Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Maisri Buchanan drückte ihr kleinstes Kind an ihre Brust, während sie sich meine Ratschläge einprägte. Ich konnte die meisten der neuen Immigranten nicht dazu bewegen, selbst Grünzeug zu essen oder es ihren Familien zu verabreichen, aber dann und wann fand ich die Gelegenheit, ihnen unauffällig ein wenig Vitamin C unter ihre übliche Ernährung zu schmuggeln – welche zum Großteil aus Hafermehl und Wild bestand.
Ich hatte Jamie als Demonstrationsobjekt benutzt und ihn öffentlich einen Teller mit Tomatenscheiben verzehren lassen, weil ich hoffte, dass sein Anblick den Neuankömmlingen einige ihrer Ängste nehmen würde. Doch es war nicht von Erfolg gekrönt gewesen; die meisten von ihnen betrachteten ihn voll abergläubischer Ehrfurcht, und man gab mir zu verstehen, dass er selbstverständlich den Verzehr von Dingen überleben konnte, die einen Normalsterblichen auf der Stelle umbringen würden.
Ich entließ Maisri und begrüßte die nächste Besucherin meiner improvisierten Klinik, eine Frau, deren zwei kleine Mädchen mit einem ekzematösen Ausschlag bedeckt waren, den ich zuerst für ein weiteres Zeichen von Mangelernährung hielt, der aber glücklicherweise nur von der Berührung mit Giftsumachpflanzen stammte.
Mir wurde bewusst, dass sich in der Menge etwas regte. Ich unterbrach meine Behandlung und drehte mich um, um zu sehen, wer da angekommen war. Am Rand der Lichtung glitzerte das Sonnenlicht auf Metall, und Jamies Hand war nicht die einzige, die an die Pistole oder zum Messergriff fuhr.
Sie traten im Gleichschritt in die Sonne, obwohl ihre Trommeln gedämpft waren und nur das leise Tap-tap! der Trommelstöcke auf den Rändern sie anleitete. Ihre Musketen waren zum Himmel gerichtet, und ihre Schwerter zuckten wie Skorpionschwänze, als sie paarweise aus dem Wald traten; ihre Röcke leuchteten scharlachrot auf, und ihre grünen Kilts schwangen ihnen um die Knie.
Vier, sechs, acht, zehn … Ich zählte sie schweigend, genau wie alle anderen auch. Vierzig Männer traten hervor; die Augen unter ihren Bärenfellmützen geradeaus gerichtet, blickten sie weder nach rechts noch links, und man hörte nur das Geschiebe ihrer Füße und das Klopfen ihrer Trommeln.
Ich sah, wie sich MacNeill aus Barra am anderen Ende der Lichtung von seinem Sitz erhob und sich aufrichtete; die Menschen um ihn herum gerieten unauffällig in Bewegung, und mit ein paar Schritten hatten sich seine Männer um ihn gesammelt. Ich brauchte mich nicht umzusehen, um zu spüren, wie das Gleiche überall um mich herum geschah; ich spürte mehr, als dass ich es sah, wie sich um den ganzen Fuß des Berges herum die Männer auf ähnliche Weise zusammenrotteten und jede Gruppe mit einem Auge die Eindringlinge fixierte, während sie mit dem anderen auf Anweisungen von ihrem Anführer warteten.
Ich hielt nach Brianna Ausschau und war erschrocken, wenn auch nicht überrascht, sie direkt hinter mir zu finden, das Baby im Arm, während sie mir gebannt über die Schulter blickte.
»Wer ist das?«, fragte sie leise, und ich konnte hören, wie das Echo der Frage die Menge durchlief wie Wellen im Wasser.
»Ein Highlandregiment«, sagte ich.
»Das sehe ich«, sagte sie scharf. »Freund oder Feind?«
Das war ganz offensichtlich die Frage – waren sie als Schotten hier oder als Soldaten? Doch ich kannte die Antwort nicht, und dem Geschiebe und Gemurmel der Menge nach auch sonst niemand. Natürlich kamen Zwischenfälle vor, bei denen Truppen herbeieilten, um randalierende Gruppen zu zerstreuen. Aber doch wohl nicht eine friedliche Zusammenkunft wie diese hier, die keinem politischen Zweck diente?
Doch es hatte einmal eine Zeit gegeben, in der die bloße Gegenwart einer größeren Zahl von Schotten an ein und derselben Stelle einer politischen Erklärung gleichkam, und die meisten der Anwesenden erinnerten sich an diese Zeit. Das Gemurmel wurde lauter; mit dem unterdrückten Zischen der Vehemenz gesprochenes Gälisch umwehte seufzend den Berg wie der Wind vor einem Sturm.
Vierzig Soldaten zogen mit Gewehren und Schwertern die Straße entlang. Zweihundert Schotten befanden sich hier, die meisten bewaffnet, viele mit Sklaven und Bediensteten. Aber auch mit Frauen und Kindern.
