Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Indiana überlegte einen Moment.»Unter diesen Umständen«, sagte er dann,»erscheint es mir immer sonderbarer, daß wir diese Expedition durchführen. Immerhin sind wir alles andere als Freunde.«
«Aber auch keine Feinde«, fügt der Präsident hinzu.»Zumindest nicht offiziell — noch nicht. Außerdem haben sie gar keine andere Wahl. Sehen Sie, Doktor Jones, wir haben den Kurs dieses Eisbergs — «
«Odinsland«, warf Browning ein. Der Präsident nickte dankbar.»Wir haben den wahrscheinlichen Kurs Odinslands also hochgerechnet. Natürlich sind es nur Schätzungen, aber wenn unsere Berechnungen auch nur ungefähr zutreffen, dann dürfte sich der Eisberg im Moment in einem Seegebiet befinden, das sowohl für Über- als auch für Unterwasserschiffe völlig unzugänglich ist. Zumindest bis zum nächsten Frühjahr. So wie es im Moment aussieht, sind wir die einzigen, die die Transportmittel haben, um dorthin zu kommen. Und schnell hinzukommen, was aus irgendeinem Grund wichtig sein muß.«
«Und deshalb — «
«— hat Hitler sich bereit erklärt, das Hilfsangebot der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika anzunehmen«, sagte der Präsident spöttisch.»Ja.«
Indiana überlegte einen Moment. Das war nicht alles. Der Präsident verschwieg ihm irgend etwas. Er war ein ausgezeichneter Schauspieler (das mußte man wohl sein, bei einem Job wie seinem), aber Browning hatte sich nicht gut genug in der Gewalt. Sein Gesicht blieb zwar ausdruckslos und unfreundlich wie immer, aber sein Blick verriet, daß da noch mehr war. Etwas Wichtiges. Aber er spürte auch ebenso deutlich, daß er auf alle Fragen, die er jetzt noch stellen konnte, sowieso keine Antwort bekommen würde.
«Sie möchten also, daß ich ein Auge auf diese beiden Deutschen werfe«, meinte er schließlich.
Der Präsident schüttelte den Kopf.»Das bleibt Ihnen natürlich unbenommen, aber dafür werden schon Doktor Browning und seine Begleiter sorgen. Keine Angst. Nein — was wir von Ihnen möchten, ist folgendes: Wir haben Sie gebeten, an dieser Expedition teilzunehmen, weil Sie über einen… nun, sagen wir: einen gewissen Ruf verfügen. Wie Sie ja selbst besser wissen als ich. Und Sie sind unbestritten einer unserer fähigsten Archäologen. Wenn Sie auf diesem Eisberg irgend etwas finden, das unsere Vermutungen bestätigt, dann versuchen Sie, es für uns zu sichern. Und sollte dies nicht möglich sein, dann zerstören Sie es. Ganz egal, was es ist.«
Indiana blickte den Präsidenten verstört an. Er versuchte zu lächeln, aber es mißlang kläglich.»Ich verstehe Sie richtig?«vergewisserte er sich.»Sie wollen, daß ich nach etwas suche, von dem wir nicht einmal wissen, was es ist, und es mitnehme oder zerstöre, ganz egal, was ich finden sollte — wenn wir etwas finden.«
Der Präsident nickte.»Ich weiß, es klingt verrückt, aber genau das ist es, was ich von Ihnen möchte, Doktor Jones.«
«Ja«, gestand Indiana mit einem gequälten Lächeln.»Das klingt verrückt.«
Brownings Gesicht färbte sich allmählich wieder rot.»Jones«, zischte er gepreßt.»Es reicht allmählich. Sie — «
«Aber lassen Sie ihn doch, Doktor«, sagte der Präsident lächelnd.»Es tut gut, jemanden vor sich zu haben, der nicht nur katzbuckelt, sondern seine Meinung sagt. In einer Stellung wie der meinen trifft man viel zu selten auf Leute, die es noch wagen, ihre Meinung zu sagen. «Er lachte leise, füllte sein Glas erneut mit einer gewaltigen Portion Whisky und blickte fast vorwurfsvoll das Glas in Indianas Hand an, das der bisher noch nicht einmal angerührt hatte.
«Nun, Doktor Jones«, meinte er nach einer Weile.»Ich weiß, es ist nicht sehr fair, eine solche Entscheidung innerhalb einer einzigen Minute von Ihnen zu verlangen, aber ich fürchte, mir bleibt keine andere Wahl. Werden Sie tun, was ich von Ihnen verlange?«
«Hab’ ich denn eine Wahl?«fragte Indiana.
Der Blick seines Gegenübers wirkte mit einem Mal fast verletzt.»Sie können tun und lassen, was Sie wollen, Doktor Jones«, erwiderte er.»Ich meine das ernst. Wenn Sie es ablehnen, dann lasse ich das Schiff sofort anlegen und Sie zurück in Ihre Universität bringen. Also?«
Es dauerte fast eine Minute, bis Indiana antwortete. Aber dann nickte er.»Warum eigentlich nicht?«fragte er.
