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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Und jetzt, da Ihr es wisst …?«, fragte ich vorsichtig.

»Ich weiß es nicht. Ich bin noch nie einer Mörderin begegnet.« Sie schluckte den letzten Toast und leckte sich die Fingerspitzen ab, bevor sie sie an ihrer Serviette abwischte.

»Ich bin keine Mörderin«, sagte ich.

»Nun, es war natürlich zu erwarten, dass Ihr das sagt«, pflichtete sie mir bei. Sie ergriff ihre Teetasse, über deren Rand hinweg sie mich neugierig betrachtete. »Ihr seht jedenfalls nicht heruntergekommen aus – obwohl ich sagen muss, ganz respektabel seht Ihr auch nicht aus.« Sie neigte die duftende Tasse und trank mit einer seligen Miene, die mir zu Bewusstsein brachte, dass ich seit der spärlichen Schüssel mit ungesalzenem Porridge, den es bei Mrs. Tolliver zum Frühstück gegeben hatte, nichts mehr gegessen hatte.

»Ich muss darüber nachdenken«, sagte Mrs. Martin und stellte ihre Tasse leise klirrend nieder. »Bringt das zurück in die Küche«, sagte sie und wies auf das Tablett, »und lasst mir etwas Suppe bringen und vielleicht ein paar Häppchen. Ich glaube, ich habe meinen Appetit wiedergefunden!«

Tja, und was jetzt, zum Kuckuck? Der Übergang vom Gefängnis zum Palast war so abrupt gewesen, dass ich mir vorkam wie ein Matrose, der nach Monaten auf See einfach so an Land gesetzt wurde und völlig aus dem Gleichgewicht umherschwankte. Wie angewiesen, begab ich mich gehorsam hinunter in die Küche, besorgte ein Tablett – mit einer ausgesprochen köstlich duftenden Suppe – und brachte es wie ein Automat zu Mrs. Martin.

Als sie mich aus dem Zimmer schickte, hatte mein Gehirn endlich wieder zu funktionieren begonnen, wenn auch noch nicht mit seiner ganzen Kapazität.

Ich war in New Bern. Und, Dank sei Gott und Sadie Ferguson, nicht länger in Sheriff Tollivers verseuchtem Gefängnis. Fergus und Marsali waren in New Bern. Ergo gab es nichts Offensichtlicheres – und eigentlich auch nichts anderes – zu tun, als zu entwischen und mich zu ihnen durchzuschlagen. Sie konnten mir helfen, Jamie zu suchen. Ich klammerte mich fest an Tom Christies Versprechen, dass Jamie nicht tot war, und an den Gedanken, dass wir ihn finden würden, denn alles andere war undenkbar.

Die Flucht aus dem Gouverneurspalast erwies sich jedoch als schwieriger, als ich geahnt hatte. An allen Türen waren Wachen postiert, und mein Versuch, mich an einem von ihnen vorbeizudiskutieren, scheiterte kläglich und resultierte in Mr. Webbs abruptem Erscheinen. Dieser nahm mich beim Arm und eskortierte mich zielsicher die Treppe hinauf in ein heißes, stickiges Mansardenzimmerchen, wo er mich einschloss.

Es war besser als das Gefängnis, aber das war auch schon alles, was sich zu seiner Verteidigung vorbringen ließ. Es gab ein Bett, einen Nachttopf, Schüssel und Wasserkrug und eine Kommode, deren Schubladen einige spärliche Kleidungsstücke enthielten. Das Zimmer war allem Anschein nach unlängst noch bewohnt gewesen – jedoch nicht in den letzten Tagen. Ein feiner Film aus Sommerstaub hatte sich über alles gelegt, und der Krug war zwar mit Wasser gefüllt, doch es war anscheinend schon seit einiger Zeit darin; eine Anzahl Motten und anderer Insekten war darin ertrunken, und auf der Oberfläche trieb ein Film desselben feinen Staubs.

Außerdem hatte es ein kleines Fenster, das mit Farbe zugepinselt war, doch mit entschlossenem Hämmern und Schieben konnte ich es öffnen, und ich füllte mir die Lungen hastig mit der heißen, schwülen Luft.

Ich zog mich aus, entfernte die toten Motten aus dem Krug und wusch mich, ein himmlisches Gefühl, und nachdem ich die ganze letzte Woche lang ungehindert dem Ruß, Schweiß und Schmutz der Zelle ausgesetzt gewesen war, ging es mir unendlich viel besser. Nach einem Moment des Zögerns bediente ich mich mit einem abgetragenen Leinenhemd aus der Kommode, denn ich konnte den Gedanken, meine eigene verdreckte, durchgeschwitzte Chemise wieder anzuziehen, nicht ertragen.

