Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh«, sagte Mrs. Tolliver und klang enttäuscht. »Es ist tot.«
»Gut«, sagte die Mutter mit heiserer, tiefer Stimme und schloss die Augen.
»Das werden wir ja sehen«, sagte ich und drehte das Kind hastig mit dem Gesicht nach unten, um ihm auf den Rücken zu klopfen. Nichts bewegte sich, und ich hielt das verklebte Wachsgesicht dicht vor mich hin, bedeckte Nase und Mund mit meinem Mund und saugte fest. Dann drehte ich den Kopf zur Seite und spuckte Schleim und Flüssigkeit aus. Mit verschmiertem Gesicht und Silbergeschmack im Mund blies ich ihm sacht in die Nase, hielt inne, hielt es schlaff und glitschig wie einen frischen Fisch in der Hand, blies – und sah, wie sich seine Augen öffneten, noch tiefblauer als seine Haut und vage neugierig.
Es holte erschrocken Luft, und ich lachte, von plötzlicher Freude durchströmt. Die alptraumhafte Erinnerung an ein anderes Kind, einen Lebensfunken, der in meiner Hand flackernd erlosch, verblasste. Der Funke in diesem Kind war entzündet und brannte wie eine Kerze mit sanfter, klarer Flamme.
»Oh!«, sagte Mrs. Tolliver noch einmal. Sie beugte sich vor, um einen Blick auf das Kind zu werfen, und ein enormes Lächeln breitete sich über ihr Gesicht. »Oh, oh!«
Das Baby fing an zu weinen. Ich durchtrennte die Nabelschnur, wickelte es in die Lappen und reichte es mit einiger Zurückhaltung Mrs. Tolliver, in der Hoffnung, dass sie es nicht ins Feuer fallen lassen würde. Dann richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die Mutter, die so gierig aus der Schüssel trank, dass das Wasser die Vorderseite ihres ohnehin nassen Hemdes noch weiter durchtränkte.
Sie legte sich zurück und ließ sich von mir versorgen, sagte aber nichts und richtete nur dann und wann die Augen mit brütendem, feindseligem Blick auf das Kind.
Ich hörte Schritte durch das Haus kommen, und der Sheriff erschien mit überraschtem Gesicht.
»Oh, Tolly!« Überglücklich wandte sich Mrs. Tolliver, die mit Körperflüssigkeiten beschmiert war und nach Gin roch, zu ihm um und hielt ihm das Kind hin. »Sieh nur, Tolly, es lebt!«
Der Sheriff sah völlig verblüfft aus und runzelte die Stirn, als er den Blick auf seine Frau richtete, doch dann schien er trotz der Alkoholwolke die Witterung ihres Glücks aufzunehmen. Er beugte sich vor, um das kleine Bündel sanft zu berühren, und sein strenges Gesicht entspannte sich.
»Das ist ja schön, Maisie«, sagte er. »Hallo, Kleiner.« Dann fiel sein Blick auf mich. Ich kniete gerade vor dem Küchenfeuer und versuchte mein Möglichstes, um mit einem Lappen und dem Rest des Wassers den Boden zu wischen.
»Mrs. Fraser hat das Kind zur Welt geholt«, erklärte Mrs. Tolliver begeistert. »Es hat falsch herum gelegen, aber sie hat es so geschickt geholt und es zum Atmen gebracht – wir haben gedacht, es ist tot, weil es sich nicht geregt hat, aber das stimmte nicht! Ist das nicht wundervoll, Tolly?«
»Wundervoll«, erwiderte der Sheriff ein wenig dumpf. Er fixierte mich scharf, dann richtete er denselben Blick auf die frischgebackene Mutter, die ihn mit finsterer Gleichgültigkeit erwiderte. Dann wies er mich mit einer Geste an aufzustehen, winkte mich mit einer knappen Verbeugung in die Zelle zurück und schloss die Tür.
Erst jetzt fiel mir ein, was ich seiner Meinung nach getan hatte. Kein Wunder, dass es ihn ein wenig nervös machte, mich mit einem Neugeborenen zu sehen. Ich war nass und schmutzig, und die Zelle kam mir noch heißer und stickiger vor. Dennoch kribbelte das Wunder der Geburt noch durch meine Synapsen, und ich lächelte immer noch, als ich mich auf das Bett setzte, einen nassen Lappen in der Hand.
Sadie betrachtete mich mit Respekt, unter den sich schwacher Ekel mischte.
»Das war die größte Sauerei, die ich je gesehen habe«, sagte sie. »Gütiger Himmel, ist es immer so?«
»Mehr oder weniger. Habt Ihr noch nie eine Geburt gesehen? Habt Ihr selber keins?«, fragte ich neugierig. Sie schüttelte heftig den Kopf und machte das Hornzeichen, was mich zum Lachen brachte, so aufgekratzt war ich.
