Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Год: 1960
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer». Краткое содержание книги:
„Ssssssssag mir deine Adrrrrressssse, dann hol' ichchchch dichchchch späterrrr zzzzu einem kleinen Spazzzierrrrrgang ab. Ichchch hab' bald dienstfrrrrrrei!"
Emma blickte den Drachen verständnislos an.
„Jetzt wird's brenzlich!" flüsterte Lukas. „Hoffentlich schöpft er keinen Argwohn."
„Chchchch!" fauchte der Drache ärgerlich. „Gesprrrächig bissssst du ja nichchchcht gerrrade, du dicke, gerrrrräucherrrte Drrrachenwurrrrst!"
Jim und Lukas wechselten einen besorgten Blick. Doch zum Glück rief in diesem Augenblick einer der anderen Drachen aus dem Nebenräum herüber:
„Achchch, Brrrüll-Popel, nun laßßßß dochchch die Kleine in Rrrrrruhe! Siehst dochchchch, daßßßß sie mit dirrrr nichchcht rrrrrreden mag."
„Gott sei Dank!" seufzte Jim leise.
„Grrrrr!" grollte der Drache und spuckte wütend eine grüne Stichflamme mit lila Rauch aus. „Also machchch, daßßß du weiterrrr kommst! Chchchchch!"
Damit gab er erbost den Weg frei. Lukas zog am Hebel, Emma setzte sich in Bewegung und rollte so rasch wie möglich davon. Vorsichtshalber sorgte Lukas dafür, daß sie dabei möglichst viel Rauch und Funken ausstieß, als ob sie empört und beleidigt sei, damit der Drache nicht am Ende noch nachträglich Argwohn schöpfte.
Bald hatten sie die Höhle durchquert und vor ihnen lag die Stadt der Drachen. Es war auf den ersten Blick zu erkennen, daß es sich um eine richtige Großstadt handelte. Die Häuser waren aus riesigen grauen Steinblöcken gebaut und Hunderte von Stockwerken hoch. Die Straßen glichen finsteren Schluchten. Wenn man den Kopf zurücklegte und senkrecht nach oben schaute, konnte man vielleicht gerade noch ein kleines Fleckchen Himmel sehen. Aber dieses kleine Fleckchen Himmel war völlig verdüstert von den dicken Rauch- und Gasschwaden, die überall aufstiegen. Wie Nepomuk schon erzählt hatte, wurde dieser abscheuliche Brodem von den Drachen verursacht, die zu Tausenden in den Straßen herumwimmelten und Feuer und Rauch aus ihren Mäulern, Nasen und Ohren bliesen. Manche Drachen hatten zu allem Überfluß sogar noch eine Art Auspuff hinten an der Spitze ihres Schwanzes, aus dem ebenfalls dicker grüner und gelber Qualm dampfte.
Es herrschte ein entsetzlicher Lärm. Die Drachen kreischten, rasselten, knurrten, polterten, zankten sich, gröhlten, johlten, husteten, schrien, heulten, lachten, pfiffen, beschimpften sich, niesten, keuchten, ächzten, stampften, klirrten, zischten, und ich weiß nicht, was noch alles.
Übrigens gab es die verschiedensten Sorten von Drachen. Manche waren bloß so klein wie Dackel, andere dagegen hatten die Ausmaße eines ganzen Güterzuges. Viele patschten und watschelten dick und schwabblig daher wie Kröten von der Größe eines Autos. Wieder andere sahen eher aus wie telegrafenstangenlange magere Raupen. Einige hatten über tausend Füße, manche besaßen nur ein einziges Bein, auf dem sie ganz absonderlich herumhüpften, und noch andere hatten überhaupt keine Beine, sondern rollten sich wie Tonnen die Straße entlang. Das machte natürlich einen ohrenbetäubenden Spektakel. Außerdem gab es sogar Drachen, die Flügel hatten. Sie flogen teils wie Fledermäuse, teils schwirrten sie wie riesige Käfer oder Libellen herum. Sie brummten und rasselten durch die stickige Luft und flogen geschäftig an den vielen Stockwerken hinauf und hinunter. Alle schienen es immerfort ganz unerhört eilig zu haben. Sie rannten hastig durcheinander, rempelten sich an, stiegen übereinander weg, trampelten unbekümmert auf Köpfe und Glieder der anderen und benahmen sich überhaupt sehr unliebenswürdig.
