Der Zahir
- Автор: Коэльо Пауло
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Zahir». Краткое содержание книги:
Erzählt wird Der Zahir aus der Perspektive eines mittlerweile überaus erfolgreichen Autors, der von den Lesern geliebt und der Kritik gehasst wird. Ersteres, weil er ganz nach dem Erfolgsprinzip Coelhos seine Leserschaft an seiner Erleuchtung teilhaben lässt, letzteres, weil er sich den angeblich üblichen Regeln des Literaturbetriebs verweigert, den er als ein schmieriges System von Gefälligkeiten und Abhängigkeiten beschreibt. Dass er aber überhaupt zu dem Schriftsteller geworden ist, der er immer hat sein wollen, hat er letztlich allein seiner Frau Esther zu verdanken, ohne deren ebenso kluge wie selbstlose Hilfe er seine inneren Schreibwiderstände niemals überwunden hätte. Und nun ist diese Frau plötzlich fort. Wurde sie entführt, hat sie ihn verlassen? Der Mann, dem ihre Bedeutung für sein Leben und Seelenheil immer deutlicher vor Augen tritt, macht sich auf eine zunächst völlig vergeblich erscheinende Suche um am Ende, wir ahnen es, zwar auch die Gesuchte, vor allem aber sich selbst zu finden.
Was soll man sagen? Der Zahir wird ganz sicher wieder ein Weltbestseller. Und, ganz ehrlich: Wir gönnen es ihm! Das Feuilleton freilich wird sich aller Voraussicht nach auch dieses Mal nur mäßig begeistert zeigen. Und die nicht ganz unberechtigte Kritik, der Autor habe sein immer gleiches Thema nun vielleicht doch einmal erschöpft, wird an Coelho abperlen, wie die Male zuvor. Schade eigentlich, es sollte ihm Ansporn sein. Doch, so wird er sich sagen, Millionen Leser können nicht irren. Er sollte es besser wissen.
Sie weiß inzwischen, daß ich eine feste Arbeit habe und genug verdiene, um meine Mutter und meine Großeltern zu unterstützen, und auch, daß mein Chef mir vertraut, obwohl er drei oder viermal die Krämpfe oder epileptischen Anfälle‹ erlebt hat, wie er die Augenblicke nennt, in denen ich mit einer unbekannten Welt in Kontakt trete.
Bevor sie sich verabschiedet, nennt mir die Frau ihren Namen − Esther − und weist mich darauf hin, daß sie verhaftet und abgeschoben werden würde, wenn ich zur Polizei ginge, um sie anzuzeigen. Sie sagt auch, es gebe im Leben Augenblicke, in denen wir unserer Intuition blind folgen müßten, und dies sei so einer. Ich bitte sie, sich keine Sorgen zu machen, bin versucht, ihr etwas von der Stimme und dem Mädchen zu erzählen, ziehe dann aber vor, zu schweigen. Meiner Mutter sage ich, man hätte mir einen Job als Dolmetscher und mehr Geld angeboten und daß ich eine Zeitlang verreisen müsse. Es scheint sie nicht zu beunruhigen. Alles läuft wie am Schnürchen, als sei alles schon lange geplant und als hätten wir alle nur auf den rechten Augenblick gewartet.
Ich schlafe schlecht, am nächsten Tag bin ich früher als sonst bei der Arbeit. Ich sage meinem Chef, es tue mir leid, aber ich hätte eine neue Arbeit gefunden. Er meint, früher oder später würden meine neuen Arbeitgeber herausfinden, daß ich krank sei, es sei riskant, einen sicheren Job für ein Risiko aufzugeben. Aber wie meine Mutter lenkt auch er schließlich ein, es ist, als würde die ›Stimme‹ den Willen der Menschen beeinflussen, mit denen ich an diesem Tag reden muß, als ermutige sie mich, den ersten Schritt zu tun, und wolle ihn mir erleichtern.
Bei unserem Treffen im Hotel am nächsten Tag versuche ich Esther klarzumachen, falls wir gefaßt würden, drohe ihr die Abschiebung, ich aber würde ins Gefängnis kommen, möglicherweise für viele Jahre. Daher ginge ich ein viel höheres Risiko ein als sie, sie müsse mir vertrauen. Ihr scheint das einzuleuchten, wir sind zwei Tage unterwegs, eine Gruppe von Männern erwartet sie auf der anderen Seite der Grenze, sie verschwindet, kommt nach einer Weile frustriert und zornig zurück. Der Krieg steht kurz vor seinem Ausbruch, alle Wege werden überwacht. Setzt sie ihren Weg trotzdem fort, so wird sie als Spionin verhaftet werden.
Wir machen uns also auf den Rückweg. Esther, die zuvor so voller Selbstvertrauen gewesen ist, wirkt jetzt traurig und verwirrt. Um sie abzulenken, rezitiere ich Verse des Dichters, der in der Nähe meines Dorfes gelebt hat, während ich zugleich daran denke, daß in achtundvierzig Stunden alles vorbei sein wird. Doch ich muß der Stimme vertrauen, alles daransetzen, daß Esther nicht ebenso schnell wieder aufbricht, wie sie gekommen ist. Vielleicht sollte ich ihr zeigen, daß ich schon immer auf sie gewartet habe.
