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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Aye?« Jamie machte ein argwöhnisches Gesicht, wie immer, wenn von Steinkreisen die Rede war.

»Ich bin nach Inverness gefahren«, fuhr Roger fort und hielt den Blick auf seinen Schwiegervater gerichtet. »Ich habe in dem Haus gewohnt, in dem mein Vater gelebt hat, und ich habe einen Teil der Zeit damit verbracht, seine Papiere durchzusehen; er hat jede Menge Briefe und alten Kram verwahrt.«

Jamie nickte. Er fragte sich sichtlich, worauf Roger hinauswollte, war aber zu höflich, um ihn zu unterbrechen.

»Ich habe einen Brief gefunden.« Roger holte tief Luft und spürte sein Herz in seiner Brust schlagen. »Ich habe ihn auswendig gelernt, weil ich dachte, ich würde Claire davon erzählen, falls ich sie fand. Aber als ich sie dann gefunden habe« – er zuckte mit den Achseln –, »da war ich mir nicht mehr sicher, ob ich es ihr sagen sollte – oder es Brianna sagen sollte.«

»Und jetzt fragt Ihr mich, ob Ihr es ihnen sagen sollt?« Frasers Augenbrauen hoben sich, dicht und rot, Anzeichen seiner Verwunderung.

»Vielleicht. Aber als ich darüber nachgedacht habe, kam mir der Gedanke, dass der Brief Euch vielleicht mehr betrifft als sie.« Jetzt, wo der Augenblick gekommen war, stellte Roger fest, dass er Mitgefühl für Fraser empfand.

»Ihr wisst, dass mein Vater Priester war? Der Brief war an ihn gerichtet. Ich nehme an, dass er sozusagen unter dem Siegel der Beichte geschrieben wurde – aber ich denke mir, dass der Tod dieses Siegel aufgelöst hat.«

Roger holte tief Luft, schloss die Augen und sah die schwarzen Buchstaben, die schräggestellt über die Seite liefen, eine ordentliche, kantige Handschrift. Er hatte ihn über hundertmal gelesen; er war sich jedes Wortes sicher.

Lieber Reg (stand darin);

Ich habe etwas am Herzen. Abgesehen von Claire, meine ich (sagt er voll Ironie). Der Arzt sagt, wenn ich vorsichtig bin, kann es noch Jahre dauern, und ich hoffe es – aber es könnte ja anders kommen. Die Nonnen in Briannas Schule haben den Kindern immer einen Mordsschrecken eingejagt mit dem fürchterlichen Schicksal, das Sünder erwartet, die ohne Beichte und Vergebung sterben; ich will verdammt sein (bitte verzeih mir den Ausdruck), wenn ich Angst vor dem habe, was danach kommt – falls überhaupt. Aber auch hier könnte es ja anders kommen, nicht wahr?

Dies ist etwas, das ich unserem Gemeindepfarrer aus naheliegenden Gründen nicht erzählen könnte. Ich bezweifle, dass er die Sünde darin erkennen würde, selbst wenn er nicht hinausschlüpfen würde, um diskret am Telefon psychiatrische Hilfe anzufordern!

Aber Du bist Priester, Reg, wenn auch kein Katholik – und was wichtiger ist, Du bist mein Freund. Du brauchst diesen Brief nicht zu beantworten; ich glaube nicht, dass man ihn beantworten kann. Aber Du kannst es Dir anhören. Eines Deiner großen Talente, das Zuhören. Hatte ich Dir das schon gesagt?

Ich schiebe es auf die lange Bank, obwohl ich nicht weiß, warum. Am besten heraus damit.

Du erinnerst Dich sicher an den Gefallen, um den ich Dich vor ein paar Jahren gebeten habe – wegen der Grabsteine auf dem Friedhof von St. Kilda? Lieber Freund, der Du bist, hast Du nie danach gefragt, doch es ist an der Zeit, dass ich Dir den Grund erzähle.

Weiß Gott, warum man den alten Black Jack Randall da draußen auf einem schottischen Hügel zurückgelassen hat, anstatt ihn zur Beerdigung nach Sussex heimzuholen. Vielleicht hat niemandem genug an ihm gelegen, um ihn heimzuholen. Eine traurige Vorstellung; ich hoffe sehr, dass es nicht so war.

Doch da liegt er nun einmal. Falls Brianna sich je für ihre Geschichte interessiert – für meine Geschichte –, dann wird sie dort nachsehen, und sie wird ihn dort finden; der Standort des Grabes ist in den Familienunterlagen notiert. Das ist der Grund, warum ich Dich gebeten habe, den anderen Stein daneben aufstellen zu lassen. Er wird hervorstechen – alle anderen Steine auf diesem Kirchhof sind so alt, dass sie schon zerbröckeln.

