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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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Es waren keine Fotos von Mitmenschen zu sehen, aber die Wände waren mit Magazinbildern verschiedener Chronolithen tapeziert. (Ich verdrängte die Erinnerung an Sue Chopras Büro in Baltimore.)

Ashlee sagte: »Sieht das aus, als wollte er nie mehr nach Hause kommen? Das ist sein Mittelpunkt. Vielleicht hat er nicht jede Nacht hier geschlafen, aber von vierundzwanzig Stunden war er seine acht bis zehn hier. Immer.«

Sie machte die Tür wieder zu.

»Komisch«, sagte sie, »ich habe immer gedacht, ich hätte ihm ein Zuhause geboten. Aber dem war nicht so. Er hat sich sein eigenes Zuhause gemacht. Es war nur zufällig mitten in meinem.«

Sie brühte Kaffee auf, und wir unterhielten uns noch eine Weile, saßen auf dem langen Sofa beim Geräusch des Straßenverkehrs, der durch die geschlossenen aber einfach verglasten Fenster drang. Der Moment hatte etwas zutiefst Wohltuendes — Ashlee hantierte in der Küche, glättete geistesabwesend ihr widerborstiges Haar —, etwas beinah leiblich Wohltuendes, ein Schatten der Behaglichkeit, die ich vor mehr als zehn Jahren verloren hatte. Ich war ihr dankbar dafür.

Doch ein Moment ist von Natur aus flüchtig. Sie erkundigte sich nach Kaitlin, und ich erzählte ihr einiges (nicht alles) über Chumphon und wie ich die letzten zehn Jahre verbracht hatte. Sie war beeindruckt, dass ich das Jerusalem-Ereignis miterlebt hatte, nicht etwa, weil ihr Kuin etwas bedeutete, sondern weil es bedeutete, dass ich mich, wenn auch nur am Rande, unter Menschen aufgehalten hatte, die sie zu den relativ Wohlhabenden und einigermaßen Berühmten zählte. »Sie haben wenigstens etwas getan«, sagte sie, »nicht bloß auf der Stelle getreten.«

Ich hielt ihr entgegen, sie habe auch nicht bloß auf der Stelle getreten: Für eine alleinstehende Frau sei es bestimmt nicht einfach gewesen, in dieser Wirtschaftskrise ein Kind großzuziehen.

»Auf der Stelle treten«, sagte sie, »heißt nicht vom Fleck kommen. Und genau so kommt es mir mit Adam vor. Ich hab versucht, ihm zu helfen, aber ich kam nicht voran.« Sie hielt inne, dann drehte sie mir ihr Gesicht zu, ihr Ausdruck war weniger beherrscht als bisher. »Angenommen, sie sind wirklich nach Mexiko — Adam und Kaitlin und diese Clique. Was machen wir dann?«

»Ich weiß es nicht«, sagte ich. »Ich muss mit einigen Leuten reden.«

»Würden Sie Kaitlin nachreisen, den ganzen Weg bis Portillo?«

»Wenn ich ihr helfen könnte. Wenn es nützen würde.«

»Aber Sie sind sich nicht sicher.«

Mein Handy klingelte. Ich hatte auf Anrufbeantworter geschaltet, sah aber nach, wer da anrief. Es hätte Janice sein können, weil Kaitlin wieder aufgetaucht und alles bloß ein Missverständnis gewesen war. Oder Ramone Dudley, weil die Polizei Kaits Leiche gefunden hatte.

Es war eine SMS von Sue Chopra. Sie hatte meine private Handynummer ausfindig gemacht (obwohl ich sie beim Verlassen von Baltimore geändert hatte) und bat mich, so bald wie möglich zurückzurufen.

»Etwas Privates«, erklärte ich Ashlee.

Sie brachte mich die Treppe hinunter und ging mit bis zum Auto. Sie gab mir die Hand. Es war spät, und die Straße lag verlassen. Die altmodischen Quecksilberdampflampen zauberten bernsteinfarbene Reflexe in ihr kurzes, blondgefärbtes Haar. Ihre Hand fühlte sich warm an.

»Wenn Sie etwas herausfinden«, sagte sie, »höre ich von Ihnen. Versprochen?«

Ich versprach es.

»Rufen Sie mich an, Scott.«

Ich glaube, sie wollte wirklich, dass ich sie anrief. Und ich glaube, sie hat nicht geglaubt, dass ich es tue.

