18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
Was weiter geschah, das weiß ich nicht. Pidorka legte das Gelübde ab, eine Pilgerfahrt zu machen; sie suchte ihr Hab und Gut zusammen, das ihr vom Vater übrig geblieben war, und war in der Tat einige Tage später aus dem Dorfe verschwunden. Wohin sie sich begeben hatte, das wußte niemand zu sagen. Geschwätzige alte Weiber wollten wissen, sie sei dort, wo auch Petrusj sei; aber ein Kosak, der aus Kiew kam, erzählte, er habe im Kloster eine zum Skelett abgemagerte Nonne gesehen, die immerwährend betete und in der ihre Landsleute allen Anzeichen nach Pidorka wiedererkannt hätten. Bis jetzt, hieß es, habe noch niemand von ihr ein einzig Wörtlein gehört, sie solle allein zu Fuß gekommen sein und habe eine Fassung für das Heiligenbild der Mutter Gottes mitgebracht, eine Fassung, die mit solchen bunten Steinen besetzt gewesen sei, daß allen die Augen flimmerten, wenn sie sie ansähen.
Mit Verlaub, aber damit war noch nicht alles zu Ende. An demselben Tage, als der Böse Petrusj zu sich genommen hatte, tauchte auch Bassawrjuk wieder auf; aber alle mieden ihn von nun ab. Man wußte jetzt, was das für ein Vogel war: Niemand anders als der Satan war’s, der Menschengestalt angenommen hatte, um Schätze zu heben; und da unreine Hände nicht Schätze heben können, so lockte er brave Burschen an sich. Noch in demselben Jahre ließen alle ihre Lehmhütten stehen und liegen und zogen ins Kirchdorf; aber auch dort hatte man keine Ruhe vor dem verfluchten Bassawrjuk. Die Tante meines verstorbenen Großvaters erzählte, er habe eine besondere Wut auf sie gehabt, weil sie ihre alte Schenke auf der Landstraße nach Ofoschnjany aufgegeben hatte, und er habe mit allen Mitteln versucht, seinen Zorn an ihr auszulassen. Einst waren die Dorfältesten in der Schenke beieinander; sie saßen und unterhielten sich, wie man so sagt, nach Amt und Würden am Tisch, auf dessen Mitte ein gewiß nicht allzu kleiner gebratener Hammel stand. Man schwatzte über dies und jenes, auch über mannigfache Wunder und Ungeheuerlichkeiten. Auf einmal schien’s, und nicht nur einem – was ja nichts bedeuten würde –, sondern allen, als ob der Hammel den Kopf erhob, die gebrochenen Augen wie lebendig leuchteten, und als ob plötzlich ein borstiger schwarzer Schnurrbart sich auf die Anwesenden zubewegte. Alle erkannten in dem Hammelkopf sofort die Fratze Bassawrjuks, und die Tante meines Großvaters dachte schon, er würde gleich Schnaps bestellen! … Die guten Leutchen griffen nach ihren Mützen und zogen ihres Weges. Ein anderes Mal sah der Kirchenvorstand in eigener Person, der es liebte, ab und zu ein Stündchen bei Großvaters Schnapsglas zu verbringen, noch ehe er zum zweiten Male das Glas geleert hatte, auf einmal, wie das Glas anfing, sich ehrerbietigst vor ihm bis zur Erde zu verneigen. »Hol’ dich der Teufel!« rief er und begann sich zu bekreuzigen … Aber da widerfuhr seiner Ehehälfte gleichfalls ein Wunder: Sie hatte gerade begonnen, Teig in einem mächtigen Trog zu kneten, da sprang der Trog auf einmal in die Höhe. »Halt! Halt! Wohin willst du?« rief sie. Aber da begann er, die Henkel in die Hüften gestemmt, ehrwürdig in der Stube umherzutänzeln … Ja, lacht nur! Aber unserem Großvater war’s nicht zum Lachen zumute. Vergeblich ging Vater Afanassi im ganzen Dorfe mit Weihwasser umher und suchte den Teufel durch Besprengen aller Straßen zu vertreiben. Es half nichts. Noch lange klagte die Tante meines verstorbenen Großvaters darüber, daß, sobald es Abend wurde, jemand aufs Dach klopfte und an den Wänden kratzte.
Aber das ist noch nicht alles! Jetzt scheint ja auf der Stelle, wo unser Dorf steht, alles ruhig zu sein; aber es ist noch gar nicht so lange her – mein verstorbener Vater und ich haben es noch erlebt –, daß kein ehrenwerter Mensch an der verfallenen Schenke, die noch lange Zeit danach immer wieder von den unreinen Geistern ausgebessert wurde, ohne Furcht vorbeigehen konnte. Aus dem rußigen Schlot schlugen Säulen Qualms empor, die so hoch in die Luft stiegen, daß einem beim Hinaufsehen die Mütze herunterfiel, und aus dem Qualm fielen Kohlen über die ganze Steppe. Und der Teufel – gar nicht nennen dürft’ man den Hundesohn – schluchzte so jämmerlich in seiner Kammer, daß die Aasgeier erschreckt in ganzen Scharen emporstießen und mit wildem Geschrei am Himmel umherschossen.
Die Angst von Guy de Maupassant
Guy de Maupassant (1850-1893), einer der großen französischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts und ein Meister der kurzen novellistischen Prosa, schildert in seinen Romanen, Novellen und Kurzerzählungen mit unbestechlichem psychologischen Realismus die gesellschaftliche Wirklichkeit seiner Zeit. Daneben hat auch das Unheimliche Eingang in sein umfangreiches Erzählwerk gefunden, ungreifbare Schemen aus einer phantastischen Wirklichkeit, die mit Maupassants fortschreitender Paralyse immer stärker hervortraten.
Was ich berichten will, trug sich im letzten Winter in einem Wald im Nordosten Frankreichs zu. Die Nacht war zeitig herangebrochen, der Himmel war düster, und ich befand mich auf der Jagd. Als Führer hatte ich einen Bauern bei mir, der auf dem schmalen Pfad nicht von meiner Seite wich. Zwischen den Baumwipfeln sah ich Wolken dahinjagen. Sie schienen auf der Flucht vor etwas Entsetzlichem. Manchmal schien sich der ganze Wald unter heftigen Windstößen zu neigen.
Die Kälte hatte mich gepackt, obwohl ich warm gekleidet war und tüchtig ausschritt. Wir wollten die Nacht bei einem Wildhüter verbringen, dessen Haus nicht mehr weit entfernt sein konnte. Manchmal hob mein Führer den Blick und murmelte: »Schlimmes Wetter!«
Dann erzählte er von den Leuten, bei denen wir einkehren wollten. Der Vater hatte vor zwei Jahren einen Wilderer in diesem Revier erschossen, und seitdem war sein Sinn düster. Die Erinnerung an diesen Vorfall schien ihn nicht loszulassen. Seine beiden verheirateten Söhne lebten mit ihm zusammen in dem Haus, zu dem wir unterwegs waren.
Es herrschte tiefe Finsternis. Ich sah nichts mehr vor mir und nichts neben mir. Die vom Wind gezausten Aste erfüllten die Nacht mit einem ständig anhaltenden Brausen. Endlich bemerkten wir ein Licht, und bald darauf klopfte mein Begleiter an eine Tür. Schrille Frauenschreie antworteten uns. Dann hörten wir eine erstickte Männerstimme, die fragte: »Wer da?«