Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh, aye«, sagte er mit einem Zynismus, der ihm gar nicht gut zu Gesicht stand. »Den Spruch kenne ich schon.«
»Aber sie hat Recht damit«, sagte eine leise, krächzende Stimme hinter mir. Roger hatte sich bereits gewaschen; sein dunkles Haar lag feucht auf seinem Kragen, und seine Kleider waren sauber. Jemmy lag im Halbschlaf an der Schulter seines Vaters und nuckelte verträumt am Daumen. Roger kam zum Tisch herüber, um einen Blick auf Jamie zu werfen.
»Wie sieht’s aus, Mann?«, fragte er leise.
Jamie bewegte den Kopf auf dem Kissen und tat so, als fehlte ihm nichts.
»Geht schon.«
»Gut.« Zu meiner Überraschung legte Roger Jamie mit einer kurzen, tröstenden Geste die Hand auf die Schulter. Ich hatte noch nie zuvor gesehen, dass er so etwas tat, und fragte mich erneut, was wohl auf dem Berg zwischen ihnen vorgegangen war.
»Marsali holt ihm gerade etwas Rinderbrühe – oder besser Büffelbrühe«, sagte Roger und sah mich mit leichtem Stirnrunzeln an. »Vielleicht solltest du besser auch etwas davon trinken.«
»Gute Idee«, sagte ich. Ich schloss kurz die Augen und holte tief Luft.
Erst als ich mich hinsetzte, wurde mir klar, dass ich seit dem frühen Morgen auf den Beinen war. Der Schmerz ließ mich jeden Knochen in meinen Beinen und Füßen spüren, und ich konnte die Stelle fühlen, an der ich mir vor ein paar Jahren das linke Schienbein gebrochen hatte. Aber die Pflicht rief.
»Nun, die Maden werden auch nicht jünger«, sagte ich und kämpfte mich wieder hoch. »Besser, wenn ich hier weitermache.«
Jamie prustete leise und reckte sich, dann entspannte er sich wieder, und sein langer Körper machte sich widerstrebend bereit. Er beobachtete resigniert, wie ich den Teller mit den Maden und meine Zange holte, dann griff er nach dem Lederstück neben seinem Kopf.
»Das brauchst du nicht«, sagte Roger. Er holte sich auch einen Hocker und setzte sich. »Es stimmt, was sie sagt, die kleinen Biester tun nicht weh.«
Jamie prustete erneut, und Roger grinste ihn an.
»Allerdings kitzeln sie fürchterlich. Aber nur, wenn man daran denkt. Wenn du es schaffst, sie ganz aus deinen Gedanken zu verbannen, dann ist gar nichts dabei.«
Jamie sah ihn an.
»Du bist wirklich ein Trost, MacKenzie«, sagte er.
»Danke«, sagte Roger mit dem Hauch eines Lachens. »Hier, ich habe dir etwas mitgebracht.« Er beugte sich vor und legte Jamie den schläfrigen Jemmy in die Arme. Der kleine Junge quiekte vor Überraschung leise auf, entspannte sich jedoch, als sich Jamies Arme instinktiv um ihn schlossen. Seine runde Hand hing lose herab und suchte nach einem Anker, dann fand sie ihn.
»Heiß«, murmelte er und lächelte selig. Er krallte seine Faust in Jamies rotes Haar, seufzte tief und schlief auf der fieberwarmen Brust seines Großvaters fest ein.
Jamie sah mich mit zusammengekniffenen Augen an, als ich nach der Zange griff. Dann zuckte er mit den Achseln, legte seine stoppelhaarige Wange sanft an Jemmys seidenhelles Haar und schloss ebenfalls die Augen, auch wenn die Anspannung in seinen Gesichtszügen einen deutlichen Kontrast zu dem Frieden in Jemmys rundem Gesicht bildete.
Es hätte nicht einfacher sein können; ich hob einfach den frischen Zwiebelwickel an und steckte die Maden einzeln in die entzündeten Wunden an Jamies Unterschenkel. Roger stellte sich hinter mich, um mir zuzusehen.
»Das sieht ja fast wieder wie ein Bein aus«, sagte er und klang überrascht. »Das hätte ich nie gedacht.«
Ich lächelte, sah mich aber nicht zu ihm um, weil ich mich auf meine Arbeit konzentrierte. »Blutegel sind sehr wirksam«, sagte ich. »Obwohl deine groben Messerschnitte wahrscheinlich auch geholfen haben – die Löcher, die du gemacht hast, waren so groß, dass der Eiter und die Flüssigkeit ablaufen konnten; das hat geholfen.«
Er hatte Recht; das Bein war zwar immer noch heiß und scheußlich verfärbt, doch die Schwellung war merklich zurückgegangen. Man konnte Jamies langes Schienbein und den zierlichen Bogen von Fuß und Knöchel wieder sehen. Ich machte mir zwar keine Illusionen, was die verbleibenden Gefahren anging – Entzündung, Wundbrand, Ablösung –, doch mir wurde trotzdem leichter ums Herz. Es war erkennbar Jamies Bein.
