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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Der Gutsbesitzer, zu dem Nikolaj kam, war alter Kavallerist und Junggeselle, Pferdekenner, Jäger, Inhaber einer Teppichweberei und der glückliche Besitzer eines alten Ungarweines, eines hundertjährigen Schnapses und wundervoller Pferde.

Ohne viel Worte zu machen, kaufte Nikolaj von ihm für sechstausend Rubel siebzehn Hengste, eine Auswahl, wie er sagte, als Paradestück für seine Remonte. Dann speiste er dort zu Mittag, trank nicht zu wenig von dem alten Ungarwein, küßte sich beim Abschied mit dem Gutsbesitzer, mit dem er bereits auf du und du stand, und fuhr dann in vergnügtester Stimmung auf dem bodenlosen Weg wieder zurück, wobei er ununterbrochen den Kutscher zur Eile antrieb, um noch rechtzeitig zur Abendgesellschaft des Gouverneurs zu kommen.

Dann zog er sich um, parfümierte sich, goß sich kaltes Wasser über den Kopf und erschien zwar etwas spät, aber mit der immer wieder passenden Redensart: »Vaut mieux tard que jamais« bei der Frau Gouverneur.

Es war kein Ball und es war auch nicht gesagt worden, daß getanzt werden sollte, aber alle wußten, daß sich Katerina Petrowna ans Klavier setzen und Walzer und Ekossaisen spielen und daß doch getanzt werden würde, und so hatten denn alle schon darauf gerechnet und sich ballmäßig angezogen.

Das Leben in der Provinz im Jahre 1812 war genauso wie immer, nur mit dem Unterschied, daß es infolge der Anwesenheit vieler reicher Familien aus Moskau lebhafter in den kleinen Städten zuging, und daß sich auch hier wie in allem, was während dieser Zeit in Rußland vorging, ein gewisser besonderer Schwung fühlbar machte. Man sagte sich, wenn man einmal so tief in der Not stecke, komme es auf Kleinigkeiten nicht mehr an, was in allen Lebensäußerungen zum Ausdruck kam. Außerdem war in jenen faden Gesprächen, die man früher über das Wetter oder über gemeinsame Bekannte geführt hatte und ohne die manche Leute nun einmal nicht leben können, jetzt nur noch von Moskau, vom Krieg und von Napoleon die Rede.

Die Gesellschaft, die sich beim Gouverneur versammelt hatte, war die beste von Woronesch. Damen waren sehr zahlreich erschienen. Nikolaj kannte einige von ihnen von Moskau her. Unter den Herren dagegen war keiner, der mit dem Ritter des Georgskreuzes, dem Remonte-Husarenoffizier, mit dem gutmütigen und wohlerzogenen Grafen Rostow in die Schranke hätte treten können. Auch ein Gefangener war da, ein italienischer Offizier aus der französischen Armee, und Nikolaj hatte das Gefühl, als verleihe ihm die Anwesenheit dieses Gefangenen den Glorienschein eines russischen Helden. Dieser gefangene Gast stellte gewissermaßen eine Siegestrophäe dar. Nikolaj fühlte das und hatte den Eindruck, als ob alle den Italiener mit denselben Augen ansähen. Er behandelte den Offizier freundlich, aber mit Würde und Zurückhaltung.

Kaum war Nikolaj in seiner Husarenuniform eingetreten, kaum hatte er, einen Duft von Parfüm und Wein um sich verbreitend, die üblichen Worte: »Vaut mieux tard que jamais« wiederholt selber gesagt und sagen hören, als ihn bereits alle umringten und aller Augen sich auf ihn richteten. Er fühlte sogleich, daß er hier in die immer angenehme Stellung eines allgemeinen Lieblings einrückte, die ihm ja in der Provinzstadt auch zukam und ihm jetzt, nachdem er dergleichen lange entbehrt hatte, einen berauschenden Genuß bereitete. Nicht nur die Mädchen auf den Stationen, in den Gasthäusern und in der Teppichfabrik des Gutsbesitzers hatten sich geschmeichelt gefühlt, wenn er sie beachtet hatte, auch hier auf der Abendgesellschaft der Frau des Gouverneurs gab es, wie es Nikolaj schien, eine zahllose Menge hübscher Frauen und junger Damen, die mit Ungeduld nur darauf warteten, daß er ihnen seine Aufmerksamkeit zuwandte. Frauen und Mädchen kokettierten mit ihm, und die älteren Herrschaften zerbrachen sich vom ersten Tag an darüber den Kopf, wie sie diesen flotten, übermütigen Husaren verheiraten und zu einem gesetzten Provinzler machen könnten. Zu diesen letztgenannten gehörte auch die Frau des Gouverneurs selber, die Rostow wie einen nahen Verwandten aufnahm und ihn »Nicolas« und »du« nannte.

