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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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»Was ist?«, erkundigt er sich.

»Ich besitze keinen Computer. Ich arbeite normalerweise an einem in der Uni. Aber ich kann Kate fragen, ob ich ihren Laptop benutzen darf.«

Er reicht mir einen braunen Umschlag. »Ich kann dir sicher  … einen leihen. Pack deine Sachen, wir fahren zurück nach Portland. Unterwegs essen wir etwas. Ich muss mich anziehen.«

»Ich möchte kurz anrufen«, sage ich. Ich will Kates Stimme hören.

»Wen, den Fotografen?« Seine Kiefer mahlen, und seine Augen glühen. »Ich teile nicht gern, Miss Steele. Vergessen Sie das nicht«, warnt er mich in eisigem Tonfall, bevor er ins Schlafzimmer verschwindet.

Oje. Ich will doch bloß Kate anrufen, würde ich ihm gern nachrufen, aber seine unvermittelte Unnahbarkeit lähmt mich. Was ist nur aus dem großzügigen, entspannten, lächelnden Mann geworden, der vor kaum einer halben Stunde mit mir geschlafen hat?

»Fertig?«, fragt Christian, als wir uns an der Doppeltür zum Vorraum treffen.

Ich nicke unsicher. Er ist distanziert, höflich und verschlossen wie eh und je, trägt wieder seine Maske. In der Hand hält er eine Kuriertasche aus Leder. Wozu braucht er die? Vielleicht will er in Portland bleiben. Mir fällt die Abschlussfeier ein. Genau, er wird am Donnerstag dort sein. In seiner schwarzen Lederjacke sieht er überhaupt nicht wie ein Multimillionär oder -milliardär aus, sondern wie ein Junge aus den Slums, ein Rocker oder ein Model für ein Männermagazin. Ich würde mir nur ein Zehntel seiner Selbstsicherheit wünschen. Er wirkt so ruhig und beherrscht. Sein Ausbruch wegen José fällt mir ein … Nun ja, zumindest an der Oberfläche.

Taylor wartet im Hintergrund.

»Bis morgen dann«, sagt Christian zu ihm.

»Ja, Sir. Welchen Wagen nehmen Sie, Sir?«

Christian sieht mich an. »Den R8.«

»Gute Fahrt, Mr. Grey. Miss Steele.« Taylor bedenkt mich mit einem freundlichen Blick, in dem möglicherweise Mitleid mitschwingt.

Bestimmt glaubt er, ich wäre Mr. Greys fragwürdigen sexuellen Neigungen erlegen. Noch nicht, hätte ich ihm gern gesagt, lediglich seinen außergewöhnlichen sexuellen Fähigkeiten, aber vielleicht ist Sex ja für jeden etwas Außergewöhnliches. Ich habe keinerlei Vergleichsmöglichkeiten, und Kate kann ich nicht fragen. Das werde ich Christian gegenüber erwähnen müssen. Ich muss mich mit einer neutralen Person beraten – mit ihm ist das wegen seines ständigen Wechsels zwischen Offenheit und Arroganz nicht möglich.

Taylor hält uns die Tür auf. Christian holt den Aufzug.

»Was ist los, Anastasia?«, fragt er.

Woher weiß er, dass mich etwas beschäftigt?

»Nicht auf der Lippe herumkauen, sonst muss ich dich im Lift ficken, und dann ist es mir egal, wer einsteigt.«

Ich werde rot. Die Ahnung eines Lächelns spielt um seine Mundwinkel. Endlich scheint sich seine Laune zu bessern.

»Christian, ich habe ein Problem.«

»Ja?« Er ist ganz Ohr.

Der Aufzug kommt. Wir gehen hinein, und Christian drückt auf den Knopf fürs Erdgeschoss.

Wo soll ich anfangen? »Ich muss mit Kate reden. Ich habe so viele Fragen über Sex, und du stehst mir in dieser Hinsicht zu nahe. Woher soll ich wissen …?« Ich versuche, die richtigen Worte zu finden. »Ich habe keine Vergleichsmöglichkeiten.«

Er verdreht die Augen. »Dann sprich mit ihr. Aber sorg dafür, dass sie Elliot gegenüber nichts erwähnt.«

So ist Kate nicht, denke ich wütend.

»Das würde sie nie tun, und ich würde dir auch nichts von dem erzählen, was sie mir über Elliot anvertraut – falls sie das überhaupt tut«, füge ich hastig hinzu.

»Sein Sexleben interessiert mich nicht. Aber Elliot ist schrecklich neugierig. Erzähl ihr nur von dem, was wir bis jetzt gemacht haben«, ermahnt er mich. »Wenn sie wüsste, was ich mit dir vorhabe, würde sie mir wahrscheinlich die Eier abschneiden.«

»Okay.« Ich lächle erleichtert. Der Gedanke an Kate mit Christians Eiern gefällt mir nicht.

