Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Heilige Mutter Gottes, wie in aller Welt sollen wir das denn zerlegen?«, sagte sie.
»Oh«, sagte ich und fuhr mir mit zitternder Hand durch das Haar. »Das schaffen wir schon.«
Kapitel 92
With a Little Help from My Friends
Ich lehnte mich mit der Stirn an das kühle Glas meines Sprechzimmerfensters und blickte blinzelnd auf die Szene im Freien. Meine Erschöpfung verlieh der Szene auf dem Hof einen zusätzlichen Hauch von Surrealismus – nicht, dass das noch nötig gewesen wäre.
Die Sonne war so gut wie untergegangen und flammte golden auf den letzten, zerzausten Blättern der Kastanien auf. Die Fichten standen schwarz vor dem Hintergrund des ersterbenden Leuchtens, ebenso der Galgen in der Mitte des Hofes und die gespenstischen Überreste, die daran baumelten. Neben den Blaubeerbüschen brannte ein Freudenfeuer, und Schattenrissfiguren, die aus den Flammen auftauchten und im Schatten verschwanden, huschten in alle Richtungen davon. Einige von ihnen gingen mit Messern und Beilen bewaffnet auf den aufgehängten Kadaver los; andere stapften schwer beladen mit Fleischstücken und Eimern voller Fett davon. Am Feuer waren die glockenförmigen Umrisse der Frauen zu sehen, die sich in ihren Röcken bückten und mit ihren Armen ein lautloses Ballett vollführten.
Trotz der Dunkelheit konnte ich Briannas hochgewachsene, hellhäutige Gestalt in der Horde der Dämonen erkennen, die auf den Büffel einhackten – anscheinend sorgte sie für Ordnung. Bevor man ihn mit Gewalt wieder in das Sprechzimmer zurückbeförderte, hatte Jamie das Gewicht des Büffels irgendwo zwischen achtzehnhundert und zweitausend Pfund eingeschätzt. Brianna hatte dazu genickt, Jemmy an Lizzie weitergereicht und war dann unter gedankenversunkenem Blinzeln um den Kadaver herumgeschritten.
»Gut«, hatte sie gesagt, und sobald die ersten Männer halb angekleidet, unrasiert und mit vor Aufregung wildem Blick von ihren Heimstätten eintrafen, hatte sie besonnen ihre Anweisungen zum Sägen von Balken und der Errichtung eines Flaschenzuggerüsts erteilt, das stabil genug war, um eine Tonne Fleisch hochzuhieven und zu tragen.
Die Männer, die sich ärgerten, weil sie an der Erlegung des Tiers nicht teilgehabt hatten, hatten anfangs keine große Lust an den Tag gelegt, ihr Folge zu leisten. Doch Brianna war groß und temperamentvoll, sie hielt mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg – und sie war stur.
»Wessen Waffe war das?«, hatte sie herausfordernd gefragt und Geordie Chisholm und seine Söhne unverwandt angestarrt, als sie sich mit ihren Messern auf den Kadaver zubewegten. Sie wies auf die tiefe Furche im Hals des Tiers, dann strich sie langsam mit der Hand über ihren Ärmel und lenkte die Blicke der Männer auf die Blutflecken darauf. »Oder das hier?« Sie wies mit ihrem nackten Fuß vorsichtig auf die durchtrennte Kehle und die Blutpfütze, die im Hof versickert war. Meine Strümpfe lagen dort, wo ich sie ausgezogen hatte, am Rand der gerinnenden Pfütze, schlaffe, rote Lumpen, die jedoch erkennbar einer Frau gehörten.
Von meinem Beobachtungsposten am Fenster aus hatte ich gesehen, wie sich mehr als ein Gesicht dem Haus zuwandte und stirnrunzelnd die Erkenntnis widerspiegelte, dass Brianna Ehrwürdens Tochter war – eine Tatsache, die der Kluge nicht vergaß.
Doch es war Roger gewesen, der die Stimmung zu ihren Gunsten gewendet hatte. Er hatte sich kühl umgesehen, und die Lindsay-Brüder hatten sich mit ihren Äxten hinter ihn gestellt.
»Es ist ihre Beute«, sagte er mit seiner heiseren Krächzstimme. »Tut, was sie sagt.« Er richtete sich auf und warf den anderen Männern einen Blick zu, der ihnen nahelegte, auf weitere Einwände zu verzichten.
Als Fergus das sah, hatte er mit den Achseln gezuckt und sich gebückt, um das Tier – einhändig – an seinem mickrigen Schwanz zu packen.
»Wohin möchtet Ihr es haben, Madame?«, fragte er höflich. Die Männer waren in Gelächter ausgebrochen und hatten sich ihm dann unter verlegenen Blicken und resigniertem Achselzucken angeschlossen und ihren Anweisungen Folge geleistet.