Ohne Seife oder Shampoo konnte ich zwar nicht viel ausrichten, doch trotzdem fühlte ich mich viel besser und stellte mich ans Fenster, um mir das nasse Haar auszukämmen – auf der Kommode hatte ein Holzkamm gelegen, doch einen Spiegel gab es nicht – und verschaffte mir einen Überblick über das, was ich von meinem Aussichtspunkt aus sehen konnte.

Entlang der ganzen Grundstücksgrenze waren Wachtposten aufgestellt. War das üblich?, fragte ich mich. Wahrscheinlich eher nicht; sie machten einen beklommenen und sehr nervösen Eindruck; ich sah, wie einer von ihnen mit aggressiv präsentierter Waffe einen Mann ansprach, der sich dem Eingang näherte. Dieser schien höchst erschrocken zu sein und wich zurück, drehte sich um, warf noch einen hastigen Blick zurück und eilte davon.

Eine Reihe uniformierter Wachtposten – möglicherweise Marineinfanteristen, obwohl ich mich nicht genug mit Uniformen auskannte, um es mit Gewissheit zu sagen – scharte sich um sechs Kanonen, die auf einer leichten Anhöhe vor dem Palast standen und die Stadt und den Hafenkai überblickten.

Unter ihnen waren auch zwei Nicht-Uniformierte; ich beugte mich ein wenig aus dem Fenster und machte Mr. Webbs untersetzte kräftige Gestalt aus und neben ihm einen kleineren Mann. Dieser schritt die Reihe der Kanonen ab, die Hände unter den Rockschößen gefaltet, und die Marineinfanteristen – oder was immer sie waren – salutierten ihm. Das war also wohl der Gouverneur: Josiah Martin.

Ich beobachtete das Geschehen noch eine Weile, doch es passierte nichts Interessantes, und ich wurde mit einem Mal von Schläfrigkeit überwältigt, erschöpft von den Strapazen des vergangenen Monats und der heißen, reglosen Luft, die mich wie eine Hand niederzudrücken schien.

Ich legte mich in meinem geborgten Hemd auf das Bett und schlief sofort ein.

Ich schlief bis Mitternacht, als man mich erneut zu Mrs. Martin rief, deren Verdauungsprobleme einen Rückfall zu erleiden schienen. Ein rundlicher Mann mit einer langen Nase drückte sich in Nachthemd und Haube mit einer Kerze in der Tür herum und zog ein sorgenvolles Gesicht; vermutlich der Gouverneur. Er sah mich scharf an, machte aber keine Anstalten, sich einzumischen, und ich hatte keine Zeit, großartig Notiz von ihm zu nehmen. Als die Krise vorüber war, war der Gouverneur – wenn er es denn war – verschwunden. Da die Patientin jetzt fest schlief, legte ich mich wie ein Hund auf den Teppich neben ihrem Bett, rollte einen Unterrock als Kissen zusammen und schlief dankbar wieder ein.

Es war helllichter Tag, als ich wieder aufwachte, und das Feuer war erloschen. Mrs. Martin hatte das Bett verlassen und rief gereizt durch den Flur nach Dilman.

»Verflixtes Mädchen«, sagte sie und drehte sich um, während ich mich umständlich hochkämpfte. »Hat wahrscheinlich das Fieber wie die anderen. Oder sie ist davongelaufen.«

So, wie ich es verstanden hatte, lagen mehrere der Dienstboten mit dem Fieber darnieder, während eine ganze Reihe der anderen sich aus Angst vor Ansteckung schlicht abgesetzt hatte.

»Seid Ihr Euch ganz sicher, dass ich kein Tertiärfieber habe, Mrs. Fraser?« Mrs. Martin betrachtete sich blinzelnd im Spiegel, streckte die Zunge heraus und inspizierte sie kritisch. »Ich finde, ich sehe gelb aus.«

In Wirklichkeit war ihre Hautfarbe ein sanftes englisches Rosa, wenn sie auch ziemlich blass war, weil sie sich übergeben hatte.

»Lasst bei heißem Wetter die Finger von Sahnetorte und Austernpastete und nehmt keine Mahlzeiten zu Euch, die größer sind als Euer Kopf, dann dürfte Euch nichts passieren«, sagte ich und unterdrückte ein Gähnen. Ich warf über ihre Schulter hinweg einen Blick in den Spiegel und erschauerte. Ich war fast genauso blass wie sie und hatte dunkle Ringe unter den Augen, und mein Haar … nun, es war beinahe sauber, aber mehr war dem nicht hinzuzufügen.

»Man sollte mich zur Ader lassen«, proklamierte Mrs. Martin. »Das ist die angebrachte Behandlung bei Völlerei; das sagt der gute Dr. Sibelius. Drei oder vier Unzen etwa, gefolgt von Schwarztinktur. Dr. Sibelius sagt, damit erzielt er gute Erfolge.«

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