Katerina Petrowna spielte wirklich Walzer und Ekossaisen, und man fing an zu tanzen, wobei Nikolaj durch seine Gewandtheit die ganze Gesellschaft dieser Provinzler noch mehr bezauberte. Durch seine eigenartig ungezwungene Art zu tanzen setzte er alle in Erstaunen. Und auch er selber wunderte sich darüber, wie er an diesem Abend tanzte. Niemals in Moskau hatte er so getanzt und hätte sogar eine so ungezwungene Art zu tanzen dort als unpassend und mauvais genre gefunden, hier aber hatte er das Bedürfnis, alle durch etwas Besonderes in Erstaunen zu setzen, durch etwas, das sie für einen Großstadtbrauch halten sollten, der ihnen in der Provinz nur noch nicht bekannt war.

Die meiste Aufmerksamkeit schenkte Nikolaj den ganzen Abend über einer blauäugigen, vollen, reizenden Blondine, der Frau eines Gouvernementsbeamten. Mit der naiven Überzeugung lustiger junger Leute, daß die Frauen anderer für sie geschaffen seien, wich Rostow dieser Dame nicht von der Seite und zeigte sich wie auf Verabredung auch freundschaftlich gegen ihren Mann, als wüßten sie beide, wenn sie auch nicht darüber sprachen, wie prächtig sie zueinander paßten, nämlich er, Nikolaj, und die Frau dieses Mannes. Der Gatte jedoch schien diese Überzeugung nicht zu teilen und benahm sich gegen Rostow finster und ablehnend. Zwar war Nikolajs gutmütige Harmlosigkeit so grenzenlos, daß sogar der Gatte manchmal unwillkürlich in seine heitere Laune mit einstimmen mußte, doch gegen Ende des Abends wurde das Gesicht des Gouvernementsbeamten immer düsterer und unbeweglicher, je röter und angeregter das Gesicht seiner Frau wurde, als hätten sie beide nur ein bestimmtes Maß lustiger Lebendigkeit gemeinsam, das im gleichen Verhältnis, wie es bei der Frau zunahm, beim Manne abnehmen mußte.

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Mit einem steten Lächeln auf den Lippen und etwas vornübergeneigt saß Nikolaj auf einem Sessel, beugte sich nahe zu der blonden Frau hinüber und sagte ihr mythologische Komplimente.

Schneidig wechselte er die Lage seiner in engen Reithosen steckenden Beine, verbreitete einen Duft von Parfüm um sich und sagte, während er bald seine Dame, bald sich selber und die elegante Form seiner Füße in den wie angegossenen Stiefeln mit wohlgefälligen Blicken betrachtete, zu der blonden jungen Frau, er habe die Absicht, hier in Woronesch eine Dame zu entführen.

»Aber wen denn?«

»Ein reizendes, göttliches Geschöpf. Augen« – Nikolaj sah seine Nachbarin an – »blau wie der Himmel, ein Mündchen wie Korallen, die Haut« – er betrachtete ihre Schultern – »weiß wie der Schnee, eine Gestalt wie Diana …«

Der Gatte trat auf sie zu und fragte finster seine Frau, wovon sie sich unterhielten.

»Ah! Nikita Iwanytsch«, sagte Nikolaj und stand höflich auf. Und wie in dem Wunsch, Nikita Iwanytsch möchte ebenfalls an seinen Scherzen teilnehmen, erzählte er auch ihm von seiner Absicht, eine Blondine zu entführen.

Der Gatte lächelte mürrisch, die Frau heiter. Da trat die gutmütige Frau des Gouverneurs mit mißbilligender Miene auf Rostow zu.

»Anna Ignatjewna möchte dich gern sprechen, Nicolas«, sagte sie und sprach die Worte »Anna Ignatjewna« so aus, daß Nikolaj sofort begriff, das müsse eine sehr angesehene Dame sein. »Komm, Nicolas! Du erlaubst doch, daß ich dich so nenne?«

»Aber gewiß, ma tante. Wer ist denn diese Dame?«

»Anna Ignatjewna Malwinzewa. Sie hat durch ihre Nichte von dir gehört, wie du diese gerettet hast … Errätst du es nun?«

»O je! Wie viele habe ich nicht gerettet!« erwiderte Nikolaj.

»Ihre Nichte ist die Prinzessin Bolkonskaja. Sie ist hier in Woronesch bei ihrer Tante. Oho, wie er da rot wird! Ist das etwa …«

»Gar nicht daran zu denken, ich bitte dich, ma tante!«

»Na, schon gut, schon gut … Oh, du Schwerenöter!«

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