Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Год: 1960
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer». Краткое содержание книги:
Jim war vor Zorn und Empörung ganz fahl im Gesicht geworden, trotz seiner schwarzen Hautfarbe. „So eine Gemeinheit!" knirschte er.
Lukas nickte. Er konnte nicht reden, sondern ballte nur die Fäuste.
Jetzt fragte der Drache lauernd:
„Wiiiiieviiiiel issst also siiiieben mal achchcht? Li Si?"
Jims Herz setzte einen Schlag aus. Es durfte nicht geschehen, daß auch die kleine Prinzessin Prügel bekam! Aber es war ja ganz unmöglich, daß sie die Antwort auf so eine schwere Frage wußte. Er mußte sofort etwas unternehmen!
Aber Jim hatte nicht bedacht, daß Li Si ein chinesisches Kind war, und daß chinesische Kinder schon mit vier Jahren die schwersten Rechnungen bewältigen können.
Die kleine Prinzessin stand auf und sagte mit einer Stimme, die so süß klang wie das Gezwitscher eines kleinen Vogels: „Sieben mal acht ist sechsundfünfzig."
„Achchch!" fauchte der Drache ärgerlich, weil es nämlich richtig war.
„Und wiiiieviiiel isssst drrrreizehn weniger sechchchsss?"
„Dreizehn weniger sechs", antwortete Li Si mit ihrer Vogelstimme, „ist sieben."
„Bahhhh!" machte der Drache wütend, „du kommst dirrr wohll sehrrr klug vorrrr, weil du alles weißßßt, wasssss? Du bist ein ganz frrrreches, eingebildetes Ding, verrrrstehst du? Aber warrrte nurrrr, ob du auchchch das kannssst: Sag mirrr soforrrt das Einmaleins mit siiiieben auf! Aber ein bißßßchen schnell, wenn's beliiiiiebt!"
„Einmal sieben ist sieben", begann Li Si, und es klang, als sänge eine Nachtigall. „Zweimal sieben ist vierzehn, dreimal sieben ist einundzwanzig…" und so fuhr sie fort und sagte das ganze Einmaleins mit sieben richtig auf. Jim hätte es nie für möglich gehalten, daß sich so etwas so hübsch anhören könnte. Der Drache lauschte gespannt, aber nur, um einen Fehler zu entdecken. Dabei ließ er den Stock boshaft durch die Luft pfeifen.
Jetzt flüsterte Lukas:
„Jim!"
„Ja?"
„Hast du Mut?"
„Ja."
„Gut, Jim. Hör zu: Ich weiß jetzt, wie wir's machen. Wir werden dem Drachen noch eine Gelegenheit geben, die Kinder freiwillig herauszurücken. Wenn er nicht darauf eingeht, dann müssen wir Gewalt anwenden, obwohl ich Gewalt nicht leiden kann."
„Wie wollen wir's denn machen, Lukas?"
„Du mußt hingehen und mit ihm verhandeln, Jim. Erzähl dem Drachen, was du willst. Das überlasse ich dir. Aber verrate ihm nichts von Emma und mir! Ich warte mit Emma hier draußen, und wenn es sein muß, dann kommen wir dir zu Hilfe. Alles klar?"
„In Ordnung", sagte Jim entschlossen.
„Mach's gut!" flüsterte Lukas und schlich davon, um die Lokomotive zu holen.
Inzwischen war die kleine Prinzessin mit dem Einmaleins fertig geworden. Sie hatte keinen Fehler gemacht. Aber gerade deshalb war der Drache erst recht wütend. Er lief auf Li Si zu, knuffte sie und schrie:
„Sssssssssso, und nun bildessst du dirrrr wohl ein, du könntest michch damit ärrrrgerrrrn, daß du keinen Fehlerrrrr gemachchcht hast, du hochchchchnäsiges und eingebildetes Görrrrrr! Wassssss? Wiiiiie? Antworrrrrrrrte, wenn man dich frrrrrragt!"
Die Prinzessin blieb stumm. Was hätte sie auch antworten sollen?
„Wasss!" zischte der Drache, „du bist wohl zu stolzzzz, mir zu antworrrrten, he? Na, das werde ich dir austrrrrreiben! Warrrrte nurrrr! Du bist hochchchmütig und eitel. Und Hochchmut und Eitelkeit müssssen bestrrrrrrraft werrrrrden!"
Eben wollte der Drache die kleine Prinzessin über die Bank legen, als plötzlich eine helle zornige Jungenstimme rief:
„Einen Augenblick, Frau Mahlzahn!"
Der Drache wandte sich erstaunt um und sah einen kleinen schwarzen Jungen in der Tür stehen, der ihn furchtlos anblickte.
„Sie dürfen Li Si nichts tun", sagte Jim fest.
„He, du frrrrrecher schwarrrrzer Drrrreckspatz!" grunzte der Drache verblüfft. „Wo kommst du denn her, und werrrr bist du überrrrrhaupt?"