Claire wird sie eines Tages mit nach Schottland nehmen; dessen bin ich mir sicher. Wenn sie nach St. Kilda kommt, dann wird sie ihn sehen – niemand geht auf einen alten Friedhof, ohne sich die Grabsteine anzusehen. Wenn sie sich fragt, wenn sie mehr wissen will – wenn sie Claire fragt –, nun, so weit bin ich bereit zu gehen. Ich habe die Geste gemacht; ich werde es dem Zufall überlassen, was geschieht, wenn ich fort bin.

Du weißt von all dem dummen Zeug, das Claire bei ihrer Rückkehr geredet hat. Ich habe alles getan, was ich konnte, damit sie es sich aus dem Kopf schlug, doch sie war nicht davon abzubringen; Himmel, was für eine sture Frau!

Du wirst das vielleicht nicht gutheißen, doch als ich Dich letztes Mal besucht habe, da habe ich ein Auto gemietet und bin zu diesem verfluchten Hügel gefahren – Craigh na Dun. Ich habe Dir von dem Hexentanz in dem Kreis erzählt, kurz bevor Claire verschwand. Als ich mit diesem gespenstischen Anblick im Hinterkopf im Morgenlicht zwischen diesen Steinen stand – da konnte ich ihr beinahe glauben. Ich habe einen davon berührt. Natürlich ist nichts passiert.

Und dennoch. Ich habe Ausschau gehalten. Ausschau gehalten nach dem Mann – nach Fraser. Und vielleicht habe ich ihn gefunden. Zumindest habe ich einen Mann dieses Namens gefunden, und die Verbindungen, die ich zutage fördern konnte, entsprachen dem, was Claire mir von ihm erzählt hatte. Ob sie die Wahrheit gesagt hat oder ob sie einer wirklichen Erfahrung eine Wahnvorstellung aufgepfropft hat … nun, es hat einen Mann gegeben, dessen bin ich mir sicher!

Du wirst das kaum gutheißen, doch ich habe mit meiner Hand auf dem verdammten Stein dagestanden und mir nichts mehr gewünscht, als dass er sich öffnen und mich James Fraser von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen lassen würde. Wer er auch immer gewesen ist, wann er auch immer gewesen ist, ich habe mir nichts in meinem Leben so sehr gewünscht, wie ihn zu sehen – und ihn umzubringen.

Ich bin ihm nie begegnet – ich weiß nicht einmal, ob er wirklich existiert hat! –, und doch hasse ich diesen Mann, wie ich noch nie zuvor jemanden gehasst habe. Wenn es stimmt, was Claire sagt und was ich herausgefunden habe – dann habe ich sie ihm weggenommen und sie all diese Jahre mittels einer Lüge bei mir behalten. Vielleicht nur eine Unterlassungslüge, aber dennoch eine Lüge. Ich nehme an, ich könnte es Rache nennen.

Priester und Dichter nennen die Rache ein zweischneidiges Schwert; und die Kehrseite ist, dass ich es niemals wissen werde – wenn ich sie vor die Wahl gestellt hätte, wäre sie bei mir geblieben? Oder hätte sie sich wie der Blitz nach Schottland aufgemacht, wenn ich ihr gesagt hätte, dass ihr Jamie Culloden überlebt hat?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Claire ihre Tochter allein lassen würde. Ich hoffe, dass sie mich ebenfalls nicht verlassen würde … aber … wenn ich mir dessen auch nur irgendwie sicher sein könnte, dann schwöre ich, dass ich es ihr gesagt hätte, doch das kann ich nicht, so ist es nun einmal.

Fraser – soll ich ihn verfluchen, weil er mir meine Frau gestohlen hat, oder ihm danken, weil er mir meine Tochter geschenkt hat? Ich denke über diese Dinge nach, und dann halte ich inne, angewidert, dass ich solch einer absurden Theorie auch nur einen Moment lang Glauben schenke. Und doch … ich habe ein merkwürdiges Gefühl in Bezug auf James Fraser, beinahe eine Erinnerung, so als hätte ich ihn irgendwo einmal gesehen. Obwohl das wahrscheinlich nur das Produkt meiner Eifersucht und meiner Phantasie ist – ich weiß ja, wie der Mistkerl aussieht, viel zu gut; ich sehe sein Gesicht an meiner Tochter; Tag für Tag!

Doch das ist die merkwürdige Seite daran – ein Gefühl der Verpflichtung. Nicht nur Brianna gegenüber, obwohl ich der Meinung bin, dass sie ein Recht hat, es zu erfahren – später. Ich habe Dir gesagt, dass ich so ein Gefühl in Bezug auf den Mistkerl habe? Manchmal kann ich ihn fast spüren, wie er mir über die Schulter blickt, am anderen Ende des Zimmers steht.

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