Wo Jim und Lukas einen Blick in die Fensterhöhlen werfen konnten, sahen sie Drachen bei den verschiedensten Beschäftigungen. Manche kochten zum Beispiel gerade auf dem Feuer, das aus ihren Nasenlöchern sprühte, Kaffee, oder buken Pfannkuchen. Natürlich handelte es sich dabei um Drachenkaffee und Drachenpfannkuchen aus Teer und Knochenmehl, gewürzt mit Gift und Galle, Glasscherben und rostigen Reißnägeln.
Nur etwas konnten die beiden Freunde nirgends entdecken: Kinder. Weder Drachenkinder, noch andere. Richtige Drachen bekommen nämlich keine Kinder. Sie haben das auch gar nicht nötig, weil sie nicht sterben, außer wenn jemand sie tötet. Von allein sterben sie nie, sondern werden einfach immer älter. Und andere Kinder gab es natürlich erst recht nicht, und das war sehr gut. Sie hätten ja nirgendwo einen Platz zum Spielen gehabt. Auf den Straßen wären sie einfach totgetrampelt worden, und Wiesen oder so etwas Ähnliches gab es nicht. Es gab auch keine Bäume zum Hinaufklettern. Es gab überhaupt nichts Grünes. Rund um diese unzähligen Straßenschluchten mit ihrem Gestank und ihrem Lärm stieg der Rand des großen Kraters auf wie eine riesenhafte dunkle Mauer. Wie man sieht, trug diese Stadt nicht zu Unrecht ihren Namen: Kummerland.
EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL
in dem Jim und Lukas eine Schule in „Kummerland" kennenlernen
Als Emma eine Weile in den Straßen umhergeirrt war, tauchte eine unvorhergesehene Schwierigkeit auf. Wie sollten die beiden Freunde in dieser riesigen Stadt jemals die „Alte Straße" finden? Sie konnten ja nicht einfach aussteigen und jemand danach fragen. Es gab nur die eine Möglichkeit: Sie mußten sich aufs Geratewohl auf die Suche machen. Das konnte allerdings Stunden dauern, aber da half nun einmal nichts. Doch sie hatten Glück. Schon an der nächsten Straßenkreuzung entdeckte Lukas, als er vorsichtig zwischen den Decken hinauslugte, an einer Ecke ein Steinschild mit der Aufschrift:
Alte Straße
Jetzt brauchten sie nur noch den Hausnummern zu folgen, die über den Eingängen eingemeißelt waren.
Kurze Zeit später hatten sie auch schon das Haus Nummer 133 gefunden.
„Hast du Angst, Jim?" fragte Lukas leise.
Jim dachte schnell nochmal an den Scheinriesen, und daß alles von nahem besehen vielleicht gar nicht so gefährlich sein würde, wie es jetzt schien. Entschlossen sagte er:
„Nein, Lukas."
Und dann fügte er, um bei der vollen Wahrheit zu bleiben, hinzu:
„Jedenfalls nicht viel."
„Schön", meinte Lukas, „dann kann's also losgehen."
„Ja", antwortete Jim, „es kann losgehen."
Lukas lenkte Emma vorsichtig durch das riesige Haustor. Sie kamen in ein Treppenhaus, das so geräumig war wie eine Bahnhofshalle. Die Treppe führte in einer gewaltigen Spirale immer rundherum, höher und höher hinauf. Es war nicht zu erkennen, wo sie endete. Fahle Düsternis lag über dem großen Raum. Merkwürdigerweise bestand die Treppe nicht aus Stufen, sondern sie stieg wie eine gewundene Straße aufwärts. In ganz Kummerland durfte es nämlich keine Stufen geben, und der Grund dafür ist leicht einzusehen: Große Stufen hätten die kleinen dackelartigen Drachen nicht ersteigen können, und niedrige Stufen mußten wieder viel zu unbequem für die güterzuggroßen Drachen sein. Also wurden Stufen ganz weggelassen. Außerdem hatte diese Lösung noch einen anderen Vorzug. Eben kam nämlich ein Drache von oben heruntergesaust. Er hatte sich einfach auf seinen horngepanzerten Schwanz gesetzt und rutschte wie auf einem Rodelschlitten die Treppenspirale abwärts.