Das schwarze Buch der Geheimnisse
- Автор: Хиггинс Фиона Э.
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Das schwarze Buch der Geheimnisse». Краткое содержание книги:
Die englische Originalausgabe erschien bei Macmillan Children’s Books, London, unter dem Titel »The Black Book of Secrets«
»Ich will sagen, dass Ihr Euch wahrscheinlich gerade in die Stadt aufmachen wollt, um das Buch zu verkaufen, dasselbe Buch, das Ihr der alten Frau heute Nachmittag gestohlen habt. Ihr wollt es für gutes Geld verkaufen und alles für Euch allein behalten.«
»Ich weiß von keinem Buch, Mr Ratchet.«
»Nun«, sagte Jeremiah, »dann haben wir ein Problem. Falls Ihr nämlich das Buch nicht findet – ich weiß genau, dass es da ist –, sehe ich mich gezwungen, dem Friedensrichter etwas zu melden. Und zwar, dass ich beobachtet habe, wie die Frau von Eurer Hand zu Tode kam. Ihr wisst, darauf steht Tod durch den Strang. Wegen Mord.«
»Mord?«
»Ich habe alles gesehen«, erklärte Jeremiah. »Ich habe gesehen, wie Ihr die alte Frau überfallen und zu Boden gestoßen habt, nur um ihren sterbenden Händen dieses Buch zu entreißen.«
»So war es nicht!«, protestierte ich, aber Jeremiah lachte nur.
»Überlegt Euch gut, was ich gesagt habe, Mrs Leafbinder. Ich bin überzeugt, Ihr werdet Euch schnell meiner Auffassung der Dinge anschließen.«
Ich schäme mich, gestehen zu müssen, dass ich den doppelzüngigen Schuft einen Augenblick lang verwünschte, aber ich kann auch sehr wohl einschätzen, wenn ich mich geschlagen geben muss.
»Was wollt Ihr also, Mr Ratchet?«, fragte ich schließlich.
»Ganz einfach, meine Liebe. Ich wünsche jederzeit freien Zugriff auf Eure Bücher und außerdem eine geringe Bezahlung, sagen wir fünf Shilling wöchentlich.«
»Und das Buch?«
Er tat, als würde er sich die Sache durch den Kopf gehen lassen. »Tja, ich könnte es natürlich in die Stadt bringen, aber ich denke, damit warte ich noch. Vielleicht bekomme ich nach ein paar Jahren den vollen Preis dafür. Wenn Ihr inzwischen so gut sein wollt, mir das Buch zu geben, werde ich es sicher aufbewahren.«
Was für ein herzloser Sadist dieser Mann war! Mir blieb nichts übrig, als auf seine Bedingungen einzugehen. Er würde, ohne zu zögern, direkt zum Friedensrichter laufen, und der würde für Geld zweifellos alles glauben, was Ratchet ihm eingab. Und ich käme wegen Mordes an den Galgen.
»Ich komme also am Freitag wieder wegen meiner Bezahlung«, sagte er und ging mit dem wertvollen Buch unter dem Arm davon.
Unnötig zu sagen, dass er sein Wort gehalten hat. Jeden Freitag holt er sein Geld ab und nimmt mit, was ihm sonst noch gefällt. Was »Die Einsamkeit des Bergschäfers« angeht, nun, ich liege jede Nacht im Bett und verfluche tausendmal meine Gier und meine Dummheit. Unterdessen ruiniert Jeremiah mein Geschäft.
Ich kann nicht ändern, was ich getan habe, Mr Zabbidou, und ich bedauere es. Ich möchte nur wieder schlafen können, vergessen können.
Ludlow legte die Feder weg, schob einen Bogen Löschpapier zwischen die Seiten und klappte das Buch zu.
Joe nahm Perigoes kalte Hand.
»Ihr werdet wieder schlafen«, sagte er. »Nun ist Euer Geheimnis gut aufgehoben.«
»Und was ist mit Ratchet?«, fragte Perigoe, und ein Zittern lag in ihrer Stimme. »Er hat das Buch immer noch.«
»Habt Geduld, Perigoe. Er wird zahlen für das, was er getan hat. Das ist alles, was ich sagen kann.« Er drückte ihr einen Beutel Münzen in die Hand. »Nehmt das hier. Und nun geht nach Hause und schlaft Euch aus.«
Joe blickte Perigoe nach, als sie die Dorfstraße hinunterging. Er sah sie in ihrem Laden verschwinden und wartete, bis die Lichter gelöscht wurden. Dann ging er zu Bett, lächelnd. Mit dem Schlafen hatte Joe Zabbidou keine Probleme.