Das Schiff fuhr eine gute Stunde lang flußaufwärts. Und Indiana verbrachte den allergrößten Teil dieser Zeit auf dem Rücken auf seiner Koje liegend und die Kabinendecke anstarrend. Morton und Ba-tes hatten ihn sofort mit Fragen bestürmt, kaum daß er wieder in die Kajüte gekommen war, aber er hatte keine einzige davon beantwortet, ja, nicht einmal reagiert, so daß sie es schließlich aufgegeben und sich in ihre eigenen Betten zurückgezogen hatten, von wo aus sie ihn mit einer Mischung aus Ärger und Beunruhigung anstarrten.
Indiana registrierte es nicht einmal. Das Gespräch mit dem Präsidenten hatte ihn mehr aufgewühlt, als er es sich selbst eingestehen wollte. Wie bei Browning zuvor, war es nicht einmal so sehr das gewesen, was er gesagt hatte, sondern mehr das, was er zwischen seinen Worten herausgehört hatte. Wenn auch nur die Hälfte dessen zutraf, was er befürchtete, dann war dies mehr als ein Abenteuer. Mehr als ein Ausflug in die Vergangenheit, wie er ihn schon mehrmals überstanden hatte. Vielleicht waren er und die anderen ahnungslosen Mitglieder ihrer kleinen Expedition schon längst zu Schlüsselfiguren im Ringen zweier gewaltiger Giganten geworden, in dem es um nichts anderes als um die Macht über die gesamte Welt ging.
Aber er konnte sich einfach nicht vorstellen, was die Deutschen dort in den eisigen Gewässern des Nordmeeres gefunden haben sollten, noch dazu auf einem Eisberg, der vielleicht seit Jahrtausenden seine Kreise über das Meer zog.
Und er verstand noch weniger, was er als Archäologe bei dieser Expedition sollte. Sein Fachgebiet waren versunkene Kulturen und das, was sie hinterlassen hatten. Aber in Grönland oder gar der Arktis hatte es niemals eine Kultur gegeben, von einigen nur wenige Jahre überdauernden Ansiedlungen der Wikinger einmal abgesehen und vielleicht ein paar Eskimostämmen, die heute noch so lebten wie vor zweihunderttausend Jahren. Was, um alles in der Welt, mochte es dort oben geben, das die Deutschen als Waffe gebrauchen konnten?
Sicherlich, Indiana war Archäologe und kein Physiker, und er konnte nicht ausschließen, daß es in den menschenleeren Gegenden des Polargebietes physikalische Phänomene gab, die ein phantasiebegabter Wissenschaftler für seine Zwecke nutzen konnte. Aber welche Rolle sollte er dabei spielen?
Fast die gesamt Zeit, in der sich die Yacht des Präsidenten den Hudson hinaufarbeitete, dachte Indiana über diese und ähnliche Fragen nach, ohne jedoch auch nur den Schimmer einer Antwort zu erahnen. Aber er würde Browning danach fragen. Das nahm er sich vor. Und zwar noch heute. Und er würde keinerlei Ausflüchte mehr gelten lassen. Fast bedauerte er schon, nicht auf einer Antwort bestanden zu haben, auch auf die Gefahr hin, sie nicht zu bekommen und daraufhin von der Expedition ausgeschlossen zu werden. Aber das war Theorie. Praktisch hatte er nicht irgend jemandem, sondern dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber gestanden. Nicht nur einem der mächtigsten Männer der Welt überhaupt, sondern dem Regierungsoberhaupt seines Heimatlandes. Und vielleicht war doch so etwas wie Patriotismus in ihm, und zwar in stärkerem Maße, als er bisher selbst gewußt hatte. Vielleicht war er auch nur ein Feigling.
Schließlich legte das Boot wieder an, nicht in einem Hafen, sondern an einem schmalen, offensichtlich nagelneuen hölzernen Steg, der ein ganzes Stück weit in den Fluß hineinragte und wahrscheinlich eigens für diesen Anlaß und diesen Tag erbaut worden war. Sie verließen das Schiff und stiegen abermals in Wagen um — diesmal allerdings nicht in einen umgebauten Wäschereiwagen, sondern in drei offene Limousinen, die von Marinesoldaten chauffiert wurden. Sie rumpelten eine viertel Stunde lang über ausgefahrene Feldwege, bevor sie auf eine besser ausgebaute Straße stießen, durchquerten eine kleine Ortschaft und näherten sich schließlich einer Ansammlung riesiger Wellblechhallen und kleinerer, aber immer noch gewaltiger Gebäude, die sich rings um ein geradezu gigantisches Betonfeld gruppierten.