Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Nur um weiteren lästigen Fragen zu entgehen, drehte er sich von Morton weg und näherte sich der Gondel des Luftschiffs. Sie kam ihm immer größer vor, je näher er kam. Die Tür, breit genug, um drei Männer nebeneinander durchzulassen, wirkte winzig in der schimmernden Flanke, und die Fenster waren nicht mehr als Nadelstiche in der Aluminiumhaut. Seine Schritte wurden immer langsamer, je mehr er sich dem Luftschiff näherte, und er war nicht der einzige, dem es so erging. Auch die beiden Dänen und Dr. Rosenfeld nebst ihrem Schützling zögerten sichtlich, die breite Metalltreppe zu betreten, die nach oben führte. Einzig Loben und von Ludolf marschierten im Stechschritt an ihnen vorbei und die Stufen hinauf, als wäre es für sie das Selbstverständlichste der Welt.
Auch Indiana überwand sich und wollte das Luftschiff betreten, blieb dann aber noch einmal stehen, als hinter ihm Stimmen laut wurden, die er als die Dr. Rosenfelds und Brownings identifizierte, zwischen denen es offensichtlich zu einer Auseinandersetzung kam.
Neugierig und von einer Mischung aus Schadenfreude und Beunruhigung erfüllt, drehte er sich um und sah, wie Browning heftig gestikulierend auf die Neurologin einredete, wobei er abwechselnd auf sie und auf van Hesling deutete. Dr. Rosenfeld ihrerseits gestikulierte auch — und sie deutete abwechselnd auf van Hesling und Indiana Jones.
Indiana näherte sich den beiden langsam und blieb stehen, als Browning aufsah und ihm einen zornigen Blick zuwarf.»Kann ich vielleicht irgendwie vermitteln?«fragte er.»Ich habe das Gefühl, daß es zwischen Ihnen beiden zu kleinen… Unstimmigkeiten kommt.«
Rosenfeld warf ihm einen giftgetränkten Blick zu, während Browning ärgerlich die Hände zu Fäusten ballte und sie in Ermangelung eines Gesichts, in die er sie schlagen konnte, in seine eigenen Hüften rammte.
«Das stimmt«, sagte er wütend.»Und es ist ganz allein Ihre Schuld.«
«Ach«, meinte Indiana Jones.
«Ach ja«, zischte Browning gereizt. Anklagend deutete er auf Dr. Rosenfeld.»Doktor Rosenfeld weigert sich, ihren Patienten mit uns kommen zu lassen.«
«Solange Sie dabei sind«, fügte Dr. Rosenfeld hinzu.
Indiana sagte vorsichtshalber nichts, sondern sah Browning nur fragend an. Der Regierungsbeauftragte wandte sich noch einmal an die Neurologin und versuchte es diesmal offensichtlich im Guten.»Bitte, seien Sie doch vernünftig, Doktor Rosenfeld«, sagte er.»Wir müssen Doktor van Hesling mitnehmen. Das müssen Sie einsehen.«
«Ich muß überhaupt nichts«, antwortete Dr. Rosenfeld spitz.»Das einzige, was ich muß, ist, mir Sorgen um das Wohl meines Patienten zu machen — und diese sind nur zu berechtigt, solange dieser grobe Mensch dort in seiner Nähe ist.«
Mit dem groben Menschen meinte sie offensichtlich Indiana Jones, der diese Worte mit einem Stirnrunzeln, aber kommentarlos registrierte.
Browning seufzte.»Ich verstehe ja Ihre Besorgnis, Doktor«, sagte er.»Aber ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich selbst auf Doktor van Hesling achtgeben werde.«
«So wie heute morgen im Hotel?«fragte Dr. Rosenfeld.
Browning verdrehte die Augen, kam aber nicht dazu, noch etwas zu sagen, denn Dr. Rosenfeld fuhr lauter und in erregtem Tonfall — und heftig in Indianas Richtung gestikulierend — fort: »Mister Browning«, sagte Dr. Rosenfeld, wobei sie das Mister so betonte, daß es einer Beleidigung nahekam.»Ich möchte eines ein für alle Mal klarstellen: Professor van Hesling ist mein Patient. Der Mann ist krank, das sollten eigentlich sogar Sie erkennen. Und ich allein trage die Verantwortung für ihn! Ich weiß ja nicht, was Sie vorhaben oder wo Sie mit dem Ding da«- sie deutete auf das riesige Luftschiff —»hinwollen, aber Sie werden meinen Patienten nirgendwo hinbringen, ohne daß ich ihn begleite!«
Browning blinzelte irritiert. Für einen Moment sah er so verwirrt und hilflos aus, daß er Indiana beinahe leid tat; aber auch nur beinahe. Dann schüttelte er den Kopf, machte einen halben Schritt rückwärts und maß Dr. Rosenfeld mit einem langen, bewußt abschätzenden Blick.»Mein liebes Kind«, begann er.»Ich glaube nicht, daß — «
«Ich bin nicht Ihr liebes Kind!«unterbrach ihn Dr. Rosenfeld scharf.»Und es ist mir völlig egal, was Sie glauben, Mister Browning. Professor van Hesling wird nirgendwo hingehen ohne mich. Und ich glaube auch nicht, daß er mit mir dort hingeht, wohin Sie ihn bringen wollen.«
Indiana grinste, verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Browning mit einem schadenfrohen Blick, der Browning keineswegs entging, denn das kampflustige Funkeln in seinen Augen nahm noch zu.»Ich fürchte, Sie überschätzen Ihre Macht, Doktor Rosenfeld«, sagte er.
