Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
- Автор: Энде Михаэль Андреас Гельмут
- Год: 1960
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer». Краткое содержание книги:
„Das geht dich garrrr nichts an!" fauchte der Drache erbost.
„Doch, Frau Mahlzahn!" antwortete Jim tapfer. „Das geht mich schon was an. Die kleine Prinzessin zum Beispiel is' geraubt worden!"
Der Drache geriet völlig außer sich vor Wut. Er peitschte den Boden mit seinem langen Schwanz und kreischte:
„Das ist mirrrrr ganzzzz gleich! Jetzt gehört sie jedenfalls mirrrrrrr!!!! Und du gehörrrrst auch mirrrrrrrrr!!!!!!! Und deine Heimat wirst du niemals wiedersehen, du Schwachchchchchkopf! Ich lasse dich nie wieder forrrrrrrrrrrrrrrrrrtttttttt!"
Dabei stampfte er langsam auf Jim zu.
„Chchchchchch!" fauchte er. „Zzzzzzzur Begrüssssssung werde ich dich erst einmal tüchchchchchchtig durrrrrrchprügeln, mein Herzzzzzzchen, daßßßßßß dir dein vorlautes Mundwerrrrrrk verrrrrrrrgeht!"
Und er griff mit seiner riesigen Tatze nach dem Jungen. Aber Jim wich geschickt aus. Der Drache schlug mit dem Stock um sich, aber die Hiebe gingen ins Leere. Wie ein Wiesel lief Jim um das große steinerne Pult und die Schulbänke herum. Der Drache blieb ihm hart auf den Fersen, aber es gelang ihm nicht, den Jungen zu erwischen. Er wurde immer erboster, und vor Wut und Ärger lief er rot und grün an, und auf seinem Leib bildeten sich überall Warzen und Beulen. Es war wirklich ein äußerst unappetitlicher Anblick.
Jim geriet allmählich außer Atem. Er mußte husten und nach Luft ringen, denn der Drache spuckte fortwährend Rauch und Feuer. Wo mochte nur Lukas bleiben? Er hatte doch versprochen, mit Emma zu Hilfe zu kommen. Der ganze große Raum war bereits voller Qualm, und Jim konnte kaum noch sehen, wohin er lief. Da endlich erscholl Emmas heller Pfiff. Der Drache fuhr herum und erblickte durch die Rauchschwaden ein furchterregendes Ungetüm, das mit hellflammenden Augen auf ihn zu kam. Dieses Ungeheuer schien zwar nicht ganz so groß zu sein wie er selbst, aber dicker und kräftiger.
„Wasssss wollen Sie hierrrrrr?" kreischte der Drache in äußerster Wut. „Werrrrr hat Ihnen errrrrrrlaubt…?"
Weiter kam er nicht mehr, denn Emma brauste wie ein Orkan auf ihn los und versetzte ihm mit ihren Puffern einen heftigen Stoß. Der Drache schlug mit seinen mächtigen Tatzen und dem langen gepanzerten Schwanz zurück. Und nun entspann sich zwischen den beiden ein Zweikämpf von furchtbarer Wildheit.
Der Drache heulte und kreischte und fauchte und spie ununterbrochen Feuer und Rauch gegen Emma und setzte ihr so hart zu, daß es eine ganz Weile fraglich schien, wer die Oberhand behalten würde. Aber Emma ließ sich nicht einschüchtern. Sie spuckte ebenfalls aus Leibeskräften Funken und Rauch und rollte wieder und wieder zu einem neuen Angriff vor. Nach und nach ging dabei ihre Drachenverkleidung in Stücke, und es kam immer deutlicher zum Vorschein, daß sie kein Ungeheuer, sondern eine Lokomotive war.
Die Kinder, die angekettet auf ihren Bänken bleiben mußten und nicht weglaufen konnten, verfolgten den Zweikampf anfangs voller Entsetzen. Als sie aber die wahre Natur des fremden Drachen entdeckten, jubelten sie und feuerten Emma begeistert an:
„Eine Lokomotive!" schrien sie. „Bravo, Lokomotive! Hoch die Lokomotive!"
Schließlich holte Emma zu einem letzten Anlauf aus und traf den Drachen noch einmal mit aller Wucht, und der Drache fiel um und lag hilflos auf dem Rücken und streckte alle viere von sich.
Lukas sprang aus dem Führerhäuschen und rief:
„Schnell, Jim! Wir müssen ihn fesseln, ehe er wieder zu sich kommt!"
„Aber womit?" fragte Jim, noch völlig atemlos.
„Hier, mit unseren Ketten!" schrie aufgeregt der kleine Indianer. „Nehmt ihm den Schlüssel ab. Er trägt ihn an einer Schnur um den Hals!"
