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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Der Kapitän kniff die Augen zusammen, als hätte er auf eine Zitrone gebissen, und fuhr sich mit dem Zeigefinger ins rechte Ohr.

»Wollt Ihr mich um mein gesundes Trommelfell bringen, amigo?« fragte er aufgebracht. Ehe er jedoch ausgeredet hatte, fuhr er sich abermals erschrocken an die Gehörmuschel. Michel hatte mit einer neuen »Melodie« eingesetzt.

Jetzt wurden auch die anderen Gäste aufmerksam. Das teuflische Pfeifen ging hernach in ein jubilierendes Zwitschern über, das den ganzen Raum erfüllte. Alle lauschten. Derartiges hatte man noch nie vernommen in Santander.

Michel hielt nicht ein. Offensichtlich begann ihm seine Vorstellung Spaß zu machen.

Der Kapitän hatte sein Logbuch längst eingesteckt.

Als das Pfeifen abbrach, klatschten die Umsitzenden Beifall.

»Ihr seid ja ein wahrer Künstler auf Euerm Gebiet!«

»Wie erfreulich, daß Ihr das merkt. So kann ich mich jetzt vielleicht ein wenig mit Euch unterhalten?«

Die übrigen Besucher wandten sich wieder ihren Humpen und Kelchen zu, als sie merkten, daß die Vorstellung beendet war.

»Si, Senor«, meinte der Kapitän, »redet. Ich unterhalte mich gern mit Leuten, von denen ich annehme, daß sie mich nicht langweilen. Vielleicht könnt Ihr genauso gut schwatzen wie pfeifen.«

»Muchas gracias für Eure hohe Meinung, Capitan, ich habe nicht gar so viel zu erzählen. Ich wollte Euch vielmehr eine Frage stellen.« »Fragt immerhin. Antworten gebe ich sowieso nur, wenn es mir paßt.«

»Muy bien, Capitan, hier meine Frage: ist auf Euerm Schiff noch Platz für einen Fahrgast?«

Der Kapitän war sichtlich überrascht.

»Wie kommt Ihr darauf, Senor? Ihr müßt wissen, daß ich keine Reisegaleone habe. Ich fahre mit Fracht. Außerdem geht meine Route nicht nach Süden. Ich fahre nach Westindien und nach Amerika.«

»Eben«, sagte Michel, »dorthin möchte ich auch. Könnt Ihr nicht eine Ausnahme machen? Ich bezahle meine Überfahrt, und meinetwegen verpflichte ich mich auch, Eure Mannschaft mit meinem Pfeifen zu unterhalten. Ihr seht, ich will nichts umsonst.«

Der Kapitän dachte nach. Der junge Mann gefiel ihm. Vielleicht hatte er wirklich etwas Geld. Geld aber war die Quelle zum Glück. Gleichgültig, woher es kam. »Was wollt Ihr zahlen, Senor?« »Was kostet die Reise?«

»Nun, sagen wir---zweihundert Pesetas.«

»Das läßt sich hören, Capitan. Nur kann ich Euch leider nicht in landesüblicher Währung bezahlen. Ich biete Euch für mich und mein Pferd dreihundert Taler. Das sind ungefähr fünfhundert Pesetas.«

»Taler?« fragte der Kapitän erstaunt, »wo habt Ihr die her? Ich habe schon davon gehört; aber gesehen habe ich noch keinen. Sind Eure Münzen aus Gold oder aus Silber?« »Seht her«, lächelte Michel und griff in seine Gürteltasche, »sie sind so echt und so schön blank wiedie schönsten Duros. Außerdem wiegen sie fast das Doppelte. Wollt Ihr mich mitnehmen?« Nachdenklich betrachtete der Kapitän das Geldstück. Wahrhaftig, der Fremde hatte nicht übertrieben. Eine Goldpeseta sah klein und häßlich aus gegen diesen Taler, auf dem in irgend einer anderen Sprache etwas stand, was er nicht lesen konnte.

»Es sind preußische Taler. Der kriegerische Friedrich hat sie geprägt. Wie ist das nun, Capitan?« »Bueno«, nickte der, »gebt mir dreihundert von der Sorte, und ich nehme Euch mit.« »Mich und mein Pferd, sagte ich.« Der Kapitän schüttelte mißbilligend den Kopf.

