Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nein«, sagte Roger ganz sanft zu ihr. »Es ist nicht Gottes Wille. Aber Ihr werdet mit Mrs. Claire gehen, Ihr und Manfred, und genau tun, was sie Euch sagt. Ihr werdet gesund, und er auch. Nicht wahr?«, fragte er an Claire gewandt, weil er plötzlich etwas unsicher wurde.
»Ja, das werden sie«, sagte diese trocken. »Zum Glück habe ich reichlich Penizillin dabei.«
Manfreds Gesicht war die reine Verwirrung.
»Aber – meint Ihr etwa, gute Frau, dass Ihr – es heilen könnt?«
»Genau das meine ich«, versicherte ihm Claire, »was ich auch schon versuchte, Euch zu sagen, bevor Ihr davongelaufen seid.«
Sein Mund stand offen, und er blinzelte. Dann wandte er sich an Hepzibah, die ihn verwundert anstarrte.
»Mein Herz! Ich kann heimgehen! Wir können heimgehen«, korrigierte er schnell, als er sah, wie sich ihr Gesicht veränderte. »Wir werden heiraten. Wir gehen nach Hause«, wiederholte er im Ton eines Menschen, der eine paradiesische Vision vor sich sieht, ihr aber noch nicht recht traut.
Eppie runzelte unsicher die Stirn.
»Ich bin eine Hure, Freddie«, sagte sie. »Und den Geschichten nach, die du über deine Mutter erzählst …«
»Ich glaube sehr, dass Ute so glücklich sein wird, Manfred zurückzuhaben, dass ihr der Sinn nicht danach stehen wird, allzu viele Fragen zu stellen«, sagte Claire mit einem Blick in Jamies Richtung. »Der verlorene Sohn und so weiter.«
»Du brauchst keine Hure zu bleiben«, versicherte Manfred ihr. »Ich bin Büchsenmacher; ich werde ordentlich verdienen. Jetzt, da ich weiß, dass es sich auch lohnt!« Sein schmales Gesicht wurde plötzlich von Freude überflutet, und er schlang die Arme um Eppie und küsste sie.
»Oh«, sagte sie verblüfft, sah aber glücklich aus. »Nun. Hm. Dieses … äh … dieses Penny …?« Sie sah Claire fragend an.
»Je eher, desto besser«, sagte Claire und stand auf. »Kommt mit.« Sie selbst war ebenfalls ein wenig errötet, wie Roger sah, und sie hielt Jamie rasch die Hand hin. Dieser ergriff sie und drückte sie fest.
»Wir kümmern uns um alles«, sagte er dann und sah erst Ian, dann Roger an. »Mit etwas Glück fahren wir heute Abend.«
»Oh!« Eppie war schon aufgestanden, um Claire zu folgen, doch bei diesen Worten hob sie die Hand an den Mund und wandte sich an Jamie. »Oh! Mir ist noch etwas eingefallen.« Ihr sympathisches, rundes Gesicht setzte eine angestrengt konzentrierte Miene auf. »In der Nähe des Hauses auf Ocracoke gibt es Wildpferde; ich habe Stephen einmal davon sprechen hören.« Sie blickte vom einen Mann zum anderen. »Könnte das helfen?«
»Möglich«, sagte Roger. »Danke – und Gottes Segen.«
Erst als sie wieder im Freien waren und auf die Docks zuhielten, bemerkte er, dass er den Ring immer noch fest in der rechten Hand hielt. Was war es, das Ian gesagt hatte?
Man sucht sich einen Talisman aus – oder, um es richtig zu sagen, der Talisman sucht einen aus.
Seine Hände waren etwas kräftiger als Briannas, doch er steckte den Ring an seinen kleinen Finger und schloss die Hand darum.
Sie erwachte aus ihrem feuchten, unruhigen Schlaf, weil ihr Mutterinstinkt geweckt war. Sie war schon halb aus dem Bett und bewegte sich instinktiv auf Jemmys Bettchen zu, als eine Hand ihr Handgelenk packte, krampfhaft wie der Biss eines Krokodils.
Sie fuhr zurück, benommen und alarmiert. Über sich an Deck hörte sie Schritte, und jetzt begriff sie, dass das verstörte Geräusch, das sie geweckt hatte, nicht von Jemmy gekommen war, sondern aus der Dunkelheit an ihrer Seite.
»Nicht gehen«, flüsterte er, und die Finger bohrten sich tief in die Haut an der Innenseite ihres Handgelenks.
Da sie sich nicht befreien konnte, streckte sie die andere Hand aus, um ihn von sich zu schieben. Sie berührte feuchtes Haar, heiße Haut – und einen Tropfen, kühl und überraschend unter ihren Fingern.
