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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Diese umfangreiche Analyse zuckte ihm in dem Zeitraum durch den Kopf, den er zum Ein- und Ausatmen brauchte, und genauso schnell verwarf er sie. Wenn sie in Gefangenschaft gerieten oder umgebracht wurden, würde Claire allein und hilflos sein. Das konnte er nicht riskieren. Dennoch, so tröstete er sich, Forbes konnte er finden – und das würde er auch, wenn die Zeit gekommen war.

»Aye, nun denn«, sagte er und wandte sich seufzend ab. »Hast du nur das eine Pferd, Ian?«

»Aye«, sagte Ian mit einem ähnlichen Seufzer. »Aber ich weiß, wo wir noch eins stehlen können.«

Kapitel 92

Amanuensis

Zwei Tage verstrichen. Heiße, feuchte Tage in der schwülen Dunkelheit, und ich konnte spüren, wie diverse Sorten von Schimmel, Pilz und Fäulnis versuchten, sich in meinen Körperhöhlen festzusetzen – ganz zu schweigen von den alles fressenden, allgegenwärtigen Kakerlaken, die fest entschlossen zu sein schienen, an meinen Augenbrauen zu knabbern, sobald das Licht gelöscht wurde. Das Leder meiner Schuhe war klamm und schlaff, das Haar hing mir in schmutzigen Strähnen am Kopf, und ich ging – genau wie Sadie Ferguson – dazu über, den Großteil meiner Zeit im Hemd zu verbringen.

Als Mrs. Tolliver kam und uns befahl, bei der Wäsche zu helfen, ließen wir daher unser jüngstes Kartenspiel stehen und liegen – es sah so aus, als würde sie gewinnen – und stolperten beinahe übereinander, so eilig hatten wir es, dieser Order nachzukommen.

Angesichts des tosenden Feuers unter dem Waschkessel war es auf dem Innenhof noch heißer und genauso feucht wie in der Zelle, da kochende Wolken von dem großen Kessel mit den Kleidern aufstiegen und uns die Haare ins Gesicht klebten. Unsere Hemden pappten uns sowieso schon am Körper, und das schmutzige Leinen war beinahe durchsichtig, so schwitzten wir – Waschen war Schwerarbeit. Doch es gab hier kein Ungeziefer, und das Licht der Sonne blendete zwar und schien so heftig, dass meine Nase und meine Arme rot wurden – doch, nun ja, es schien, und das war etwas, wofür es dankbar zu sein galt.

Ich fragte Mrs. Tolliver nach meiner ehemaligen Patientin und ihrem Kind, doch sie presste nur die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf, was ihr ein verkniffenes, strenges Aussehen verlieh. Der Sheriff war in der vergangenen Nacht nicht zu Hause gewesen; wir hatten seine dröhnende Stimme nicht in der Küche gehört. Und Maisie Tollivers grünlichem Aussehen nach diagnostizierte ich eine lange, einsame Nacht mit der Ginflasche, gefolgt von einer ziemlich unangenehmen Dämmerung.

»Ihr werdet Euch viel besser fühlen, wenn Ihr Euch in den Schatten setzt und … Wasser trinkt«, sagte ich. »Viel Wasser.« Besser noch Tee oder Kaffee, doch diese Substanzen waren in der Kolonie kostbarer als Gold, und ich bezweifelte, dass die Frau des Sheriffs sie besaß. »Und falls Ihr Ipecacuanha habt … oder vielleicht Pfefferminze …«

»Ich danke Euch für Eure geschätzte Meinung, Mrs. Fraser!«, fuhr sie mich an, obwohl sie merklich schwankte und ihre bleichen Wangen mit einem glänzenden Schweißfilm überzogen waren.

Ich zuckte mit den Achseln und konzentrierte mich auf die Aufgabe, mit einem anderthalb Meter langen Holzlöffel einen Klumpen triefend nasser, dampfender Wäsche aus der schmutzigen Brühe zu hieven. Der Stiel war so abgenutzt, dass meine verschwitzten Hände von dem glatten Holz abrutschten.

Wir schafften es, alles mühsam zu waschen, auszuspülen, kochend heiß auszuwringen und zum Trocknen an eine Leine zu hängen, dann sanken wir keuchend in den schmalen Schattenstreifen an der Hauswand und reichten uns abwechselnd einen Schöpflöffel, um lauwarmes Wasser aus dem Brunneneimer zu trinken. Mrs. Tolliver vergaß ihre gehobene gesellschaftliche Stellung und setzte sich ganz plötzlich ebenfalls hin.

Als ich mich ihr zuwandte, um ihr den Schöpflöffel anzubieten, sah ich nur noch, wie sie die Augen verdrehte. Sie fiel weniger, als dass sie sich hintenüber auflöste und langsam zu einem feuchten Baumwollhaufen zusammensank.