„Ich bin Jim Knopf", antwortete Jim ruhig. „Ich komm' von Lummerland, um die Prinzessin Li Si zu befreien. Und die andern Kinder auch."
Durch die Schar der Kinder ging ein Tuscheln und Flüstern, und alle schauten Jim mit großen Augen an. Besonders die kleine Prinzessin war sehr beeindruckt, wie der kleine schwarze Junge da so gefaßt und mutig dem riesigen Ungeheuer gegenübertrat.
Der Drache teilte schnell nach allen Seiten ein paar Püffe und Knüffe aus und kreischte empört: „Rrrrruhe! Wassss fällt euch denn ein, ihrrrr ungezogene Rrrrrasssselbande!"
Dann wandte er sich wieder zu Jim und fragte mit scheinheiliger Freundlichkeit, wobei er die Lippen ganz spitz machte:
„Hat dich die,Wilde Drrrrreizehn' zzzzzu mirrrrr geschickt, mein Kleinerrrrrr?"
„Nein", erwiderte Jim, „mich hat niemand geschickt."
In den stechenden Augen des Drachen flackerte es unsicher.
„Wasss heißßßßt dassss?" zischelte er. „Bissst du etwa von allein zu mirrr gekommen? Vielleichchcht gar, weil du michchchch gerrrrn hast?"
„Nein", antwortete Jim, „das nicht. Aber ich will das Geheimnis meiner Herkunft erforschen, und da könnten Sie mir vielleicht dabei helfen."
„Warrrrum gerrrrade ichchchch?" fragte der Drache lauernd.
„Weil auf dem Paket, in dem ich nach Lummerland gekommen bin, eine Dreizehn als Absender gestanden hat und als Adresse Frau Malzaan oder so ähnlich."
„Achchchch!" stieß der Drache überrascht hervor, und ein boshaftes Grinsen verbreitete sich langsam über sein warzenbedecktes Gesicht. „D u u u u u bist das also, mein Herzzzzzchen! Ich habe dichchch schon seit langer Zzzzzzeit erwarrrrrtet."
Jim lief ein kalter Schauer über den Rücken, aber er faßte sich sofort wieder und fragte höflich:
„Können Sie mir vielleicht sagen, wer meine richtigen Eltern sind."
„Du brrrrauchst nicht längerrrr zu suchen, mein Goldkind", kicherte der Drache. „Du gehörrrrst nämlich mirrrrrrrr!"
„Das hab' ich zuerst auch gemeint", entgegnete Jim entschlossen. „Aber jetzt weiß ich, daß ich mit Ihnen nichts zu tun hab'."
„Aberrr ich habe dichchchch dochchchch von der,Wilden Dreizehn' gekauft!" knurrte der Drache und blinzelte hinterlistig.
„Das is' mir gleich", versetzte Jim. „Ich fahr' lieber wieder nach Lummerland."
„Wirrrrrklich?" fragte der Drache tückisch. „Wirrrrst du mirrrr das antun? Wassss du nicht sagst, mein Bürrrrrrschchen!"
„Ja", sagte Jim. „Und die Prinzessin werd' ich mitnehmen. Und die andern Kinder auch."
„Aberrrr wenn ich nun die Kinderrrr nicht herrrrausgebe?" erkundigte sich der Drache, immer noch mit lauernder Sanftheit.
„Sie werden schon müssen, Frau Mahlzahn!" antwortete Jim und wechselte einen raschen Blick mit der kleinen Prinzessin.
Jetzt brach der Drache in ein kreischendes Hohngelächter aus:
„Hi hi hi hi hi! Hat man schon je einen solchen Dummkopf gesehen!? Ho ho ho ho ho! Er issst wahrhaftig von allein zzzzzu mirrrr gekommen! Da bisssst du mirrrr ja schön in die Falle gegangen. Har har har!"
„Sie sollten lieber nicht so laut lachen!" rief Jim zornig. „Geben Sie die Kinder freiwillig heraus oder nicht?"
Der Drache mußte sich geradezu die Seiten halten vor Heiterkeit. „Nein!" prustete er. „Nein, du schmutzige kleine Krrrrabbe, das werrrde ich bestimmt nichchchcht tun."
Plötzlich brach sein Gelächter ab. Er funkelte Jim gefährlich an und knurrte:
„Alle diese Kinderrrr gehörrrren mirrrr, mirrrr ganz allein, verrrstehst du? Niemand hat mehr ein Rrrrrecht auf sie. Ich habe sie alle von der,Wilden Dreizehn' gekauft. Ich habe dafür bezzzzahlt! Jetzt gehörrrren sie mirrrrrrrrrr!"
„Aber woher hat die,Wilde Dreizehn' die Kinder, die sie Ihnen verkauft?" fragte Jim und blickte dem Drachen fest in die Augen.