Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Roger hatte mir nicht viel von ihrer Nacht auf dem Berg erzählt, doch das war auch nicht nötig gewesen; ich hatte schon öfter Männer gesehen, die mit dem Tod an ihrer Seite die Dunkelheit überstanden hatten. Da Jamie seitdem eine Nacht und einen Tag überlebt hatte, war es wahrscheinlich, dass er überleben würde – wenn ich die Entzündung unter Kontrolle bekam. Doch in was für einem Zustand?
Ich hatte noch nie einen Schlangenbiss behandelt, doch ich hatte genügend Lehrbuchillustrationen gesehen. Das vergiftete Gewebe würde absterben und verfaulen; es war gut möglich, dass Jamie den Großteil seiner Unterschenkelmuskeln verlor, was ihn für immer zum Krüppel machen würde – oder schlimmer noch, er konnte Wundbrand bekommen.
Ich musterte ihn verstohlen unter gesenkten Wimpern. Er lag unter einem Berg von Bettdecken und fühlte sich so elend, dass er sich kaum bewegen konnte – und doch war die Linienführung seines Körpers elegant, versprach sie große Kraft. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, ihn zu verstümmeln – und doch würde ich es tun, wenn ich musste. Jamie zum Krüppel zu machen … ihn zu einem hinkenden, einbeinigen Mann zu machen … bei diesem Gedanken verkrampfte sich mein Magen, und der Schweiß brach mir auf meinen blau gefleckten Handflächen aus.
Würde er das wollen?
Ich griff nach dem Becher mit Wasser an Jamies Kopfende und leerte ihn selbst. Ich würde ihn nicht fragen. Rechtmäßig war es zwar seine Entscheidung – doch er war mein, und meine Entscheidung stand fest. Ich würde ihn nicht aufgeben, ganz gleich, was ich tun musste, um ihn zu behalten.
»Bist du sicher, dass es dir gut geht, Pa?« Marsali hatte mein Gesicht beobachtet. Ihre Augen huschten angstvoll zwischen mir und Jamie hin und her. Ich bemühte mich hastig, meinen Gesichtszügen wieder einen Ausdruck der Kompetenz und Ruhe zu verleihen.
Jamie hatte mich ebenfalls beobachtet. Sein Mundwinkel verzog sich.
»Aye, nun ja, zumindest dachte ich das. Aber jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher.«
»Was ist denn los? Fühlst du dich schlechter?«, fragte ich nervös.
»Nein, ich fühle mich prächtig«, log er ungeniert. »Es ist nur so; wenn ich mich verletzt habe, aber kein Grund zur Sorge besteht, schimpfst du immer mit mir wie ein Rohrspatz – aber wenn mein Zustand beängstigend ist, bist du die zärtlichste Frau der Welt. Nun, seit ich heimgekommen bin, hast du mich weder beschimpft noch mir einen einzigen Vorwurf gemacht, Sassenach. Heißt das, du glaubst, dass ich sterbe?«
Er zog eine Augenbraue ironisch hoch, doch ich konnte einen Hauch von echter Sorge in seinen Augen sehen. In Schottland gab es keine Giftschlangen; er konnte ja nicht wissen, was in seinem Bein vor sich ging.
Ich holte tief Luft und legte ihm sacht die Hände auf die Schultern.
»Alter Dummkopf. Auf eine Schlange zu treten! Hättest du nicht aufpassen können, wo du hintrittst?«
»Nicht, während ich hinter einer halben Tonne Fleisch her war«, sagte er lächelnd. Ich spürte, wie die Spannung in den Muskeln unter meinen Händen ein wenig nachließ, und unterdrückte das Bedürfnis, sein Lächeln zu erwidern. Stattdessen funkelte ich ihn an.
»Du hast mir eine Heidenangst eingejagt!« Das zumindest war nicht gelogen.
Die Augenbraue hob sich wieder.
»Meinst du etwa, ich hatte keine Angst?«
»Das kann ich nicht zulassen«, sagte ich bestimmt. »Es kann immer nur einer von uns zur selben Zeit Angst haben, und jetzt bin ich dran.«
Das brachte ihn zum Lachen, obwohl dem Gelächter schnell ein Hustenanfall und eine Schüttelfrostattacke folgten.
»Hol mir einen heißen Ziegel für seine Füße«, sagte ich zu Marsali und deckte ihn schnell wieder zu. »Und gieß kochendes Wasser in die Teekanne und bring mir das bitte.«
Sie hastete in die Küche. Ich blickte aus dem Fenster und fragte mich, ob es Brianna wohl gelungen war, Maden zu finden. Es gab nichts, was eine eiternde Wunde besser reinigte, ohne dem gesunden Gewebe ringsum zu schaden. Wenn ich ihm nicht nur das Leben, sondern auch das Bein retten wollte, brauchte ich mehr als nur die Hilfe der Heiligen Bride.