Er schüttelt den Kopf. »Je eher du dich mir unterwirfst, desto besser. Dann hat das ein Ende.«

»Was hat dann ein Ende?«

»Dass du dich mir ständig widersetzt.« Er küsst mich kurz auf die Lippen, als die Aufzugtüren sich öffnen. Dann ergreift er meine Hand und führt mich in die Tiefgarage.

Ich, mich ihm widersetzen … wie?

Neben dem Lift steht ein schwarzer Sportwagen, dessen Lichter kurz aufleuchten, als Christian die Türen mit der Fernbedienung entriegelt. Es handelt sich um eines jener Autos, auf deren Kühlerhaube man sich unwillkürlich eine langbeinige, halb nackte Blondine vorstellt.

»Hübscher Wagen«, sage ich trocken.

Er grinst. »Ja«, pflichtet er mir bei, und kurz ist er wieder der junge, unbekümmerte Christian. Er ist ganz aufgeregt. Jungs und ihre Spielsachen. Ich verdrehe schmunzelnd die Augen. Er öffnet die Tür für mich, und ich steige ein. Wow, ganz schön tief. Er geht eleganten Schrittes um den Wagen herum und setzt sich hinters Steuer. Woher kommt nur diese Anmut seiner Bewegungen?

»Was für ein Auto ist das?«

»Ein Audi R8 Spider. Es ist schönes Wetter, also fahren wir mit offenem Verdeck. Im Handschuhfach liegt eine Baseballkappe, nein zwei. Und eine Sonnenbrille, falls du eine brauchst.«

Er lässt den Motor an, schiebt seine Tasche zwischen die Sitze, betätigt einen Knopf, und das Dach öffnet sich. Ein weiterer Knopfdruck, und die Stimme von Bruce Springsteen ertönt.

»Bruce muss man einfach mögen.« Grinsend lenkt er den Wagen aus dem Parkplatz und die steile Rampe hinauf.

Kurz darauf sind wir oben im hellen Licht des strahlenden Seattler Maimorgens. Ich nehme die Baseballkappen aus dem Handschuhfach. Die Mariners. Er mag Baseball? Ich reiche ihm eine, und er setzt sie auf. Ich ziehe meine Haare durch die Öffnung an der hinteren Seite und schiebe den Schirm tief ins Gesicht.

Menschen sehen uns nach, während wir durch die Straßen fahren. Zuerst glaube ich, die Blicke gelten ihm, doch dann kommt ein ziemlich paranoider Teil von mir auf die Idee, dass sie mich anstarren, weil sie wissen, was ich in den letzten zwölf Stunden getrieben habe. Am Ende wird mir klar, dass sich die Leute für den Wagen interessieren. Christian wirkt nachdenklich.

Es ist nicht viel Verkehr, und schon bald befinden wir uns auf der Interstate 5 in südlicher Richtung. Der Wind streicht über unsere Köpfe. Bruce singt über seine flammende Begierde. Wie passend! Christian schaut kurz zu mir herüber. Da er seine Ray-Ban trägt, sehe ich seine Augen nicht. Sein Mund zuckt. Er legt seine Hand auf mein Knie und drückt es sanft. Mir stockt der Atem.

»Hunger?«, fragt er.

Nicht nach Essbarem.

»Keinen großen.«

»Du musst essen, Anastasia. Ich kenne ein tolles Lokal in der Nähe von Olympia. Da halten wir.« Abermals drückt er mein Knie, bevor seine Hand zum Lenkrad zurückkehrt und er das Gaspedal durchtritt. Ich werde in meinen Sitz gedrückt. Wow, dieser Wagen hat Power.

Es handelt sich um ein kleines, familiäres Holzchalet mitten im Wald mit rustikaler Inneneinrichtung: willkürlich angeordnete Stühle und Tische mit karierten Tischdecken, dazu Wildblumen in kleinen Vasen. CUISINE SAUVAGE steht über der Tür.

»Ich bin länger nicht hier gewesen. Man kann sich nichts aussuchen. Es gibt nur das, was sie gerade im Wald gefangen oder auf den Wiesen gesammelt haben.« Er hebt die Augenbrauen in gespieltem Entsetzen, und ich muss lachen. Die blonde Kellnerin nimmt unsere Getränkebestellung auf.

In Gegenwart von Christian wird sie rot. Sie meidet den Blickkontakt mit ihm. Er gefällt ihr! Es geht also nicht nur mir so!

»Zwei Gläser Pinot Grigio«, ordert Christian souverän.

Ich verziehe den Mund.

»Was?«

»Mir wäre eine Cola light lieber.«

Er schüttelt den Kopf. »Der Pinot Grigio hier ist anständig, und er wird gut zum Essen passen, egal was es gibt«, erklärt er geduldig.

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