Indiana Jones und das Geheimnis der Sphinx
- Автор: McCoy Max
- Язык: немецкий
- Переводчик: Caspar Holz
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Geheimnis der Sphinx». Краткое содержание книги:
»So, und jetzt werde ich versuchen, deine Karte wiederzufinden«, sagte sie an Jasmine gewandt. »Seid ganz still, weil man sich dazu sehr stark konzentrieren muss.« »Was heißt konzentrieren?«, wollte Moshti wissen. »Nachdenken«, sagte Mystery, während sie die obersten fünf Karten vom Stoß nahm und in der Hand hielt. »Nein, ich glaube, von diesen ist es keine«, sagte sie und ließ die Karten fallen. Dann hob sie zehn weitere Karten von oben ab, aber auch von diesen fand keine ihre Zustimmung. »Seid ihr sicher, dass sie drinsteckt?«, fragte Mystery. Moshti übersetzte, und die Kinder nickten. »Na schön«, sagte Mystery und sah weitere zwanzig Karten durch. »Von diesen hier ist es ebenfalls keine. Ich kann sie einfach nicht finden«, sagte sie, ließ den Rest des Kartenspiels auf den Fußboden fallen und zeigte ihre leeren Hände.
»Sie muss aber dabei sein«, sagte Moshti, woraufhin er und die Kinder die auf dem Boden liegenden Karten durchsuchten, allerdings ohne Erfolg.
»Oh, wartet mal«, sagte Mystery und schlug sich gegen die Stirn.
»Das war mein spezielles Spiel aus fliegenden Karten. Wie dumm von mir. Jetzt weiß ich, wo die Karte steckt.«
Sie langte herüber und zog die Kreuz-Drei hinter dem Rücken von Jasmines Kleid hervor.
»Sie ist dorthin geflogen«; erklärte Mystery.
Die Kinder klatschten begeistert in die Hände.
»Das war sehr gut«, lobte Sallah von der anderen Seite des Zimmers.
»Das war einer der ersten Kartentricks, die mir mein Vater beigebracht hat«, sagte Mystery, während sie die Karten wieder einsammelte und ins Spiel zurücksteckte. »Eigentlich ist es ein ganz simpler Taschenspielertrick, aber beim Publikum ist er immer gut angekommen.«
»Ich bin sicher, dein Vater ist sehr stolz auf dich«, sagte Sallah.
»Wie sollte er, wenn er mich seit Jahren nicht gesehen hat?«, fragte sie zornig. »Meine Mutter und ich bedeuten ihm offensichtlich nicht sehr viel.«
»Manchmal«, erwiderte Sallah zögernd, »sind Eltern gezwungen, ihre Kinder eine Zeit lang alleine zu lassen, weil ihr Bauch oder ihre Träume ihnen dies gebieten. Ich war manchmal monatelang von dieser Sippe getrennt, bei der einen oder anderen Ausgrabung. Das heißt nicht, dass ich sie deswegen weniger liebe.«
»Aber Sie kommen immer zurück«, sagte Mystery.
»Wenn Eltern das nicht tun«, erwiderte Sallah, »dann liegt es oft an Umständen, auf die sie keinen Einfluss haben. Dein Vater hat dich sehr geliebt, dass er dir diese Tricks gezeigt hat, und ich bin sicher, dass er dich nicht aus freien Stücken längere Zeit alleine lassen würde.«
»Manchmal denke ich, er ist tot«, sagte Mystery. »Und manchmal wünsche ich mir, er wäre es. Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Ich meine, wenn meine Mutter oder ich wenigstens eine Postkarte oder einen Brief hätten, in dem er erklärt, dass er uns sehr liebt, aber noch nicht zurückkommen kann. Das würde mir so viel bedeuten.«
»Natürlich würde es das«, sagte Sallah. »Kein Mensch ist jung genug, um Waise zu sein. Als ich meinen Vater verlor, glaubte ich, die Welt würde untergehen, aber das tat sie nicht. Und so lebt mein Vater in den strahlenden Gesichtern dieser Kinder weiter, die du hier vor dir siehst.«
»Ich werde niemals Kinder bekommen«, sagte Mystery. »Die Welt ist zu brutal. Es wäre grausam, noch ein Leben in sie hineinzusetzen.«
»So habe ich in deinem Alter auch geredet«, meinte Sallah. »Die Vorstellung, Kinder zu bekommen, die Verantwortung für eine Familie war mir zuwider. Aber die Welt hat ihren eigenen Plan. Und das Eigenartige an Kindern, wenn sie geliebt, umsorgt und als menschliche Wesen akzeptiert werden, ist, dass sie die Welt zu einem versöhnlicheren Ort machen.«
Mystery verzog das Gesicht.
»Du wirst schon sehen«, prophezeite Sallah. »Du wirst den richtigen jungen Mann finden und -«
»Ich hatte noch nie einen Freund, wissen Sie«, meinte Mystery.
