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Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

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Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
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Die Flammen züngelten auf, und der Qualm zog oben zum Loch hinaus. Alles funktionierte ausgezeichnet.

Als Nepomuk den Rauch aufsteigen sah, geriet er ganz außer sich vor Freude. Er hatte zuletzt doch ein wenig daran gezweifelt, ob die beiden Lokomotivführer einen so entsetzlich schwierigen Schaden beheben könnten. Jetzt tanzte er oben um das Loch herum und quiekte mit seiner Ferkelstimme:

„Es geht! Es geht! Mein Vulkan brennt wieder! Hurra! Es funktioniert!"

Jim und Lukas kletterten zu ihm hinauf.

„Vielen Dank!" sagte Nepomuk, als beide vor ihm standen.

„Bitte, gern geschehen!" erwiderte Lukas bedächtig. „Ich habe nun allerdings auch eine kleine Bitte."

„Ja? Was denn?" fragte Nepomuk, der Halbdrache.

„Weißt du", sagte Lukas, „mir sind nämlich gerade die Kohlen ausgegangen. Du hast doch einen ganz schönen Berg davon. Hättest du etwas dagegen, wenn wir unseren Tender aus deinem Vorrat neu auffüllen würden?"

„Aber gar nicht!" rief Nepomuk und lächelte freundlich, soweit das bei seinem Riesenmaul möglich war. „Ich werde das gleich selbst besorgen."

Jim und Lukas wollten helfen, aber Nepomuk bestand darauf, es allein zu tun.

„Ihr beide habt schwer für mich gearbeitet, ihr sollt euch jetzt ausruhen", erklärte er. Dann kletterte er in seinen Vulkan hinunter, tauchte gleich darauf mit einem großen Eimer voll Kohlen wieder auf, lief damit zu Emma hin und leerte ihn in den Tender. Dann kehrte er in seine Höhle zurück und füllte den Eimer aufs neue, und das wiederholte er so oft, bis der Tender gehäuft voll war. Die beiden Freunde schauten ihm zu und hatten ein etwas schlechtes Gewissen.

Endlich war der Halbdrache fertig.

„Uff!" keuchte er und wischte sich den Schweiß von der Stirn, „ich glaube, jetzt ist es genug! Es geht nichts mehr hinein!"

„Vielen Dank, Nepomuk!" sagte Lukas beschämt. „Das war aber wirklich sehr, sehr liebenswürdig von dir. Würdest du vielleicht gern mit uns Abendbrot essen?"

Es war nämlich inzwischen ziemlich spät geworden, und die Sonne senkte sich dem Horizont zu.

„Was habt ihr denn?" erkundigte sich Nepomuk und bekam sofort ganz gierige Augen.

„Tee und belegte Brote", antwortete Jim.

Nepomuk machte ein enttäuschtes Gesicht.

„Ach nein, danke", sagte er, „solche Sachen verträgt mein Magen nicht. Ich esse lieber eine ordentliche Portion Lava."

„Was is' Lava?" wollte Jim wissen. „Schmeckt das gut?"

„Lava ist die Lieblingsspeise aller Drachen", erklärte Nepomuk mit würdevollem Stolz. „Es ist ein glühender Brei aus geschmolzenem Eisen und Schwefel und allerhand anderen feinen Sachen. Ich habe einen großen Kessel voll. Wollt ihr mal versuchen?"

„Lieber nicht", sagte Jim und Lukas wie aus einem Mund.

Also holten sich die beiden Freunde ihren Proviant aus der Lokomotive, und Nepomuk holte sich seinen Kessel voll Lava. Dann setzten sie sich zusammen und aßen zu Abend. Allerdings war Nepomuk kein sehr appetitlicher Tischgenosse. Er schmatzte und schlürfte und spritzte mit dem glühenden Brei um sich herum, daß Jim und Lukas richtig achtgeben mußten, damit sie nicht ganz und gar bekleckert und angesengt wurden. Nepomuk war zwar nur ein Halbdrache, aber er gab sich alle Mühe, sich möglichst wie ein reinrassiger Drache zu benehmen.

Als er endlich satt war, kippte er den Rest aus seinem Kessel einfach in eine Erdspalte in der Nähe. Dann leckte er sich das Maul, klopfte sich auf den prallen Bauch und rülpste herzhaft. Dabei stiegen ihm zwei schwefelgelbe Rauchkringel aus beiden Ohren.

