Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Komm«, sagte er zu Ian.
»Oh, aye.«
Roger war schon fast an der Tür, als er merkte, dass Ian nicht bei ihm war. Er blickte gerade im richtigen Moment zurück, um zu sehen, wie sein angeheirateter Vetter Forbes sanft an einem Ohr anfasste und es abschnitt.
Kapitel 104
Im Bett mit einem Hai
Stephen Bonnet stand zu seinem Wort – wenn man es denn so beschreiben konnte. Er unternahm keinerlei sexuelle Avancen ihr gegenüber, bestand aber darauf, dass sie sein Bett teilte.
»Ich hab nachts gern etwas Warmes neben mir«, erklärte er. »Und ich glaube, du würdest mein Bett dem Frachtraum vorziehen, Schätzchen.«
Sie hätte eindeutig den Frachtraum vorgezogen, obwohl sie auf ihren Erkundungsgängen – als sie erst auf hoher See waren, durfte sie die Kajüte verlassen – festgestellt hatte, dass der Frachtraum ein dunkles, trostloses Loch war, in dem mehrere wehrlose Sklaven angekettet waren, umgeben von diversen Kisten und Fässern und ständig in Gefahr, erschlagen zu werden, wenn sich die Ladung verschob.
»Wohin fahren wir, Miss? Und was wird dort geschehen?« Josh sprach Gälisch, und sein wohlgeformtes Gesicht erschien in der Dunkelheit des Frachtraums klein und angstvoll.
»Ich glaube, wir fahren nach Ocracoke«, sagte sie in derselben Sprache. »Darüber hinaus – ich habe keine Ahnung. Hast du deinen Rosenkranz noch?«
»O ja, Miss.« Er fasste sich an die Brust, wo sein Kruzifix hing. »Er ist das Einzige, was mich daran hindert zu verzweifeln.«
»Gut. Bete weiter.« Sie warf einen Blick auf die anderen Sklaven; zwei Frauen, zwei Männer, alle von schlankem Körperbau und mit zarten, feinknochigen Gesichtern. Sie hatte Josh etwas von ihrem eigenen Essen gebracht, konnte ihnen aber nichts anbieten, und das bekümmerte sie.
»Bekommt ihr hier unten gut zu essen?«
»Ja, Miss. Ganz gut«, versicherte er ihr.
»Wissen sie« – sie deutete kaum merklich mit dem Kinn auf die anderen Sklaven –, »wissen sie etwas? Über unser Ziel?«
»Ich weiß es nicht, Miss. Ich kann mich nicht mit ihnen unterhalten. Es sind Fulani, das kann ich ihnen ansehen, aber das ist alles, was ich weiß.«
»Verstehe. Nun …« Sie zögerte. Sie konnte es nicht abwarten, den dunklen, schwülen Frachtraum zu verlassen, doch es widerstrebte ihr, den jungen Stallknecht dort zurückzulassen.
»Geht nur, Miss«, sagte er leise auf Englisch, als er ihren Zweifel sah. »Mir wird schon nichts geschehen. Uns wird allen nichts geschehen.« Er berührte seinen Rosenkranz und bemühte sich, sie anzulächeln, wenn auch ein wenig zittrig. »Möge die heilige Mutter Gottes uns beschützen.«
Da ihr keine tröstenden Worte einfielen, nickte sie und kletterte wieder hinauf in den Sonnenschein. Dabei spürte sie fünf Augenpaare auf sich.
Bonnet verbrachte Gott sei Dank tagsüber den Großteil seiner Zeit an Deck. Sie konnte ihn auch jetzt beobachten; er kletterte die Takelage herunter wie ein Äffchen.
Sie stand reglos da, keine Bewegung außer dem Wind, der ihr durch die Haare fuhr, und ihren Röcken, die ihr um die erstarrten Beine wehten. Er war sich der Bewegungen ihres Körpers genauso bewusst wie Roger – doch auf seine eigene Weise. Der Weise eines Hais, der seine Signale durch die Schwimmbewegungen seiner Beute empfängt.
Bis jetzt hatte sie eine Nacht in seinem Bett verbracht und nicht geschlafen. Er hatte sie beiläufig an sich gezogen, »Gute Nacht, Schätzchen« gesagt und war umgehend eingeschlafen. Doch jedes Mal, wenn sie versuchte, sich zu bewegen, sich seinem Griff zu entwinden, hatte er sich mit ihr bewegt, um sie dicht bei sich zu halten.
Sie sah sich zu einer unerwünschten Intimität mit seinem Körper gezwungen, einer Nähe, die Erinnerungen weckte, die sie unter großen Schwierigkeiten verdrängt hatte – an sein Knie, das ihre Oberschenkel auseinanderschob, an die grobe Vertraulichkeit seiner Berührung zwischen ihren Beinen, an die sonnengebleichten, drahtigen blonden Härchen auf seinen Oberschenkeln und Unterarmen, an seinen ungewaschenen Moschusgeruch. Die spottende Gegenwart Lerois, der sich mehrmals in der Nacht erhob und sich gierig und blind von hinten an sie presste.
