Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Kapitel 103
Das Verhör
Neil Forbes saß im Salon des King’s Inn und labte sich an einem Glas Cidre sowie dem Gefühl, dass alles gut war in der Welt. Er hatte eine höchst fruchtbare Zusammenkunft mit Samuel Iredell und seinem Freund hinter sich, zwei der prominentesten Rebellenführer von Edenton – und eine noch fruchtbarere Zusammenkunft mit Gilbert Butler und William Lyons, zwei ortsansässigen Schmugglern.
Er besaß eine große Vorliebe für Juwelen, und zur Feier der eleganten Beseitigung jeder Bedrohung durch James Fraser hatte er sich eine neue Schmucknadel gekauft, die von einem bildschönen Rubin gekrönt wurde. Diese betrachtete er nun von stummer Genugtuung erfüllt und erfreute sich an den hübschen Schatten, die der Stein auf den Seidenstoff seiner Halsrüsche warf.
Seine Mutter hatte er sicher im Haus seiner Schwester abgesetzt, er war zum Mittagessen mit einer Dame verabredet und hatte vorher noch eine Stunde Zeit. Vielleicht ein Spaziergang; es war ein herrlicher Tag.
Er hatte den Stuhl schon zurückgeschoben und sich ans Aufstehen gemacht, als sich eine große Hand mitten auf seine Brust legte und ihn wieder auf den Stuhl drückte.
»Was –?« Er blickte entrüstet auf – und achtete sehr darauf, sich diesen Gesichtsausdruck zu erhalten, obwohl ihm plötzlich Übles schwante. Ein hochgewachsener, dunkelhaariger Mann stand über ihm, und seine Miene war ausgesprochen unfreundlich. MacKenzie, der Ehemann der kleinen Nervensäge.
»Wie könnt Ihr es wagen?«, begann er kampflustig. »Ich muss eine Entschuldigung verlangen!«
»Ihr könnt verlangen, was Ihr wollt«, sagte MacKenzie. Unter seiner Sonnenbräune war er blass und grimmig. »Wo ist meine Frau?«
»Woher soll ich das wissen?« Forbes’ Herz schlug rasend schnell, doch genauso vor Schadenfreude wie aus Angst. Er hob das Kinn und tat so, als wollte er aufstehen. »Ihr werdet mich entschuldigen, Sir?«
Eine Hand auf seinem Arm hielt ihn auf, und als er sich umdrehte, blickte er in das Gesicht von Frasers Neffen, Ian Murray. Murray lächelte, und Forbes’ Gefühl der Genugtuung ließ ein wenig nach. Man erzählte sich, der Junge hätte bei den Mohawk gelebt und sei einer von ihnen geworden – dass er mit einem gefährlichen Wolf zusammenlebte, der mit ihm sprach und seinen Befehlen gehorchte, dass er einem Mann das Herz herausgeschnitten und es bei einem heidnischen Ritual verzehrt hatte.
Doch als er jetzt das gewöhnliche Gesicht und die zerschlissene Kleidung des Jungen betrachtete, war Forbes alles andere als beeindruckt.
»Entfernt Eure Hand von meiner Person«, befahl er würdevoll und richtete sich im Sitzen auf.
»Nein, das lasse ich lieber«, sagte Murray. Die Hand legte sich fester um seinen Arm, wie das Gebiss eines Pferdes, und Forbes öffnete den Mund, auch wenn er kein Geräusch machte.
»Was habt Ihr mit meiner Cousine angestellt?«, sagte Murray.
»Ich? Aber ich – ich habe nicht das Geringste mit Mrs. MacKenzie zu schaffen. Lasst mich los, verdammt!«
Der Griff lockerte sich, und er saß schwer atmend da. MacKenzie hatte sich einen Stuhl genommen und sich ihm gegenüber hingesetzt.
Forbes strich sich den Rockärmel glatt. Er wich MacKenzies Blick aus und überlegte mit Höchstgeschwindigkeit. Wie hatten sie es herausgefunden? Wussten sie es wirklich? Vielleicht blufften sie ja nur, ohne Gewissheit zu haben.
»Ich bedaure zu hören, dass Mrs. MacKenzie etwas zugestoßen sein könnte«, sagte er höflich. »Muss ich darauf schließen, dass sie Euch irgendwie abhandengekommen ist?«
MacKenzie betrachtete ihn einen Moment von oben bis unten, ohne zu antworten, dann stieß er einen leisen, verächtlichen Laut aus.
»Ich habe Euch in Mecklenburg reden hören«, sagte er im Konversationston. »Wie aalglatt Ihr doch wart. Viele Worte über Gerechtigkeit, wie ich gehört habe, und über den Schutz unserer Frauen und Kinder. Solche Beredtheit.«
»Schöne Worte«, meldete sich Ian Murray zu Wort, »für einen Mann, der es fertigbringt, eine hilflose Frau zu entführen.« Er hockte immer noch auf dem Boden wie ein Wilder, hatte seine Position aber so verändert, dass er Forbes direkt ins Gesicht sah. Das machte den Anwalt etwas nervös, und er beschloss, stattdessen lieber MacKenzies Blick zu erwidern, von Mann zu Mann.