»Wäre ich je geneigt gewesen, einen Mann in meine Nähe zu lassen, hätte mich diese Vorstellung abgeschreckt«, versicherte sie mir inbrünstig.
»Ach ja?«, sagte ich und erinnerte mich mit leichter Verspätung wieder an ihre Avancen in der vergangenen Nacht. Dann war es also nicht nur Trost gewesen, den sie mir angeboten hatte. »Und was ist mit Mister Ferguson?«
Sie warf mir einen sittsamen Blick zu und blinzelte durch ihre Brille.
»Oh, er war Farmer – viel älter als ich. An der Pleuritis gestorben, vor fünf Jahren.«
Und von vorn bis hinten erfunden, dachte ich. Doch eine Witwe genoss einiges mehr an Freiheit als unverheiratete oder verheiratete Frauen, und wenn mir je eine Frau begegnet war, die in der Lage war, auf sich selbst aufzupassen …
Ich hatte nicht auf die Geräusche in der Küche geachtet, doch an diesem Punkt krachte es laut, und die Stimme des Sheriffs fluchte. Kein Ton von Mrs. Tolliver oder dem Kind.
»Sie bringen die schwarze Hexe in ihre Zelle zurück«, sagte Sadie so feindselig, dass ich sie erstaunt ansah.
»Habt Ihr das etwa nicht gewusst?«, sagte sie angesichts meiner Überraschung. »Sie hat ihre Babys umgebracht. Jetzt können sie sie hängen, nachdem sie das hier geboren hat.«
»Oh«, sagte ich tonlos. »Nein. Das wusste ich nicht.« Der Lärm in der Küche entfernte sich, und ich saß da und starrte das Lämpchen an, und der Hauch von Leben war immer noch wach in meiner Hand.
Kapitel 91
Gar kein dummer Plan
Wasser plätscherte direkt unter Jamies Ohr, und bei dem bloßen Geräusch wurde ihm schon schwindelig. Der Geruch nach fauligem Schlamm und totem Fisch half auch nicht, genauso wenig wie der Schlag, der ihn getroffen hatte, als er gegen die Wand fiel.
Er änderte seine Lage, um eine Position zu finden, die den Druck auf Kopf, Bauch oder beides lindern würde. Sie hatten ihn eingewickelt wie eine Kochforelle, doch es war ihm mit einiger Anstrengung gelungen, sich auf die Seite zu rollen, was ein wenig half.
Er befand sich in einem verfallenen Bootsschuppen; er hatte ihn im letzten Zwielicht gesehen, als sie ihn zum Ufer hinunterschleppten – er hatte zuerst geglaubt, sie hätten vor, ihn zu ersäufen –, ihn hineintrugen und ihn wie einen Mehlsack zu Boden fallen ließen.
»Beeil dich, Ian«, murmelte er und änderte erneut seine Lage, die immer unangenehmer wurde. »Ich bin viel zu alt für solchen Unsinn.«
Er konnte nur hoffen, dass Ian, als Brown zur Tat schritt, nah genug bei ihnen gewesen war, um ihm folgen zu können, und wusste, wo er jetzt war; mit Sicherheit würde der Junge auf der Suche nach ihm sein. Das Ufer, an dem der Schuppen stand, bot keinerlei Deckung, doch davon gab es genug im Gebüsch unterhalb von Fort Johnston, das in der Nähe auf einer Landzunge lag.
Sein Hinterkopf pochte dumpf; er hatte einen widerlichen Geschmack im Mund und spürte ein beunruhigendes Echo der grauenvollen Kopfschmerzen, die er vor Jahren nach einer Axtverletzung oft gehabt hatte. Es schockierte ihn, wie problemlos die Erinnerung an diese Kopfschmerzen zurückkehrte; es war eine Ewigkeit her, und er hatte gedacht, selbst die Erinnerung daran sei längst tot und begraben. Doch sein Schädel besaß eindeutig seine eigenen, sehr viel lebhafteren Erinnerungen und war fest entschlossen, sich mit Übelkeitsanfällen für Jamies Vergesslichkeit zu rächen.
Der Mond stand hoch am Himmel und leuchtete hell; sein Licht schien sanft zwischen den grob gezimmerten Brettern der Wand hindurch. Im Zwielicht schien es verstörend zu wabern, so dass ihm schwindelig wurde, und er schloss die Augen und konzentrierte sich grimmig auf das, was er Richard Brown antun würde, wenn er den Mann eines Tages allein antraf.
Wohin im Namen des Erzengels Michael und aller Heiligen hatte er Claire gebracht und wozu? Jamies einziger Trost war die Tatsache, dass Tom Christie mit ihnen gegangen war. Er war sich hinreichend sicher, dass Christie nicht zulassen würde, dass sie sie umbrachten – und dass er Jamie zu ihr führen würde, wenn dieser ihn finden konnte.