»Das ist unmöglich. Eine Mähre kann ich nicht auf meiner Galeone brauchen. Außerdem würde sie vermutlich krepieren, wenn schwere See geht. Dreihundert für Euch. Dann könnt Ihr übermorgen an Bord kommen.

Michel sah den gierigen Blick des Kapitäns und wußte, daß dieser auf die Dauer nicht standhalten würde. Er steckte den Taler wieder ein griff nach seinem Weinhumpen. »Dann segelt allein, Capitan; ich brauche mein Pferd in Amerika. Ich will zu Washington. Soviel Geld, um mir drüben ein neues zu kaufen, habe ich nicht. Dreihundert Taler sind meine ganze Barschaft.«

Das entsprach nicht ganz der Wahrheit; aber Michel dachte, daß Vorsicht bei diesem geldgierigen Kapitän jedenfalls angebracht sei.

»Bueno, Senor, dannn gebt die Goldstücke her und kommt übermorgen zum Hafen. Mein Schiff ist die »Trueno«.«

»Also der »Donner«?« lachte Michel, »ein seltsamer Name für ein frommes Kaufmannnsschiff. No, Capitan, ich muß Euch enttäuschen. Ich werde Euch die Taler geben, wenn ich mitsamt meinem Gaul außerhalb des Hafens bin. Sonst donnert die »Trueno« davon, und ich bin meine Taler los und mache eine lange Nase.

»Demonio«, fluchte der Kapitän. »Traut Ihr mir nicht? Das ist eine Beleidigung, Senor!« »Valgame Dios, Capitan. Manchmal muß man eben etwas mißtrauisch sein, und sicherlich werdet Ihr Euch, wenn Ihr ein wenig nachdenkt, meiner Meinung anschließen, zumal Euer Schiff nicht übermorgen, sondern bereits morgen abend vor Einbruch der Dunkelheit in See sticht. Versteht Ihr mich nun?«

Der Kapitän schien sich plötzlich auf die Taler zu besinnen. Er kratzte sich am Kopf und lachte schallend auf.

»Ihr seid ein kluger Bursche, amigo. Ich habe schlaue companeros gern. Also gut, kommt dann morgen an Bord und bringt Eure verdammte Mähre mit. Vergeßt vor allen Dingen nicht die Taler. Buenas noches, Senor. Und seid pünktlich.«

Die Besatzung der »Trueno« bestand durchweg aus Leuten, deren Galgenvogelgesichter mit den Visagen der Bewohner einer jeden Verbrecherkolonie erfolgreich wetteifern konnten. Die Burschen wurden anzüglich und machten freche Witze, als Michel Baum am frühen Nachmittag sein Pferd über die Landungsbrücke auf das Schiff trieb.Kapitän, Steuermann und zwei Offiziere standen auf dem Kastell und sahen belustigt dem seltenen Schauspiel zu. Michel mühte sich recht und schlecht, sein Pferd an Bord zu bekommen. Das Tier scheute jedoch bei jedem Ansatz. »Hola, Senor«, rief der Kapitän, »habe ich Euch nicht gleich gesagt, Ihr solltet das störrische Vieh lieber zu Hause lassen? Wenn Ihr nicht bald mit ihm fertig werdet, so steht es noch nicht an Deck, wenn wir auslaufen.«

Aber Michel kümmerte sich nicht um das Gelächter der Leute, das diesen Worten folgte. Es mochte wohl eine Viertelstunde vergangen sein, als der Hengst endlich einigermaßen sicher über die Planken ging bis dorthin, wo man durch ein paar Latten einen Verschlag für ihn abgeteilt hatte.

Der Zweite Offizier kam johlend die Treppe der Kommandobrücke heruntergelaufen und grinste Michel mit einem unverschämten Gesichtsausdruck an.

»Kannst du denn das Vieh wenigstens bändigen, wenn du darauf sitzt?« fragte er spottend. »Soll ich es dir vormachen, pequeno?«

Pequeno bedeutet »Kleiner«. Und Alfonso Jardin war zu allem Unglück wirklich etwas klein geraten, zum heimlichen Spott seiner Untergebenen und zum offenen Hohn Gleichgestellter oder Höherer.

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