Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Doch Randall fuhr herum, vielleicht gewarnt durch eine Veränderung in seinen Augen, durch Murtaghs schluchzenden Atem – oder einfach durch den Instinkt des Soldaten. Zu spät, um dem Stoß ganz auszuweichen, aber rechtzeitig, um zu verhindern, dass er sein tödliches Ziel in seiner Niere fand. Randall hatte aufgestöhnt, als er getroffen wurde – Himmel, er konnte es jetzt noch hören – und war mit einem Ruck zur Seite gestolpert, doch im Fallen hatte er Murtaghs Handgelenk gepackt und ihn in einem Tropfenregen aus den Ginsterbüschen zu Boden gerissen.
Sie waren ineinander verschlungen in eine Mulde gerollt, und er hatte sich in das hartnäckige Gebüsch gestürzt, um ihnen zu folgen, irgendeine Waffe – was, was war es gewesen? – in der Faust.
Doch seine Haut erinnerte sich nicht; er spürte das Gewicht der Waffe in der Hand, konnte aber nicht ausmachen, ob es ein Knauf oder ein Abzug war, und dann war es wieder fort.
Was blieb, war das eine Bild; Murtagh. Murtagh, der mit zusammengebissenen, entblößten Zähnen zuhieb. Murtagh, der angerannt kam, um ihn zu retten.
Langsam kam ihm wieder zu Bewusstsein, wo er war. Er hatte eine Hand auf dem Arm liegen – Roger Mac, totenbleich, aber standhaft.
»Ich sehe nach ihnen«, sagte Roger Mac mit einem kurzen Kopfnicken in Richtung des Bachs. »Kommst du zurecht?«
»Aye, natürlich«, sagte er, allerdings mit dem Gefühl, das er so oft hatte, wenn er aus einem Traum erwachte – als sei er nicht ganz real.
Roger Mac nickte und wandte sich zum Gehen. Dann drehte er sich plötzlich zurück, legte Jamie noch einmal die Hand auf den Arm, und ganz leise sagte er: »Ego te absolvo.« Dann wandte er sich wieder ab und schritt resolut zum Ufer, um sich um die Sterbenden zu kümmern und die Toten zu segnen.
Zwölfter Teil
Wir haben nicht für immer Zeit
Kapitel 114
Amanda
Aus dem L’Oignon – Intelligencer, 15. Mai 1776
Unabhängigkeit!!!
Infolge des famosen Siegs an der Moore’s Creek Bridge hat der Vierte Provinzialkongress von North Carolina dafür gestimmt, die Resolution von Halifax zu verabschieden. Darin werden die Delegierten für den Kontinentalkongress autorisiert, gemeinsam mit den Delegierten der anderen Kolonien die Unabhängigkeit zu erklären und Allianzen mit anderen Ländern zu schließen, während dieser Kolonie das alleinige und ausschließliche Recht vorbehalten bleibt, eine Verfassung und Gesetze für diese Kolonie festzulegen. Mit der Verabschiedung der Resolution von Halifax wird North Carolina somit zur ersten Kolonie, die sich offiziell als unabhängig betrachtet.
Das erste Schiff
einer von Sir Peter Parker befehligten Flotte hat am achtzehnten April die Mündung des Cape Fear River erreicht. Die Flotte besteht aus insgesamt neun Schiffen, und laut Gouverneur Josiah Martin befördert sie britische Truppen in die Kolonie, zum Zwecke der Befriedung und Einigung derselben.
Gestohlen:
Güter im Wert von insgesamt sechsundzwanzig Pfund und vier Pence, entwendet aus Mr. Neil Forbes’ Lagerhaus an der Water Street. Die Diebe haben in der Nacht des zwölften Mai ein Loch in die Rückwand des Lagerhauses gebrochen und die Güter mit einem Wagen abtransportiert. Zwei Männer, ein Weißer und ein Schwarzer, wurden dabei beobachtet, wie sie mit einem Gespann brauner Maultiere davonfuhren. Jede Auskunft über dieses gemeine Verbrechen wird großzügig belohnt. Bitte an W. Jones im Gull and Oyster am Marktplatz wenden.
Eine Geburt
melden Hauptmann Roger MacKenzie aus Fraser’s Ridge und seine Frau – ein Mädchen, am einundzwanzigsten April. Mutter und Kind sind bei guter Gesundheit, der Name des Kindes wird mit Amanda Claire Hope MacKenzie angegeben.