Kapitel 30
Fragment aus den
Erinnerungen des Ludlow Fitch
Perigoes Geheimnis war das letzte, das ich im Schwarzen Buch eintrug. Am Morgen nach ihrem Besuch schickte mich Joe nach Brot. Ich grüßte die Bäckersleute wie immer, aber ihre Reaktion war frostig. Elias bediente mich schweigend und seine Blicke durchbohrten mich wie Dolche. Der älteste der Söhne, der hinter dem Ladentisch stand, wollte mir nicht einmal ins Gesicht sehen. Ich verabschiedete mich und zermarterte mir das Hirn, womit ich sie beleidigt haben könnte. Als ich aus der Tür kam, sah ich die beiden anderen Sourdough-Jungen auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen. Gewöhnlich begleiteten sie mich gern ein Stück, aber an diesem Tag rannten sie die Straße hinunter und beobachteten mich nur aus der Ferne. Einer warf einen Schneeball. Er traf mich am Kopf, und ich spürte einen brennenden Schmerz. Instinktiv fuhr ich mit der Hand nach der schmerzenden Stelle, und als ich meine Finger ansah, stellte ich fest, dass sie blutig waren: Vor meinen Füßen lag ein kleiner Stein.
Dann ging plötzlich über mir das Fenster auf, ein Kübel wurde ausgekippt, und ein Schwall eiskaltes Schmutzwasser durchnässte mich von Kopf bis Fuß. »Das ist das Richtige für dich!«, rief eine höhnische Stimme. »Scher dich rauf zu deinem Teufelsfreund. Wir wollen euch hier nicht!« Es war Ruby, die Bäckersfrau.
Ich rannte los, rannte die ganze Straße hinauf bis zu unserem Laden und stürmte zur Tür hinein. Ich schlug sie hinter mir zu und schob hastig den Riegel vor.
»Was ist denn los?«, fragte Joe, als er das Blut in meinem Gesicht sah.
»Ich weiß nicht«, sagte ich, »aber Elias hat kein Wort mit mir gesprochen, und Ruby hat einen Eimer Wasser über meinem Kopf ausgegossen.«
Joe machte ein verblüfftes Gesicht. »Warum?«
»Ich weiß es nicht«, sagte ich keuchend. »Ich habe nur einen Laib Brot verlangt.«
Ich schälte mich aus meinem Umhang und hängte ihn vor dem Feuer auf. Joe saß vornübergebeugt auf seinem Sessel, die Hände unter dem Kinn verschränkt. Als ich mein nasses Haar schüttelte, verdampften Wassertropfen auf den glühenden Scheiten.
»Habt Ihr geahnt, dass so was passieren wird?«, fragte ich. »Hat es mit Jeremiah zu tun?«
»Ob es mit Jeremiah zu tun hat, weiß ich nicht«, sagte Joe langsam. »Aber ich muss sagen, dass ich etwas in dieser Richtung erwartet habe.«
»Warum?«
»Weil es zwischen Dank und Unzufriedenheit keine scharfe Grenze gibt. Jeder nimmt gern mein Geld an, die Leute sind freundlich und bedanken sich, sie gehen nach Hause und vergessen, wie schlecht sie dran waren, bevor ich hierherkam. Aber es dauert nicht lange, da kommen sie wieder zu mir und verlangen mehr.«
Ich wunderte mich über den bitteren Unterton in seiner Stimme. Das war nicht der Joe, den ich kannte, der Joe, bei dem es keine Unzufriedenheit und keine Enttäuschung gab und der mit allem fertig wurde. Es irritierte mich, ihn von dieser Seite kennenzulernen.
»Ihr hört Euch an, als hättet Ihr so was schon erlebt«, sagte ich.
»Das habe ich auch. Aber für gewöhnlich weiß ich, warum es geschieht.«
»Egal, warum, ich finde es jedenfalls ungerecht«, sagte ich, doch in diesem Augenblick ließ Saluki ein durchdringendes Gequake hören, und die friedliche Ruhe des Morgens wurde plötzlich von einem heftigen Streit auf der Straße unterbrochen.
Joe sprang auf und lief zur Tür, ich hinterher, und zusammen rannten wir die Straße hinunter. Der Anblick, der sich uns bot, war ziemlich lächerlich, fast theaterreif, hätte nicht bitterer Ernst dahintergestanden. Mitten auf der Straße standen Jeremiah Ratchet und Horatio Cleaver und stritten, besser gesagt, sie kämpften miteinander. Und der Grund ihrer Meinungsverschiedenheit? Ein Truthahn.
Joes Augen funkelten. »Es hat angefangen«, sagte er.
Als wir den Schauplatz der Rauferei erreichten, wurde deutlich, worum es ging.
»Du nimmst mir kein Stück Fleisch mehr, du diebisches Großmaul!«, schrie Horatio, und die Zuschauer jubelten. Das ganze Dorf schien sich versammelt zu haben: die Sourdoughs, Perigoe, Obadiah, Benjamin Tup, Job Wright, Lily Weaver, Dr. Mouldered, Polly. Ich entdeckte sogar Gesichter, die mir unbekannt waren.
Ratchet sagte nichts, er stemmte nur die Füße fester in den Boden und zerrte mit aller Kraft an dem Truthahn. Er hatte die Beine, Horatio den Kopf, und so wurde der arme tote Vogel fast auseinandergerissen. Jeremiah war rot vor Anstrengung, und Horatios Wangen sahen ähnlich aus.