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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Mein Führer nannte seinen Namen. Wir traten ein. Das Bild, welches sich uns bot, werde ich nie vergessen.

Ein alter Mann mit weißen Haaren, in den Augen Wahnsinn, ein geladenes Gewehr schußbereit in der Hand, stand mitten in der Küche, während zwei Burschen, mit Äxten bewaffnet, die Tür nicht aus den Augen ließen.

Im dämmrigen Küchenwinkel konnte man zwei Frauen erkennen, die mit dem Gesicht zur Wand auf den Knien lagen.

Wir stellten uns vor. Der Alte lehnte sein Gewehr an die Wand und ordnete an, daß man mir ein Zimmer richte. Dann, als sich keine der Frauen rührte, sagte er schroff zu mir: »Wissen Sie, mein Herr, heute nacht sind es zwei Jahre her, daß ich einen Mann getötet habe. Im vergangenen Jahr ist er hier erschienen, um mich zu rufen. Heute erwarte ich ihn wieder.« Und er fügte hinzu – ich mußte darüber beinahe lächeln –: »Wir sind etwas beunruhigt.« Ich versicherte ihm, daß es mir gelegen komme, ihm heute nacht gegen die Angst des Aberglaubens beistehen zu können. Ich begann, allerlei Geschichten zu erzählen, und es gelang mir, den Alten etwas zu beruhigen.

Neben dem Eingang lag ein alter, fast blinder Hund. Er schlief mit der Schnauze zwischen den Vorderpfoten. Es war einer jener Hunde, die einen irgendwie an einen Menschen erinnern, den man gut kennt.

Trotz meiner Bemühungen, die Leute zu beruhigen, fühlte ich sehr wohl, daß die Angst sie umklammert hielt, und immer, wenn ich meine Erzählungen unterbrach, lauschten sie auf die Geräusche draußen.

Ich wurde es müde, weiter diesem unvernünftigen, abergläubischen Gehabe mit zuzusehen, und verlangte nach meinem Zimmer, als der Alte auf einmal seinen Stuhl zurückstieß und erneut nach seinem Gewehr griff. Verwirrt stammelte er: »Da ist er. Da ist er!«

Die beiden Frauen fielen in der Ecke wieder auf die Knie und verbargen das Gesicht in den Händen. Die Söhne langten nach den Äxten. Ich wollte sie noch einmal beschwichtigen, als der Hund plötzlich erwachte, seinen Kopf hob, den Hals streckte, mit seinen fast erloschenen Augen in die Flammen des Kaminfeuers blickte und in ein schauerliches Geheul ausbrach. Alle Augen richteten sich auf das Tier. Es verharrte unbeweglich, auf die Pfoten erhoben, wie von einer Erscheinung gebannt, und begann wieder gegen etwas Unsichtbar-Unbekannt-Schreck­liches anzuheulen. Das Fell des Tieres sträubte sich. Der Waldhüter war bleiweiß im Gesicht geworden und schrie: »Er riecht ihn! Er riecht ihn! Er war doch dabei, als ich den Kerl tötete.«

Eine Stunde lang heulte der Hund, ohne sich zu rühren. Er heulte und winselte wie in einem Angsttraum. Und die Angst, die schreckliche Angst, ergriff auch mich. Die Angst wovor? Wußte ich es? Nein. Es war die nackte Angst.

Wir hockten da, unbeweglich und aschfarben. Wir warteten auf das Schreckliche, das sich ereignen würde. Wir lauschten gespannt, mit klopfendem Herzen, vom kleinsten Geräusch zu Tode erschreckt. Der Hund begann im Zimmer umherzulaufen, er schnüffelte an den Wänden und zitterte. Dieser Hund machte uns nahezu verrückt. Da warf sich der Bauer, der mich hierher gebracht hatte, auf ihn, öffnete die Tür, die auf den kleinen Hof hinausführte und stieß den Hund dort hinaus.

Sofort verstummte das Tier, und wir tauchten in eine Stille ein, die noch schrecklicher war. Doch plötzlich fuhren wir alle zusammen hoch: Etwas strich an der Hausmauer entlang, die dem Wald zu gelegen war; dann ging es weiter gegen die Tür und schien sie mit zitternder Hand abzutasten. Zwei Minuten hörte man darauf nichts mehr. Wir verloren beinahe die Besinnung. Dann kam es zurück. Es streifte die Mauer und kratzte leise, wie es Kinder mit ihren Nägeln zu tun pflegen. Und da – plötzlich tauchte vor dem kleinen Fenster neben der Tür ein Kopf auf, ein weißer Schädel mit leuchtenden Augen. Ein Ton quälte sich aus seinem Mund, ein undeutlicher Wehlaut. Dann zerriß ein ungeheurer Lärm die Stille in der Küche. Der alte Waldhüter hatte sein Gewehr abgefeuert, und sogleich stürzten auch seine Söhne herbei. Sie verrammelten das Fenster mit dem großen Eßtisch und stellten auch noch den Geschirrschrank hinter den Tisch. Und ich kann Ihnen schwören, seitdem der Schuß gefallen war, hörte ich nichts mehr. Die Angst hatte mein Herz gepackt, meine Seele, meinen Leib. Ich fühlte meine Sinne schwinden und glaubte, vor Angst zu sterben. Wir verharrten so bis zur Morgendämmerung, unfähig, uns zu rühren oder ein Wort zu sprechen, gebannt von einer unsagbaren Verwirrung. Wir wagten nicht, die Barrikade fortzuräumen, bis durch einen Spalt das Tageslicht hereindrang.

