Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Kapitel 70
Gathering
Fast dreißig Jahre waren vergangen, seit ich zum letzten Mal an einem Gathering teilgenommen hatte; jener Zusammenkunft in Leoch, bei dem der Clan MacKenzie seine Eide abgelegt hatte. Jetzt war Colum MacKenzie tot, ebenso sein Bruder Dougal – und alle Clans mit ihnen. Leoch war eine Ruine, und es gab keine Zusammenkünfte der Clans mehr in Schottland.
Und doch waren hier die Plaids und die Dudelsäcke, und die überlebenden Highlander selbst, von unvermindertem, heftigem Stolz erfüllt, umgeben von einem neuen Gebirge, das sie für die Ihren in Anspruch nahmen. MacNeills und Campbells, Buchanans und Lindseys, MacLeods und MacDonalds; Familien, Sklaven und Bedienstete, Zwangsarbeiter und Gutsherren.
Ich ließ meinen Blick über das rege Gewimmel der Dutzende von Lagerstätten schweifen, um Ausschau nach Jamie zu halten, und erblickte stattdessen eine vertraute Hünengestalt, die mit schlackernden Gliedern durch die Menschengrüppchen schritt. Ich stand auf und winkte, während ich ihn rief.
»Myers! Mr. Myers!«
John Quincy Myers erblickte mich und kam strahlend den Abhang herauf zu unserer Lagerstelle.
»Mrs. Claire!«, rief er aus, indem er seinen verlotterten Hut zog und sich vornehm wie immer über meine Hand beugte. »Ich bin ganz entzückt, Euch zu sehen.«
»Das beruht auf Gegenseitigkeit«, versicherte ich ihm lächelnd. »Ich hatte nicht damit gerechnet, Euch hier zu sehen.«
»Oh, ich plane normalerweise jedes Gathering ein«, sagte er. Er richtete sich auf und strahlte auf mich herab. »Wenn ich rechtzeitig aus dem Gebirge komme. Eine gute Gelegenheit, meine Felle zu verkaufen; den Kleinkram, den ich loswerden muss. Apropos …« Er begann langsam und systematisch, seine große Wildledertasche zu durchforsten.
»Seid Ihr sehr weit nach Norden gekommen, Mr. Myers?«
»Oh, ja, in der Tat, in der Tat, Mrs. Claire. Den halben Mohawkfluss hinauf bis zu der Stelle, die man die Obere Festung nennt.«
»Den Mohawk?« Mein Herz begann, schneller zu schlagen.
»Mm.« Er zog etwas aus seiner Tasche, blinzelte es an, steckte es wieder hinein und kramte weiter. »Stellt Euch meine Überraschung vor, Mrs. Claire, ein bekanntes Gesicht zu sehen, als ich in einem Mohawkdorf im Süden haltmachte.«
»Ian! Ihr habt Ian gesehen? Geht es ihm gut?« Ich war so aufgeregt, dass ich ihn am Arm packte.
»Oh, aye«, versicherte er mir. »Sieht gut aus, der Junge – obwohl ich sagen muss, es hat mir einen Ruck versetzt, ihn wie einen Wilden aufgemacht zu sehen, und sein Gesicht war so sonnenverbrannt, dass ich ihn für einen gehalten hätte, wenn er mich nicht bei meinem Namen gerufen hätte.«
Schließlich fand er, was er suchte, und reichte mir ein kleines Päckchen, das in dünnes Leder gewickelt und mit einem Wildlederstreifen zugebunden war – eine Spechtfeder steckte im Knoten.
»Das hat er mir anvertraut, Ma’am, um es Euch und Eurem Mann zu bringen.« Er lächelte freundlich. »Ich nehme an, Ihr wollt es sofort lesen; wir sehen uns dann später, Mrs. Claire.« Er verbeugte sich ernst und formell, dann entfernte er sich und begrüßte im Vorübergehen weitere Bekannte.
Ich wollte mit dem Lesen auf Jamie warten; glücklicherweise erschien er nur ein paar Minuten später. Der Brief war auf etwas geschrieben, das die herausgerissene, innere Umschlagseite eines Buches zu sein schien, seine Tinte hatte die blassbraune Farbe der Eichengalle, war aber gut lesbar. Ian salutat avunculus Jacobus, begann die Notiz, und in Jamies Gesicht brach ein Grinsen aus.