Jim sprang zu dem Drachen und biß den Strick mit seinen Zähnen durch. Dann schloß er geschwind die Schlösser an den Ketten der nächstsitzenden Kinder auf. Als er zu der kleinen Prinzessin kam, bemerkte er, daß sie errötete und mit einer allerliebsten Bewegung ihr Köpfchen wegdrehte.
„Das Biest kommt schon wieder zur Besinnung!" rief Lukas. „Mach schnell!"
Sie wickelten eine Kette um die Schnauze des Drachen, damit er auf jeden Fall das Maul nicht mehr aufreißen konnte. Danach fesselten sie ihm die Vorderund Hinterbeine.
„So!" seufzte Lukas befriedigt und wischte sich den Schweiß von der Stirn, als Jim den Schlüssel im letzten Schloß umdrehte. „Jetzt kann nicht mehr viel passieren."
Nachdem Jim alle Kinder befreit hatte, gab es natürlich zunächst einmal ein riesiges Hallo. Alle waren ganz außer Rand und Band vor Freude. Sie lachten und jubelten und schrien durcheinander, und die Kleinsten hüpften herum und klatschten in die Hände.
Lukas und Jim saßen lächelnd inmitten des Trubels. Die Kinder drängten sich um sie und bedankten sich wieder und wieder. Auch zu Emma gingen sie hin, lobten sie gebührend und klopften sie auf den dicken Leib. Ein paar Jungen kletterten sogar schon auf ihr herum und begutachteten alle Einzelheiten. Emmas verbeultes Gesicht strahlte vor Vergnügen und Rührung.
Lukas ging auf den Flur hinaus und legte den schweren Riegel an der steinernen Wohnungstür vor.
„So, Leute", sagte er zu den Kindern, als er zurückkam, „vorläufig sind wir in Sicherheit. Niemand kann uns jetzt überraschen. Wir haben ein bißchen Zeit. Ich schlage vor, wir beraten erst mal, wie wir am besten aus dieser ungemütlichen Drachenstadt herauskommen können. Durch die Eingangshöhle, wo wir hereingekommen sind, ist die Flucht zu gefährlich, fürchte ich. Erstens ist Emmas Verkleidung kaputt gegangen, und zweitens haben wir auch nicht alle im Führerhäuschen Platz. Die Drachenwächter würden bestimmt was merken. Wir müssen uns also einen anderen Plan ausdenken."
Eine Weile dachten alle angestrengt nach, aber keinem fiel eine Lösung ein. Plötzlich fragte Jim mit gerunzelter Stirn: „Li Si, wo hast du eigentlich damals deine Flaschenpost ins Wasser geworfen?"
„In den Fluß, der hinter unserm Haus entspringt", antwortete die Prinzessin.
Jim und Lukas wechselten einen Blick der Verwunderung, und Lukas schlug sich aufs Knie und rief: „Also doch! Sollte Nepomuk uns angeschwindelt haben?"
„Kann man den Fluß von hier aus sehen?" erkundigte sich Jim.
„Ja", antwortete die Prinzessin, „kommt, ich zeige ihn euch."
Sie führte die beiden Freunde in einen Raum auf der gegenüberliegenden Seite des Flurs. Dort standen etwa zwanzig kleine steinerne Betten. Es war der Schlafsaal, in den der Drache jeden Abend die Kinder eingesperrt hatte. Wenn man eines der Betten an die Wand schob und sich darauf stellte, dann konnte man oben durch ein Felsenloch hinausschauen. Und tatsächlich - dort unten lag in der Mitte eines merkwürdigen dreieckigen Platzes ein riesiges rundes Brunnenbecken, in dem ein mächtiger Quell eigenartigen goldgelben Wassers entsprang, das über die Ränder des steinernen Brunnens strömte und einen breiten Fluß bildete, der sich durch den düsteren Grund der Häuserschluchten davonschlängelte.
Nachdenklich blickten Lukas und Jim auf diesen Ursprung des Gelben Flusses hinunter, denn daß es sich um diesen handelte, war nicht zu bezweifeln. Inzwischen waren alle Kinder in den Schlafsaal herübergekommen und standen erwartungsvoll um die beiden Freunde herum.
„Wenn Li Sis Flaschenpost mit der Strömung bis nach China geschwommen ist", meinte Jim zögernd, „dann müßten wir's doch vielleicht auch können."
Lukas nahm die Pfeife aus dem Mund.
„Donnerwetter, Jim", brummte er, „das ist eine Idee! Nein, das ist mehr als eine Idee, das ist bereits ein fertiger Plan und zwar der kühnste! Es wird eine Fahrt ins vollkommen Unbekannte." Er kniff die Augen zusammen und paffte unternehmungslustig vor sich hin.