Ich erinnerte mich an die Tage nach Culloden, und ohne mich umzublicken, sagte ich zu Brianna: »Falls etwas geschieht – irgendetwas –, dann steig mit dem Baby in die Felsen hinauf.«
Roger tauchte plötzlich vor mir auf, und seine ganze Aufmerksamkeit war auf die Soldaten gerichtet. Er sah Jamie nicht an, setzte sich aber schweigend in Bewegung, so dass sie Schulter an Schulter dastanden, ein Bollwerk vor uns. Überall auf der Lichtung geschah das Gleiche; die Frauen rührten sich nicht vom Fleck, doch ihre Männer stellten sich vor sie. Wer jetzt auf die Lichtung kam, hätte glauben können, dass die Frauen sich in Luft aufgelöst hatten und an ihrer Stelle eine unnachgiebige Phalanx von Schotten zurückgelassen hatten, die ins Tal hinabstarrten.
Dann ritten zwei Männer aus dem Schatten der Bäume hervor; ein berittener Offizier, begleitet von seinem Adjutanten mit wehendem Regimentsbanner. Sie gaben ihren Pferden die Sporen und ritten an der Soldatenkolonne vorbei in den Rand der Menge hinein. Ich sah, wie sich der Adjutant von seinem Pferd hinunterbeugte, um eine Frage zu stellen, sah, wie sich der Kopf des Offiziers uns zuwandte, um die Antwort zu bestätigen.
Der Offizier bellte einen Befehl, und die Soldaten nahmen Ruhestellung ein, die Musketen in den Staub gepflanzt, die karierten Beine gespreizt. Der Offizier drehte sein Pferd in die Menge und bahnte sich langsam seinen Weg durch die dichtgedrängten Menschen, die zögernd vor ihm zurückwichen.
Er kam auf uns zu; ich sah, wie sein Blick Jamie schon von fern fixierte, der nicht zu übersehen war dank seiner Körpergröße und seines Haars, das wie scharlachrotes Ahornlaub leuchtete.
Der Mann kam vor uns zum Halten und zog seinen Federhut. Er glitt vom Pferd, trat zwei Schritte auf Jamie zu und verbeugte sich korrekt und steif. Er war ein kleiner Mann, aber kräftig, vielleicht dreißig, mit dunklen Augen, die so leuchtend wie seine Halsbeuge glitzerten. Aus der Nähe sah ich jetzt, was mir vorher nicht aufgefallen war, das kleinere Metallstück, das an der Schulter seines roten Rockes steckte; eine zerbeulte Brosche aus poliertem Gold.
»Mein Name ist Archie Hayes«, sagte er in breitem Schottisch. Seine Augen waren fest auf Jamies Gesicht gerichtet, dunkel und voller Hoffnung. »Man sagt, Ihr habt meinen Vater gekannt.«
Kapitel 71
Der Kreis ist geschlossen
Ich habe Euch etwas zu sagen«, sagte Roger. Er wartete schon seit einiger Zeit darauf, Jamie Fraser allein zu erwischen. Fraser war sehr begehrt; jeder wollte für einen Moment seine Aufmerksamkeit. Doch im Augenblick war er allein und saß auf dem umgestürzten Baumstamm, von dem aus er Hof hielt. Er blickte mit hochgezogenen Augenbrauen zu Roger auf, wies aber einladend auf den Baumstamm als Sitz.
Roger setzte sich. Er hatte das Baby dabei; Brianna und Lizzie bereiteten das Essen vor, und Claire war bei den Camerons von der Isle Fleur zu Besuch, deren Lagerfeuer sich in der Nähe befand. Statt Torffeuern lag dichter Holzrauch in der Nachtluft, doch es hätte in vielfacher Hinsicht Schottland sein können, dachte er.
Jamies Blick erfasste Klein Jemmys runden Schädel, der mit einem Kupferflaum überzogen war und im Schein des Feuers leuchtete. Er streckte die Arme aus, und nach kurzem Zögern übergab Roger ihm vorsichtig das schlafende Baby.
»Balach boidheach«, murmelte Jamie, als sich das Baby an seinem Körper regte. »Ja, so ist’s gut.« Er blickte zu Roger hinüber. »Ihr habt mir etwas zu sagen?«
Roger nickte.
»Das habe ich, aber nicht in eigener Sache. Man könnte sagen, es ist eine Botschaft, die ich für jemand anderen überbringe.«
Jamie hob fragend die Augenbraue, eine Geste, die ihn so sehr an Brianna erinnerte, dass Roger innerlich zusammenschrak. Er hustete, um es sich nicht anmerken zu lassen.
»Ich – äh – als Brianna zu den Steinen von Craigh na Dun gegangen ist, war ich gezwungen, ein paar Wochen zu warten, bevor ich ihr folgen konnte.«