Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Denken Sie?“
„Ja, kommen Sie nur. Laufen wir. Ich kann Ihnen das alles unterwegs sagen. Wir müssen so bald wie möglich nach Hause kommen, und da wir nicht die Straße zu gehen brauchen, so treffen wir eher ein als die Wagen.“
Er schritt sehr rasch voran und bog dann in einen Seitenweg ein, welcher gerade so breit war, daß zwei Personen nebeneinander gehen konnten.
„Oder fürchten Sie sich, einen Richtweg durch den Wald zu gehen?“ lachte er.
„Pah! Ich hätte ja für alle Fälle meine Pistolen.“
„Ja, und Sie hätten ferner auf alle Fälle mich. Dem alten Florian tut kein Mensch etwas, und wer bei ihm ist, der ist auch mit sicher.“
„Also, wie steht es mit diesem Erker- und Treppenzimmer?“
„Nun, erstens kann ich Sie da sprechen, ohne daß es jemand bemerkt, denn gerade aus dem Stall geht eine kleine Wendeltreppe dahin. Zweitens können Sie von da aus Mademoiselle Margot besuchen, so oft Sie wollen und ohne daß jemand es beobachtet. Und drittens – das ist die Hauptsache.“
„Was?“
„Das ist ja eben die Pfiffigkeit der Frau Baronin.“
„Sie machen mich immer neugieriger.“
„Nun, von Ihrem Zimmer geht die Wendeltreppe hinauf auf das platte Steindach des Hauptgebäudes. Es gibt zwar noch einen zweiten, größeren Zugang da hinaus, aber der ist stets verschlossen, und den Schlüssel dazu soll Ihnen der gnädige Herr auch aushändigen. Sie sehen also, wie gut die gnädige Frau es mit Ihnen meint.“
„Ich gestehe Ihnen offen, daß ich das noch nicht so ganz einsehe.“
„So muß ich Ihnen zu Hilfe kommen, mein lieber Herr Seekapitän.“
„Tun Sie das.“
„Nun, zunächst den Schlüssel des Hauptzuganges, zum platten Dach bekommen Sie nicht zu Ihrem Gebrauch, sondern nur zum Beweis, daß man ein höchst ehrliches Spiel mit Ihnen treibt. Man will Ihnen damit sagen, daß Sie der einzige sind, der da oben Zutritt hat, und daß Sie sich dort herumtummeln können, soviel Sie wollen und ohne zu befürchten, beobachtet zu werden.“
„Warum das? Ist die Aussicht da oben gar so prächtig?“
„Ausgezeichnet.“
„Aber warum diese Heimlichkeit dabei?“
„Weil die Aussicht am besten ist, wenn man sie heimlich genießt.“
„Sprechen Sie deutlicher.“
„Nun, ich muß Ihnen sagen, daß es sehr gut für Sie ist, mich heute getroffen zu haben, denn ich bin fast der einzige Diener, der das alles kennt. Die Zimmer, welche eine Treppe hoch liegen, haben nämlich in der Mitte des Plafonds Ventilationslöcher, welche alle hinaus auf das platte Dach gehen. Sie sind mit runden Einsätzen verschlossen, welche man vom Dach aus fortnehmen kann, ohne daß es im Zimmer bemerkt wird, so täuschend ist die Malerei der Decke.“
„Hm. Ich beginne zu begreifen.“
„Nicht wahr? Sie sind jetzt eine Art von Diplomat –“
„Das stimmt.“
„Diplomaten wollen hören und sehen.“
„Und zwar viel, möglichst alles.“
„Und was andere nicht zu hören und zu sehen bekommen. Nimmt man nun da oben die Einsätze weg, so kann man nicht nur die betreffenden Räume vollständig bis in die kleinste Ecke überblicken, sondern man kann auch jedes Wort hören, was da gesprochen wird.“
„Auch leise Worte?“
„Ja, die Zimmer sind danach gebaut. Der Schall läuft an den stumpfen, abgerundeten Ecken in die Höhe bis zu dem Loch.“
„Das ist ja ganz außerordentlich vorteilhaft.“
„Ja. Aber das allervorteilhafteste werden Sie noch zu hören bekommen.“
„Was wird das sein, lieber Florian?“
„Horchen Sie gut auf. Der Kaiser wird nämlich mit dem Generaladjutanten und den Marschällen da oben einquartiert.“
„Ah?“ rief Königsau höchst erfreut.