Ich packte eine weitere Made mit der Zange knapp hinter dem Kopf, vorsichtig, um sie nicht zu zerdrücken. Mit der schmalen Sonde, die ich in der anderen Hand hielt, hob ich den Wundrand an und schob das winzige sich windende Tier zielsicher in die kleine Tasche, die so entstand. Dabei versuchte ich zu ignorieren, wie unangenehm schwammig sich das Gewebe unter meinen Fingern anfühlte, und ich verdrängte die Erinnerung an Aaron Beardsleys Fuß.
»Fertig«, sagte ich kurz darauf und legte den Wickel vorsichtig wieder auf. Gekochte Zwiebeln und Knoblauch in Penizillin getränktem Musselin würden die Wunden feucht halten und sie drainieren. Wenn ich den Umschlag ungefähr stündlich erneuerte, so hoffte ich, würde die Wärme der Wickel auch die Durchblutung des Beins anregen. Und dann noch ein Honigverband, um das Eindringen weiterer Bakterien zu verhindern.
Die Konzentration allein hatte meine Hände ruhig gehalten. Jetzt war ich fertig, und mir blieb nichts mehr zu tun, als zu warten. Die Untertasse mit den feuchten Blättern klapperte auf der Arbeitsfläche, als ich sie abstellte.
Ich konnte mich nicht erinnern, je im Leben so müde gewesen zu sein.
Kapitel 93
Entscheidungen
Roger und Mr. Bug schafften Jamie in unser Schlafzimmer hinauf. Es wäre mir lieber gewesen, sein Bein nicht durch den Umzug aus dem Sprechzimmer durchzurütteln, doch er bestand darauf.
»Ich will nicht, dass du hier unten auf dem Boden schläfst, Sassenach«, sagte er, als ich protestierte. Er lächelte mich an. »Du solltest in deinem Bett schlafen – aber ich weiß, dass du mich nicht allein lassen wirst. Das heißt also, dass ich mit nach oben kommen muss, aye?«
Ich hätte ihm gern noch weiter widersprochen, doch ehrlich gesagt war ich so müde, dass ich mich auch nicht beschwert hätte, wenn er darauf bestanden hätte, dass wir beide in der Scheune schliefen.
Doch als er im Bett lag, kehrten meine Zweifel zurück.
»Ich stoße bestimmt an dein Bein«, sagte ich, während ich mein Kleid an einen der Kleiderhaken hängte. »Ich mache mir einfach ein Notlager hier am Feuer und –«
»Das wirst du nicht tun«, sagte er entschieden. »Du schläfst bei mir.« Er ließ sich mit geschlossenen Augen in die Kissen sinken, sein Haar ein weinrotes Gewirr auf dem weißen Leinen. Seine Haut wurde allmählich blasser; sie war nicht mehr ganz so rot. Andererseits war sie dort, wo sie nicht mehr durch die kleinen Blutergüsse verfärbt war, alarmierend fahl.
»Du würdest dich noch auf dem Totenbett mit mir streiten«, sagte ich schroff. »Du musst doch nicht immer alles unter Kontrolle haben. Du könntest einfach einmal still liegen und die anderen machen lassen. Was glaubst du wohl, was geschehen würde, wenn –«
Er öffnete die Augen und warf mir einen dunkelblauen Blick zu.
»Sassenach«, sagte er leise.
»Was?«
»Ich hätte gern, dass du mich berührst … ohne mir weh zu tun. Nur einmal, bevor ich einschlafe. Würde dir das sehr viel ausmachen?«
Ich hielt inne und holte Luft. Furchtbar bestürzt begriff ich, dass er Recht hatte. Ich war so vollständig in der Hektik des Notfalls und der Sorge um seinen Zustand aufgegangen, dass alles, was ich an diesem Tag mit ihm gemacht hatte, entweder schmerzhaft oder lästig oder beides gewesen war. Marsali, Brianna, Roger, Jemmy – sie alle hatten ihn voll Zärtlichkeit berührt, ihm Mitgefühl und Trost gespendet.
Und ich – ich war so voller Schrecken über das gewesen, was möglicherweise geschehen würde, über das, was zu tun ich mich möglicherweise gezwungen sehen würde, dass ich mir keine Zeit für Zärtlichkeiten genommen, ihnen keinen Platz eingeräumt hatte. Ich wandte einen Moment den Kopf ab und kniff die Augen zu, bis die Tränen sich zurückzogen. Dann stand ich auf und ging zum Bett hinüber, beugte mich über ihn und küsste ihn ganz sanft.