Sie erlebte einen Moment immenser Dankbarkeit für ihre gegenwärtige Schwangerschaft – an der sie jetzt nicht mehr zweifelte – und für die Gewissheit, dass Stephen Bonnet nicht Jemmys Vater war.
Er ließ sich aus der Takelage plumpsen, entdeckte sie und lächelte. Er sagte nichts, drückte ihr aber im Vorbeigehen vertraulich den Hintern, und sie biss die Zähne zusammen und klammerte sich an die Reling.
Ocracoke, bei Neumond. Sie spähte zum strahlenden Himmel auf, an dem ganze Wolken von Seeschwalben und Möwen umherzogen; sie konnten nicht weit vom Land entfernt sein. Wie lange noch, zum Kuckuck, bis es Neumond war?
Kapitel 105
Der verlorene Sohn
Es war nicht schwierig, jemanden zu finden, der mit der Anemone und ihrem Kapitän vertraut war. Stephen Bonnet war auf den Docks von Edenton bestens bekannt, obwohl sein Ruf unterschiedlich beurteilt wurde. Ein ehrlicher Kapitän, war die vorherrschende Meinung, der aber hart verhandelte. Ein Blockadebrecher, ein Schmuggler, sagten andere – und ob das gut oder schlecht war, hing von der politischen Meinung des jeweiligen Gesprächspartners ab. Er besorgte einem alles, sagte man – wenn es entsprechend bezahlt wurde.
Pirat, sagten einige. Aber diese wenigen sprachen in gedämpftem Tonfall, blickten sich häufig um und baten mit Nachdruck darum, nicht zitiert zu werden.
Die Anemone war ganz unverhohlen abgesegelt, mit einer anständigen Fracht aus Reis und fünfzig Fässern Räucherfisch. Roger hatte einen Mann gefunden, der sich daran erinnerte, wie die junge Frau mit einem von Bonnets Helfershelfern an Bord gegangen war. »Ein hochaufgeschossenes Weibsstück, flammendes Haar, das ihr lose bis auf den Hintern hing«, hatte der Mann gesagt und mit den Lippen geschmatzt. »Aber Mr. Bonnet ist ja selbst nicht der Kleinste; schätze, er bekommt sie schon gebändigt.«
Allein Ians Hand auf seinem Arm hatte ihn davon abgehalten, dem Mann einen Fausthieb zu verpassen.
Was sie noch nicht gefunden hatten, war jemand, der mit Sicherheit wusste, wohin die Anemone unterwegs war.
»London, glaube ich«, sagte der Hafenmeister zweifelnd. »Aber nicht direkt; sein Frachtraum ist noch nicht voll. Wahrscheinlich fährt er an der Küste entlang und handelt noch ein bisschen – segelt vielleicht von Charlestown nach Europa. Andererseits«, fügte der Mann hinzu und rieb sich das Kinn, »könnte es auch sein, dass er nach New England unterwegs ist. Furchtbar riskant, heutzutage irgendetwas nach Boston zu schmuggeln – aber das Risiko wert, wenn man es schafft. Reis und Räucherfisch dürften da oben ihr Gewicht in Gold wert sein, wenn man sie an Land bekommt, ohne dass einen die Marine aus dem Wasser pustet.«
Jamie, der ein wenig blass dreinschaute, dankte dem Mann. Roger, den ein Knoten in der Kehle am Sprechen hinderte, nickte nur und folgte seinem Schwiegervater aus der Hafenmeisterei zurück auf die sonnigen Docks.
»Und jetzt?«, fragte Ian und erstickte einen Rülpser. Er hatte die Hafenkneipen durchkämmt und hier und dort einem Tagelöhner ein Bier spendiert, der überlegt hatte, auf der Anemone anzuheuern, oder sich mit einem ihrer Matrosen über ihr Ziel unterhalten hatte.
»Das Beste, was mir einfällt, ist, dass du mit Roger Mac auf einem Schiff an der Küste entlang südwärts fährst«, sagte Jamie mit einem stirnrunzelnden Blick auf die Masten der Schaluppen und Paketboote, die schaukelnd vor Anker lagen. »Claire und ich könnten nach Norden fahren, Richtung Boston.«
Roger, der immer noch nicht sprechen konnte, nickte. Es war alles andere als ein guter Plan, vor allem im Licht des störenden Einflusses, den der unerklärte Krieg auf den Schiffsverkehr hatte – doch sie alle hatten das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen. Er fühlte sich, als kochte das Mark in seinen Knochen; er konnte es nur durch Bewegung löschen.