«Ach?«entgegnete Dr. Rosenfeld spitz.
Browning nickte. Indiana sah, wie schwer es ihm fiel, wenigstens noch den Schein von Höflichkeit zu wahren, aber es waren im Moment einfach zu viele Ohren in der Nähe, als daß er in seiner gewohnt aufbrausenden Art lospoltern konnte. Dr. Rosenfeld hatte alles andere als leise gesprochen, und obwohl in der gewaltigen Halle ein reger Betrieb und ein erstaunlicher Lärm herrschten, wandten sich doch immer mehr Blicke ihr und dem kleinwüchsigen Regierungsbeauftragten zu.
«Es handelt sich hier um eine Sache von höchster Wichtigkeit«, sagte Browning.»Um genau zu sein: Ich handle im direkten Auftrag des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.«
«Meinetwegen des Kaisers von China!«rief Dr. Rosenfeld ungerührt.»Wissen Sie, Mister Browning, es interessiert mich herzlich wenig, was Sie vorhaben oder wer Sie sind. Das einzige, was mich interessiert, ist das Wohl meines Patienten. «
Brownings Augen wurden schmal.»Ich könnte Ihnen eine Menge Ärger bereiten«, drohte er.
Einen größeren Fehler hätte er wahrscheinlich gar nicht begehen können. Dr. Rosenfelds Gesicht schien zu versteinern. Zwei oder drei Sekunden lang funkelte sie Browning nur an, dann sagte sie:»Das glaube ich Ihnen sogar. Aber wissen Sie, Mister Browning, ich könnte Ihnen wahrscheinlich noch mehr Ärger bereiten.«
«Das bezweifle ich. Sie — «
Indiana hörte nicht mehr zu. Er wußte, wie rücksichtslos und hartnäckig Browning sein konnte. Aber es schien, als hätte er in dieser zarten, so zerbrechlich aussehenden jungen Frau einen Gegner gefunden, der ihm durchaus gewachsen war. Und Indiana hatte das sichere Gefühl, daß die Auseinandersetzung zwischen Browning und Dr. Rosenfeld nur die erste in einer langen Reihe war, die er noch miterleben würde; ob er wollte oder nicht. Statt dem Wortduell der beiden weiter zu lauschen, wandte er sich um und ging ein paar Schritte in den Hangar hinein. Während der wenigen Minuten, die sie jetzt hier waren, hatte das Bodenpersonal die Startvorbereitungen schon fast ganz abgeschlossen; ein weiterer Beweis für seine Vermutung, daß diese ganze Aktion von langer Hand vorbereitet war. Und er wußte immer noch nicht, worum es ging.
Sein Blick glitt über die riesige, silberne Hülle des Luftschiffs. Er war niemals im Leben mit einem Zeppelin geflogen, und er interessierte sich auch nur am Rande für diese gigantischen fliegenden Zigarren. Aber selbst er begriff, daß dieses Schiff etwas ganz Besonderes war. Es hatte die gewohnte, konventionelle Zigarrenform, war aber fast doppelt so lang wie jedes andere Luftschiff, das er jemals zu Gesicht bekommen hatte. Und auch die Gondel, die unter dem Rumpf befestigt war, war um ein Mehrfaches größer als die normalen Passagierkabinen anderer Zeppeline. Und es gab noch etwas Eigenartiges an diesem Zeppelin: Auch in der Hülle des Luftschiffs befanden sich eine große Anzahl runder Bullaugen, was darauf hindeutete, daß das Schiff weitaus mehr Passagiere befördern konnte, als ein Luftschiff es normalerweise tat. Und nichts von alldem, was er sah, gefiel ihm. Dieses Schiff, all die Marinesoldaten, die den Hangar bevölkerten, Brownings schon fast hysterische Geheimniskrämerei — das alles bestärkte ihn in seinem unguten Gefühl.