Während ich mich geistesabwesend fragte, ob es wohl einen Schutzpatron der Maden gab, hob ich eine Ecke der Bettdecke an und warf einen raschen Blick auf meine anderen, wirbellosen Helfer. Gut; ich atmete erleichtert auf. Die Blutegel arbeiteten schnell; sie wurden schon rund. Sie saugten ihm das Blut aus, das aus den geborstenen Kapillargefäßen in das Gewebe seines Beins strömte. Ohne diesen Druck war es möglich, dass seine gesunde Durchblutung rechtzeitig wieder in Gang kam, um Haut und Muskeln am Leben zu erhalten.
Ich konnte seine geballte Faust auf der Tischkante sehen und seinen Schüttelfrost durch meine Oberschenkel spüren, die ich an das Holz gepresst hatte.
Ich nahm seinen Kopf zwischen meine Hände; die Haut seiner Wangen glühte.
»Du wirst nicht sterben!«, zischte ich. »Das lasse ich nicht zu!«
»Das sagt andauernd jemand zu mir«, murmelte er mit geschlossenen, vor Erschöpfung eingesunkenen Augen. »Darf ich dazu vielleicht auch eine Meinung haben?«
»Nein«, sagte ich. »Das darfst du nicht. Hier, trink das.«
Ich hielt ihm den Becher mit der Penizillinbrühe an die Lippen und hielt ihn fest, während er trank. Wahrscheinlich würde das Penizillin innerlich verabreicht ja nicht viel nützen – aber möglich war es dennoch. Er verzog das Gesicht und presste die Augen fest zu, schluckte die Flüssigkeit aber gehorsam herunter.
Marsali hatte die Teekanne gebracht, die sie bis zum Rand mit kochendem Wasser gefüllt hatte. Ich goss den Großteil davon über die vorbereiteten Kräuter und ließ sie ziehen, während ich ihm einen Becher kaltes Wasser einschenkte, damit er den Penizillingeschmack herunterspülen konnte.
Er schluckte das Wasser, ohne die Augen zu öffnen, und legte sich dann auf das Kissen zurück.
»Was ist das?«, fragte er. »Es schmeckt nach Eisen.«
»Wasser«, erwiderte ich. »Alles schmeckt nach Eisen; dein Mund blutet.« Ich reichte Marsali den leeren Wasserkrug und bat sie, Nachschub zu holen. »Mit Honig«, sagte ich. »Ungefähr einen Teil Honig auf vier Teile Wasser.«
»Bouillon, die braucht er«, sagte sie und blieb stehen, um ihn mit sorgenvoll gerunzelter Stirn anzusehen. »Meine Mutter hat darauf geschworen, und ihre Mutter auch schon. Wenn jemand Blut verloren hat, gibt es nichts besseres als Bouillon.«
Marsali musste sich wirklich ernsthafte Sorgen machen; aus angeborenem Taktgefühl erwähnte sie ihre Mutter in meiner Gegenwart nur selten. Die verflixte Laoghaire hatte jedoch ausnahmsweise Recht; Bouillon wäre eine hervorragende Sache gewesen – wenn wir frisches Rindfleisch gehabt hätten, was aber nicht der Fall war.
»Honigwasser«, sagte ich knapp und scheuchte sie aus dem Zimmer. Ich holte mir Nachschub aus der Blutegelabteilung und blieb am vorderen Fenster stehen, um nachzusehen, ob Brianna Fortschritte machte.
Sie stand barfuß auf dem Paddock, die Röcke bis zum Knie gerafft, und schüttelte sich gerade Pferdemist von ihrem Fuß. Also hatte sie bis jetzt kein Glück gehabt. Sie sah mich am Fenster stehen und winkte, dann wies sie erst auf die Axt, die in ihrer Nähe stand, dann auf den Waldrand. Ich nickte und winkte ebenfalls; ein verrotteter Baumstamm war eine weitere Möglichkeit.
Jemmy kniete neben ihr auf dem Boden und war mit seiner Laufleine an den Paddockzaun angebunden. Nicht, dass er sie gebraucht hätte, um auf den Beinen zu bleiben, aber sie verhinderte, dass er entwischte, während seine Mutter zu tun hatte. Er war ganz damit beschäftigt, an den getrockneten Überresten einer Kürbisranke zu zerren, die über den Zaun gewachsen war, und krähte vor Begeisterung, als sich ein Regen aus Laubstückchen und den getrockneten Überresten erfrorener Kürbisse über sein flammendes Haar ergoss. Sein rundes Gesicht trug einen Ausdruck entschlossener Konzentration, als er jetzt Anstalten machte, einen Kürbis von der Größe seines Kopfes in seinen Mund zu befördern.