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Das schwarze Buch der Geheimnisse

Электронная книга - «Das schwarze Buch der Geheimnisse». Краткое содержание книги:

Unwiderstehlich gruselig: das Buch von Licht und Schatten Auf der Flucht vor seiner Vergangenheit rast Ludlow durch die Nacht, als blinder Passagier an eine Kutsche geklammert. Schließlich wird der Junge Lehrling beim Pfandleiher Joe Zabbidou, der einen besonderen Handel treibt: Er kauft Geheimnisse und trägt sie in sein schwarzes Buch ein. Aber die Dorfbewohner wollen nicht nur ihr Gewissen erleichtern, sondern sehen in Joe den Retter, der sie von dem grausamen Grundbesitzer Ratchet befreit. Bald reicht es ihnen nicht mehr, ihre Schuld zu verkaufen, und sie erwarten mehr von Joe. Doch auch Ludlow verbirgt ein Geheimnis. Das Netz um die beiden zieht sich immer enger zusammen Rätsel, Krimi, Spannung! Ein außergewöhnlicher Roman, super spannend und literarisch zugleich.
Die englische Originalausgabe erschien bei Macmillan Children’s Books, London, unter dem Titel »The Black Book of Secrets«
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Sie sah mich misstrauisch an und fragte: »Kauft Ihr Bücher?«

Ich nickte.

»Was, meint Ihr, ist das hier wert?«

Damit zog sie ein abgegriffenes Buch mit rötlich braunem Ledereinband unter ihrem Umhang hervor und schob es über den Tisch. Sie schien es aber auf keinen Fall aus der Hand geben zu wollen, ich musste es ihr fast mit Gewalt entziehen. Unablässig hatte sie ihre kleinen schwarzen Augen auf mich geheftet.

Ich warf einen Blick auf den Roman, ziemlich gleichgültig erst, denn ich merkte sofort, dass er nicht viel wert sein konnte. Der Ledereinband war fleckig und abgeschabt, der Titel unleserlich, und das Buch sah aus, als hätte es schon schlimme Zeiten durchgemacht.

Aber was ich dann beim Öffnen des Buches sah, darauf war ich nicht gefasst. Auf der Titelseite stand: »Die Einsamkeit des Bergschäfers« von Arthur Wolman.

Mein Herz machte einen Hüpfer. Konnte dieses Buch das fehlende dritte Exemplar sein? Während ich es prüfte, ließ mich die Frau keine Sekunde aus den Augen, sie durchbohrte mich sozusagen mit ihren Blicken. Flüchtig blätterte ich in den Seiten. Sie waren braun vor Alter, leicht angeschimmelt, zum Teil klebten sie aneinander. Ich kam zu Seite dreizehn, und da traf mich fast der Schlag: Die dreizehnte Zeile war verkehrt herum gedruckt.

gatnnoS ma nreg efahcS eniem erehcs hcI

»Hmm«, machte ich nachdenklich, als sei ich mir über etwas nicht ganz im Klaren. Und das war allerdings der Fall. Stellt Euch vor: Ich hielt ein Buch in Händen, das mir Anerkennung und Reichtum einbringen könnte, und begriff erst jetzt, dass ich gar nicht genug Geld hatte, um es zu kaufen. In meinen Wunschträumen hatte ich mir nie Gedanken darum gemacht, wie ich dieses Buch je bezahlen würde. Ich hatte mir immer nur vorgestellt, irgendwie einmal in seinen Besitz zu gelangen.

Ich sah nur zwei Möglichkeiten. Ich könnte der Frau sagen, das Buch sei wertlos, und ihr einen symbolischen Betrag anbieten. Oder ich könnte ihr die Wahrheit sagen, dann würde sie gehen und es an jemanden verkaufen, der es bezahlen konnte.

Die Frage war: Kannte sie den Wert des Buches? Ich hatte Schweißtropfen auf der Stirn, und nur mit Mühe gelang es mir, das Zittern meiner Hände unter Kontrolle zu bringen. Die Blicke der Frau stachen wie Nadeln auf meiner Haut.

»Also?«, sagte sie gereizt.

Mit meiner Antwort besiegelte ich mein elendes Schicksal.

»Es ist ein interessantes Buch«, sagte ich bedächtig. »Aber besonders wertvoll ist es nicht.« Diese Worte führten mich auf einen Pfad, von dem es keine Rückkehr gab.

Sie sah mich enttäuscht an, und für den Bruchteil einer Sekunde wagte ich zu hoffen. War es möglich, dass sie über den wahren Wert des Buches nicht Bescheid wusste?

»Aber«, sagte ich und versuchte, sie zu trösten, »ich habe zufällig einen Kunden, der sich für diesen Autor interessiert. Ich biete Euch also gern zehn Shilling dafür. Wenn man den schlechten Zustand des Buches bedenkt, werdet Ihr mir sicher recht geben, dass dies ein großzügiges Angebot ist.«

Ich lächelte wohlwollend, wie ich dachte. Die alte Frau lächelte auch, aber irgendwie gemein und verkniffen.

Dann machte sie den Mund auf und zischelte durch ihre schmalen Lippen: »Du dreckige Lügnerin! Du miese Betrügerin! Du hältst mich wohl für eine Närrin? Du denkst, weil ich an Krücken gehe, habe ich Federn im Hirn?«

Ich war ertappt. Ich stand auf und versuchte, die Frau in ihrer wachsenden Wut zu beschwichtigen.