In derselben Nacht versuche ich, nachdem wir unsere Schlafsäcke neben ein paar Felsen ausgebreitet haben, ihre Hand zu nehmen. Sie schiebt mich zärtlich weg, sagt, sie sei verheiratet. Ich weiß, daß ich einen falschen Schritt getan habe, handele dann aber, ohne zu überlegen: Da ich nichts mehr zu verlieren habe, erzähle ich ihr von den Visionen meiner Kindheit, von der Mission, die Liebe zu verbreiten, von der Diagnose der Ärzte, die von Epilepsie sprechen.
Zu meiner Überraschung versteht sie genau, was ich sage.
Sie erzählt etwas über ihr Leben, sagt, sie liebe ihren Mann und auch er liebe sie, aber im Laufe der Zeit sei etwas Wichtiges verlorengegangen, sie möchte lieber weit weg sein, als zuzusehen, wie sich ihre Ehe ganz allmählich auflöse. Sie habe alles in ihrem Leben gehabt und sei trotzdem unglücklich gewesen. Obwohl sie für den Rest ihres Lebens hätte so tun können, als gebe es dieses Unglücklichsein nicht, macht ihr der Gedanke angst, sie könne in eine Depression verfallen und nie wieder daraus herausfinden.
Also habe sie beschlossen, alles aufzugeben, Abenteuer zu suchen, die verhinderten, daß sie über ihre Liebe nachdenke. Je mehr sie gesucht habe, desto mehr habe sie sich selber verloren, sich desto einsamer gefühlt. Sie habe ihren Weg auf immer verloren, und das, was wir gerade erlebt hätten, habe ihr gezeigt, daß sie sich auf dem falschen Weg befinde und darum besser in die Alltagsroutine zurückkehre.
Ich schlage daraufhin vor, wir könnten doch einen weniger bewachten Pfad gehen, ich kenne Schmuggler aus AlmaAta, die uns helfen könnten. Doch sie wirkt so, als habe sie jede Kraft verloren, als habe sie den Wunsch aufgegeben, weiterzugehen.
In diesem Augenblick bittet mich ›die Stimme‹, Esther der Erde zu weihen. Ohne recht zu wissen, was ich da mache, erhebe ich mich, öffne meinen Rucksack, netze meine Finger mit dem Öl aus einer kleinen Flasche, das wir zum Kochen mitgenommen haben, lege die Hand auf Esthers Stirn, bete schweigend und bitte sie am Ende, ihre Suche fortzusetzen, da diese für uns alle wichtig sei. ›Die Stimme‹
sagt es mir vor, und ich wiederhole es für Esther: Die Änderung eines einzigen Menschen bedeutet eine Veränderung der ganzen Menschheit. Esther umarmt mich, und ich fühle, daß die Erde sie segnet, und wir verharren sehr lange so.
Schließlich frage ich Esther, ob sie glaube, was ich ihr über
›die Stimme‹ erzählt habe. Sie sagt, ja und nein. Sie glaube, wir hätten alle eine Kraft in uns, die wir nie nutzen, und zugleich denke sie, daß ich durch meine epileptischen Anfälle mit dieser Kraft in Verbindung trete. Sie hoffe auch, wir könnten das gemeinsam herausfinden. Sie habe vor, einen Nomaden zu interviewen, der nördlich von AlmaAta lebe und dem magische Kräfte nachgesagt würden. Wenn ich sie begleiten wolle, sei ich willkommen. Als Esther mir seinen Namen nennt, fällt mir ein, daß ich seinen Enkel kenne, was den Kontakt erleichtern könnte.
Wir fahren durch AlmaAta, halten nur kurz, um zu tanken und Proviant zu kaufen, und fahren dann zu einem kleinen Dorf in der Nähe eines vom Sowjetregime angelegten künstlichen Sees. Ich begebe mich an den Ort, an dem der Nomade lebt, und obwohl ich einem seiner Gehilfen sage, daß ich mit dem Enkel befreundet bin, müssen wir stundenlang warten, da viele Menschen die Ratschläge des Mannes hören wollen, den sie für einen Heiligen halten.
Endlich sind wir dran. Beim Dolmetschen während des Interviews, aber auch beim wiederholten Lesen von Esthers Artikel, der später veröffentlicht wird, erfahre ich, was sie wissen wollte.
Esther fragt, warum die Menschen traurig seien.
›Das ist einfach‹, antwortet der Alte. ›Sie sind an ihre persönliche Geschichte gefesselt. Alle glauben, das Ziel des Lebens bestehe darin, einem Plan zu folgen. Niemand fragt sich, ob es der eigene Plan ist oder ob er von jemand anderem gemacht wurde. Erfahrungen, Erinnerungen, Dinge, Gedanken anderer werden angehäuft, mehr, als die Menschen tragen können. Und daher vergessen sie ihre Träume.‹
Esther meint daraufhin, viele Menschen würden zu ihr sagen: ›Sie haben Glück, Sie wissen, was Sie vom Leben wollen. − Ich weiß nicht, was ich will.‹
Selbstverständlich wissen Sie es‹, ist die Antwort des Nomaden. ›Wie viele Leute kennen Sie, die ihr Leben lang sagen: Ich habe nichts von dem getan, was ich wollte, aber so sieht die Realität nun einmal aus. Wenn sie sagen, daß sie nicht getan haben, was sie wollten, dann wissen sie doch, was sie wollen. Die Realität, das sind doch nur die Geschichten, die die anderen über die Welt erzählen und wie wir uns darin verhalten sollen.
Und wie oft sagen sie nicht noch etwas viel Schlimmeres.
Zum Beispieclass="underline" Ich bin zufrieden, weil ich mein Leben für die Menschen opfere, die ich liebe.