»Ich bedaure Euer Unglück wirklich sehr«, sagte er, um einen betroffenen Tonfall bemüht. »Es wäre mir natürlich eine Freude, Euch zu helfen, wenn es irgend möglich ist. Aber ich habe keine –«
»Wo ist Stephen Bonnet?«
Diese Frage traf Forbes wie ein Boxhieb in die Leber. Er starrte ein paar Sekunden vor sich hin und dachte, dass es doch ein Fehler gewesen war, sich dafür zu entscheiden, MacKenzie anzusehen; der Mann hatte den ausdruckslosen grünen Blick einer Schlange.
»Wer ist Stephen Bonnet?«, fragte er und leckte sich die Lippen. Seine Lippen waren trocken, aber ansonsten war sein ganzer Körper feucht; er konnte spüren, wie sich der Schweiß in seinen Halsfalten sammelte und ihm die Achseln seines Batisthemdes durchtränkte.
»Ich habe Euch gehört«, merkte Murray freundlich an. »Als Ihr Eure Abmachung mit Richard Brown getroffen habt. Das war in Eurem Lagerhaus.«
Forbes’ Kopf fuhr herum. Er war so schockiert, dass es einen Moment dauerte, bis er begriff, dass Murray ein Messer in der Hand hielt, das er beiläufig auf dem Knie liegen hatte.
»Was? Ihr sagt – was? Ich sage Euch, Sir, Ihr irrt Euch – irrt Euch!« Stotternd erhob er sich halb. MacKenzie fuhr auf, packte ihn an der Vorderseite seines Hemdes und verdrehte sie.
»Nein, Sir«, sagte er ganz leise und hielt sein Gesicht so dicht an Forbes’, dass dieser die Hitze seines Atems spürte. »Ihr selbst seid derjenige, der den Irrtum begangen hat. Den tragischen Irrtum, meine Frau für Eure durchtriebenen Zwecke zu missbrauchen.«
Er konnte hören, wie der feine Batist riss. MacKenzie schubste ihn brutal auf den Stuhl zurück, dann beugte er sich vor und packte sein Halstuch so fest, dass er auf der Stelle zu ersticken drohte. Er öffnete keuchend den Mund, und schwarze Flecken tanzten in seinem Gesichtsfeld – doch diese leuchtenden, kalten Augen verdeckten sie nicht.
»Wohin hat er sie gebracht?«
Forbes klammerte sich schwer atmend an die Armlehnen seines Stuhls.
»Ich weiß nichts von Eurer Frau«, röchelte er mit leiser, gifterfüllter Stimme. »Und was die tragischen Irrtümer betrifft, Sir, so seid Ihr gerade dabei, einen zu begehen. Wie könnt Ihr es wagen, mich tätlich anzugreifen? Ich werde dafür sorgen, dass Ihr dafür bezahlt, das versichere ich Euch!«
»Ein tätlicher Angriff, o Schreck«, spottete Murray. »Wir haben nichts dergleichen getan. Noch nicht.« Er hockte sich auf die Fersen, tippte sich nachdenklich mit dem Messer an den Daumennagel und betrachtete Forbes abschätzend wie jemand, der vorhat, ein Spanferkel auf einer Platte zu tranchieren.
Forbes biss die Zähne zusammen und starrte zu MacKenzie auf, der drohend über ihm stand.
»Wir befinden uns in der Öffentlichkeit«, sagte er. »Ihr könnt mir nichts anhaben, ohne dass es jemand merkt.« Er spähte hinter MacKenzie vorbei, weil er hoffte, dass jemand in den Salon kommen und diese furchtbar unangenehme Konfrontation beenden würde, doch es war ein ruhiger Morgen, und sämtliche Zimmermädchen und Knechte waren anderswo beschäftigt.
»Interessiert es uns, ob es jemand bemerkt, a charaid?«, erkundigte sich Murray und blickte zu MacKenzie auf.
»Eigentlich nicht.« Dennoch setzte sich MacKenzie hin und starrte ihn unergründlich an. »Aber wir können noch etwas warten.« Er sah auf die Standuhr am Kamin, deren Pendel sich mit einem gelassenen Tick-Tack bewegte. »Es dauert nicht mehr lange.«
Erst jetzt stellte sich Forbes die Frage, wo Jamie Fraser war.
Elspeth Forbes schaukelte sanft auf der Veranda des Hauses ihrer Schwester und genoss die kühle Morgenluft, als man ihr einen Besucher ankündigte.
»Oh, Mr. Fraser!«, rief sie aus und setzte sich gerade hin. »Was führt Euch nach Edenton? Ist es Neil, nach dem Ihr sucht? Er ist in –«