»Möglich, dass ich mich geirrt habe. Lasst noch mal sehen.« Aber es war zu spät. Da war nichts mehr zu retten.

»Das Buch ist ein Vielfaches wert von dem, was du mir geboten hast! Du hast mich beleidigt, und du beleidigst mich ein zweites Mal! Eine Gaunerin bist du, weiter nichts. Gib’s her!«

Mit ausgestrecktem Arm griff sie nach dem Buch, und ich konnte nichts anderes mehr denken, als dass mein Traum wie eine Seifenblase zerplatzte.

»Ich gehe damit woandershin«, sagte sie und zerrte weiter an dem Buch. »Zu jemandem, der Anstand im Leib hat.«

»Es tut mir leid!«, rief ich, den Tränen nahe. »Ein Moment der Schwäche. Ich bin nur ein Mensch, ich habe mich verleiten lassen.« Immer noch hielt ich das Buch fest. Ich brachte es einfach nicht über mich, lozulassen.

»Pah«, fuhr sie mich an. »Von dir habe ich genug gehört.«

Wir zogen und zerrten das Buch über die Tischplatte hin und her. Zuerst war sie im Vorteil, dann ich, bis ich es nach einem kräftigen Ruck endlich ganz in der Hand hatte. Die alte Frau kippte nach hinten, und entsetzt sah ich, dass sie mit dem Hinterkopf gegen die Armlehne des Sessels schlug und wie ein Kleiderbündel auf den Boden sank. Ich stürzte zu ihr, ging in die Knie und beugte mich über ihren Mund, um festzustellen, ob sie noch atmete.

Sie zischelte in mein Ohr: »gatnnoS ma nreg efahcS eniem erehcs hcI.« Dann hauchte sie ihren letzten Atem auf meine Brillengläser und starb.

»Oh Gott im Himmel«, flüsterte ich. »Was soll ich jetzt tun?« Normalerweise stirbt ja kein Kunde in meinem Laden, und ich wusste nicht, wie ich mich jetzt verhalten sollte. Während ich noch hin und her überlegte, flüsterte mir die Stimme des Teufels ins Ohr – es kann wirklich nur der Teufel gewesen sein.

»Nimm das Buch«, raunte er. »Nimm das Buch! Wer erfährt es schon?«

Gern würde ich sagen, dass ich mit ihm gestritten habe, dass ich eine Diskussion anfing über das Sündhafte seines Vorschlags, aber es wäre nicht die Wahrheit. Nein, ich nahm das Buch und steckte es hinter Gibbons »Aufstieg und Fall des Römischen Reiches« auf ein hohes Regalbrett über dem Schreibtisch. Als ich mich umdrehte, sah ich mit Schrecken, dass in der offenen Tür Jeremiah Ratchet stand. Und ich hatte keine Ahnung, wie lange schon.

»Meine liebe Perigoe«, sagte er, »was treibt Ihr denn da, um Himmels willen?«

»Sie ist in meinem Laden gestorben«, jammerte ich. »Einfach zusammengebrochen.«

»Das sehe ich«, sagte er.

Dr. Mouldered kam, Ratchet hielt sich im Hintergrund und ließ sich nichts entgehen. Ich fühlte mich mehr als unwohl in seiner Anwesenheit.

»Herzversagen«, erklärte Mouldered nach kürzester Untersuchung. Ratchet ließ sein lautes verächtliches Schnauben hören, und Mouldered schloss seine Tasche und machte sich schleunigst davon. Zu meiner großen Erleichterung kamen kurz darauf die Leute vom Bestattungsunternehmen, die Leiche wurde weggeschafft, und Jeremiah ging.

Als es endlich dunkel geworden war, hatte ich einen Entschluss gefasst. Ich wollte das Buch verkaufen, nur vorsichtig musste ich sein. Man konnte nicht wissen, wem die alte Frau von dem Besitz des Buches erzählt hatte. Ich hatte gehört, in der Stadt gebe es jemanden, der mir einen guten Preis für dieses Buch zahlen würde und dem ich vertrauen könnte, dass er meine Identität nicht preisgab. Zu Ruhm und Ansehen würde ich auf diese Weise natürlich nicht kommen, aber das war nur ein kleiner Verzicht. Wenn ich sofort aufbräche, könnte ich vor der Morgendämmerung zurück sein, und niemand würde etwas bemerken. Ich verbarg also das Buch unter meinem Umhang, ging hinaus – und lief geradewegs Jeremiah Ratchet in die Arme.

»Meine liebe Perigoe«, sagte er in seiner schmierigen Art, »ich möchte ja zu gern wissen, welches Geschäft Euch um diese Nachtzeit aus Pagus Parvus treibt.«

»Das ist meine Sache«, antwortete ich heftig. »Geht aus dem Weg und lasst mich vorbei.«

Er blieb stehen, wo er war. »Ich habe mir so meine Gedanken gemacht über das, was heute Abend passiert ist. Der Tod dieser armen, unglücklichen Frau, das Buch …«

»Das Buch?«

»Es hat seinen Preis, Geheimnisse für sich zu behalten.«

Sein Ton machte mir Angst. »Was wollt Ihr damit sagen, Mr Ratchet?«

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