Ave. Da meine Lateinkenntnisse hiermit erschöpft sind, muss ich mich jetzt auf simples Englisch verlegen, an das ich mich weitaus besser erinnern kann. Mir geht es gut, Onkel Jamie, und ich bin glücklich – ich bitte Dich, das zu glauben. Ich habe geheiratet, nach den Bräuchen der Mohawk, und lebe im Haus meiner Frau. Du erinnerst Dich sicher an Emily, die so geschickt schnitzen kann. Rollo hat eine Menge Welpen gezeugt; das Dorf ist mit kleinen Wolfsrepliken übersät. Ich kann nicht damit rechnen, mich jemals so reichlich fortzupflanzen – jedoch hoffe ich, dass Du meiner Mutter von meinem Wunsch schreiben wirst, dass sie noch nicht so viele Enkelkinder hat, dass sie es übersieht, wenn noch eins dazukommt. Die Geburt ist im Frühling; ich werde Euch davon berichten, so schnell ich kann. In der Zwischenzeit sei so lieb und erinnere alle in Lallybroch, River Run und Fraser’s Ridge an mich. Ich denke mit großer Zuneigung an alle und werde es immer tun, solange ich lebe. Liebe Grüße an Tante Claire, Cousine Brianna und vor allem an Dich. Dein Dich liebender Neffe; Ian Murray. Vale, avunculus.
Jamie blinzelte ein paarmal, faltete die zerrissene Seite vorsichtig zusammen und steckte sie in seinen Sporran.
»Das heißt avuncule, du kleiner Trottel«, sagte er leise. »Für die Grußform nimmt man den Vokativ.«
Als ich an diesem Abend meinen Blick über das Pünktchenmuster aus Lagerfeuern wandern ließ, hätte ich gesagt, dass sich alle schottischen Familien zwischen Philadelphia und Charleston hier eingefunden hatten – und doch trafen in der nächsten Dämmerung noch mehr von ihnen ein, und der Strom riss nicht ab.
Es war am zweiten Tag, und Lizzie, Brianna und ich verglichen gerade unser Baby mit dem Nachwuchs von zwei von Farquard Campbells Töchtern, als sich Jamie seinen Weg durch eine Menge von Frauen und Kindern bahnte, ein breites Lächeln im Gesicht.
»Mrs. Lizzie«, sagte er. »Ich hab ’ne kleine Überraschung für dich. Fergus!«
Fergus, der genauso strahlte, trat hinter einem Wagen hervor und schob einen schmalen Mann mit vom Wind zerzaustem, dünnem blondem Haar vor sich her.
»Pa!«, kreischte Lizzie und warf sich in seine Arme. Jamie steckte sich einen Finger ins Ohr, wackelte damit und machte ein erstauntes Gesicht.
»Ich glaube nicht, dass ich schon jemals gehört habe, wie sie solchen Krach macht«, sagte er. Er grinste mich an und gab mir zwei Stücke Papier; ursprünglich Teile ein und desselben Dokumentes, waren sie sorgsam entzweigerissen worden, so dass die gezahnte Kante des einen zur gekerbten Kante des anderen passte.
»Das ist Mr. Wemyss’ Zwangsarbeitervertrag«, sagte er. »Steck ihn erst einmal ein, Sassenach; wir verbrennen ihn heute Abend im Freudenfeuer.«
Dann verschwand er wieder in der Menge, von einer Handbewegung und einem Mac-Dubh-Ruf ans andere Ende der Lichtung bestellt.
Am dritten Tag des Clantreffens hatte ich so viele Neuigkeiten, Gerüchte und allgemeines Geschwätz gehört, dass meine Ohren von gälischen Worten widerhallten. Wer nicht redete, der sang; Roger war in seinem Element, er wanderte über das Gelände und sperrte die Ohren auf. Außerdem war er heiser vom Singen; er war fast die ganze letzte Nacht auf gewesen, hatte auf einer geborgten Gitarre gespielt und einer verzauberten Zuhörerschaft vorgesungen, während Brianna zu seinen Füßen zusammengerollt saß und ein selbstzufriedenes Gesicht machte.
»Ist er gut?«, hatte Jamie mir zugemurmelt und dabei seinen voraussichtlichen Schwiegersohn skeptisch angeblinzelt.
»Besser als gut«, versicherte ich ihm.
Er zog eine Augenbraue hoch und zuckte mit den Achseln, dann bückte er sich, um mir das Baby abzunehmen.
»Aye, schön, das muss ich dir wohl glauben. Ich glaube, Klein Ruaidh und ich suchen uns ein Würfelspiel.«
»Du nimmst ein Baby zum Glücksspiel mit?«
»Natürlich«, sagte er und grinste mich an. »Er kann nicht früh genug damit anfangen, ein ehrliches Handwerk zu lernen, falls er einmal nicht für sein Essen singen kann wie sein Pa.«
»Wenn du Rübenpüree machst«, sagte ich, »dann achte darauf, dass du das Grün zusammen mit den Rüben kochst. Dann heb das Kochwasser auf und gib es den Kindern; trink auch etwas davon – es ist gut für deine Milch.«