Brianna hatte Roger erst überrascht, dann dankbar angesehen und die Sache dann energisch – und mit bemerkenswertem Resultat – in die Hand genommen. Es begann gerade erst, dunkel zu werden, und das Tier war beinahe vollständig zerlegt, das Fleisch an sämtliche Haushalte von Fraser’s Ridge verteilt. Sie kannte jeden, kannte die Anzahl der Münder in jeder Blockhütte, und teilte Fleisch und Innereien gleich beim Zerlegen des Tiers ein. Nicht einmal Jamie hätte es besser hinbekommen, dachte ich und spürte eine warme Welle des Stolzes auf meine Tochter.
Ich blickte zum Tisch hinüber, wo Jamie in Decken gepackt lag. Ich hatte ihn nach oben ins Bett umlagern wollen, doch er hatte darauf bestanden, unten zu bleiben, wo er wenigstens hören konnte, was vor sich ging, wenn er es schon nicht sah.
»Sie haben ihn fast fertig zerlegt«, sagte ich und trat zu ihm, um ihm die Hand auf den Kopf zu legen. »Brianna hat ihre Sache großartig gemacht«, fügte ich hinzu, um uns beide abzulenken.
»Hat sie das?« Seine Augen waren halb geöffnet, starrten jedoch fiebrig vor sich hin; er befand sich in jenem traumgetränkten Dämmerzustand, in dem sich in der wabernden, heißen Luft über dem Feuer Schatten winden. Doch bei meinen Worten kehrte er langsam ins Hier und Jetzt zurück, und sein Blick traf den meinen, mit schweren Lidern, aber klar, und er lächelte schwach. »Das ist gut.«
Sie hatten das Fell zum Trocknen aufgespannt, die gewaltige Leber in Scheiben geschnitten, um sie kurz anzubraten, den Darm eingeweicht, um ihn zu säubern, die Schinken in den Räucherschuppen gebracht, einen Teil des Fleisches zum Trocknen in Streifen geschnitten und das Fett ausgelassen, um es zu Seife und Talgkerzen zu verarbeiten. Wenn sie ganz vom Fleisch befreit waren, würde man aus den Knochen Suppe kochen und sie zur Knopfherstellung verwahren.
Die begehrten Hufe und Hörner standen ganz unauffällig auf meiner Arbeitsfläche. Murdo Lindsay hatte sie mir gebracht; ich vermutete, dass man sie mir stillschweigend als Trophäen überließ. Die Gallenblase hatte ich auch bekommen, obwohl das einfach nur aus Gewohnheit geschehen war; es wollte sie sonst niemand haben, doch man ging allgemein davon aus, dass ich für nahezu jedes Naturprodukt eine medizinische Verwendungsmöglichkeit hatte. Sie war grünlich, ungefähr so groß wie meine Faust, und neben dem Satz abgetrennter, schlammiger Hufe sah sie ziemlich gruselig aus.
Ganz Fraser’s Ridge hatte sich auf die Neuigkeit hin eingefunden – selbst Ronnie Sinclair hatte sich von seiner Küferwerkstatt am Fuß des Berges aufgemacht –, und inzwischen war von dem Büffel kaum noch mehr übrig als ein sauber gepicktes Skelett. Ich fing den schwachen Duft von gebratenem Fleisch auf, von brennendem Hickoryholz und Kaffee, und ich öffnete das Fenster ganz, um die appetitlichen Gerüche hereinzulassen.
Ein kalter Windstoß trug das Knistern des Feuers und Gelächter zu mir. Im Sprechzimmer war es warm geworden, und die kalte Luft, die zum Fenster hereinkam, brachte meinen erhitzten Wangen eine angenehme Abkühlung.
»Hast du Hunger, Jamie?«, fragte ich. Ich selbst war kurz vor dem Verhungern, wenn es mir auch erst auffiel, als ich das Essen roch. Ich schloss die Augen, atmete ein und ließ mich vom herzhaften Duft gebratener Leber mit Zwiebeln beleben.
»Nein«, sagte er, und es klang schläfrig. »Ich habe keinen Appetit.«
»Wenn du kannst, solltest du vor dem Einschlafen etwas Suppe essen.« Ich wandte mich um, strich ihm das Haar aus dem Gesicht und sah ihn leicht stirnrunzelnd an. Ich hatte den Eindruck, dass seine Röte ein wenig nachgelassen hatte – doch im unsicheren Licht von Feuer und Kerze war es schwer zu sagen. Wir hatten ihm so viel Honigwasser und Kräutertee eingeflößt, dass seine Augen nicht länger vor Flüssigkeitsmangel eingesunken waren, doch seine Kinn- und Wangenknochen standen spitz vor; er hatte seit über achtundzwanzig Stunden nichts mehr gegessen, und sein Fieber verbrauchte immense Energiemengen und zehrte an seinem Muskelgewebe.