»Was ist denn?«, flüsterte sie zurück und beugte sich instinktiv über ihn. Sie streckte erneut die Hand aus, berührte seinen Kopf, strich ihm das Haar glatt – all die Dinge, auf die sie vorbereitet gewesen war, als sie aufwachte. Sie spürte, wie sich seine Hand auf sie legte, und dachte daran innezuhalten, tat es aber nicht. Es war, als ließe sich der mütterliche Trost, den sie verströmte, nicht wieder in ihr Inneres verbannen, genauso wenig, wie sich die Muttermilch, die beim Ruf eines Säuglings zu fließen begann, wieder an die Quelle zurückrufen ließ.
»Stimmt etwas nicht?« Sie sprach leise und so unpersönlich, wie es die Worte eben zuließen. Sie hob die Hand, und er wälzte sich auf sie zu und presste den Kopf fest an ihren Oberschenkel.
»Nicht gehen«, sagte er noch einmal, und seine Stimme überschlug sich – schluchzte er? Seine Stimme war leise und rauh, doch so hatte sie sie noch nie gehört.
»Ich bin hier.« Ihr gefangenes Handgelenk wurde langsam taub. Sie legte ihm die freie Hand auf die Schulter, in der Hoffnung, dass er sie loslassen würde, wenn sie die Bereitschaft zu bleiben andeutete.
Er lockerte seinen Griff, aber nur, um die Hand auszustrecken, sie an der Taille zu fassen und sie wieder ins Bett zu ziehen. Sie leistete ihm Folge, weil ihr nichts anderes übrigblieb, und lag schweigend da, während sie Bonnets Atem rauh und warm im Nacken spürte.
Schließlich ließ er los und drehte sich seufzend auf den Rücken, so dass sie sich bewegen konnte. Sie drehte sich ebenfalls vorsichtig auf den Rücken und versuchte, ein paar Zentimeter Abstand zu ihm zu halten. Mondlicht flutete silbern durch die Fenster des Achterschiffs, und sie konnte den Umriss seines Gesichts sehen, konnte das Licht auf Stirn und Wange glänzen sehen, als er den Kopf wandte.
»Schlecht geträumt?«, wagte sie sich vor. Sie hatte vorgehabt, sarkastisch zu klingen, doch ihr Herz raste noch vom Schreck des Erwachens, und die Worte bekamen einen zögerlichen Klang.
»Aye, aye«, sagte er und erschauerte seufzend. »Immer derselbe Traum. Er sucht mich wieder und wieder heim. Man sollte glauben, dass ich weiß, was los ist, und aufwache, aber das passiert nie. Erst wenn sich das Wasser über meinem Kopf schließt.« Er rieb sich die Nase und zog sie hoch wie ein Kind.
»Oh.« Sie wollte nicht nach Einzelheiten fragen, wollte ihn nicht zu weiterer Intimität ermutigen. Doch was sie wollte, spielte schon lange keine Rolle mehr.
»Schon als Junge habe ich vom Ertrinken geträumt«, sagte er, und seine normalerweise so selbstbewusste Stimme schwankte. »Die Flut kommt, und ich kann mich nicht bewegen – keinen Zentimeter. Das Wasser steigt, und ich weiß, dass es mich umbringen wird, aber ich kann mich einfach nicht bewegen.« Seine Hand klammerte sich krampfhaft an das Laken und zog es ihr weg.
»Das Wasser ist grau und voller Schlamm, und es schwimmen blinde Wesen darin. Sie warten, bis die See mit mir fertig ist – und dann sind sie dran.«
Sie konnte das Entsetzen in seiner Stimme hören und war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, weiter von ihm wegzurücken, und der tief verwurzelten Angewohnheit, Trost zu spenden.
»Es war nur ein Traum«, sagte sie schließlich und starrte zu den Deckplanken auf, die sich einen knappen Meter über ihr befanden. Wäre dies doch nur ein Traum!
»O nein«, sagte er, und seine Stimme war jetzt kaum noch mehr als ein Flüstern neben ihr in der Dunkelheit. »O nein. Es ist die See selbst, die nach mir ruft.«
Ganz plötzlich wälzte er sich zu ihr hin, packte sie und presste sie fest an sich. Sie keuchte auf und erstarrte, und er reagierte wie ein Hai auf ihre Gegenwehr, indem er noch fester zudrückte.
Zu ihrem Schrecken spürte sie, wie sich Leroi erhob, und sie zwang sich, sich nicht zu bewegen. Die Panik und der Wunsch, seinem Traum zu entkommen, konnten ihn nur allzu leicht seine Abneigung gegen Sex mit Schwangeren vergessen lassen, und das war das Letzte, das Allerletzte …