie ein Geist neben Jamie aus dem Nebel auftauchte. »Caswell ist so weit.«
Unsere wenigen Vorräte waren bereits gepackt, und mit Gewehren, Pulver und Lebensmitteln beladen, stahlen sich achthundert Mann und eine unbekannte Zahl von Zivilpersonen wie ich selbst leise durch den Nebel auf die Brücke zu. Die Lagerfeuer ließen wir hinter uns brennen.
Ich war mir nicht ganz sicher, wo sich MacDonalds Truppen jetzt befanden – möglich, dass sie noch auf der Wagenstraße unterwegs waren oder dass sie vorsichtig davon abgewichen waren und sich jetzt dem Rand des Sumpfes näherten, um ihn auszukundschaften. In diesem Fall wünschte ich ihnen viel Glück. Auch ich war bis ins Innerste angespannt, als ich behutsam über die Brücke ging; es war unsinnig, auf Zehenspitzen zu gehen, doch es widerstrebte mir, die Füße fest aufzusetzen – der Nebel und die Stille schienen zur Heimlichkeit aufzurufen.
Ich stieß mit dem Zeh an eine unebene Planke und stolperte vorwärts, doch Roger, der neben mir ging, fasste mich am Arm und richtete mich auf. Ich drückte ihm den Arm, und er lächelte schwach, sein Gesicht im Nebel kaum sichtbar, obwohl er nicht mehr als dreißig Zentimeter von mir entfernt war.
Er wusste genauso gut wie Jamie und die anderen, was auf uns zukam. Dennoch spürte ich, dass er sehr aufgeregt war – und von Schrecken erfüllt. Es würde schließlich seine erste Schlacht werden.
Auf der anderen Seite verteilten wir uns, um auf dem Hügel oberhalb des halbkreisförmigen Erdwalls, den die Männer hundert Meter vom Bach entfernt aufgeworfen hatten, ein neues Lager aufzuschlagen. Ich kam so dicht an den Kanonen vorbei, dass ich ihre langen Nasen sehen konnte, die vorwitzig in den Nebel ragten: Mutter Covington und ihre Tochter, so nannten die Männer die beiden Kanonen – ich fragte mich müßig, welche wohl welche war und wer zum Teufel die richtige Mutter Covington gewesen sein könnte. Wahrscheinlich eine respekteinflößende Lady – oder vielleicht ja die Betreiberin des örtlichen Bordells.
Brennholz war leicht zu finden; der Eissturm hatte auch vor den Kiefern am Bach nicht haltgemacht. Allerdings war es verdammt feucht, und ich hatte nicht vor, eine Stunde mit einer Zunderbüchse auf den Knien zu verbringen. Zum Glück konnte in dieser Suppe ja niemand sehen, was ich tat, und so zog ich heimlich eine kleine Dose mit Briannas Streichhölzern aus meiner Tasche.
Während ich auf das Holz blies, hörte ich eine Reihe seltsamer, durchdringender Kreischgeräusche von der Brücke kommen und kniete mich aufrecht hin, um den Hügel hinunterzustarren. Ich konnte natürlich nichts sehen, begriff aber beinahe sofort, dass es das Geräusch nachgebender Nägel war, als die Planken ausgehebelt wurden – sie waren dabei, die Brücke zu demontieren.
Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis Jamie zu mir kam. Er wollte nichts essen, setzte sich aber an einen Baum und winkte mich zu sich. Ich setzte mich zwischen seine Knie und lehnte mich an ihn, dankbar für seine Wärme: Die Nacht war kalt, und die Feuchtigkeit kroch in jede Ritze und ließ das Knochenmark gefrieren.
»Sie werden doch wohl sehen, dass die Brücke nicht mehr da ist?«, sagte ich nach langem Schweigen, das von den tausend Geräuschen der Männer erfüllt war, die unter uns am Werk waren.
»Nicht, wenn der Nebel bis zum Morgen hält – und das wird er.« Jamie klang resigniert, doch er kam mir friedvoller vor als vorhin.
Wir saßen eine Weile still zusammen und sahen dem Spiel der Flammen im Nebel zu – ein gespenstischer Anblick, da das schimmernde Feuer mit dem Nebel zu verschmelzen schien, so dass sich die Flammen immer höher reckten, bevor sie in dem wirbelnden Weiß verschwanden.
»Glaubst du an Geister, Sassenach?«, fragte Jamie ganz plötzlich.
