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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Als wir den Palast heil hinter uns gelassen hatten, trabten wir gemächlich durch die Straßen von New Bern, ohne dabei großes Interesse unter den Bürgern hervorzurufen. Einige von ihnen winkten, ein paar riefen vage Feindseligkeiten, und die meisten starrten uns einfach nur an. Am Stadtrand steuerte der Kutscher das Gespann auf die Hauptstraße, und wir rollten munter dahin, allem Anschein nach zu einem Ausflug aufs Land unterwegs, eine Illusion, die durch den Picknickkorb, der hinter uns zu sehen war, noch untermauert wurde.

Doch als wir den dichten Verkehr der schweren Fuhrwerke, der Rinder und Schafe und anderen Händler hinter uns gelassen hatten, beschleunigte der Kutscher, und schon flogen wir wieder dahin.

»Wohin fahren wir?«, rief ich im Klappern des Gespanns und hielt mir den Hut fest, damit er nicht davongeweht wurde. Ich hatte gedacht, wir wären nur ein Ablenkungsmanöver, damit niemand Mrs. Martins heimliches Verschwinden bemerkte, bis sie die Kolonie sicher hinter sich gelassen hatte. Offensichtlich waren wir jedoch nicht nur zu einem Picknick unterwegs.

»Brunswick!«, rief der Gouverneur zurück.

»Wohin?«

»Brunswick«, wiederholte er. Seine Miene war grimmig und wurde noch grimmiger, als er einen letzten Blick nach New Bern zurückwarf. »Sollen sie doch zur Hölle fahren«, sagte er, wenn ich mir auch sicher war, dass diese Bemerkung nicht für meine Ohren bestimmt war. Dann drehte er sich um und setzte sich leicht vornübergebeugt zurecht, so als wollte er die Kutsche antreiben. Er sagte nichts mehr.

Kapitel 95

Die Cruizer

Ich erwachte jeden Morgen kurz vor Tagesanbruch. Erschöpft vor Sorge und weil der Gouverneur so spät zu Bett ging, schlief ich wie ein Stein und bemerkte nichts vom Rumpeln und Rattern des Schiffs, von der Wachglocke, von den Rufen auf vorbeifahrenden Booten, dem gelegentlichen Musketenfeuer am Ufer und dem Heulen der Meeresbrise, die durch die Takelage fuhr. Doch in jenem Moment, bevor es hell wurde, weckte mich die Stille.

Heute?, war der eine Gedanke, der mir durch den Kopf ging, und für einen Moment schien ich körperlos über meinem Matratzenlager unterhalb des Vorschiffs zu schweben. Dann holte ich Luft, hörte mein Herz schlagen und spürte, wie sich das Deck sanft unter mir hob. Drehte meinen Kopf zum Ufer und sah zu, wie das Licht die Wellen zu berühren begann und sich auf das Land zubewegte.

Wir hatten uns zuerst nach Fort Johnston begeben, waren dort aber gerade eben so lange geblieben, dass der Gouverneur ein Treffen mit den dortigen Loyalisten abhalten und sich von ihnen versichern lassen konnte, wie gefährdet es war, bevor wir unseren Rückzug weiter fortsetzten.

Wir waren seit einer Woche an Bord der königlichen Schaluppe Cruizer, die vor Brunswick ankerte. Da er keine Truppen außer den Marinesoldaten an Bord der Schaluppe hatte, war Gouverneur Martin nicht in der Lage, die Kontrolle über seine Kolonie zurückzuerlangen, und alles, was ihm zu tun blieb, war, panisch Briefe zu schreiben, um den Anschein einer Regierung im Exil zu wahren.

Da er sonst niemanden dafür hatte, übte ich weiter meine Rolle als Ad-hoc-Sekretärin aus, wobei ich nicht mehr nur kopierte, sondern zur Amanuensis befördert worden war und Briefe diktiert bekam, wenn Martin zu müde wurde, um selbst zu schreiben. Und da ich nicht nur vom Land, sondern auch von jeder Neuigkeit abgeschnitten war, verbrachte ich jede freie Minute damit, das Ufer zu beobachten.

Heute tauchte ein Boot aus der schwindenden Dunkelheit auf.

Einer der Wachtposten rief es an, und der Tonfall des antwortenden »Halloo« war so erregt, dass ich mich abrupt aufsetzte und nach meinem Korsett tastete.

Es würde Neuigkeiten geben!

Der Bote befand sich schon in der Kajüte des Gouverneurs, und einer der Soldaten verstellte mir den Weg – doch die Tür stand offen, und die Stimme des Mannes war deutlich zu hören.