»Erst mal«, sagte Sue und lehnte sich über die Aufnahmeoptik, so dass ihr Gesicht das Videofenster des Motelterminals wie ein unscharfer brauner Mond ausfüllte, »will ich, dass du weißt: Ich bin nicht stocksauer darüber, wie du die Stadt verlassen hast. Ich habe volles Verständnis für deine Gründe, und wenn du zu dem Ergebnis gekommen bist, dass du mir nicht vertrauen kannst, bin ich vermutlich selber schuld. Trotzdem weiß ich nicht, Scotty, warum du immer das Schlechteste von den Menschen annimmst. Auf die Idee, wir hätten dir helfen können, bist du wohl nicht gekommen?«

»Ihr wisst, was mit Kait ist?«

»Wir haben uns informiert, ja.«

»Ihr habt mit der Polizei geredet.«

»Du tust, was du tun musst, aber du sollst wissen, dass du deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben brauchst.« Etwas wehmütiger setzte sie hinzu: »Trotzdem möchte ich ab und zu mit dir reden. Was mich betrifft, arbeitest du immer noch hier. Ray ist ein guter Kontrast zur Mathematik, und Morris gibt sich alle Mühe zu verstehen, was wir so machen, aber ich brauche jemanden, der wach genug ist, um nichts zu übersehen, aber nicht in eingefahrenen Bahnen denkt.« Sie schlug den Blick nieder und fügte hinzu: »Aber vielleicht ist das nur eine Ausrede. Vielleicht brauche ich einfach nur jemanden zum Reden.«

Das war unter anderem ihre Art, sich für die ganze Schinderei in den letzten Jahren zu entschuldigen. Aber ich hatte mich nie beschwert. Nur ihre Hypothesen zur Tau-Turbulenz hätten mir zum Verhängnis werden können, ansonsten war Sue sorgfältig bedacht gewesen, mich gegen die Allmächtigen abzuschotten. Diese Allmächtigen konzentrierten ihre Aufmerksamkeit seit kurzem auf andere Personen; aber Sue war trotz allem an unserer Freundschaft gelegen.

Sie sagte: »Ich mach mir solche Sorgen wegen Kaitlin.«

»Ich kann dir nicht mehr sagen, als dass sie noch nicht nach Hause gekommen ist. Ich will jetzt nicht spekulieren. Lenk mich ab. Erzähl was. Hat Ray eine Freundin gefunden? Und du?«

»Trinkst du, Scotty?«

»Ja, aber nicht genug, um die Frage zu rechtfertigen.«

Sie lächelte traurig. »Okay. Ray streift immer noch durch die Wildnis. Ich treffe mich mit dieser Frau, die ich in einer Bar kennen gelernt habe. Ist ganz süß. Hat rotes Haar und sammelt Meißener Porzellan und tropische Fische. Aber es ist nichts Ernstes.«

Wie auch? Sue lebte ihre Liebschaften beinah aus der Distanz heraus, respektvoll und pessimistisch.

Ihre große Liebe war die Arbeit, und über die redete sie am liebsten. »Tatsache ist, Scotty, wir hatten einen winzigkleinen Durchbruch. Das treibt uns alle um. Das Meiste ist topsecret, aber da das Netz vor Gerüchten schwirrt, kann ich dir ein bisschen was erzählen.«

Sie erzählte mir wahrscheinlich mehr, als erlaubt war, doch viel kapierte ich ohnehin nicht. Der Kern war, dass es jemandem vom MIT gelungen war, negative Tau-Partikel aus dem Vakuum zu hexen (das nichts anderes als ein siedender Hexenkessel aus lauter, wie die Physiker sagen, virtuellen Teilchen ist) und sie lange genug am Leben zu erhalten, um den Effekt zu demonstrieren. Hadronen mit prinzipiell negativer Lebensdauer. Sie meißelten, wenn man so will, Löcher in die Vergangenheit — etwa eine Millisekunde tief, nicht Kuins zwanzigjahre und drei Monate, aber es war eben im Grunde das gleiche Phänomen.

»Wir sind kurz davor«, sagte Sue, »genau zu verstehen, was Kuin macht. Vielleicht wissen wir bald mehr als er. Über kurz oder lang werden wir ganz neue Technologien auf den Weg bringen. Interstellare Raumfahrt, Scotty: eine reale Möglichkeit!«

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