»Mein Leben war so verrückt. Durch die Welt zu ziehen, immer auf der Suche nach meinem Vater, die Hälfte der Zeit in Männerkleidung, und bereits auf dem Weg in die nächste Stadt, kaum dass man mit dem Auftritt in der einen fertig ist. Manchmal frage ich mich, wie es ist, überhaupt richtige Freunde zu haben, von einem Freund ganz zu schweigen.«
»Aber du hast Freunde«, sagte Sallah. »Indy und mich, und deine Mutter ist ganz sicher deine Freundin.«
»Ich will jemanden, der nicht alt ist.«
Sallah machte einen missbilligenden Laut ganz tief in seiner Kehle.
»Sie wissen, was ich meine«, sagte Mystery.
»Ja«, meinte Sallah, »und genau das ist der Grund, weshalb es mir
Sorgen bereitet.«
Mystery verdrehte die Augen.
»Vielleicht ist ein Wechsel in der Gangart erforderlich«, meinte Sallah. »Erlaube, dass ich deine Mutter und Indy rufe. Sie werden dich zum Marktplatz begleiten, wo dich ein neues Kleid erwartet.«
»Sie meinen, ein richtiges Kleid?«, fragte Mystery. »Mit Rock und allem Drum und Dran?«
»Ja, mit Rock und allem Drum und Dran«, bestätigte Sallah.
»Ich kann nicht glauben, dass ich deswegen so aufgeregt bin«, meinte Mystery. »Es ist so ...«
»Normal?«, fragte Sallah.
Mystery drehte sich mitten auf der Straße im Kreis, während sich das weiße Kleid, mit der Nachmittagssonne dahinter, wie ein Fallschirm um sie blähte. Ein alter Ägypter, der am Straßenrand einen Graben aushob, hielt einen Augenblick auf den Stiel seiner Schaufel gestützt inne und bedachte sie mit einem missbilligenden Stirnrunzeln, während ein junger Mann auf einem Fahrrad sich den Hals ausrenkte und ein anerkennendes Pfeifen von sich gab, bevor er mit dem Kühlergrill eines geparkten Taxis kollidierte. »Jetzt ist es amtlich«, sagte Indy, als es zu dem erwarteten Streit zwischen dem Taxichauffeur und dem Radfahrer kam. »Sie hat den Straßenverkehr zum Erliegen gebracht.« »Mir war gar nicht bewusst, wie erwachsen sie mittlerweile geworden ist«, gestand Faye. »Ich hatte mit siebzehn noch keine solchen Kurven. Woher sie die wohl hat?«
»Vielleicht von der besseren Ernährung«, meinte Indy. »Außerdem sind Sie so daran gewöhnt, sie in Männerkleidung zu sehen, dass alles andere zwangsläufig ein Schock sein muss.«
Straßenhändler riefen ihnen von den Bordsteinen zu, ängstlich bestrebt, die Aufmerksamkeit der reichen Amerikaner auf sich zu lenken. Die meisten wollten ihnen im Tausch gegen ein paar Piaster das Schicksal aus der Hand oder aus dem Teesatz lesen oder ein paar symbolträchtige Zahlen auf einen Zettel kritzeln, der daraufhin verbrannt werden und ihnen Glück bringen würde. Andere hielten nahezu wertlosen Tand, größtenteils Perlen und Modeschmuck, in ihren ausgestreckten Händen, während wieder andere ihnen mit weniger schriller Stimme Dinge anboten, die selbst in der Muski illegal waren: Diebesgut, Haschisch, ein paar Augenblicke der Leidenschaft mit einem wildfremden Menschen. Vor einem Schlangenbeschwörer blieb Mystery stehen. Der Mann hockte flötespielend mit übereinander geschlagenen Beinen vor einem Weidenkorb. Eine Königskobra reckte ihren Kopf aus dem Korb hervor, blies ihre Haube auf und schien sich im Rhythmus der seltsam dissonanten Musik zu wiegen. »Das ist ein großes Exemplar«, meinte Faye. »Sie misst vom Kopf bis zum Schwanzende bestimmt acht Fuß.« »Wie würde es Ihnen gefallen, wenn dieses Monstrum seine Giftzähne in Sie schlüge?«, fragte Mystery. »Gehen wir«, sagte Indy.
»Schlangen sind taub, wissen Sie«, sagte Faye. »Sie können die Musik nicht hören. Sie sprechen auf die Bewegungen der Flöte an, nicht auf die Musik.«
»Sie haben das doch bestimmt schon tausendmal gesehen«, sagte Indy. »Richtig, aber das ist eine der größten Schlangen, die ich je zu Gesicht bekommen habe«, erwiderte Mystery, als sie neben dem Schlangenbeschwörer in die Hocke ging und staunend in die Augen der Kobra blickte. »Das Beschwören von Schlangen ist ein überaus alter Beruf. Väter geben ihn an ihre Söhne weiter, und manchmal ist es das Einzige, womit sich eine Familie etwas zu essen verdienen kann.« Indy ging ein paar Schritte vor.