„Nicht wahr? General Drouet wohnt auch bereits droben. Und nun noch eins, bester Herr Seekapitän aus Berlin. Sie werden nämlich nur von einem einzigen Menschen bedient, und raten Sie, wer das sein wird.“
„Doch Sie?“
„Natürlich. So, jetzt wissen Sie alles. Ist Ihnen das genug?“
„Oh, mehr als genug!“
„Wenn Sie mich haben wollen, sei es nun bei Tag oder bei Nacht, so ziehen Sie an einer Glockenschnur, welche sich in Ihrem Zimmer befindet. Es ertönt keine Glocke, sondern ich erhalte unten im Stall ein Zeichen, welches kein anderer versteht. Bemerken Sie nun, was die Baronin meint?“
„Ich meine es zu ahnen.“
„Sie will, Sie sollen recht oft auf dem platten Dache spazieren gehen, verstanden? Sie ist eine Deutsche, und der junge Herr liebt Deutschland; damit ist alles gesagt. Jetzt aber wird der Wald alle, und der Weg geht schmal über das Feld. Gehen Sie nun hinter mir, Monsieur.“
Der brave Kutscher lief voran, und Königsau folgte ihm. So gelangten sie an den Meierhof, aber nicht an die Zugangs-, sondern an die hintere Seite.
„Können Sie klettern?“ fragte Florian.
„Ich hoffe, es Ihnen gleich zu tun.“
„So kommen Sie über diesen Zaun hinweg.“
In zwei Augenblicken waren sie drüben; dann meinte der Kutscher:
„Wir könnten zwar ganz gut durch das Tor gehen; aber ich denke, daß man doch nach Ihnen fragen wird, und da liebe ich es, solche neugierige Leute im unklaren zu lassen. Kommen Sie mit nach dem Stall.“
„Ich denke, wir gehen zum Baron?“
„Sie werden ihn schon sprechen.“
Sie schritten durch einen breiten Garten, an welchen die hintere Seite des Stalls stieß. Dort gab es ein kleines Türchen, welches Florian öffnete. Als sie eingetreten waren, befanden sie sich in einer Abteilung, in welcher sich ein großer, hoher Futterkasten befand. Der Kutscher bückte sich und zog einen Riegel aus dem unteren Teil des Kastens. Sofort ließ sich der letztere bewegen, und es wurde hinter ihm, da, wo er an die Wand gestoßen hatte, eine türähnliche Öffnung sichtbar, welche jetzt im Licht der Stallaterne desto dunkler erschien.
„Das ist die Wendeltreppe“, sagte Florian.
„Und die kennen bloß Sie? Aber Sie können leicht überrascht werden!“
„Gar nicht. Dieser Teil des Stalls ist von dem anderen abgeschlossen und steht unter meiner alleinigen Verwaltung. Wenn ich vorn zuschließe, bin ich sicher. Ich bitte Sie, einige Augenblicke zu warten.“
Er schritt nach der vorderen Tür, welche er von innen öffnete. Als er hinaus auf den Hof getreten war, verschloß er sie von außen.
Königsau hatte doch einige Minuten zu warten. Als dann der brave Mensch zurückkehrte, befand sich der junge Baron bei ihm. Dieser kam schnell auf ihn zu, streckte ihm beide Hände entgegen und sagte:
„Willkommen, Herr Kapitän! Florian hat mir soeben in ganz kurzen Umrissen mitgeteilt, was geschehen ist. Ich habe Ihnen unendliches zu danken. Leider hörte ich, welch' außerordentliche Gäste wir bekommen; da gibt es Hals über Kopf Vorbereitungen. Ich werde Sie aber baldigst sprechen, um Ihnen zu danken.“
„Bitte, Herr Baron, keinen Dank!“ bat Königsau aufrichtig. „Darf ich Ihnen Ihre Pistolen zur Verfügung stellen. Sie haben mir gute Dienste geleistet.“
„Herr Kapitän, diese Waffen nehme ich nicht wieder –“
„O doch!“ fiel der Deutsche ein.
„Nein, auf keinen Fall. Sie haben damit Personen gerettet, welche mir unendlich teuer sind. Ich bitte wirklich dringend, die Waffen als ein Andenken an den heutigen Tag und als ein Zeichen meiner Ergebenheit zu behalten. Übrigens habe ich Ihnen diese Schlüssel zu übergeben.“
„Danke“, sagte Königsau einfach, indem er die Pistolen wieder zu sich steckte und die Schlüssel entgegennahm.
„Florian wird Sie in Ihre Wohnung einweisen. Wird Mama bald kommen?“
„Ich hoffe es“, sagte der Lieutenant, und an sein heutiges Gespräch mit der hübschen Berta denkend, fügte er hinzu: „Daß Mademoiselle Margot verwundet ist, wissen Sie bereits?“
„Mein Gott, ja. Florian hat es mir gesagt. Ist's gefährlich?“