Am Fuß der Mauer, gegen die Tür gewandt, lag der alte Hund, die Schnauze von einer Kugel zerrissen.

Er war durch ein Loch in der Umzäunung aus dem Hof entwichen. Ich würde lieber allen Gefahren meines Lebens wieder gegenüberstehen, als noch einmal jene Minute erleben, als der Alte auf den bärtigen Kopf im kleinen Fenster schoß.

Folter durch Hoffnung von Villiers de I’lsle-Adam

Auguste Graf von Villiers de l’Isle-Adam (1838-1889) stammte aus einer alten französischen Adelsfamilie, deren Glanz mit der Revolution verblichen war. Als Villiers 1857 in die Hauptstadt Paris übersiedelte, war er unter den jungen Dichtern seiner Zeit der einzige, mit dem der zurückhaltende Baudelaire engeren Umgang pflegte. Und Baudelaires Einfluß wurde für Villiers bestimmend; durch ihn lernte er auch Edgar Allen Poe kennen. Auf der Pariser Literaturszene zeichnete er sich alsbald durch Extravaganz und Genialität aus, und im Jahre 1884 begann endlich der Ruhm, von dem er so lange geträumt hatte. Villiers bekanntestes Werk sind die »Contes cruels«, in denen sich deutlich der Einfluß Poes und der deutschen Romantik zeigt. Es sind Erzählungen, in denen Grauen und Ironie, Traum und Todesahnungen einer seltsam morbiden Atmosphäre ineinanderfließen.

Unter den Gewölben des Justizgebäudes von Saragossa stieg bei Anbruch eines Abends der ehrwürdige Pedro Arbuez d’Espila, sechster Prior der Dominikaner von Segovia, dritter Großinquisitor von Spanien, gefolgt von einem fra Redemptor – einem Foltermeister – und vor ihm zwei Späher des Heiligen Offiziums, die Laternen trugen, zu einer verlorenen Kerkerzelle hinunter. Das Schloß einer starken Türe knarrte; man trat in ein verpestetes in pace. Ein dürftiges Licht von oben ließ zwischen den an die Mauern gehämmerten Ringen eine blutgeschwärzte Lagerstatt erkennen, ein Kohlenbecken und einen Krug. Auf verdreckter Streu saß, in schweren Fesseln, den Eisenring um den Hals, verstört ein Mann von unbestimmbarem Alter, in Lumpen gehüllt.

Dieser Gefangene war kein anderer als der Rabbi Aser Abarbanel, ein aragonischer Jude, des Wuchers und der unerbittlichen Ausbeutung der Armen angeklagt. Seit mehr als einem Jahr war er täglich der Folter unterworfen worden. Und doch, da »seine Verblendung ebenso hart war wie seine Haut«, hatte er sich geweigert, seinem Glauben abzuschwören.

Stolz auf eine vieltausendjährige Abstammung, auf seine Ahnen – denn alle dieses Namens würdigen Juden sind stolz auf ihr Blut – war er dem Talmud nach ein Abkömmling Othoniels und infolgedessen Ipsiboes, der Gattin dieses letzten Richters in Israel; ein Umstand, der auch seinen Mut während der unablässigen Foltern sonderlich aufrechterhalten hatte.

So näherte sich denn auch, Tränen in den Augen im Gedanken daran, daß diese starke Seele sich dem Heil verschloß, der ehrwürdige Pedro Arbuez d’Espila dem zitternden Rabbi und sprach die folgenden Worte:

»Freue dich, mein Sohn, denn siehe, deine Prüfungen hienieden werden ein Ende finden. Wenn ich auch vor solcher Verstocktheit tiefbekümmert erlauben mußte, daß so manche Härte angewendet wurde, so hat doch meine Aufgabe brüderlicher Strafe ihre Grenzen. Du bist der widerspenstige Feigenbaum, der, so oft ohne Frucht, zu verdorren droht … doch bei Gott steht es, das Urteil über deine Seele zu fällen. Vielleicht wird die unendliche Milde auch dir im letzten Augenblick leuchten. Das müssen wir hoffen. Es gibt dessen Beispiele … so geschehe es! Ruhe denn heute abend in Frieden. Morgen wirst du dem Autodafe unterworfen, das heißt, daß du dem quemadero ausgesetzt wirst, dem Scheiterhäufen, der ein Vorspiel des ewigen Feuers ist; es brennt, du weißt es, nur in der Ferne, mein Sohn, und der Tod braucht mindestens zwei, häufig drei Stunden, um sich zu nahen, weil wir doch darauf bedacht sind, mit feuchten, eiskalten Tüchern Kopf und Herz der Opfer zu schützen. Ihr werdet nur dreiundvierzig sein. Bedenke, daß du, als Letzter, die nötige Zeit haben wirst, um Gott anzurufen und ihm diese Feuertaufe darzubringen, die der Heilige Geist ist. Hoffe darum auf die Erleuchtung und schlafe!«

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