»Ist sie tot?«, erkundigte sich Sadie Ferguson neugierig. Sie ließ ihre Blicke hin und her schweifen und überlegte wohl, wie groß ihre Erfolgsaussichten waren, wenn sie Fersengeld gab.

»Nein. Böser Katzenjammer, wahrscheinlich noch verstärkt durch einen leichten Sonnenstich.« Ich fühlte ihren Puls, der leicht und schnell war, aber regelmäßig. Ich überlegte gerade selbst, ob es klug sein würde, Mrs. Tolliver der Gefahr zu überlassen, ihr Erbrochenes einzuatmen, und mich davonzumachen, und wenn es barfuß und im Hemd war, wurde dann aber daran gehindert, weil Männerstimmen um das Haus drangen.

Zwei Männer – einer war Tollivers Constabler, den ich kurz zu Gesicht bekommen hatte, als mich Browns Männer im Gefängnis abgeliefert hatten. Der andere war ein Fremder, sehr gut gekleidet mit silbernen Knöpfen an seinem Rock und einer Seidenweste, die deutliche Schweißflecken hatte. Dieser Herr, ein untersetzter Mann von etwa vierzig, betrachtete stirnrunzelnd das Gelage vor seinen Augen.

»Sind das die Gefangenen?«, fragte er in angewidertem Ton.

»Aye, Sir«, antwortete der Constabler. »Zumindest die beiden im Hemd. Die andere ist die Frau des Sheriffs.«

Silberknopf rümpfte die Nase, als er diese Informationen erhielt, dann atmete er aus.

»Welche ist die Hebamme?«

»Das bin ich, Sir«, sagte ich. Ich richtete mich auf und versuchte, mir ein würdevolles Aussehen zu geben. »Ich bin Mrs. Fraser.«

»Seid Ihr das«, sagte er in einem Tonfall, der andeutete, dass ich von ihm aus auch Königin Charlotte sein konnte. Er betrachtete mich herablassend von oben bis unten und schüttelte den Kopf, dann wandte er sich an den schwitzenden Constabler.

»Was wirft man ihr vor?«

Der Constabler, ein etwas beschränkter junger Mann, spitzte bei diesen Worten die Lippen und blickte skeptisch von mir zu Sadie und zurück.

»Ähh … nun, eine von ihnen ist eine Fälscherin«, sagte er, »und die andere eine Mörderin. Aber welche jetzt welche ist …«

»Ich bin die Mörderin«, sagte Sadie tapfer und fügte loyal hinzu: »Sie ist eine gute Hebamme!« Ich sah sie überrascht an, doch sie schüttelte kaum merklich den Kopf und presste die Lippen aufeinander, um mich zum Schweigen zu beschwören.

»Oh. Hmm. Nun denn. Habt Ihr ein Kleid … Madam?« Auf mein Nicken hin stieß er ein knappes »Zieht Euch an« aus, wandte sich wieder an den Constabler und zog ein großes Seidentaschentuch aus der Tasche, um sich sein breites, rotes Gesicht abzuwischen. »Dann nehme ich sie mit. Ihr sagt es Mr. Tolliver.«

»Ja, Sir«, versicherte ihm der Constabler unterwürfig. Er blickte auf Mrs. Tollivers bewusstlose Gestalt hinunter, dann sah er Sadie stirnrunzelnd an.

»Ihr da. Bringt sie hinein und kümmert Euch um sie. Hopp!«

»Oh, ja, Sir«, sagte Sadie ernst und schob mit dem Zeigefinger ihre vom Schwitzen beschlagene Brille hoch. »Sofort, Sir!«

Ich hatte keine Gelegenheit, mich mit Sadie zu unterhalten, und mir blieb gerade genug Zeit, mich in mein Korsett und mein mitgenommenes Kleid zu kämpfen und nach meiner kleinen Tasche zu greifen, als man mich auch schon zu einer Kutsche eskortierte – die ebenfalls ziemlich mitgenommen aussah, jedoch einmal von guter Qualität gewesen war.

»Würde es Euch etwas ausmachen, mir zu sagen, wer Ihr seid und wohin Ihr mich bringt?«, erkundigte ich mich, nachdem wir klappernd zwei oder drei Querstraßen gekreuzt hatten und mein Begleiter immer noch mit einem geistesabwesenden Stirnrunzeln aus dem Fenster blickte.

Meine Frage störte ihn auf, und er blinzelte mich an, als würde ihm jetzt erst klar, dass ich alles andere als ein lebloser Gegenstand war.

»Oh. Verzeihung, Madam. Wir sind unterwegs zum Gouverneurspalast. Habt Ihr keine Haube?«

»Nein.«

Er verzog das Gesicht, als hätte er auch nichts anderes erwartet, und überließ sich wieder seinen Gedanken.

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