Roger hatte noch nie solche Angst gehabt wie in dem Moment, als man ihm seine neugeborene Tochter das erste Mal in die Arme legte. Sie war gerade ein paar Minuten alt, ihre Haut war so zart und so perfekt wie die einer Orchidee, und sie war so zerbrechlich, dass er befürchtete, Fingerabdrücke auf ihr zu hinterlassen – und so unwiderstehlich, dass er sie einfach berühren musste. Er fuhr ihr mit der Oberseite seines Fingers sanft, ganz sanft über die wunderschöne, kleine runde Wange und strich ungläubig mit dem Zeigefinger über das schwarze Spinnengewebe ihrer Haare.
»Sie sieht aus wie du.« Brianna lehnte verschwitzt, zerzaust, mit unbewohntem Bauch – und so wunderschön, dass er ihren Anblick kaum ertragen konnte – in den Kissen und grinste wie eine Cheshirekatze, ein Grinsen, das nie ganz verschwand, obwohl es die Müdigkeit hin und wieder verwischte.
»Wirklich?« Er betrachtete das winzige Gesicht absolut hingerissen. Nicht, um nach Spuren seiner selbst zu suchen, sondern weil er den Blick nicht von ihr abwenden konnte.
Er kannte sie ja schon sehr gut, weil er monatelang immer wieder von ihren Tritten oder Boxhieben geweckt worden war, oder zugesehen hatte, wie sich Briannas Bauch hob und senkte, oder weil er spürte, wie sich das Baby unter seinen Händen vorschob und wieder zurückzog, während er hinter seiner Frau lag, ihren Bauch umfasste und dabei Witze machte.
Aber für ihn war sie Klein Otto gewesen, so nannte er das ungeborene Kind insgeheim. Otto hatte seine ganz eigene Persönlichkeit – und einen Moment lang spürte er einen lächerlichen Stich des Verlustes, als er begriff, dass es Otto nicht mehr gab. Dieses winzige, zarte Wesen war jemand völlig Neues.
»Meinst du, sie ist Marjorie?« Brianna blinzelte das Bündel an, das in eine Decke gewickelt war. Monatelang hatten sie über Namen diskutiert, sich über die Vorschläge des anderen lustig gemacht, lächerliche Vorschläge wie Montgomery oder Agatha gemacht. Am Ende hatten sie vorläufig beschlossen, dass es Michael heißen würde, wenn es ein Junge war; wenn es ein Mädchen war, Marjorie nach Rogers Mutter.
Seine Tochter öffnete ganz plötzlich die Augen und sah ihn an. Ihre Augen standen schräg; er fragte sich, ob das wohl so bleiben würde – wie bei ihrer Mutter? Eine Art sanftes Mittelblau wie der Himmel am Vormittag – auf den ersten Blick nichts Besonderes, doch wenn man direkt hineinsah … grenzenlose Weite.
»Nein«, sagte er leise und starrte unverwandt in diese Augen. Konnte sie ihn schon sehen?, fragte er sich.
»Nein«, sagte er noch einmal. »Ihr Name ist Amanda.«
Anfangs hatte ich nichts gesagt. Es war nichts Ungewöhnliches bei Neugeborenen – vor allem, wenn sie etwas zu früh auf die Welt kamen wie Amanda –, kein Grund zur Sorge.
Der Ductus arteriosus ist ein kleines Blutgefäß, das beim Embryo die Aorta mit der Pulmonalarterie verbindet. Natürlich hat ein Baby Lungen, doch vor der Geburt benutzt es sie nicht; der Sauerstoff kommt durch die Nabelschnur aus der Plazenta. Daher müssen die Lungen nur durchblutet werden, um das entstehende Gewebe zu ernähren – und der Ductus arteriosus umgeht den Lungenkreislauf.
Bei der Geburt holt das Baby zum ersten Mal Luft, und Sauerstoffsensoren in diesem kleinen Gefäß bringen es dazu, sich zusammenzuziehen – und sich für ewig zu schließen. Wenn es geschlossen ist, fließt das Blut vom Herzen in die Lungen, wo es Sauerstoff aufnimmt und dann zurückkommt, um in den restlichen Körper gepumpt zu werden. Ein cleveres, elegantes System – nur funktioniert es manchmal nicht richtig.