»Äh … schlicht und ergreifend, ja«, sagte ich. Er wusste, dass es so war, weil ich ihm von meiner Begegnung mit dem schwarzbemalten Indianer erzählt hatte. Ich wusste, dass er ebenfalls daran glaubte – er war Highlander. »Warum, hast du einen gesehen?«
Er schüttelte den Kopf und schlang die Arme fester um mich. »›Gesehen‹ würde ich nicht sagen«, sagte er nachdenklich. »Aber der Teufel soll mich holen, wenn er nicht hier ist.«
»Wer denn?«, sagte ich aufgeschreckt.
»Murtagh«, sagte er und überraschte mich noch mehr. Er setzte sich bequemer zurecht, und ich schmiegte mich wieder an ihn. »Seit der Nebel aufgekommen ist, habe ich das merkwürdige Gefühl, dass er in meiner Nähe ist.«
»Wirklich?« Das war faszinierend, doch es erfüllte mich auch mit großer Beklommenheit. Murtagh, Jamies Patenonkel, war in Culloden gestorben und seitdem – soweit ich wusste – niemandem erschienen. Ich zweifelte nicht an seiner Präsenz – Murtagh hatte eine sehr starke, wenn auch etwas sauertöpfische Persönlichkeit besessen –, und wenn Jamie sagte, dass er hier war, war es wahrscheinlich auch so. Was mir Sorgen machte, war die Frage, warum er wohl hier sein mochte.
Ich konzentrierte mich eine Weile, konnte den schmächtigen Schotten aber selbst nicht spüren. Offenbar interessierte er sich nur für Jamie. Das machte mir Angst.
Der Ausgang der morgigen Schlacht stand zwar fest, doch Schlacht war Schlacht, und es konnte auch auf der Siegerseite Tote geben. Murtagh war Jamies Patenonkel gewesen und hatte seine Pflicht sehr ernst genommen. Ich hoffte sehr, dass ihm nicht zu Ohren gekommen war, dass Jamie im Begriff stand, sein Leben zu verlieren, und dass er nicht hier aufgetaucht war, um ihn in den Himmel zu begleiten. Visionen am Vorabend der Schlacht waren fester Bestandteil der Highland-Folklore, aber Jamie hatte nichts davon gesagt, dass er Murtagh gesehen hatte. Das war immerhin etwas, dachte ich.
»Er, ähm, hat aber nichts zu dir gesagt, oder?«
Jamie schüttelte den Kopf. Ihn schien der Geisterbesuch nicht nervös zu machen.
»Nein, er ist einfach nur … da.« Er schien dieses »Da-Sein« sogar als tröstend zu empfinden, daher sprach ich meine Zweifel und Ängste nicht aus. Doch ich verspürte sie trotzdem und verbrachte den Rest der kurzen Nacht dicht an meinen Mann gedrückt, wie um Murtagh oder wen auch immer zu warnen, ihn mir ja nicht wegzunehmen.
Kapitel 113
Die Geister von Culloden
Als es dämmerte, stand Roger neben seinem Schwiegervater hinter dem niedrigen Erdwall, die Muskete in der Hand, und blinzelte angestrengt in den Nebel. Die Geräusche einer Armee drangen deutlich zu ihm; Töne leitete der Nebel gut. Das gemessene Stampfen der Füße, obwohl sie nicht annähernd im Gleichschritt gingen. Metallklirren und Stoffrascheln. Stimmen – die Rufe der Offiziere, dachte er, die begannen, ihre Truppen zu ordnen.
Inzwischen mussten sie die verlassenen Lagerfeuer gefunden haben; sie würden wissen, dass der Feind jetzt am anderen Ufer lag.
Kräftiger Talggeruch lag in der Luft; Alexander Lillingtons Männer hatten die Längsbalken geschmiert, nachdem sie die Planken entfernt hatten. Er hatte den Eindruck, seine Schusswaffe jetzt schon seit Stunden festzuhalten, und doch war das Metall nach wie vor kalt in seiner Hand – seine Finger waren steif.
»Hörst du, was sie rufen?« Jamie wies kopfnickend auf den Nebel, der das andere Ufer verhüllte. Der Wind hatte sich gedreht; es kamen nur zusammenhanglose gälische Satzfetzen von jenseits der Zypressenstämme, und er verstand sie nicht. Jamie schon.
»Wer auch immer sie anführt – der Stimme nach glaube ich, dass es McLeod ist –, will den Bach im Sturm nehmen«, sagte er.
»Aber das ist glatter Selbstmord«, sagte Roger. »Sie müssen es wissen – es hat doch sicher jemand die Brücke gesehen?«
»Sie sind Highlander«, erwiderte Jamie leise, den Blick auf den Ladestock gerichtet, den er gerade hervorzog. »Sie werden dem Mann folgen, dem sie die Treue schwören, auch wenn er sie in den Tod führt.«