»Ashe hat es getan, Sir, er zieht gegen das Fort!«

»Nun, soll Gott den verräterischen Hund verdammen!«

Es waren Schritte zu hören, und der Soldat trat hastig beiseite, gerade noch rechtzeitig, um dem Gouverneur auszuweichen, der aus seiner Kajüte geschossen kam wie ein Schachtelteufel, immer noch im wehenden Nachthemd und ohne Perücke. Er packte die Leiter und kletterte wie ein Affe hinauf, was mir von unten den ungewollten Anblick seiner fetten, nackten Pobacken bescherte. Der Soldat fing meinen Blick auf und wandte hastig seinerseits die Augen ab.

»Was tun sie? Seht Ihr sie?«

»Noch nicht.« Der Bote, ein Mann in den mittleren Jahren, der wie ein Bauer gekleidet war, war dem Gouverneur nach oben gefolgt; ihre Stimmen drangen von der Reling nach unten.

»Oberst Ashe hat gestern befohlen, dass sämtliche Schiffe im Hafen von Wilmington Soldaten an Bord nehmen und nach Brunswick fahren sollen. Heute Morgen fand vor der Stadt die Musterung statt; ich habe beim Melken den Appell gehört – es müssen fast fünfhundert Mann sein. Als ich das gesehen habe, Sir, habe ich mich zum Ufer gestohlen und mir ein Boot gesucht. Dachte, Ihr solltet es wissen, Eure Exzellenz.« Die Erregung war jetzt aus der Stimme des Mannes verschwunden, und er klang ziemlich selbstgerecht.

»Ach ja? Und was erwartet Ihr, das ich dagegen tue?« Der Gouverneur wirkte ausgesprochen gereizt.

»Woher soll ich das wissen?«, erwiderte der Bote in ähnlichem Ton. »Ich bin doch nicht der Gouverneur, oder?«

Die Antwort des Gouverneurs ging im Schlagen der Schiffsglocke unter. Als diese verstummte, schritt er an der Treppe vorbei und sah mich unten stehen.

»Oh, Mrs. Fraser. Würdet Ihr mir etwas Tee aus der Kombüse holen?«

Mir blieb kaum etwas anderes übrig, auch wenn ich lieber stehen geblieben wäre und gelauscht hätte. Das Feuer in der Kombüse war für die Nacht in einem kleinen Eisentopf mit Asche belegt, und der Koch war noch im Bett. Bis ich das Feuer geschürt und Wasser gekocht hatte, um eine Kanne Tee aufzubrühen und ein Tablett mit Teekanne, Tasse, Untertasse, Milch sowie Toast, Butter, Plätzchen und Marmelade zusammenzustellen, war der Informant des Gouverneurs verschwunden; ich sah, wie sein Boot auf das Ufer zuhielt und sich wie eine dunkle Pfeilspitze vor der sich langsam erhellenden Meeresoberfläche abzeichnete.

Ich blieb einen Moment an Deck stehen und stützte mein Tablett auf die Reling, um landeinwärts zu spähen. Es war gerade eben hell geworden, und man konnte Fort Johnston erkennen; ein klobiges Holzgebäude, das exponiert auf seiner flachen Erhebung stand, umringt von einer Ansammlung von Häusern und Nebengebäuden. Ringsum war schon einiges los; Männer kamen und gingen wie eine Ameisenkolonne. Nichts jedoch, was danach aussah, als drohte eine unmittelbare Invasion. Entweder hatte der Befehlshaber, Hauptmann Collet, beschlossen zu evakuieren – oder Ashes Männer hatten mit dem Anmarsch aus Brunswick noch nicht begonnen.

Hatte John Ashe meine Nachricht erhalten? Wenn ja, wie mochte er gehandelt haben? Es wäre keine sehr populäre Maßnahme; ich konnte ihm keine Vorwürfe machen, wenn er beschlossen hatte, dass er es sich nicht erlauben konnte, öffentlich einem Mann zu helfen, der im Verdacht stand, Loyalist zu sein – ganz zu schweigen davon, dass er eines solch grauenvollen Verbrechens angeklagt war.

Möglich war es trotzdem. Da der Gouverneur auf See festsaß, der Rat aufgelöst war und das Gerichtssystem quasi verdunstet war, gab es in der Kolonie kein wirksames Gesetz mehr – außer den Milizen. Falls sich Ashe dafür entschied, das Gefängnis von Wilmington zu stürmen und Jamie zu befreien, konnte er mit herzlich wenig Gegenwehr rechnen.

Und wenn er es getan hatte … Wenn Jamie frei war, würde er mich suchen. Und er würde mit Sicherheit schnell hören, wo ich war. Wenn John Ashe nach Brunswick kam und Jamie frei war, würde er sich Ashes Männern anschließen. Ich suchte das Ufer nach Bewegungen ab, aber ich sah nur einen Jungen, der gelangweilt eine Kuh über die Straße nach Brunswick trieb. Doch die Schatten der Nacht lagen noch kalt zu meinen Füßen; der Morgen hatte kaum gedämmert.

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