Auch die beiden Freunde hatten ihre Mahlzeit beendet. Jim brachte die restlichen Brote und die Thermosflasche in die Lokomotive zurück, während Lukas sich seine Pfeife ansteckte. Dann unterhielten sie sich noch eine Weile über dies und das. Schließlich sagte Lukas beiläufig:

„Wir möchten gerne in die Drachenstadt. Weißt du, wie man dahin kommt, Nepomuk?"

„Natürlich weiß ich, wie man hinkommt", erwiderte Nepomuk. „Was wollt ihr denn dort?"

Sie erklärten ihm ihr Vorhaben in aller Kürze. Als sie damit fertig waren, meinte Nepomuk:

„Eigentlich sollten wir Drachen ja zusammenhalten, und ich dürfte euch nichts verraten. Aber ihr habt mir geholfen, und die Drachen in Kummerland sind immer nur häßlich zu uns Halbdrachen und lassen uns nicht hinein. Ich werde also zu euch halten, damit sich die Drachen ärgern. Ich werde Rache üben. Seht ihr dort den hohen Gipfel?"

Er zeigte mit der Tatze auf den riesenhaften Vulkan, der in der Mitte des Landes lag.

„In diesem Berg", fuhr er fort, „liegt die Stadt der Drachen. Der Gipfel ist oben offen. Er ist nämlich ein Krater."

„Was is' das, ein Krater?" erkundigte sich Jim.

„Ein Krater ist - naja, ein Krater ist eben ein Krater", antwortete Nepomuk verwirrt. „Der Berg ist innen hohl und nach oben offen, ungefähr wie eine große Schüssel oder so was."

„Aha", sagte Jim.

„Und auf dem Boden dieses Kraters", erklärte Nepomuk weiter, „liegt eben die Drachenstadt Kummerland. Sie ist riesengroß und viele tausend Drachen wohnen dort. Sie haben sich dahin zurückgezogen, seit es auf der übrigen Welt für sie zu gefährlich geworden ist. Nur noch ganz selten machen einige von ihnen Ausflüge in andere Länder."

„Aber woher kommt der Rauch, der oben aus dem Berg steigt?" wollte Jim wissen. „Haben sie dort auch solche Herde wie du?"

„Natürlich", antwortete Nepomuk. „aber hauptsächlich kommt er von den Drachen selber. Drachen speien doch Rauch und Feuer."

Wie zum Beweis für seine Worte rülpste er wieder und ließ Schwefelgelbe Dampfwölkchen und ein paar Funken aus seiner Nase und seinen Ohren aufsteigen. Es wirkte allerdings ein bißchen kümmerlich.

„Aha", meinte Jim, „so is' das!"

„Und wie kommt man in die Drachenstadt hinein?" fragte Lukas und stieß ebenfalls ein paar Rauchwölkchen aus.

„Ja, das ist es eben", seufzte Nepomuk und stützte den dicken Kopf nachdenklich in die linke Tatze. „Es ist ganz unmöglich hineinzukommen. Sogar für mich."

„Aber es muß doch einen Eingang geben?" fragte Jim.

„Allerdings", entgegnete Nepomuk, „es gibt einen, eine Höhle, die durch die Wand des Berges in die Drachenstadt hineinführt. Aber leider wird dieser Eingang Tag und Nacht von Drachenwächtern bewacht. Und die lassen niemand an sich vorbei, der nicht wie ein richtiger Drache aussieht."

„Gibt es denn keinen zweiten Eingang?" forschte Lukas.

„Nein", meinte Nepomuk, „nicht daß ich wüßte."

„Zum Beispiel einen Fluß, der aus der Drachenstadt herausfließt?" deutete Lukas vorsichtig an.

„Nein", versicherte Nepomuk, „davon habe ich nie gehört. Dieser Fluß müßte ja durch das,Land der tausend Vulkane' fließen, und wir Halbdrachen würden ihn kennen. Nein, es gibt keinen Fluß und keinen zweiten Eingang."

„Das ist seltsam", brummte Lukas. „Wir dachten nämlich, der Gelbe Fluß entspränge in der Drachenstadt."

Aber Nepomuk schüttelte nachdrücklich den Kopf und erklärte: „Das kann nicht sein!"

„Wie sehen denn eigentlich reinrassige Drachen aus?" fragte Jim in Gedanken versunken.

„Ach, ganz verschieden", antwortete Nepomuk. „Sie dürfen vor allem keinem anderen Tier ähnlich sehen, sonst sind sie nämlich nicht mehr reinrassig. Ich zum Beispiel sehe leider meiner Mutter, dem Nilpferd, entfernt ähnlich. Ja, und außerdem muß ein Drache eben Feuer und Rauch speien können."

Alle drei dachten eine Weile nach. Endlich schlug Jim vor:

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